mini|Blick von Nordost 2022 Das Schloss Horneburg ist ein ehemaliger Adelssitz in Datteln. Hier war bis 1418 der Sitz der Herren von Oer.
Geschichte Die erste urkundliche Erwähnung findet sich für die Horneburg 1220 in der Großen Vogteirolle des Grafen Friedrich von Isenberg-Altena. Dort ist vermerkt, dass zum Oberhof Richrode Horneburch gehörte.vgl. Moritz zu Bentheim (Hrsg.): Die Große Vogteirolle des Grafen Friedrich von Isenberg-Altena um 1220, Rheda in Westfalen 1955. In der kleineren, älteren Vogteirolle des Grafen Friedrich von Isenberg-Altena, vor 1220, hrsg. v. Moritz zu Bentheim, Rheda in Westfalen 1957, wird ebenfalls Horneburch genannt. In einem Sühnevertrag zwischen dem Kölner Erzbischof Friedrich III. von Saarwerden und dem Grafen Engelbert IV. von der Mark vom 29. Oktober 1384 wurde die Horneburg in dem Vest Recklinghausen erwähnt.Sühnevertrag vom 29. Oktober 1384, Staatsarchiv, Düsseldorf. In: T.J. Lacomblet: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins. Band 3, 2. Abtheilung. Düsseldorf 1853, Nr. 885
Spätestens seit dem Ende des 12. Jahrhunderts stand an der Spitze des Reichshofes Oer, zu dem die Horneburg gehörte, die Familie von Oer. Die Einkünfte des Hofes flossen dem Kölner Domkapitel zu.Westfälisches Urkundenbuch, hrsg. v. dem Vereine für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Band 7, Die Urkunden des kölnischen Westfalens vom Jahre 1200–1300, bearbeitet vom Staatsarchiv Münster, Münster 1908, Nr. 31 1389 konnte Heydenrich von Oyre (Heidenreich von Oer) den Reichshof Oer mitsamt der Horneburg vom Kölner Domkapitel käuflich erwerben.Verpflichtungsurkunde vom 10. März 1389 im Herzoglichen Arenbergischen Archiv im Vestischen Archiv, Recklinghausen, Auszug im Nachlass Theodor Esch im Vestischen Archiv, Recklinghausen, I, Blatt 186 Er ließ die Burg erweitern und stark befestigen. Sein Sohn Heinrich von OerHeinrich von Oer starb vor Ablauf des Jahres 1422, vgl. Sammelschreiben Dietrichs von Oer an den Bischof von Münster und andere, 23. Dezember 1422. In: Stadtarchiv, Dortmund, Abteilung A, Urkunde Nr. 2144 versuchte, landeshoheitliche Rechte über die umliegenden Ortschaften auszuüben. Er wurde 1418 besiegt und musste die Horneburg verlassen.Unterwerfungsurkunde vom 18. Juni 1418, im Herzoglichen Arenbergischen Archiv im Vestischen Archiv zu Recklinghausen, Auszug im Nachlass Theodor Esch im Vestischen Archiv zu Recklinghausen II, Blatt 39f
mini|hochkant|Wappen derer von Horneburg im Wappenbuch des Westfälischen Adels Nach der Burg nannten sich die Herren von Horneburg, die noch 1421 vorkommen. Ihr Wappen zeigt in Rot drei (2:1) silberne Blätter. Auf dem rot-silbern bewulsteten Helm mit rot-silbernen Helmdecken ein offener roter Flug, jeder Flügel mit den drei Blättern belegt.Max von Spießen: Wappenbuch des Westfälischen Adels, mit Wappengrafiken von Adolf Matthias Hildebrandt, Band 1, Görlitz 1901–1903, S. 74 (uni-duesseldorf.de); Band 2, Görlitz 1903, Tafel 177 (uni-duesseldorf.de).
