Der Chevrolet Corvair ist ein amerikanischer Wagen mit Heckmotor, der zum US-amerikanischen Automobilhersteller General Motors (GM) gehörenden Automobilmarke Chevrolet. Der Pkw mit luftgekühltem Sechszylinder-Boxermotor im Heck wurde von Oktober 1959 bis 1969 gebaut.
Allgemeines Der Corvair sollte das Programm von General Motors nach unten erweitern und wie die gleichzeitig erschienenen Konkurrenzmodelle Ford Falcon und Plymouth Valiant eine Alternative zu den Ende der 1950er-Jahre zunehmend erfolgreichen Importwagen, in erster Linie zum VW Käfer, bieten. Die Entwicklungszeit betrug neun Jahre. Das Design war unkonventionell für Detroit, ohne Heckflossen oder Chromgrill.
Die dabei angebotene technische Lösung mit Heckmotor machte den Corvair für die USA einzigartig. Seit Jahrzehnten folgten alle US-amerikanischen Serienwagen der Standardbauweise (wassergekühlter, längs eingebauter Frontmotor, Hinterradantrieb). GM orientierte sich beim Corvair – als einzigem amerikanischen Serienauto – am VW Käfer. So bekam er, wie der VW, einen hinten eingebauten luftgekühlten Boxermotor, der die Hinterräder über ein mit dem Differential in einem Gehäuse vereinigten Schaltgetriebe antrieb. Das Getriebe verwendete GM auch im Pontiac Tempest mit einem Frontmotor. Als Zugeständnis an die US-amerikanischen Kunden hat der Motor sechs Zylinder und über 2 Liter Hubraum und ist stärker und leistungsfähiger als der des VW Käfer. Viele wichtige Komponenten waren aus Aluminium gefertigt. Die Aufhängung war an allen vier Rädern unabhängig und wurde von Chevrolet „Quadri-Flex“ genannt. Die Karosserie war selbsttragend und nicht auf einem extra Rahmen montiert und hatte rundherum Einscheiben-Sicherheitsglas. Die Lehne der Rückbank war bereits in der Serienausstattung umklappbar und bot Zugang zu einem Gepäckabteil dahinter. Viele technische Lösungen ließ GM sich patentieren. Das Time-Magazine setzte Ed Cole und den Corvair auf die Titelseite, und Motor Trend kürte den Corvair zum „Auto des Jahres 1960“.
Chevrolet behauptete, die Heckmotorkonstruktion biete Vorteile in Bezug auf Raumausnutzung und Wirtschaftlichkeit. Herausgestellt wurden niedrigere Silhouette, ein flacher Boden im Fahrgastraum (ohne den für Hinterradantriebe typischen Mitteltunnel), keine Notwendigkeit von Servolenkung oder Bremskraftverstärker, verbesserte Traktion und Bremsbalance. Der Corvair mit der Z-Form genannten Bodengruppe und Heckantrieb unterschied sich deutlich von anderen typischen amerikanischen Fahrzeugen dieser Zeit mit Frontmotor. Im Konzern gab es keine vergleichbaren parallel angebotenen Modelle anderer GM-Marken. Ähnliche Antriebskonzepte verfolgten andere Hersteller mit Fahrzeugen wie Tatra 77, Tucker 48, Fiat 600, Porsche 356, Renault Dauphine sowie Subaru 360 und NSU Prinz.
Der Name „Corvair“ entstand als Zusammensetzung aus „Corvette“ und „Bel Air“, ein Name, der erstmals 1954 auf ein auf der Corvette basierendes Konzept mit einem Hardtopdach im Fastbackstil angewandt wurde, das Teil der Motorama-Wanderausstellung war. Bei der Anwendung auf die späteren Serienmodelle bezog sich der „Air“-Teil auf die Luftkühlung des Motors.
Die Fertigung der Fahrzeuge erfolgte neben sechs Fabriken in den USA und Kanada auch in Südafrika, Mexiko, Venezuela, der Schweiz und Belgien sowie Dänemark.
1. Generation (1960–1964)
Angebotene Motoren der 1. Generation Chevrolet Corvair140145164BestellcodeStd649Std649 / L62690 / L87StdL62L87MotornameTurbo-AirTurbo-Air SpecialTurbo-AirSuper Turbo-AirHigh-PerformanceTurbo-AirTurbochargedSuper Turbo-AirHigh-PerformanceTurbo-AirTurbochargedBauzeitraum19601961–19631962–19631964MotorartOttomotorMotorarbeitsverfahrenViertaktMotorbauart6-Zylinder-Boxermotor, längs im Heck eingebautHubraum2295 cm3 (139,6 in3)2381 cm3 (144,8 in3)2685 cm3 (164 in3)Bohrung × Hub85,72 mm × 66,04 mm(3,37 in × 2,60 in)87,31 mm × 66,27 mm(3,43 in × 2,61 in)87,31 mm × 74,67 mm(3,43 in × 2,94 in)Bankwinkel180°VentilsteuerungOHV, zwei Ventile, Stößel, Stoßstangen und KipphebelNockenwellenantriebZahnräderKühlung Luftkühlung mit temperaturgesteuertem Gebläse Quellen:
Die angegebene Leistung der Motoren variiert von ModelljahrDie zeitliche Zuordnung von Automobilen erfolgt in den USA in erster Linie anhand von Modelljahren. Modelljahre weichen von Kalenderjahren in der Regel ab. Bei den meisten Herstellern beginnt bereits im Spätsommer eines Jahres nach den Werksferien, in denen Fertigungsstraßen den neuen Modellen angepasst werden, ein neues Modelljahr. Üblicherweise liegt dies im September oder Oktober. zu Modelljahr und wird deshalb im Artikel getrennt für jedes Modelljahr angegeben. Die unterschiedliche Leistung ergab sich unter anderem durch Änderungen der Ansaug- und Abgaswege oder durch die Änderung des Verdichtungsverhältnisses oder Einstellung der Vergaser.
