Hechtsheim ist ein Ortsbezirk der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz.
Er ist mit 1384 Hektar der flächenmäßig größte Ortsbezirk der Stadt. Bis in die 1950er- und 1960er-Jahre erstreckte sich die Hechtsheimer Gemarkung sogar mit 1510 Hektar bis an den Landwehrweg in Mainz-Oberstadt; auf diesen Flächen entstanden zum Beispiel die Berliner Siedlung und die Bauten auf benachbarten Flächen. Die nunmehr im Süden der Oberstadt gelegene Nordstraße war ursprünglich die nördlichste bewohnte Straße von Hechtsheim.
Geographie Geographische Lage Mainz-Hechtsheim ist einer der südlichen Stadtteile von Mainz und befindet sich in einer von Süden nach Norden abfallenden Talsenke (zwischen und ), der höchste Punkt ist die Laubenheimer Höhe mit . Die kath. Pfarrkirche St. Pankratius befindet sich auf einer Höhe von , die alte Ortsverwaltung auf . Mitten durch Hechtsheim, jedoch zwischen alter Militärstraße und Autobahntunnel voll kanalisiert, fließt der Schinnergraben, ab Gemarkungsgrenze Bretzenheim als Wildgraben.Topografische Karte
Nachbarstadtteile und -gemeinden Folgende Gemeinden bzw. Mainzer Stadtteile grenzen im Uhrzeigersinn an Hechtsheim:
im Norden Mainz-Oberstadt, im Nordosten Mainz-Weisenau, im Osten Mainz-Laubenheim, im Südosten Bodenheim, im Süden Mainz-Ebersheim, im Südwesten Klein-Winternheim, im Westen Mainz-Marienborn und im Nordwesten Mainz-Bretzenheim.
Geschichte Am 17. Mai 808 wurde Hehhidesheim erstmals schriftlich durch das Kloster Fulda erwähnt. Es dürfte wie andere „-heim“-Orte in Rheinhessen aber schon früher entstanden sein.
In den folgenden Jahrhunderten ändert sich der Name mehrmals, über Hehedesheim (1100), Hechesheim (1261), Hexheim (1262), Hechdensheim (1274), Hechisheim (1280), Heckesheim (1303), Hegsheim (1485) und im Jahre 1650 schließlich wird Hechtsheim daraus. In der Mainzer Mundart lautet der Name bis heute Hexem.
Bis zur fränkischen Epoche Seit dem 4. Jahrtausend v. Chr. künden zahlreiche Siedlungsspuren in der Hechtsheimer Gemarkung davon, dass die fruchtbaren Böden und reichlichen Wasservorräte hier schon immer Menschen zur Niederlassung angeregt haben. In römischer Zeit entstanden mehrere villae rusticae, das sind verstreut liegende Einzelhöfe, deren Aufgabe es war, für das Legionslager und die Provinzhauptstadt Mogontiacum Nahrungsmittel zu produzieren. Dort wirtschafteten Romanen und romanisierte Kelten.Karl Viktor Decker, Hechtsheim in vor- und frühgeschichtlicher Zeit. Hechtsheimer Ortsgeschichte, Heft III (1990) Im Laufe des 5. Jahrhunderts dünnte die ländliche Besiedlung langsam aus, weil Germanen immer wieder die römischen Grenzbefestigungen überwanden und die Stadt Moguntiacum und weite Teile des Grenzlandes zerstörten. Die letzten Jahre der römischen Herrschaft am Rhein endeten um die Mitte des 5. Jahrhunderts, als die Macht der römischen Zentralregierung am Rhein endgültig dahingeschwunden war. Die Menschen flohen aus ihren ungeschützten Höfen, die villae rusticae wurden verlassen.
Am Ende des 5. Jahrhunderts waren die ländlichen Gebiete zwar nicht völlig verlassen, aber die während der Römerzeit blühenden Landschaften hatten doch großen Schaden genommen. Die einheimische gallorömische Bevölkerung fristete im Vergleich zu früheren Zeiten ein eher kümmerliches Dasein. Aber schon in den Jahren um 500 n. Chr. wurde das Hechtsheimer Gebiet durch die Franken neu besiedelt.
Beginn der mittelalterlichen Besiedlung in Hechtsheim mini|Brunnen (1994) von Erwin Mosen. Standort: Auf dem Hewwel (Frankenhöhe) In der Hechtsheimer Gemarkung gibt es Spuren von drei fränkischen Gräberfeldern: Auf der Hechtsheimer Höhe, seitdem genannt Frankenhöhe, konnten zwischen 1980 und 1983 etwa 300 Gräber aus der Zeit um 500 bis in die 2. Hälfte des 7. Jahrhunderts n. Chr. von der Mainzer Landesarchäologie unter Leitung von Dr. Gerd Rupprecht ausgegraben werden.