Der weit ausgedehnte Grundbesitz des Kurfürsten von Köln umfasste Äcker, Weidegründe, Wälder, Gebäude, Mühlen und Bauerngüter. Die privat- und öffentlich-rechtlichen Nutzungen erforderten eine besondere Verwaltungsstelle. Zunächst befand sich diese in Recklinghausen. Verwalter war der Kellner. 1410 wurde der Geistliche Johann Droege als Kellner erwähnt.Urkunde von 1410, Staatsarchiv, Münster, Urkunden betreffend das Vest Recklinghausen, Repertorium 1313, Nr. 32 Die Verlegung der Kellnerei nach Horneburg (nach 1420) war ein schwerer Schlag für die Kaufleute und Gewerbetreibenden, da die Bauern, die ihre Abgaben ablieferten oder ihren Dienstpflichten genügten, bei dieser Gelegenheit mancherlei Einkäufe tätigten und jetzt der Stadt fernblieben. Gründe für die Verlegung waren die krummen und winkligen Straßen Recklinghausens, die Enge der städtischen Verhältnisse und der Mangel an geeigneten Gebäulichkeiten für die Aufspeicherung des Getreides und die Unterbringung des zahlreichen Viehes. Die Horneburg dagegen bot günstige Platzverhältnisse und geräumige Wirtschaftsgebäude.H. Pennings: Geschichte der Stadt Recklinghausen und ihrer Umgebung, Band 2. Recklinghausen 1936, S. 261 f. Sie wurde der Mittelpunkt der Landes- und Güterverwaltung, die kurfürstliche Rentmeisterei im Vest.H. Diekmann: Die Geschichte der kurfürstlichen Oberkellnerei auf Schloß Horneburg im Vest Recklinghausen mit besonderer Berücksichtigung des 18. Jahrhunderts. In: Vestische Zeitschrift, 40, 1933, S. 26 Als erster Kellner auf dem Schloss Horneburg wurde 1425 Ludolf Hechelen erwähnt.das älteste erhaltene Einnahme- und Ausgabeverzeichnis der kurfürstlichen kölnischen Oberkellnerei von 1425. In: Staatsarchiv, Münster, Vest Recklinghausen, Repertorium 1313, Nr. 50 1431 wurde die Horneburg mit Kapelle vom Erzbischof von Köln vollends in Besitz genommen.Urkunde von 1431. In: Staatsarchiv, Münster, Urkunden betreffend das Vest Recklinghausen, Repertorium 1313, Nr. 52 1473 war Dirick van der KnippenborchHaus Knippenburg Drost zur Horneburg, 1522 hatte das Amt Cordt vom Darle inne.Haus Darl
mini|Nordseite des Schlosses Gebhard Truchseß von Waldburg (1547–1601) wurde 1577 zum Erzbischof von Köln gewählt. 1583 wurde er evangelisch. Sein Nachfolger, Ernst von Bayern (1554–1612), führte einen Krieg gegen ihn, den er 1589 gewann. In diesem Truchsessischen oder Kölnischen Krieg ging es darum, ob das Erzbistum Köln und damit auch das Vest katholisch blieb oder evangelisch wurde. Die Horneburg wurde von dem truchsessischen Obersten Engelbert von der Lippe am 31. Mai 1583 besetzt. Das Vest konnte aber zurückgewonnen werden. Ernst von Bayern hielt im Mai 1584 einen Landtag auf der Horneburg ab.M. Lossen: Der Kölnische Krieg. 2 Bände. Gotha 1882.1897
Die Horneburg war in den Jahren 1588 bis 1590 der Schauplatz mehrerer Hexenprozesse. Sie war Sitz des Vestischen Kriminalgerichtes und des Gefängnisses.vgl. die Auszahlung des Lohnes für den Scharfrichter in den Kellnerei-Rechnungen der Horneburg aus den Jahren 1588–1591, Anhang zu: K. Philipp: So stellt man sich in der Märchenwelt die Hexe vor. In: Horneburg – Geschichte und Geschichten, hrsg. zum 600jährigen Jubiläum des Schlosses Horneburg vom Festausschuss des Bürgerschützenvereins Horneburg in Zusammenarbeit mit dem Kreis Recklinghausen. Datteln-Horneburg 1983, 88–92
Am 25. Juli 1646 ließ der französische Marschall Henri de La Tour d’Auvergne, vicomte de Turenne Schloss und Freiheit niederbrennen, um sich wegen einer militärischen Niederlage im Gebiet von Lünen-Hamm, aber auch wegen eines Angriffes auf seine Nachhut zu rächen.Bericht von 1646, Herzogliches Arenbergisches Archiv im Vestischen Archiv zu Recklinghausen, II G, Nr. 21, Blatt 63 Am 22. Oktober 1658 wurde Johan [sic] Mathias Pranghe zum neuen Kellner auf der Horneburg bestellt.Bestallungsdekret vom 22. Oktober 1658, Herzogliches Arenbergisches Archiv im Vestischen Archiv zu Recklinghausen, II A, Nr. 61, Blatt 174ff Er sagte, er habe ein ungastliches Haus betreten, verwüstet, mit demolierten Fenstern und Türen. Im Viehstall habe er nicht einmal eine Futterkrippe vorgefunden, die Kellnereiwohnung habe nur eine kleine Stube und von der Küche ziehe der Rauch dorthin.Bericht vom 4. Dezember 1658, Herzogliches Arenbergisches Archiv im Vestischen Archiv zu Recklinghausen, II A, Nr. 10, Blatt 8f.19v.23 Für seine Bemühungen um eine Neuorganisation der Verwaltung wurde ihm 1665 der Titel Oberkellner verliehen.Urkunde von 1665, Herzogliches Arenbergisches Archiv im Vestischen Archiv zu Recklinghausen, Abteilung 2, Fach 83, Nr. 6, Fasciculum 1, Blatt 46
Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde die zerstörte Hauptburg nicht mehr wiederhergestellt. Die ehemalige Vorburg dagegen wurde als Herrenhaus in den Dimensionen eines Schlosses wiederaufgebaut und später auch als Verwaltungsgebäude genutzt. Am 23. Mai 1698 war Zar Peter I. auf seiner Reise von Amsterdam nach Wien in Horneburg.S. Luber: Die Reiserouten Peters des Großen 1697–1698 und 1716–1717. In: B. Buberl, M. Dückershoff (Hrsg.): Palast des Wissens. Die Kunst- und Wunderkammer Zar Peters des Großen. Band 1: Katalog. München 2003, S. 45
1802 fiel das Schloss an den Herzog von Arenberg.Walter Zillessen (Red.): Suderwicher Rückblicke. Bemerkenswerte dokumentarische Berichte aus Suderwichs Vergangenheit. Peters, Recklinghausen 1990, S. 27. Von 1907 bis 1959 war eine Haushaltungsschule für Bauerntöchter auf dem Schloss. Von 1959 bis 1965 unterhielt der Diözesan-Caritasverband Münster im Schloss ein Müttererholungsheim. Das Gebäude gehört dem Kreis Recklinghausen und wurde zwischen 1965 und 2023 als Förderschulinternat genutzt. Am 22. September 2023 wurde es aufgrund sich veränderter Klientel in Jugendhilfe Schloss Horneburg umbenannt.