Weiter ist wichtig, dass die Motorleistung nach den Standards SAE J245 und J1995 gemessen wurde. Dabei wurde der Motor auf einem Motorenprüfstand an eine Wirbelstrombremse angeschlossen (daher der Name Bremsleistung) und auf seine Leistungsfähigkeit geprüft. Generator, Luftfilter und weitere Nebenaggregate des Motors waren abgebaut, was die Leistung des Motors höher scheinen lässt, als sie tatsächlich war. Darüber hinaus wurde zugunsten von niedrigen Versicherungsprämien die Leistung manchmal auch niedriger angegeben. Daher sind frühe SAE-Leistungsangaben nicht mit DIN-Leistungsangaben nach DIN 70020 oder ISO 1585 vergleichbar und können nur als Anhaltspunkt für die ungefähre Einordnung dienen.
1960 Am 2. Oktober 1959 wurde der Corvair mit den Ausstattungslinien 500 Standard oder 700 Deluxe auf dem Markt eingeführt. Die Modelle waren eine 4-türige Limousine und ein 2-türiges Club Coupé, Letzteres wurde erst im Januar 1960 eingeführt. Die Modelle 500 und 700 haben jeweils sechs Sitzplätze auf zwei durchgehenden Sitzbänken. Die fünfsitzige Serie 900 Monza wurde ab Februar 1960 verkauft.
Angetrieben war der Wagen von einem Aluminium-Sechszylinder-Boxermotor, von GM „Turbo-Air“ genannt, mit 2295 cm3 (139,6 in3) Hubraum und einem Vergaser pro Zylinderbank, der 80 SAE-PS brutto bei 4400 min−1 (ca. 65 DIN-PS netto, ca. 48 kW) leistete. Die Bohrung und der Hub betrugen 85,72 mm (3,37 Zoll) und 66,04 mm (2,60 Zoll) und die Verdichtung 8 : 1. Der 6-Zylinder war für einen Aufpreis von 27 USD auch als Turbo-Air-Special-Motor mit anderer Nockenwelle und 95 SAE-PS brutto verfügbar.
Mechanisch hatte das Auto einige Probleme. Öllecks waren häufig. Der Motor neigte zu Fehlzündungen und Keilriemen sprangen von den Riemenscheiben. Häufig wurden von der Heizung Abgase angesaugt und in den Innenraum geblasen. Außerdem war das Auto etwas zu radikal für viele Mechaniker in der Nachbarschaft, die um Reparaturen gebeten wurden.
Als Getriebe standen eine GM PowerGlide-Automatik mit zwei Gängen oder handgeschaltete Getriebe mit drei oder vier Gängen zur Wahl.
Die Vorderräder waren an Doppelquerlenkern aufgehängt, hinten hatte der Wagen eine Pendelachse.
Der Grundpreis des 2-türigen Coupés betrug 1984 US-Dollar. Die Modelle 700 Deluxe unterschieden sich durch mehr Chromzierrat und eine umfangreichere Ausstattung vom 500 und kosteten 65 USD mehr. So gehörten u. a. eine Sonnenblende auf der Beifahrerseite und Armlehnen zur Serienausstattung des Deluxe.
Die Karosserieform der ersten Serie (1960 bis 1964) mit der von einer umlaufenden Sicke betonten Gürtellinie war Vorbild für NSU Prinz 4, Fiat 1300 und ZAZ 968.
Chevrolet Corvair140BestellcodeStd649MotornameTurbo-AirTurbo-Air SpecialBremsleistung (brutto SAE-PS)bei Drehzahl in min−180 SAE-PS bei 440095 SAE-PS bei 4800max. brutto Drehmoment bei min−1169 Nm (125 lbf·ft)bei 2400169 Nm (125 lbf·ft)bei 2800Verdichtung8,0 : 1Gemischaufbereitungzwei Fallstrom-Einfachvergaser
1961 Für das Modelljahr 1961 wurde das Programm um einen fünftürigen Kombi mit dem Namen Lakewood ergänzt. Unter dem Namen Chevrolet Greenbrier Sportswagon war ein Kleinbus (ähnlich dem VW-Bus) im Modelljahr neu sowie der Kastenwagen Corvan und der Corvair 95 als Pick-up. Das Monza-Coupé, mit vorderen Einzelsitzen, wurde als sportlicher 4-Sitzer geführt.
