mini|hochkant=0.9|Stammwappen derer zu Inn- und Knyphausen
Innhausen und Knyphausen, abgekürzt Inn- und Knyphausen, oftmals nur Knyphausen bzw. Kniphausen, ist der Name eines alten ostfriesischen Häuptlingsgeschlechts. Einige Zweige der Familie bestehen bis heute.
Geschichte Herkunft Das Geschlecht war wie alle friesische AdelsfamilienDer friesische Adel blieb verschont vom "fränkischen" Feudalsystem, siehe dazu Friesische Freiheit. Die Besitzungen waren nämlich zumeist Allod und keine Lehen eines mächtigeren Grundherren, zum Beispiel eines Bischofs oder Grafen, dem sie sich hätten unterordnen müssen. edelfreier oder zumindest freier Herkunft.Walter von Hueck et al.: Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon. Band V, Band 84 der Gesamtreihe GHdA, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1984, S. 462–464. ISBN 3-7980-0784-5. Die ununterbrochene Stammreihe beginnt mit dem um 1350 geborenen Grote Onneken. Er starb vor dem 6. April 1409 (vermutlich am 24. August 1405) als Häuptling zu Sengwarden (heute Stadtteil von Wilhelmshaven).Ernst Friedländer: Ostfriesisches Urkundenbuch. Band I ( 787–1470), W. Haynel, Emden 1878, Nr. 216. 1409. Die Pfarrer von Etzel und Bant schlichten einen Streit zwischen Gereke Onneken und Naneke Diurken und seine Frau Himka durch Stiftung einer Heirath zwischen den Kindern der Parteien. 6. April 1409. Die Ortschaft wird 1168 erstmals urkundlich erwähnt und war während des Mittelalters eine eigenständige Herrlichkeit.Wilhelmshaven. Stadtteil Sengwarden.
Ausbreitung und Persönlichkeiten Erbe der Tiarksena zu Innhausen mini|Burg Kniphausen
Iko, der jüngere Sohn des Stammvaters Grote Onneken, heiratete eine Enkeltochter von Ino Tiarksena, um 1350 Richter von Östringen und mutmaßlicher Erbauer der Burg Innhausen (auch Inhausen), nämlich Hilleda Tiarksena, Tochter und Erbin des Popko Ihnen, Häuptling zu Innhausen. Die Burg war Mittelpunkt der Herrschaft, die den Umfang des Kirchspiels Sengwarden besaß. Iko starb 1454, seinem Schwiegervater nachfolgend, als Häuptling von Innhausen. Aus seiner dritten Ehe mit Tetta von Raffhusen stammte Alko der Böse (urkundlich 1447–1474), ebenfalls Häuptling zu Innhausen. Dessen Sohn Folef (auch Fulf) Alksen (etwa 1465–1530/31) erhielt 1496 durch Erbgang von seinem Vetter die reichsunmittelbare Herrschaft Kniphausen mit der Burg Kniphausen und vereinte beide Herrschaften als Häuptling zu Inn- und Knyphausen. Folef war mit Hyma Bindelef Beninga, Tochter des Ubbo Beninga zu Upleward und der Hebrich Beninga zu Grimersum, verheiratet. Er war ein treuer Anhänger und Ratgeber des Grafen Edzard dem Großen von Ostfriesland. Die Herrschaft umfasste nun die Kirchspiele Accum, Sengwarden und Fedderwarden und damit eine Fläche von etwa 45 km².Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder. Die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. 7., vollständig überarbeitete Auflage. C. H. Beck, München 2007, ISBN 978-3-406-54986-1, S. 310 und 339.
Herrschaft Inn- und Knyphausen Die Herrschaft Inn- und Knyphausen ging an den Sohn von Folef, Tido Folefsen (1500–1565), einem Gegner der Maria von Jever. Er heiratete Eva Gräfin von Rennenberg, Tochter des Wilhelm Graf von Rennenberg und der Cornelia Gräfin von Cuylenburg. Tido erbaute die Klunderburg, war Häuptling zu Inn- und Knyphausen und Landrat. 1547 verlor er die Herrschaft Inn- und Kniephausen an die Herrschaft Jever. Nach kurzzeitigem Rückgewinn wurde die Herrschaft 1623/1624 in einem Prozess vor dem Reichskammergericht in Speyer endgültig an die Grafen von Oldenburg abgetreten. Den Vergleich vor dem Reichskammergericht mit dem Grafen Anton Günther von Oldenburg schloss Tidos Enkel Philipp Wilhelm von Innhausen und Knyphausen (1591–1652), der sich die Fortführung des Titels Freiherr zu Innhausen und Knyphausen ausdrücklich vorbehielt.Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexicon, Band 5, Leipzig 1864, S. 170–172. Vereinbart wurde auch eine jährliche Rente, die noch 340 Jahre später bis zu einem Ablösevertrag mit dem Land Niedersachsen im Jahre 1964 ausbezahlt wurde.