Die älteste urkundliche Erwähnung Hechtsheims steht in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Fulda vom 17. Mai 808. Von Dulcinesheim, einem später teilweise in Hechtsheim aufgegangenen Dorf, hat sich eine noch etwas ältere aus dem Jahre 782 in einer Schenkung an das Kloster Lorsch erhalten.Alfried Wieczorek, Zur Topographie der Gemarkung Hechtsheim im Frühmittelalter. Mainzer Zeitschr. 73-74, 1978–1979, 301-309; Gudula Zeller, Das fränkische Gräberfeld auf der Hechtsheimer Frankenhöhe. Hechtsheimer Ortsgeschichte, Heft XI (2005) 3-32. Eine Brunnenskulptur von Erwin Mosen auf dem „Hewwel“ (siehe Abbildung) erinnert daran, dass hier auch zahlreiche Waffen, Pfeilspitzen und zerbrochene Keramikgefäße aus fränkischer Zeit gefunden wurden. Von einem zweiten Gräberfeld an der Ecke Heuer-/ Ringstraße kamen vor etwa 100 Jahren einige Funde zutage. Ein drittes ist im Bereich der St. Pankratiuskirche zu vermuten. Auf diesen Friedhöfen bestatteten die Bewohner der jeweils in unmittelbarer Nähe liegenden Hofstellen ihre Toten. Von einer 4. Hofstelle im heutigen Gemarkungsbereich hat sich nur der Name Dulcinesheim erhalten; sie hat im Süden Hechtsheims gelegen. Im Laufe des Mittelalters entwickelte sich unterhalb der St. Pankratiuskirche aus den beiden sich an dem Wasserlauf des Schinnergrabens gegenüberliegenden Hofstellen ein Dorf, zu dem die Bewohner der beiden anderen Hofstellen, derjenigen unterhalb der Frankenhöhe und derjenigen mit Namen Dulcinesheim, umsiedelten.
Spätes Mittelalter und Neuzeit Im Laufe des Mittelalters entwickelte sich Hechtsheim zu einem Dorf mit einer der größten Gemarkungen in Rheinhessen und wurde mit einer Wall- und Grabenbefestigung umwehrt. Schon seit der Römerzeit wird in Rheinhessen Wein angebaut; eine Urkunde vom 8. April 1190 nennt einen Weinmarkt in Hechtsheim.Forum vini, quod habemus in villa nostra Hechedesheim in Diploma Conradi apud Georg Christian Joannis: „Volumen II rerum Moguntiacarum“ (Frankfurt a/M. bei J. M. v. Sande, 1722) Hechtsheim gehörte zum Besitz des Erzbistums Mainz, das es als Lehen vergab; über verschiedene Zwischenstationen geriet es durch Erbfolge 1420 an die Grafen von Ysenburg. Diese führten im 16. Jahrhundert in Hechtsheim die Reformation ein. 1559 war Graf Reinhard von Isenburg im alleinigen Besitz von Hechtsheim. In der Folge verpfändeten die von Isenburg die Orte Hechtsheim und Weisenau an die Grafen von Schönburg auf Wesel. Bei der Rückkehr unter die Herrschaft des Erzbistums 1659 wurde die Gemeinde wieder katholisch. Nach dem von Napoleon veranlassten Gesetz der Religionsfreiheit von 1802 gab es allmählich wieder evangelische Hechtsheimer; im Jahre 1909 wurde eine evangelische Kirchengemeinde gegründet.
1797 wurde das Linke Rheinufer und somit auch Hechtsheim durch den Frieden von Campo Formio und die Folgen daraus der französischen Republik zugesprochen. Es entstand das neue Département du Mont-Tonnerre (Département Donnersberg). Hechtsheim gehörte nun bis 1814 zu Frankreich. Nach der Napoleonzeit kam Hechtsheim als Teil der neu entstehenden Provinz Rheinhessen zum Großherzogtum Hessen-Darmstadt. Hechtsheim war durch Stellungen und Infrastruktur in das System der Selzstellung eingebunden, das sich von der Festung Mainz bis zur Selz erstreckte. Das Großherzogtum wurde mit der Absetzung des amtierenden Großherzogs Ernst Ludwig am 9. November 1918 durch den Darmstädter Arbeiter- und Soldatenrat der republikanische Volksstaat Hessen. Hechtsheim gehörte bis Kriegsende 1945 zum Volksstaat Hessen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg und der erneuten Neuordnung der Region gelangte Hechtsheim als Gemeinde im Landkreis Mainz zu Rheinland-Pfalz. Am 7. Juni 1969 wurde Hechtsheim mit fünf weiteren Vororten in die Stadt Mainz eingemeindet. Bereits in den Jahren 1929 und 1930 gab es Gespräche über eine Eingemeindung nach Mainz, die damals noch scheiterten.hgg-gonsenheim.de Regionet zu Eingemeindungen
Einwohnerentwicklung Im Jahre 1810 gab es in Hechtsheim 180 Häuser mit 980 Einwohnern. Seitdem wuchs das Bauerndorf ständig und nahm vor allem an dem Aufschwung seit den 1950er Jahren teil, wie die lebhafte Entwicklung seines Gewerbegebietes, heute des größten in Mainz, unter Beweis stellt. So hatte Hechtsheim 1950 4666 Einwohner, 1960 bereits 5841 und 1968, im Jahr vor der Eingemeindung zu Mainz, 7579 (Daten der Statistikstelle der Stadt Mainz).
