mini|300px|Dinar Chosraus II. mit Büste von Anahita. Chosrau II.,, auch transkribiert als Xosrau u. a.; ; ; mit dem Beinamen Parviz; Vgl. Fritz Wolff: Glossar zu Firdosis Schahname. Hrsg. von der Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft in Verbindung mit der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft, Berlin 1935; Nachdruck: Georg Olms Verlagsbuchhandlung, Hildesheim 1965 (und Teheran 1377/1998) mit (eingebundenem) Supplementband Verskonkordanz der Schahname-Ausgaben von Macan, Vullers und Mohl, ISBN 964-5960-55-X, S. VII. (von mittelpersisch Aparwēz,Ferdinand Justi: Iranisches Namenbuch. Marburg 1895, S. 19 und S. 135. „Sieger“ bzw. „Siegreicher“Vgl. auch Tabaris Schilderung, deutsche Übersetzung in Geschichte der Perser und Araber zur Zeit der Sasaniden. Aus der arabischen Chronik des Tabari. Übersetzt und mit ausführlichen Erläuterungen und Ergänzungen versehen von Theodor Nöldeke. Leiden 1879, S. 275 bzw. englisch Al-Tabari. The Sasanids, the Byzantines, the Lakhmids, and Yemen. Hrsg. von Clifford Edmund Bosworth, Albany 1999, S. 305.), war ein spätantiker persischer Großkönig aus dem Herrscherhaus der Sassaniden. Chosrau II. regierte von 590 bis 628 und war der letzte bedeutende sassanidische Herrscher. Er starb Ende Februar 628 (wahrscheinlich am 28. des Monats).Howard-Johnston, Pride and Fall, S. 97, in: Howard-Johnston (2006).

Leben mini|Chosrau II. greift Bahram Tschobin an. Osmanische Miniaturmalerei von Schahname, Täbris-Stil, 1580mini|Darstellung einer Jagdszene mit Chosrau II. (sassanidische Darstellung des 7. Jahrhunderts), Cabinet des Medailles, Paris Chosrau II. wurde wohl um 570 geboren, da er als junger Mann auf den Thron gelangte. Sein Vater war Hormizd IV., der Sohn des bedeutenden Sassanidenkönigs Chosrau I., seine Mutter entstammte der mächtigen Adelsfamilie Aspābaḏ. Chosrau selbst wurde recht jung als Gouverneur in der persischen Kaukasusregion eingesetzt, offenbar um so Regierungserfahrung zu sammeln. 590 erhob sich der erfolgreiche General Bahram Tschobin gegen den im Adel unbeliebten Hormizd, den seine Anhänger bald im Stich ließen. Chosraus Onkel Bindoe und Bistam intrigierten daraufhin gegen ihren Schwager Hormizd und stürzten diesen in einem Putsch, in dessen Verlauf Hormizd schließlich ermordet wurde. Chosrau (der eventuell in den Putsch verwickelt war, was aber unsicher ist, der aber jedenfalls den Tod seines Vaters befahl) wurde nun zum König erhoben.Zu Details von Chosraus II. Leben siehe James Howard-Johnston: Kosrow II. In: Encyclopædia Iranica. Er wurde wohl im Juni/Juli 590 in Ktesiphon gekrönt.Die ältere Forschung ging von der Krönung Chosraus am 15. Februar 590 aus, zur Korrektur dieser Annahme vgl. Tyler-Smith (2004). Offenbar hatte man am Hof gehofft, durch den Sturz Hormizds die Revolte zu beenden, doch schon nach kurzer Zeit wurde Chosrau von den Rebellen unter Bahram Tschobin vertrieben. Nach einem ersten Gefecht liefen große Teile der Truppen zu den Aufständischen über, und bald gelang es Bahram, in Ktesiphon einzumarschieren, wo er sich einige Zeit später selbst zum König krönen ließ. Chosrau II. floh derweil mit einigen Getreuen ausgerechnet in das Oströmische Reich, obwohl sich dieses seit 572 im Krieg mit Persien befand.