Erbe der Manninga zu Lütetsburg mini|Schloss Lütetsburg
Philipp Wilhelms Onkel Wilhelm (1557–1631), seit 1588 Reichsfreiherr zu Innhausen und Knyphausen, heiratete Hyma, die Erbtochter des Unico Manninga, des letzten Häuptlings aus diesem alten ostfriesischen Dynastengeschlecht, den Erbauern der Manningaburg in Pewsum. Wilhelm, auf Visquard, Jennelt und Upleward, Drost zu Norden, erhielt 1581, laut Testament seines Schwiegervaters Unico Manninga, die zum Majorat ernannte Herrlichkeit Lützburg (Lütetsburg). Aus diesem Besitz wurde 1584 ein Fideikommiss gestiftet.Otto Hupp: Münchener Kalender 1902. S. 28. Seine Söhne, darunter Dodo (* 1583; gefallen in der Schlacht bei Haselünne 1636), königlich schwedischer Feldmarschall während des Dreißigjährigen Krieges, Herr auf Jennelt und Weißen-Klempenow bei Stargard, Herr des Emslandes, erhielten 1635 den Reichsfreiherrenstand mit der Bestimmung, dass der jeweilige Majoratsherr der Herrschaft Lütetsburg den Titel Edler Herr zu Lütetsburg und Bergum führen durfte. Seit dem 16. November 1867 war der Inhaber des Fideikommiss außerdem erbliches Mitglied des Preußischen Herrenhauses.
Nach dem Dreißigjährigen Krieg mini|hochkant|Dodo zu Innhausen und Knyphausen(1583–1636) mini|hochkant|Wilhelm zu Innhausen und Knyphausen(1716–1800) mini|hochkant|Edzard Fürst zu Innhausen und Knyphausen(1827–1908) mini|hochkant|Gisbert zu Knyphausen(* 1979)
Dodos Sohn Enno Adam (1611–1654), auf Jennelt und Weißen-Klempenow, stand als Oberst ebenfalls in königlich schwedischen, aber auch in niederländischen Militärdiensten. Seine Frau Occa Johanna Freiin von Ripperda war in zweiter Ehe seit 1656 mit dem schwedischen Reichsrat, Generalgouverneur und Reichszeugmeister Erik Graf Stenbock (* 1611) verheiratet, der aber bereits 1659 vor Kopenhagen fiel. Sie war die Obersthofmeisterin der Königin Hedwig Eleonora von Schweden. Enno und Occas Nachkommen gelangten in Kurbrandenburg zu weiterem Besitz und Ansehen. Dodo (1641–1698), einer der Söhne, Majoratsherr auf Lütetsburg und Jennelt, war fürstlich ostfriesischer Hofrichter und wurde kurbrandenburgischer Wirklicher Geheimer Staatsrat, Kammerpräsident und Staatsminister. Verheiratet war er mit Hedwig Oriana Freiin von Frydag. Beider jüngerer Sohn Friedrich Ernst Freiherr zu Innhausen und Knyphausen wurde königlich preußischer Geheimer Staatsminister. Der ältere Sohn, Franz Ferdinand Freiherr zu Innhausen und Knyphausen (1673–1725), Majoratsherr auf Lütetsburg und Bergum, war Präsident der Ostfriesischen Ritterschaft. Er heiratete 1706 in Berlin Sophie Luise von Tettau, Tochter des königlich preußischen Generalleutnants und Kammerherrn, Gouverneurs von Spandau und Kommandeurs der Gardes du Corps, Johann Georg von Tettau auf Wolienen usw. Der älteste Sohn, Karl Philipp (1711–1784), Majoratsherr auf Lütetsburg, Jennelt und Bergum, ebenfalls Präsident der Ostfriesischen Ritterschaft, war mit Sophie Charlotte Baronesse Wedel-Jarlsberg, Tochter des königlich dänischen Geheimen Rats und Generalleutnants Erhard Baron Wedel-Jarlsberg, Majoratsherrn auf Herrlichkeit Evenburg, und der Marie Juliane Gräfin von Frydag, Erbin von Herrlichkeit Gödens, verheiratet. Aus der Ehe Karl Philipps mit Sophie Charlotte stammen die Söhne Edzard Mauritz (1748–1824) und Karl Gustav (1749–1841), Stifter der beiden Hauptlinien.
