Joachim Tomaschewsky (* 1. April 1919 in Chemnitz; † 8. Februar 2019 in Potsdam)Private Traueranzeige in der Berliner Zeitung vom 16./17. Februar 2019, S. 14.Berliner Zeitung vom 18. Februar 2019, S. 23. war ein deutscher Film- und Theaterschauspieler, der in mehr als 120 Film- und Fernsehproduktionen mitwirkte. Daneben arbeitete er auch als Synchronsprecher sowie als Sprecher für Hörspiele.

Leben und Werk Nach seiner Schauspielausbildung von 1935 bis 1937 an der Schule Reimann in Berlin folgte ein Theaterengagement in Guben sowie – nach Kriegsende – in Halle und Leipzig, ehe er 1962 an die Volksbühne Berlin wechselte, deren Ensemble er über viele Jahrzehnte angehörte. Seit 1989 war er zudem in Österreich auf Bühnen in Graz und Wien präsent.

Erste Filmerfahrung sammelte er bereits während seiner Schauspielausbildung als Kameraassistent bei Leni Riefenstahls „Olympiade-Film GmbH“. Parallel zu seiner Theatertätigkeit arbeitete Tomaschewsky seit Mitte der 1950er Jahre auch in Film- und Fernsehproduktionen der DEFA und des DFF in zumeist kleineren Rollen mit. Eine seiner wenigen größeren Aufgaben war die Figur des Beisel, des unheilbringenden Hüters vom „Archiv des Todes“ (Fernsehserie, 1980). Seine Bekanntheit verdankte er vor allem dem Krimigenre, so war er ein gern gesehener Polizeiruf-110-Darsteller, vor allem aber ein Darsteller, der unzählige Filmtode spielte, so dass er sich selbst als „Leiche vom Dienst“ betitelte. Eine durchgehende Hauptrolle spielte er als BND-Mann Müller in den aufeinander aufbauenden Rudi-Kurz-Spionage-Krimis Der Mann aus Kanada, Treffpunkt Genf und Projekt Aqua, die von 1967 bis 1969 entstanden und auf wahren Begebenheiten beruhten. Noch im Alter von über 90 Jahren spielte er in verschiedenen Inszenierungen an der Berliner Volksbühne.

Seine Tochter Katarina Tomaschewsky, die ebenfalls Schauspielerin ist, entstammt der Ehe mit der Schauspielerin Gisela Morgen. Joachim Tomaschewsky starb im Februar 2019, knapp zwei Monate vor seinem 100. Geburtstag, in Potsdam.

