Das Ostasiatische Kreuzergeschwader war ein Schiffsverband der Kaiserlichen Marine zur Durchsetzung und Sicherung nationaler Interessen im ostasiatischen und südpazifischen Raum. Unter dem weiter gespannten Begriff Ostasiengeschwader entwickelte es sich von 1859 bis 1897 in mehreren Etappen. Zu dieser Zeit verfügte die deutsche Marine im Pazifik noch nicht über eigene Stützpunkte. Somit waren die Schiffe bei Reparaturen und der Brennstoffversorgung auf fremde Häfen angewiesen, was oftmals Wartezeiten und hohe Kosten mit sich brachte. Dies änderte sich im Jahre 1897. Die Ostasiatische Kreuzerdivision mit dem Flaggschiff Kaiser führte 1897 die Besetzung der Bucht von Kiautschou durch. Mit einem festen Stützpunkt bestand das Ostasiatische Kreuzergeschwader unter diesem Namen und mit Kreuzern als Flaggschiffen von 1898 bis zu seiner Vernichtung 1914. mini|Zeitgenössische Postkarte: die Panzerfregatte SMS Deutschland (1876) und der Kleine Kreuzer SMS Gefion (1893), unten links die Hafeneinfahrt nach Kiautschou
Geschichte Entstehung Mit Beginn des 19. Jahrhunderts rückte der asiatisch-pazifische Raum in das Interesse europäischer Mächte und der USA. Großbritannien erzwang in den Opiumkriegen von 1839 bis 1842 und 1856 bis 1860 eine weitgehende Öffnung Chinas für fremden Handel, und die Vereinigten Staaten erreichten 1854 in ähnlicher Weise die Öffnung Japans.
Auch deutsche Reedereien beteiligten sich früh am Ostasienhandel. Schon ab Mitte des 18. Jahrhunderts hatten Schiffe der preußischen Emder Ostasiatischen Handelskompanie in der Region Seehandel betrieben. Der Besuch des Vollschiffs Mentor der staatlichen Preußischen Seehandlung in der Region 1824 stellte den Beginn regelmäßiger Schifffahrtsverbindungen in der Zeit nach den Koalitionskriegen dar.
Es zeigte sich schnell, dass die ausländischen Kaufleute in China ohne militärische Unterstützung aus ihrer Heimat nur sehr schwer ihren Geschäften nachgehen konnten. Deutsche und vor allem Hamburgische Kaufleute waren auf die Hilfe anderer Marinen wie zum Beispiel der britischen Royal Navy angewiesen, da das nur lose im Deutschen Bund organisierte Deutschland keine eigene Marine besaß (Vgl. Geschichte der Deutschen Marine). Erst nach der Gründung einer preußischen Marine konnte man auf eigene Mittel zurückgreifen.
mini|Die Thetis vor Anker. Die Thetis war ein Schiff der 1859 aus Deutschland ausgelaufenen Preußischen Ostasienexpedition. Im Jahre 1859 entsandte Preußen erstmals ein Geschwader von vier Schiffen, die Preußische Ostasienexpedition, unter Führung des Grafen Friedrich zu Eulenburg nach Ostasien, um dort die militärische Unterstützung für den deutschen Handel zu unterstreichen und Handelsverträge abzuschließen. Am 2. September 1860 geriet das Geschwader vor Yokohama in einen Taifun, in dem der Schoner Frauenlob mit seiner gesamten Besatzung von fünf Offizieren und 42 Mann sank.
Der Verband blieb bis 1861 in der Region. Zugleich begannen Bestrebungen, im ostasiatischen Raum einen eigenen Marinestützpunkt zu erwerben. Diese Bemühungen wurden erst 1897 mit der Besetzung Kiautschous durch ein Expeditionskorps des Kreuzergeschwaders von Konteradmiral Otto von Diederichs abgeschlossen.
Eine ständige deutsche Marinepräsenz in Ostasien wurde 1869 durch Schaffung der „Ostasiatischen Schiffsstation“ begründet, die zunächst nur mit einem Schiff, der Korvette Medusa, besetzt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war die preußische Marine bereits in der Marine des Norddeutschen Bundes aufgegangen, aus der 1871 nach der Reichsgründung die Kaiserliche Marine entstand. Die Station wurde zeitweise durch kleine Geschwader verstärkt, die die Region für bestimmte Aufträge besuchten, nach deren Erledigung aber wieder aufgelöst wurden.
