mini|Volker Beck (2010)
Volker Beck (* 12. Dezember 1960 in Stuttgart) ist ein deutscher Politiker (Bündnis 90/Die Grünen). Er war von 1994 bis 2017 Mitglied des Deutschen Bundestages.
Beck war zeitweise rechtspolitischer, menschenrechtspolitischer, innenpolitischer, religionspolitischer sowie migrationspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen. Von 2002 bis 2013 war er ihr Erster Parlamentarischer Geschäftsführer. Von 2014 bis zu seinem Ausscheiden 2017 war er Vorsitzender der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe des Deutschen Bundestages. Seit 2022 ist er Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft.
Leben und Laufbahn Ausbildung mini|Jacques Teyssier, Wladimir Iwanow, Volker Beck und Nikolai Alexejew im Februar 2007 in Berlin während der Berlinale
Volker Beck wurde im Stuttgarter Stadtbezirk Bad Cannstatt geboren. Nach dem Abitur 1980 in Sindelfingen und folgendem Zivildienst studierte Beck Kunstgeschichte, Geschichte und Germanistik an der Universität Stuttgart, beendete sein Studium jedoch nach vier Jahren ohne Abschluss.Markus Wehner: Deutsche Spitzenpolitiker verschleiern ihre Studienabbrüche. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. 26. Mai 2013, abgerufen am 26. Mai 2013.
Privates Nach 16-jähriger Beziehung ging Beck mit seinem Partner Jacques Teyssier, einem Manager und LGBT-Aktivisten, im Jahr 2008 eine Lebenspartnerschaft ein. Teyssier starb im Juli 2009.Andreas Heilmann: Normalität auf Bewährung. Outings in der Politik und die Konstruktion homosexueller Männlichkeit. Transcript Verlag, Bielefeld 2011, ISBN 978-3-8376-1606-4, S. 115. Am 14. Juli 2017 begründete Beck beim Standesamt Schöneberg eine Lebenspartnerschaft mit dem Architekten Adrian Petkov. Am 1. Oktober 2017, dem Tag des Inkrafttretens des Gesetzes zur Einführung des Rechts auf Eheschließung für Personen gleichen Geschlechts in Deutschland, an dessen Zustandekommen er maßgeblich beteiligt war, wandelten sie diese in eine Ehe um.
Beck bezeichnet sich als Christ ohne Kirchenmitgliedschaft. Parteilaufbahn Politisch war Beck Anfang der 1980er Jahre in der Friedensbewegung aktiv, engagierte sich für den Volkszählungsboykott und trat 1985 den Grünen bei. 1986 wurde er in den Kreisvorstand der Grünen in Stuttgart gewählt. Von 1987 bis 1990 war er Schwulenreferent bei der Bundestagsfraktion der Grünen. Bis 1994 war Beck auch Sprecher der Bundesarbeitsgemeinschaft Schwulenpolitik seiner Partei. Volker Beck war bis 2013 Mitglied des Parteirates von Bündnis 90/Die Grünen. 2010 führte er die Sondierungsgespräche und die rot-grünen Koalitionsverhandlungen in Nordrhein-Westfalen,Thorsten Denkler: Volker Beck: „Wir schicken Schwarz-Gelb nach Hause“ In: Süddeutsche.de. 18. Juni 2010. 2011 in Rheinland-Pfalz,Kampf um die Hochmoselbrücke. In: Der Tagesspiegel. 9. April 2011. 2012 (nach der vorgezogenen NRW-Landtagswahl im Mai 2012) erneut in Nordrhein-Westfalen.
Sonstiges Engagement 1986 beteiligte sich Beck an Aktionen gegen die AIDS-Politik von Peter Gauweiler. Beck war Mitglied im Bundesverband Homosexualität (BVH) und arbeitete nach der Wende an der Erweiterung des „Schwulenverbands in der DDR“ zum „Schwulenverband in Deutschland“ (SVD) mit. Von 1991 bis 2004 fungierte er als einer der Sprecher dieses mittlerweile größten lesbisch-schwulen Bürgerrechtsverbands, der sich als LSVD auch Lesben geöffnet hat. lsvd.de. 10. November 1999. Um ehemaligen NS-Zwangsarbeitern einen finanziellen Ausgleich zukommen zu lassen, gründete der Deutsche Bundestag 2000 unter Federführung von Volker Beck und Otto Graf Lambsdorff die Bundesstiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft.7500 Euro je KZ-Sklavenarbeiter. In: WirtschaftsWoche. 27. September 2010. Die Stiftung zahlte bis 2007 Entschädigungen an 1,7 Millionen Zwangsarbeiter aus mehr als 100 Ländern. Beck ist Mitglied und teilweise Sprecher verschiedener Menschenrechts- und Opferorganisationen. Er ist u. a. Mitglied des Bürgerkomitees alternative Ehrenbürgerschaft, das in Köln die „alternative Ehrenbürgerschaft“ vergibt.Andreas Goral: Demnig wird Alternativer Kölner Ehrenbürger. In: report-k.de. 20. August 2006. Im Juni 2022 wurde er zum Präsidenten der Deutsch-Israelischen Gesellschaft gewählt. Beck ist Gründungsmitglied der Experteninitiative Religionspolitik.
Beck ist zusammen mit Deidre Berger Gründer und Gesellschafter des 2020 gegründeten, gemeinnützigen Tikvah Instituts, welches sich durch Wissenschaft, Bildung und zivilgesellschaftliches Engagement gegen Antisemitismus wendet. Das Institut wird durch Mittel des Bundesministeriums des Innern gefördert.