Ältere Hauptlinie (Älterer und Jüngerer Ast) Edzard Mauritz wiederum hatte die beiden Söhne Carl (1784–1860) und Franz (1792–1875). Nach dem Wiener Kongress 1815 und der Einverleibung Ostfrieslands in das Königreich Hannover, erhielt Carl Graf zu Innhausen und Knyphausen am 25. April 1834, auf Grund des von seinem Vorfahren, dem Häuptling Unico Manninga, gestifteten Majorats, eine erbliche Virilstimme in der ersten Kammer der Allgemeinen Ständeversammlung des Königreichs Hannover. Carl Graf zu Innhausen und Knyphausen († 1860) wurde königlich hannoverischer Wirklicher Geheimer Rat, Kammerherr, Gesandter und bevollmächtigter Minister an den königlich preußischen und sächsischen Höfen. Aus seiner Ehe mit Luise Gräfin von Kielmansegg, Tochter des Friedrich Graf von Kielmannsegg, königlich hannoverischer General der Infanterie, ging Edzard Graf zu Innhausen und Knyphausen (1827–1908) hervor, der königlich hannoverischer Kammerherr und Landrat des Fürstentums Ostfriesland wurde. Er war Majoratsherr der Herrschaft Lütetsburg sowie Besitzer des Gutes Visquard und des Freihofes Nienhagen. Seine Frau erbte den Krassow’schen Fideikommiss Pansevitz auf Rügen. Edzard wurde zu Neujahr 1900 in den preußischen Fürstenstand erhoben und ist somit Stifter des fürstlichen Astes, während sein Onkel Franz (1792–1875), Fideikommissherr auf Jennelt und Arle, königlich hannoverischer Oberappellations-Gerichtsrat, außerordentliches Mitglied des Staatsrats und Präsident der Stände des Fürstentums Ostfriesland, den rein gräflichen Ast des Geschlechts begründete.
Dritter und letzter Fürst zu Innhausen und Knyphausen war der unverheiratet gebliebene Wilhelm Edzard (* 1908), der infolge des extremen Hochwassers der Melezza am 7. August 1978 in seinem Ferienhaus in Terre di Pedemonte im Tessin im Süden der Schweiz verstarb.1978: l'anno della grande alluvione, Losoneè Juni 2018, S. 14 Er hatte 1961 Moritz Freiherr zu Innhausen und Knyphausen (* 1948) aus der primogenitur-gräflichen jüngeren Innhausen-Linie Haus Bodelschwingh-Plettenberg als Graf zu Innhausen und Knyphausen adoptiert. Weiters adoptierte er 1972 seinen Neffen und Nichten, Christian von Plessen (* 1939), Doda von Plessen (1941, vermählte Hansen) und Occa von Plessen (* 1942, vermählte von Reden), Kinder seiner Schwester Hilleda geb. Gräfin zu Innhausen und Knyphausen (1912–1945) und des Bernhard von Plessen (1908–2003) zu Damshagen und Schönfeld.Genealogisches Handbuch des Adels, Adelige Häuser A Band XXI, S. 300–301, Band 98 der Gesamtreihe GHdA, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1990.
Aus der fürstlichen Linie stammte Huberta Gräfin zu Innhausen und Knyphausen (1942–2011), Tochter des Karl-Theodor Graf zu Innhausen und Knyphausen (1910–1942) auf Pansevitz, Insel Rügen, Nichte des letzten und Enkelin des zweiten Fürsten, Dodo (1876–1931), die seit 1968 mit dem Rechtsanwalt Jörg von Hugo (1940–2004) verheiratet war, der gemäß § 1355 BGB seit 1979 den Namen von Hugo-Graf zu Innhausen und Knyphausen führte. Die aus der Ehe stammenden Kinder Tido, Alvo und Theda führen den Namen Graf bzw. Gräfin zu Innhausen und Knyphausen.Gottfried Graf Finck von Finckenstein, Christoph Franke: Genealogisches Handbuch des Adels, Adelige Häuser A/B (vereint) Band XXXVI, Band 158 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 2015, S. 261–262. Die Familie bewohnt Schloss Lütetsburg.Genealogisches Handbuch des Adels, Adelige Häuser B Band XXI, Band 108 der Gesamtreihe GHdA, Limburg/Lahn 1995, S. 187 f. Tido Graf zu Inn- und Knyphausen (* 1972) ist Geschäftsführer und Generalverwalter des Gräflichen Rentamts Lütetsburg sowie Geschäftsführer der Golfanlage Schloss Lütetsburg.Golfclub LütetsburgRentamt Lütetsburg Seit 2003 ist er mit Margareta von Strantz (* 1977) verheiratet, mit der er drei Söhne und eine Tochter hat.The Heirs of Europe: Innhausen und Knyphausen Sein Bruder Alvo Graf zu Inn- und Knyphausen (* 1975) gehört dem Vorstand der Stiftung Schlosspark Pansevitz an und ist mit Fabia Wegener (* 1977) verheiratet, mit der er zwei Söhne hat.; abgerufen am 21. Juli 2025.Traueranzeige Huberta Gräfin zu Innhausen und KnyphausenKatalog der Deutschen Nationalbibliothek
Jüngere Hauptlinie (Älterer und Jüngerer Ast)