Filmografie (Auswahl) 1955: Ernst Thälmann – Führer seiner Klasse 1956: Zar und Zimmermann 1959: Reportage 57 1960: Blaulicht – Der Kindermörder (Fernsehreihe) 1961: Der Fremde 1962: Auf der Sonnenseite 1962: Freispruch mangels Beweises 1962: Das grüne Ungeheuer (Fernsehmehrteiler) 1963: Nackt unter Wölfen 1963: Es geht nicht ohne Liebe (Fernsehfilm) 1963: Die Spur führt in den 7. Himmel (Fernsehfilm in fünf Teilen) 1964: Der Mann mit der Maske 1964: Preludio 11 1965: Tiefe Furchen 1966: Ohne Kampf kein Sieg (Fernsehmehrteiler) 1967: Ein Lord am Alexanderplatz 1967: Kater Lampe (Fernsehfilm) 1967: Der Mann aus Kanada (Fernsehfilm) 1967: Treffpunkt Genf (2 Teile / Fortsetzung von Der Mann aus Kanada) 1968: 12 Uhr mittags kommt der Boß 1968: Mord am Montag 1969: Zeit zu leben 1969: Projekt Aqua (2 Teile / Fortsetzung von Treffpunkt Genf) 1970: Caesar und Cleopatra (Theateraufzeichnung) 1970: Jeder stirbt für sich allein (Fernsehfilm, 3 Teile) 1972: Das Geheimnis der Anden (Fernsehmehrteiler) 1973: Copernicus (Kopernik) 1973: Polizeiruf 110: Siegquote 180 (Fernsehreihe) 1973: Der Staatsanwalt hat das Wort: Die Kraftprobe (Fernsehreihe) 1974: Der Leutnant vom Schwanenkietz (Fernsehfilm) 1974: Die Frauen der Wardins (Fernseh-Dreiteiler) 1974: Der Staatsanwalt hat das Wort: Das Gartenfest (Fernsehreihe) 1975: Polizeiruf 110: Heiße Münzen (Fernsehreihe) 1975: Die Wildente (Theateraufzeichnung) 1976/79: Feuer unter Deck 1977: Polizeiruf 110: Trickbetrügerin gesucht (Fernsehreihe) 1978: Scharnhorst (Fernsehmehrteiler) 1979: Der Menschenhasser (Theateraufzeichnung) 1979: Ende vom Lied (Fernsehfilm) 1979: Lachtauben weinen nicht 1980: Archiv des Todes (Fernsehserie) 1980: Glück im Hinterhaus 1981: Berühmte Ärzte der Charité: Der Mann aus Jena (Fernsehfilm) 1981: Peters Jugend 1982: Märkische Forschungen 1982: Familie Rechlin (Fernsehzweiteiler) 1983: Märkische Chronik (Fernsehserie) 1984: Sachsens Glanz und Preußens Gloria 1985: Die unwürdige Greisin (Fernsehfilm) 1986: Caspar David Friedrich – Grenzen der Zeit (DDR/BRD) 1989: Polizeiruf 110: Variante Tramper (Fernsehreihe) 1990: Selbstversuch (Fernsehfilm) 1990: Die Architekten 1991: Polizeiruf 110: Big Band Time (Fernsehreihe) 1992: Die Spur des Bernsteinzimmers 1996: United Trash 1997: Die Apothekerin 1999: Beresina oder Die letzten Tage der Schweiz 1999: Götterdämmerung – Morgen stirbt Berlin 2000: Dämonen. Ein Film von Frank Castorf 2002: Die Affäre Semmeling (Fernsehfilm) 2003: hamlet X/Die heilige Familie 2003: Mein Name ist Bach 2006: Der Idiot 2007: Der Letzte macht das Licht aus! 2008: Der Vorleser (The Reader) 2010: Tatort: Heimwärts

Theater (Auswahl) 1946: Franz und Paul von Schönthan: Der Raub der Sabinerinnen (Emil Groß) – Regie: Camillo Triembacher (Städtische Theater Chemnitz) 1958: Bertolt Brecht: Der gute Mensch von Sezuan (Ein Gott) – Regie: Arthur Jopp (Städtische Bühnen Leipzig)