Namenserklärung Horn kommt in Ortsnamen vorJ.H. Gallée: Altsächsische Grammatik. 3. Auflage. Tübingen 1993, S. 213 und bezeichnet ein spitz zulaufendes Landstück.D. Berger: Duden. Geographische Namen in Deutschland. Mannheim 1993, S. 139 Zum Beispiel kann ein Feld in einen Wald hineinragen.Hermann Grochtmann: Geschichte des Kirchspiels Datteln von den Anfängen bis zur Gegenwart. Datteln o. J. , S. 223 Eine andere Deutung spricht von einer Bodenschwelle oder trockenen Anhöhe, die im Sumpfland vorspringt.H. Niederding: Geschichte des ehemaligen Niederstiftes Münster. Vechta 1840, S. 17 Eine dritte Deutung sieht darin einen Wassernamen mit der Bedeutung schmutzig, dunkel, grau, durch Umwelteinflüsse auch weiß und blass-blau.T. Baader: Örtlichkeitsnamen des Kirchspiels Datteln. In: Vestische Zeitschrift, 56, 1954, S. 5-23; dann Sonderdruck: Recklinghausen 1954 Bei der Beurteilung der Etymologie ist darauf zu achten, dass der Vorgängerbau der Horneburg arx Horneburgensis sich nördlich der späteren Hauptburg befand.H. Pennings: Eine alte Burganlage bei Datteln. In: Alt-Recklinghausen, 5, 1924, S. 95 f. K. Philipp: Die Vorläufer der Horneburg. In: Horneburg – Geschichte und Geschichten, hrsg. zum 600jährigen Jubiläum des Schlosses Horneburg vom Festausschuss des Bürgerschützenvereins Horneburg in Zusammenarbeit mit dem Kreis Recklinghausen. Datteln-Horneburg 1983, S. 25–29 Möglicherweise haben Sachsen einen Ortsnamen aus ihrer ursprünglichen Heimat an der Niederelbe mitgebracht.H. Wiebringhaus: Ein Beitrag zur Siedlungsgeschichte des Vestes. In: Vestisches Jahrbuch, 50, 1948, S. 14 f. Die Sage nennt einen Ritter Goddert von Horne.Margaretha im Verlies. In: Horneburg – Geschichte und Geschichten. Datteln-Horneburg 1983, S. 17. Siehe auch H. Möllers, Untersuchungen zur Herkunft und Bedeutung des Ortsnamens „Horneburg“. In: Horneburg – Geschichte und Geschichten. Datteln-Horneburg 1983, S. 53–59
Schlosskapelle mini|Alte Pfarrkirche St. Maria Magdalena
In der Urkunde vom 8. Januar 1332 wurde als Zeuge erwähnt: Herr Engilbertus, genannt Pastor von der Hornenburg (dictus de Hornenburg).Urkunde vom 8. Januar 1332. In: Vestisches Archiv, Recklinghausen, Flaesheimer Urkunden, Nr. 91 Hier handelte es sich um eine Bescheidenheitsfloskel. Bernhard von Clairvaux schrieb: Bernhardus, abbas dictus de Claravalle (Bernhard, genannt Abt von Clairvaux).Bernhard von Clairvaux: Liber de diligendo Deo (Buch über die Gottesliebe), Prolog. In: J. Leclercq, G.B. Winkler (Hrsg.): Bernhard von Clairvaux. Band 1., Innsbruck 1990, S. 74. Bernhard war formaljuridisch und tatsächlich Abt von Clairvaux, aber er bediente sich einer rhetorischen Demutsformel. E.R.Curtius: Europäische Literatur und lateinisches Mittelalter. 5. Auflage. Bern 1965, S. 93–95