Am 1. April 1881 wurde die Gedeckte Korvette Stosch in Dienst gestellt, um in Ostasien die Funktion als Flaggschiff der dort stationierten Kriegsschiffe zu übernehmen. Am 3. September 1881 waren die Schiffe des neu gebildeten Ostasiengeschwaders erstmals in Tschifu vereint. Kommodore Louis von Blanc war von 1881 bis 1882 gleichzeitig Kommandant der Stosch und erster Chef des Geschwaders. Er wurde 1883 zum Konteradmiral befördert. Das Ostasiengeschwader wurde Anfang 1885 aufgelöst, nachdem die Stosch (inzwischen als Kreuzerfregatte klassifiziert) zur Aufstellung eines neuen Ostafrikanischen Kreuzergeschwaders nach Mauritius verlegt worden war.
Die Ostasiatische Kreuzerdivision mini|Die Irene in China
Im darauf folgenden Jahr 1886 wurde das Ostafrikanische Kreuzergeschwader in ein „permanentes Kreuzergeschwader“ unter Konteradmiral Eduard von Knorr umgebildet, das in der Region zwischen der Ostküste Afrikas, Australien und der Westküste Südamerikas operierte. Dieses Geschwader wurde am 6. April 1893 aus Kostengründen aufgelöst. Der chinesisch-japanische Krieg 1894 jedoch zwang alle Großmächte, ihre Präsenz in Ostasien erneut zu verstärken. Daraufhin wurde der Auflösebefehl wieder geändert und die verbliebenen Schiffe des Geschwaders, die Kreuzerkorvetten Arcona und Alexandrine, die Korvette Marie sowie die Stationäre der Ostasiatischen Marinestation, die Kanonenboote Wolf und Iltis, bildeten die Ostasiatische Kreuzerdivision. Arcona, das Flaggschiff der Division, Alexandrine und Marie trafen nach einem Einsatz vor Peru allerdings erst im Herbst 1894 vor Ort ein und lagen zunächst im chinesischen Yantai. Im Februar 1895 traf die Irene ebenfalls in Yantai ein und unter Konteradmiral Paul Hoffmann wurde nun die Irene zum Flaggschiff der Division.„SMS Irene“ als „Kohlenfresser“ in Ostasien. In: Fehntjer Kurier, 8. März 1990; michaeltillheinze.de
Nachdem am 1. November 1897 die beiden deutschen katholischen Missionare Franz Xaver Nies und Richard Henle der Steyler Mission in China ermordet worden waren, befahl Kaiser Wilhelm II., der einen Vorwand zur Errichtung eines deutschen Stützpunktes in China gesucht hatte, die Besetzung der Kiautschoubucht. Die Kreuzerdivision besetzte unter Konteradmiral Otto von Diederichs mit Kaiser, Prinzeß Wilhelm und Cormoran am 14. November das Fischerdorf Tsingtau. Die Schiffe setzten ein Landungskorps von 717 Mann unter dem Kommandanten der Kaiser, Kapitän zur See Hugo Zeye, an Land und verkündeten dem Befehlshaber der dort stationierten chinesischen Einheit ein Ultimatum, das ihn zum Abzug aufforderte. Am 17. November traf dann noch die Arcona aus Shanghai und am 2. Dezember auch noch die Irene aus Hongkong ein. Alle deutschen Kriegsschiffe waren damit vor Ort versammelt. Militärischen Widerstand hatte es nicht gegeben und die Deutschen hatten am 2. Dezember auch im 33 km entfernten Kiautschou die deutsche Fahne gehisst.
Da die deutsche Reichsregierung und das Reichsmarineamt erhebliche Schwierigkeiten in der Durchsetzung der Stützpunktfrage erwarteten, wurde noch 1897 aus der Heimat eine II. Kreuzerdivision unter dem Bruder des Kaisers, Heinrich Prinz von Preußen, entsandt. Im Mai 1898 wurden beide Kreuzerdivisionen zum Ostasiatischen Kreuzergeschwader vereint und von Diederichs zum Chef des neugebildeten Ostasiatischen Kreuzergeschwaders ernannt.
1900 bis 1914 Chronik der wichtigsten Ereignisse des Kreuzergeschwaders bis zu seinem Ende im Dezember 1914.
mini|Admiral Bendemann in China (um 1901) mini|Soldaten der Kaiserlichen Marine in Tsingtau
1900 Der neue Panzerkreuzer Fürst Bismarck marschierte von Kiel nach Tsingtau und wurde dort am 17. August vom Geschwaderchef Vizeadmiral Bendemann als Flaggschiff übernommen. Bendemann leistete seine politische und militärische Bewährungsprobe mit der Führung des Ostasiengeschwaders im Boxerkrieg. Zu diesem Zweck wurde es erheblich vergrößert (Kreuzer Geier, Schwalbe, Bussard, Seeadler, Kanonenboote Tiger, Luchs, Torpedoboote S 90, S 91, S 92 und Lazarettschiff Gera). Als weitere Verstärkung lief eine „Detachierte Division“, bestehend aus den Linienschiffen Kurfürst Friedrich Wilhelm, Brandenburg, Weissenburg, Wörth und dem Kleinen Kreuzer Hela, am 28. August in Hongkong ein. Zum Eingreifen standen eine internationale Flotte mit zeitweise bis zu 250 Kriegsschiffen aus zwölf Ländern – darunter 24 deutsche – ferner etwa 70.000 Mann Landtruppen – darunter rund 17.000 deutsche – im Einsatz. Bei der Besetzung der befestigten Hafenorte Shan-hei-kwan und Chin-wan-tau zog Bendemann die vier Linienschiffe heran, doch zu einem artilleristischen Einsatz der Kriegsschiffe kam es nicht.