Volksbühne Berlin 1963: Michael Mansfeld: Einer von uns (Staatsanwalt) – Regie: Ottofritz Gaillard/Hans-Dieter Meves (Theater im 3. Stock) 1965: Friedrich Dürrenmatt: Der Besuch der alten Dame (Bürgermeister) – Regie: Fritz Bornemann 1965: Curt Goetz: Hokuspokus – Regie: Ottofritz Gaillard (Theater im III. Stock) 1966: Max Frisch: Andorra (Jemand) – Regie: Fritz Bornemann 1967: Georg Kaiser: Nebeneinander – Regie: Wolf-Dieter Panse 1967: Helmut Baierl: Mysterium Buffo – Variante für Deutschland (Studienrat) – Regie: Wolfgang Pintzka 1968: Armand Gatti: V wie Vietnam – Regie: Hans-Joachim Martens/Wolfgang Pintzka 1969: William Shakespeare: Troilus und Cressida (Menelaus) – Regie: Hannes Fischer 1970: Kurt Bartsch/Reiner Bredemeyer (Nach Jacques Offenbach): Orpheus (Jupiter) – Regie: Wolfgang Pintzka 1971: Carlo Gozzi: König Hirsch (Statue) – Regie: Benno Besson/Brigitte Soubeyran 1973: Tirso de Molina: Don Gil von den grünen Hosen (Don Antonio) – Regie: Brigitte Soubeyran 1973: Mittelalterliches Jahrmarktstück: Vom Furz (Richter) – Regie: Brigitte Soubeyran (Linkes Seitenfoyer) 1974: Juri Olescha: „Rote Unschuld“ oder „Die Liste der Wohltaten“ – Regie: Berndt Renne (Theater im 3. Stock) 1983: Heinrich von Kleist: Der zerbrochne Krug – Regie: Helmut Straßburger/Ernstgeorg Hering 1986: Ferdinand Bruckner: Heroische Komödie (Graf Narbonne) – Regie: Barbara Abend (Theater im Palast) 1987: Michail Bulgakow: Der Meister und Margarita (Afranius) – Regie: Siegfried Höchst 1991: Anton Tschechow: Auf der großen Straße (Sawa) – Regie: Horst Hawemann 1992: William Shakespeare: König Lear (Edgar Gloster) – Regie: Frank Castorf 1996: Carl Zuckmayer: Des Teufels General (Friedrich Eilers, Oberst und Führer einer Kampfstaffel/Oderbruch, Ingenieur im Luftfahrtministerium) – Regie: Frank Castorf 1997: Anton Tschechow: Drei Schwestern (Kulygin Fëdor Iljič, Lehrer am Gymnasium, Masas Ehemann) – Regie: Christoph Marthaler 1999: Fjodor Dostojewski: Dämonen (Gaganow) – Regie: Frank Castorf 2000: Michel Houellebecq: Elementarteilchen – Regie: Frank Castorf 2001: Fjodor Dostojewski: Erniedrigte und Beleidigte (Jeremiah Smith, Jelenas Großvater/Sisobrjuchow/Ein Arzt) – Regie: Frank Castorf 2002: Michail Bulgakow: Der Meister und Margarita – Regie: Frank Castorf 2002: Fjodor Dostojewski: Der Idiot (Iwan Fjodorowitsch Jepantschin, General) – Regie: Frank Castorf 2004: Frank Norris: Gier nach Gold (Grannis) – Regie: Frank Castorf 2006: Bertolt Brecht: Im Dickicht der Städte – Regie: Frank Castorf