Kaiser Maurikios gewährte ihm schließlich seine Unterstützung bei der Wiedererlangung des Thrones. Sassanidische und römische Truppen unter dem Oberbefehl des kaiserlichen Heermeisters Narses zogen (zum ersten und einzigen Mal) gemeinsam in den Kampf und besiegten Bahram Tschobin 591 in der Schlacht von Blarathon, so dass Chosrau II. wieder auf den Thron gelangte. Als Gegenleistung verzichtete er im Friedensvertrag mit Ostrom auf umstrittene Gebiete in Mesopotamien, Armenien (bis zur damaligen Hauptstadt Dvin) und Georgien bis hin nach Tiflis. Die Gebietsabtretungen waren strategisch relevant, aber insgesamt recht moderat, wenn man etwa die Teilung Armeniens 387 bedenkt, bei der Persien 4/5 erhalten hatte (siehe Persarmenien). Dennoch betonen Forscher, dass die Gewinne für den Kaiser einen nicht unbeträchtlichen Prestigegewinn darstellten und für die Römer strategisch vorteilhaft waren.Vgl. Michael Whitby: The Emperor Maurice and his Historian. Theophylact Simocatta on Persian and Balkan Warfare. Oxford 1988, S. 303f. Die Beziehungen zwischen Maurikios und Chosrau II., der angeblich vom Kaiser adoptiert wurde,Theophylaktos Simokates 5,3,11; Theophanes AM 6081. waren in den folgenden Jahren aber zumindest oberflächlich ausgesprochen gut, worum sich Chosrau anscheinend auch recht stark bemühte. Er versuchte nun seine Stellung in Persien zu konsolidieren und seine Onkel Bindoe und Bistam zu beseitigen, die übermächtig geworden waren. Im Fall von Bindoe gelang dies auch, doch Bistam konnte sich in die Provinz Deylam absetzen, wo er sich mehrere Jahre hielt, einen Bürgerkrieg gegen seinen Neffen begann und sogar eigene Münzen prägen ließ, bevor er schließlich ermordet wurde.

mini|Chosrau II. entdeckt Schirin. Chosrau und Schirin, persische Miniaturmalerei, 1550 Chosrau II. heiratete unterdessen die Christin Schirin, deren Sohn Mardanschah er zum Nachfolger einsetzen wollte, wobei er noch andere Kinder von anderen Frauen hatte (so von der Christin Maria bzw. MaryamDass Maria eine Tochter des Kaisers Maurikios gewesen sein soll, wie in einigen orientalischen Quellen behauptet, ist als Fiktion anzusehen; in der gesamten byzantinischen Überlieferung findet sich dazu nichts. Vgl. zu ihrer Person John Martindale: The Prosopography of the Later Roman Empire. Bd. 3a. Cambridge 1992, S. 827f.). Um Chosrau und Schirin rankten sich später mehrere Legenden, die Ehe scheint glücklich verlaufen zu sein und diente (anders als die meisten sassanidischen Königsehen) nicht allein der Sicherstellung von Nachwuchs.Zum Verhältnis zu Schirin siehe Wilhelm Baum: Schirin. Christin, Königin, Liebesmythos. Klagenfurt 2003. Schirin verfügte am Hof anscheinend über beachtlichen Einfluss, zumal ihr Chosrau viel Freiraum ließ und zahlreiche Gunstbeweise schenkte. Dies allerdings stieß in zoroastrischen Hofkreisen auf Ablehnung (die sich auch an Schirins christlicher Herkunft störten) und scheint bei der späteren Ermordung Chosraus eine gewisse Rolle gespielt zu haben.Vgl. Keenan Baca-Winters: He Did Not Fear. Xusro Parviz, King of Kings of the Sasanian Empire. Piscataway, NJ 2018, S. 191 ff.

Chosraus Hof soll eine sagenhafte Pracht entfaltet haben, zumal der Großkönig, aufgrund des rigiden, aber effektiven Steuersystems, das sein Großvater eingeführt hatte, über große Einkommen verfügen konnte. Einen nicht geringen Anteil daran hatte Yazdin, der als eine Art „Finanzminister“ fungierte und die Finanzen sanierte. Chosraus Verhältnis zum Christentum war kompliziert: Seine Ehefrauen Maria und Schirin waren Christinnen, ebenso wie Yazdin Christ war, doch scheint er Miaphysiten und Nestorianer gegeneinander ausgespielt zu haben. So favorisierte Chosrau II. wohl einige Zeit die Miaphysiten, vielleicht auch unter dem Einfluss von Schirin und dem königlichen (ebenfalls christlichen) Leibarzt Gabriel von Schiggar, die beide dieser Glaubensrichtung anhingen. Durch seine christenfreundliche Politik, die jedoch wohl realpolitisch motiviert war, machte er sich allerdings bei den zoroastrischen Priestern unbeliebt, die bereits die tolerante Politik unter Hormizd kritisiert hatten.