Der Hubraum des Boxermotors wurde auf 2,4 Liter (144,8 in3) vergrößert, wobei die Nennleistung unverändert blieb. Bohrung und Hub betrugen 87,31 mm (3,43 Zoll) und 66,27 mm (2,61 Zoll).
Äußerlich gab es die üblichen Änderungen. Die Frontfläche änderte die Form auf der Länge zwischen den Scheinwerfern von konkav zu konvex. Der Chevrolet-Schriftzug auf der Motorhaube verschwand, stattdessen stand dort Corvair. Die Scheinwerfereinfassungen änderten sich ebenfalls und die Sitze bekamen Vollschaumpolsterungen. Das Reserverad war bei den Limousinen und Kombis nicht mehr im vorderen Kofferraum, sondern über dem Motor im Heck. Der Fahrgastraum wurde besser gegen Motorgeräusche gedämmt und gegen die Motorwärme isoliert. Das Tankvolumen erhöhte sich von knapp 42 auf etwa 53 Liter (von 11 auf 14 Gallonen) bei Limousine und Coupé. Beim Kombi betrug das Volumen 70 Liter (18,5 Gallonen).
Chevrolet Corvair145BestellcodeStd649MotornameTurbo-AirSuper Turbo-AirBremsleistung (brutto SAE-PS)bei Drehzahl in min−180 SAE-PS bei 440098 SAE-PS bei 4600max. brutto Drehmoment bei min−1174 Nm (128 lbf·ft)bei 4600179 Nm (132 lbf·ft)bei 2800–3000Verdichtung8,0 : 19,0 : 1Gemischaufbereitungzwei Fallstrom-Einfachvergaser
1962 Das neue Modelljahr bot keine wesentlichen Änderungen der Karosserie. Wie in den Vorjahren wurde die Front leicht modifiziert, indem die Chromspange geteilt wurde und wie zwei schmale Grillelemente erschien. Ab 1962 gab es das Basismodell nur noch als Coupé, die Limousine der 500-Serie wurde aus dem Programm genommen. Die Monza-Reihe wurde zusätzlich um ein 4-sitziges Cabriolet ergänzt. Diese beiden Zweitürer gab es auch als Ausstattungspaket Monza Spyder mit Turbolader und 150 brutto SAE-PS (ca. 152 DIN-PS). Der Spyder war mit manuellem Getriebe und ohne Klimaanlage lieferbar. Der Basis-Corvair war mit der 80 SAE-PS starken Boxer-Version bestückt, der Monza konnte mit PowerGlide-Automatik 84 SAE-PS bei einer Verdichtung von 9 : 1 mobilisieren. Als Extra war eine Variante mit 102 SAE-PS verfügbar.
Die Monzas hatten vorn serienmäßig Einzelsitze. Als Extras waren für den Corvair eine Klimaanlage wie auch eine Standheizung lieferbar.
Chevrolet Corvair145BestellcodeStd649690MotornameTurbo-AirHigh-Performance Turbo-AirTurbochargedBremsleistung (brutto SAE-PS)bei Drehzahl in min−180 SAE-PS bei 440084 SAE-PS bei 4400102 SAE-PS bei 4400150 SAE-PS bei 4400max. brutto Drehmoment bei min−1174 Nm (128 lbf·ft)bei 2300176 Nm (130 lbf·ft)bei 2300182 Nm (134 lbf·ft)bei 2800–3000285 Nm (210 lbf·ft)bei 3200–3000Verdichtung8,0 : 19,0 : 18,0 : 1Gemischaufbereitungzwei Fallstrom-Einfachvergaserein Querstrom-Einfachvergaser
1963 Auch 1963 wurde der Chrommittelsteg der Front geändert, über dem der Schriftzug „Corvair“ angebracht war, zudem waren die vorderen Blinkleuchten bernsteinfarben. Das Modelljahr brachte selbstnachstellende Bremsen an allen Rädern und Verbesserungen am kleinen Motor, so wurden Riemenführungen überarbeitet und ein verbesserter Ölkühler eingebaut. Der Monza erhielt neue Schwellerleisten. Weitere auffällige Änderungen gab es nicht. Der Lakewood-Kombi verschwand aus dem Programm, wobei die Greenwood- bzw. Transporter-Varianten verfügbar blieben.
Chevrolet Corvair145BestellcodeStdL62L87MotornameTurbo-AirHigh-Performance Turbo-AirTurbochargedBremsleistung (brutto SAE-PS)bei Drehzahl in min−180 SAE-PS bei 440084 SAE-PS bei 4400102 SAE-PS bei 4400150 SAE-PS bei 4400max. brutto Drehmoment bei min−1174 Nm (128 lbf·ft)bei 2300176 Nm (130 lbf·ft)bei 2300182 Nm (134 lbf·ft)bei 2800–3000285 Nm (210 lbf·ft)bei 3200–3000Verdichtung8,0 : 19,0 : 18,0 : 1Gemischaufbereitungzwei Fallstrom-Einfachvergaserein Querstrom-Einfachvergaser
1964