Hörspiele 1963: Joachim Goll: Eine kleine Hausmusik (Herr Fitzley) – Regie: Hans Knötzsch (Hörspiel – Rundfunk der DDR) 1964: Heinz von Cramer: Die Ohrfeige (Prokurist) – Regie: Hans Knötzsch (Hörspiel – Rundfunk der DDR) 1965: Rolf Schneider: Unternehmen Plate-Rack (General) Regie: Helmut Hellstorff (Hörspiel – Rundfunk der DDR) 1967: Joachim Goll: Bankivahühner – Regie: Werner Grunow (Hörspiel-Schwank – Rundfunk der DDR) 1967: Rolf Wohlgemuth: Verraten und verkauft (Vater) – Regie: Peter Groeger (Hörspiel – Rundfunk der DDR) 1968: Emmanuel Roblès: Männerarbeit – Regie: Edgar Kaufmann (Hörspiel – Rundfunk der DDR) 1968: Day Keene/Warren Brand: Naked Fury – Nackte Gewalt (Reardon) – Regie: Helmut Hellstorff (Kriminalhörspiel – Rundfunk der DDR) 1968: Maxim Gorki: Pasquarello – Der Redakteur (Chronist des Salamander) – Regie: Detlef Kurzweg (Kinderhörspiel – Rundfunk der DDR) 1969: Eduard Claudius: Vom schweren Anfang (Amerikanischer Major) – Regie: Horst Liepach (Kinderhörspiel – Rundfunk der DDR) 1969: Friedrich Schiller: Die Verschwörung des Fiesco zu Genua (Lomellin) – Regie: Peter Groeger (Hörspiel – Rundfunk der DDR) 1969: Emmanuel Roblès/Philippe Derrez: Männerarbeit – Regie: Edgar Kaufmann (Hörspiel – Rundfunk der DDR) 1970: William Shakespeare: Othello (Doge) – Regie: Gert Andreae (Hörspiel – Rundfunk der DDR) 1970: Dieter Müller: Die Richter des Friedrich Ludwig Jahn – Regie: Theodor Popp (Kinderhörspiel – Rundfunk der DDR) 1971: Heinrich Mann: Die Vollendung des Königs Henri Quatre – Regie: Fritz Göhler (Hörspiel – Rundfunk der DDR) 1972: Joachim Witte: Die wilden Ritter der Reckeburg (Herr Krell) – Regie: Joachim Gürtner (Hörspielreihe: Neumann, zweimal klingeln – Rundfunk der DDR) 1972: Jan Klima: Der Tod liebt die Poesie – Regie: Werner Grunow (Kriminalhörspiel – Rundfunk der DDR) 1973: Georges Courteline: Der Stammgast (Staatsanwalt) – Regie: Hans Knötzsch (Hörspiel – Rundfunk der DDR) 1974: Alexander Wolkow: Der Zauberer der Smaragdenstadt (Löwe) – Regie: Maritta Hübner (Kinderhörspiel – Rundfunk der DDR) 1974: Hans-Jürgen Bloch: Hundert Mark für eine Unterschrift (Herbst) – Regie: Joachim Staritz (Hörspielreihe: Tatbestand, Nr. 4 – Rundfunk der DDR) 1974: Ivan Isacovic: Alter schützt vor Torheit nicht (Vorsitzender) – Regie: Albrecht Surkau (Hörspiel – Rundfunk der DDR) 1974: Rolf Gumlich: Krach in Dagenow (Doktor) – Regie: Werner Grunow (Hörspiel – Rundfunk der DDR) 1974: Augusto Boal: Torquemada – Regie: Peter Groeger (Hörspiel – Rundfunk der DDR) 1976: Adolf Glaßbrenner: Antigone in Berlin (Dr. Bos) – Regie: Werner Grunow (Hörspiel (Kunstkopf) – Rundfunk der DDR) 1976: Rodney David Wingfield: Auf Provisionsbasis (Jordan) – Regie: Helmut Hellstorff (Hörspiel – Rundfunk der DDR) 1976: Joachim Brehmer: Meine Frau Inge und meine Frau Schmidt (Direktor) – Regie: Achim Scholz (Hörspiel – Rundfunk der DDR) 1976: Mark Twain: Die Abenteuer des Huckleberry Finn (Parker) – Regie: Theodor Popp (Kinderhörspiel – Litera) 1980: Michail Bulgakow: Die Kabale der Scheinheiligen (Bruder Kraft) – Regie: Werner Grunow (Hörspiel – Rundfunk der DDR) 1981: Edwin Hoernle: Vom König, der die Sonne vertreiben wollte – Regie: Maritta Hübner (Kinderhörspiel – Rundfunk der DDR) 1982: Albert Wendt: Der Sauwetterwind (Direktor) – Regie: Christa Kowalski (Kinderhörspiel – Rundfunk der DDR; Übernahme durch Litera, 1985) 1983: Lion Feuchtwanger: Erfolg – Regie: Werner Grunow (Hörspiel – Rundfunk der DDR) 1988: Jan Drda: Der vergessene Teufel (Pfarrer) – Regie: Karlheinz Liefers (Kinderhörspiel – Rundfunk der DDR) 1989: Gerhard Rentzsch: Szenen vom Lande – Regie: Karlheinz Liefers (Hörspielreihe: Augenblickchen Nr. 1 – Rundfunk der DDR)

Literatur F.-B. Habel, Volker Wachter: Lexikon der DDR-Stars, Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 1999, ISBN 3-89602-304-7, S. 339f.

Weblinks

Treffen der Hundertjährigen im Barberini bei www.maz-online.de (abgerufen am 16. Februar 2019).

Einzelnachweise

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