Nach dem gewaltsamen Tod seines Gönners Maurikios Ende 602 gab sich Chosrau gegenüber dessen Nachfolger Phokas, der auch Maurikios’ Familie hatte auslöschen lassen, als Rächer. In syrischen Chroniken etwa wird berichtet, dass Chosrau um Maurikios öffentlich geweint und Trauerkleidung angezogen haben soll. Schließlich habe er sich an den Römern für den Mord rächen wollen.Andrew Palmer, Sebastian P. Brock, Robert G. Hoyland: The Seventh Century in the West Syrian Chronicles. Liverpool 1993, S. 121ff. Sicherlich verfolgte Chosrau aber eigene Pläne und nutzte die günstige Gelegenheit. Er präsentierte auch einen Mann, der sich als Theodosios ausgab, der älteste Sohn des ermordeten oströmischen Kaisers, der das Massaker angeblich überlebt habe. Dies diente Chosrau, der anscheinend nie wirklich mit den Gebietsabtretungen von 591 glücklich gewesen war, als Anlass, um ab 603 gegen Ostrom vorzugehen. Damit begann der „letzte große Krieg der Antike“.Die wichtigste aktuelle Studie dazu ist nun James Howard-Johnston: The Last Great War of Antiquity. Oxford 2021.

mini|Das Sassanidenreich und seine Orte um 620 n. Chr. Unter Phokas (602–610) konnte sich Ostrom noch einigermaßen verteidigen, wobei allerdings Armenien und Teile Mesopotamiens verloren gingen, nicht zuletzt infolge einer Revolte des kaiserlichen Feldherrn Narses. Chosrau ließ dabei das oströmische Gebiet in Nordmesopotamien systematisch Festung um Festung einnehmen, da er offenkundig plante, es dauerhaft zu annektieren. Seit der Thronbesteigung des Herakleios im Oktober 610 eilten die sassanidischen Truppen, die im Frühjahr 611 den Euphrat überschritten, dann von Sieg zu Sieg.Vgl. dazu Walter E. Kaegi: Heraclius. Cambridge 2003. Dies war auch der Tatsache geschuldet, dass es im Oströmischen Reich zunächst zu Kämpfen zwischen herakleios- und phokastreuen Truppen kam und somit nur begrenzt organisierter Widerstand möglich war; allerdings ging auch Herakleios teils in die Offensive, wie etwa im Jahre 613. Dieser Gegenangriff scheiterte allerdings, als das kaiserliche Heer in Syrien vernichtend geschlagen wurde. Nun eroberten die persischen Truppen unter dem Befehl der Generäle Schahin und Schahrbaraz bis 619 Syrien und Ägypten, die dauerhaft in das Reich eingegliedert werden sollten; selbst Kleinasien wurde geplündert und das Heilige Kreuz 614 aus Jerusalem fortgeführt und nach Ktesiphon gebracht. Es schien so, als sei das alte Achämenidenreich wieder erwacht und das Ende von Ostrom gekommen. 626 belagerten Perser und Awaren gar gemeinsam Konstantinopel, welches sich jedoch trotz der Abwesenheit des Kaisers dank der starken römischen Flotte halten konnte (siehe Belagerung von Konstantinopel (626)).

Doch war der Höhepunkt des Perserkriegs bereits überschritten, denn Herakleios, der die Verteidigung zum „Heiligen Krieg“ erklärt hatte, drang ab 622 in insgesamt drei Feldzügen tief in den persischen Herrschaftsraum ein.James Howard-Johnston: Heraclius’ Persian Campaigns and the Revival of the East Roman Empire 622–630. In: War in History 6 (1999), S. 1–44; vgl. auch Walter E. Kaegi: Heraclius. Cambridge 2003, S. 100 ff. Es gelang ihm in diesem Zusammenhang, zahlenmäßig überlegene persische Heere mehrfach auszumanövrieren und einzelne Verbände zu schlagen. Die militärische Bedeutung dieser Gefechte war zwar begrenzt, da der Kaiser niemals auf die sassanidische Hauptstreitmacht traf, doch strapazierten sie die Geduld des persischen Adels und untergruben die Autorität des Königs. Insgesamt erwies sich Herakleios aber zweifellos als ein geschickt agierender General,Vgl. James Howard-Johnston: Heraclius’ Persian Campaigns and the Revival of the East Roman Empire 622–630. In: War in History 6 (1999), S. 1–44, hier S. 42 f. während Chosrau anscheinend nicht aktiv an militärischen Planungen beteiligt war. Mit Schahrbaraz, seinem bedeutendsten General, überwarf sich der König Anfang 627, so dass sich jener mit dem Kaiser verständigte und mit seiner Armee fortan nicht mehr in die Kämpfe eingriff.

mini|Chosrau II. als Panzerreiter (Detail des großen Iwans in Taq-e-Bostan in der westiranischen Provinz Kermanschah)