1901 Planmäßige Einzel- und Verbandsübungen wurden durchgeführt. Im Juni lief der Kreuzer Hansa zur Teilnahme an Gründungsfeiern des Australischen Bundes nach Sydney und Melbourne. Charter des Frachters Titania als ständigen Begleitdampfer. Die Kreuzer Hela, Irene und Gefion wurden im Mai zurück in die Heimat befohlen. Nach Beendigung des Boxerkrieges trat im Juli wieder die friedensmäßige Organisation der deutschen Land- und Seestreitkräfte in Kraft. Die Fürst Bismarck besuchte mit Geier, S 91 und S 92 japanische Häfen, danach Tschifu und Port Arthur. Im Oktober unternahm das Geschwader eine Kreuzfahrt in japanischen Gewässern, dann ging die Fürst Bismarck zu Reparaturarbeiten nach Nagasaki.
1902 In Singapore übergab Vizeadmiral Bendemann am 15. Februar die Führung des Geschwaders an Vizeadmiral von Geißler. Der Kreuzer Thetis trat zum Verband. Der Kreuzer Geier ersetzte die Schwalbe. Im April wurden die Geier, die Schwalbe und die Luchs gegen Unruhen im Hinterland von Ning Po eingesetzt. Anschließend folgten Besuche des Geschwaders in Japan, Singapur und Niederländisch-Indien. Die Fürst Bismarck hielt sich das Jahr über hauptsächlich im nördlichen Stationsbereich auf.
1903 Das Flaggschiff lag mit der Hansa und der Thetis bis Mitte März vor dem Jangtsekiang. Anschließend stattete es Japan einen Besuch ab, Kaiser Mutsuhito gewährt den Gästen eine Audienz. Anfang August erfolgte ein Besuch in Wladiwostok. Am 15. November löste Konteradmiral von Prittwitz und Gaffron den Geschwaderchef ab. Die Fürst Bismarck ging zur Überholung nach Nagasaki. Der Kreuzer Sperber traf im Stationsgebiet ein.
1904 Es kam zum Hegemoniestreit zwischen Russland und Japan im Bereich des Japanischen Meeres. Deutschland versuchte die Neutralität zu wahren. Ab Sommer führten russische Hilfskreuzer Krieg auf den Ozeanen. Obwohl auch deutsche Handelsschiffe in Mitleidenschaft gezogen wurden, beschränkte sich das Eingreifen deutscher Kriegsschiffe auf das Abschießen russischer Treibminen und die Internierung russischer Kriegsschiffe in Tsingtau. Die Hertha erhielt in Niederländisch-Indien den Befehl zur Heimreise. Die Fürst Bismarck kreuzte im Gebiet des Gelben Meeres. Am 23. August 1904 versuchte die Tiger vergeblich den verschollenen Ersten Admiralstabsoffizier des Ostasiengeschwaders, Kapitänleutnant Alfred Ritter Hentschel von Gilgenheimb (* 1870), Sohn von Leopold Hentschel von Gilgenheimb, zu finden. Dieser hatte nach Zustimmung der Japaner gemeinsam mit einem französischen Offizier die von Japan belagerte Festung Port Arthur, welche bei den Kämpfen um das russische Hauptquartier eingeschlossen worden war, auf einer chinesischen Dschunke verlassen dürfen und war dann bei der Fahrt von der chinesischen Schiffsbesatzung ermordet worden. Diese wurde später aufgrund des Vorfalls hingerichtet.
1905 Neue Unruhen in den mittelchinesischen Provinzen erzwangen dort bis März die Stationierung von Kriegsschiffen. Die Geier trat die Heimreise an, die Sperber wechselte zur Westafrikanischen Station. Beim Anmarsch des russischen II. Pazifikgeschwaders gegen die japanische Flotte zog der Geschwaderchef die deutschen Schiffe nach Tsingtau zusammen. Nach der Seeschlacht von Tsushima begannen die deutschen Schiffe wieder ihre Kreuzfahrten. Die Seeadler und die Thetis wurden nach Ostafrika gerufen. Am 11. November übernahm Konteradmiral Breusing das Geschwader. Unruhen in Shanghai erzwangen Überwachungsfahrten von Kanonenbooten vor der Küste und Landungseinsätze.
1906