Religionen mini|Katholische Pfarrkirche St. Pankratius Die katholische Gemeinde Die katholische Pfarrgemeinde St. Pankratius in Mainz-Hechtsheim gehört zum Bistum Mainz, Dekanat Mainz-Stadt. Sie wurde vermutlich im Frühmittelalter gegründet. Die Pfarrkirche St. Pankratius liegt auf einer Anhöhe oberhalb des Hechtsheimer Ortskerns. Ein barocker Teil stammt von 1752. 1901 erfolgte eine Erweiterung um einen östlichen Anbau im Stil der Neugotik. Ältester Teil ist der nach dem Untersuchungsergebnis der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zwischen 1250 und 1340 errichtete mittelalterliche Kirchturm, der zu einer Vorgängerkirche gehörte. Romanische Spolien am Treppenzugang weisen darauf hin. 1984 erfolgte eine gründliche Außenrenovierung sowie 1998–1999 eine Innenrenovierung einschließlich einer Rekonstruktion/Restaurierung der Siemannorgel von 1928 und des Orgelprospekts des Mainzer Orgelbauers Josef Anton Onimus von 1766.Webseite des Bistums Mainz Unterhalb des Gotteshauses befindet sich das barocke Pfarrhaus. Südlich der Kirche liegt das katholische Jugendheim, früher als Schulgebäude genutzt und das ehemalige Schwesternhaus.
Der Kirche angeschlossen ist ein städtischer Friedhof, der vom Wirtschaftsbetrieb der Stadt Mainz unterhalten wird.
1978 wurde ein katholisches Gemeindehaus (Gemeindezentrum) im damaligen Neubaugebiet (Georg-Büchner-Straße) errichtet.
Die evangelische Gemeinde Die anfangs kleine evangelische Gemeinde hatte eine Kapelle in der Schulstraße, der heutigen Peter-Weyer-Straße. Im Jahr 1967 wurde der Grundstein zum neuen Gemeindezentrum gelegt, zu dem auch ein Kindergarten gehört.
Mazedonisch-orthodoxe Kirche Kirche Heiliger Nikolaus (Mainz-Hechtsheim)
Der jüdische Friedhof Am 10. Juli 1882 genehmigte das großherzogliche Kreisamt, einen Friedhof für die jüdische Gemeinde von Hechtsheim anzulegen. Eine jüdische Gemeinde mit eigener Synagoge gab es bereits seit 1842. Der Friedhof hat eine Fläche von 738 m² und ist in der Heuerstraße angelegt worden. Die letzte Beerdigung fand 1938 statt.
Politik Landesbehörden Seit 2008 ist das Landesamt für Geologie und Bergbau in Mainz-Hechtsheim die Ausführungsbehörde für das Bergrecht im Land Rheinland-Pfalz.
Ortsbeirat Der Ortsbeirat vertritt die Interessen der Hechtsheimer Bewohner. Er ist zu allen wichtigen Belangen, die den Ortsbezirk betreffen, anzuhören, kann jedoch selbst keine Beschlüsse fassen. Seit der Kommunalwahl 2024 sind sechs Parteien im Hechtsheimer Ortsbeirat vertreten, die Sitze sind wie folgt verteilt:
CDU 5 SPD 3 GRÜNE 2 Freie Wähler 1 FDP 1 ÖDP 1
Ortsvorsteher mini|Ortsverwaltung in Alt-Hechtsheim Ulrike Cohnen (CDU) wurde am 16. März 2023 Ortsvorsteherin von Hechtsheim. Bei der Stichwahl am 5. März 2023 hatte sie sich mit einem Stimmenanteil von 57,3 % gegen Ylva Dayan (SPD) durchgesetzt, nachdem bei der Direktwahl am 12. Februar 2023 keine der ursprünglich sechs Bewerbungen die erforderliche Mehrheit erreicht hatte. Bei der Stichwahl am 23. Juni 2024 konnte sich Ulrike Cohen erneut gegen Ylva Dayan durchsetzen, bei dieser Wahl erreichte sie einen Stimmenanteil von 58,9 %. Im ersten Wahlgang am 9. Juni konnte keine der fünf Bewerbungen die absolute Mehrheit erreichen.
Cohnens Vorgängerin Tatiana Herda Muñoz (SPD) hatte sich am 16. Juni 2019 ebenfalls in einer Stichwahl gegen den bisherigen Amtsinhaber Franz Jung (CDU) durchgesetzt.CDU-Hochburg erobert: Mit Klimaschutz und Zuhören für die SPD zur Ortsvorsteherin, vorwaerts.de, abgerufen am 22. Juni 2019 Am 11. November 2022 legte sie das Amt aus persönlichen Gründen vorzeitig nieder, wodurch die Neuwahl erforderlich wurde. Übergangsweise übernahm die Stellvertretende Ortsvorsteherin Birgit Zehe-Clauß (FDP) geschäftsführend die Aufgaben.