Abgeordnetentätigkeit Bei der Bundestagswahl 1994 wurde Beck erstmals über die Landesliste Nordrhein-Westfalen in den Deutschen Bundestag gewählt. Er gehörte zum neunköpfigen Spitzenteam seiner Partei zur Bundestagswahl 2005. Für die Bundestagswahl 2009 standen Bärbel Höhn und er als Spitzenkandidaten auf den ersten beiden Plätzen der Landesliste der nordrhein-westfälischen Grünen, ebenso bei der Bundestagswahl 2013. In seiner Funktion als Abgeordneter im Deutschen Bundestag war Beck Mitglied verschiedener Ausschüsse des Bundestages. In der 16. und 17. Wahlperiode war er Mitglied des Ältestenrats des Parlaments, in dem er in der 17. Wahlperiode Sprecher für Menschenrechtspolitik war. Beck war von 1994 bis 2002 rechtspolitischer, von 2005 bis 2013 menschenrechtspolitischer sowie von 2013 bis 2016 innenpolitischer und religionspolitischer Sprecher seiner Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen. Von 1994 bis 2013 war er Sprecher der Landesgruppe von Bündnis 90/Die Grünen Nordrhein-Westfalen im Bundestag. Von 1998 bis 2002 war er Koordinator im Fraktionsvorstand für den Arbeitskreis Innen, Recht, Frauen, Jugend und Petitionen. 2002 wurde Beck Erster Parlamentarischer Geschäftsführer seiner Bundestagsfraktion und übte diese Tätigkeit bis 2013 aus. Von 2014 bis 2017 hatte er den Vorsitz der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe des Deutschen Bundestages inne.
Beck war treibender Politiker in der Einführung vom Lebenspartnerschaftsgesetz von 2001, welches erstmals homosexuellen Paaren die Möglichkeit gab, in einer gefestigten Rechtsform gemeinsam zu leben. Aus der Opposition heraus arbeitete er an der Möglichkeit der gleichgeschlechtlichen Ehe, welche 2017 die Lebenspartnerschaft ersetzte.
Bei der Besetzung der Landesliste während des nordrhein-westfälischen Landesparteitages der Grünen am 3. Dezember 2016 in Oberhausen verlor Beck gegen Friedrich Ostendorff, den agrarpolitischen Sprecher seiner Bundestagsfraktion, den Kampf um den zwölften Platz. Nur gut 22 Prozent der Stimmen entfielen auf ihn. Damit stand Volker Beck für die nächste Bundestagswahl nicht mehr als Kandidat zur Verfügung und gehört seit 2017 nicht mehr dem Deutschen Bundestag an.Kirsten Bialdiga: Grünen-Parteitag in Oberhausen. Der Abschied des Volker Beck. In: Der Abschied des Volker Beck; abgerufen am 4. Dezember 2016Grüner Beck mit schlechten Karten für nächsten Bundestag; abgerufen am 4. Dezember 2016
Drogenfund 2016 und Rücktritt Anlässlich des Fundes von 0,6 Gramm einer „betäubungsmittelverdächtigen Substanz“ im Rahmen einer Polizeikontrolle und eines entsprechenden Anfangsverdachts auf Erwerb und Besitz einer geringen Drogenmenge trat Beck am 2. März 2016 von allen Fraktions- und Parlamentsämtern zurück. Nach einer Reihe von Medienberichten handelte es sich um Crystal Meth.BZ Berlin: Mit harten Drogen erwischt: Volker Beck legt Ämter nieder, 2. März 2016, abgerufen am 18. Mai 2016spiegel.de: Immunität aufgehoben: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Volker Beck, 17. März 2016, abgerufen am 18. Mai 2016 In einer kurzen Erklärung ließ Beck verlauten, sich in der Sache nicht öffentlich äußern zu wollen. Sein Büroleiter teilte mit, Beck sei für einen Monat krankgeschrieben worden.
Nachdem der Deutsche Bundestag die Immunität Becks aufgehoben hatte, nahm die Berliner Staatsanwaltschaft am 17. März Ermittlungen gegen Beck auf.Immunität aufgehoben: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Volker Beck in Spiegel online vom 17. März 2016; abgerufen am 17. März 2016 Das Verfahren wurde am 13. April gegen Zahlung einer Geldauflage von 7000 Euro wegen „geringer Schuld“ gemäß § 153a StPO eingestellt.Ermittlungen gegen Volker Beck eingestellt, n-tv.de, 13. April 2016 Beck ist demnach nicht vorbestraft.
Nach der Einstellung des Verfahrens beschloss die Bundestagsfraktion der Grünen, dass Beck ihr religionspolitischer Sprecher bleiben solle. Zudem ernannte sie ihn zu ihrem migrationspolitischen Sprecher. Zur innenpolitischen Sprecherin wurde Irene Mihalic ernannt.Beck bleibt religionspolitischer Sprecher, Zeit.de, 26. April 2016
Lehrtätigkeit Ab dem Wintersemester 2017/2018 hatte Beck einen Lehrauftrag am Centrum für Religionswissenschaftliche Studien (CERES) der Ruhr-Universität Bochum inne. Der Fokus der von ihm gehaltenen Seminare lag auf Religionspolitik in der Praxis.Kölner Grünen-Politiker: Volker Beck wird Lehrbeauftragter an der Uni Bochum, Kölner Stadt-Anzeiger, 10. Okt. 2017, sowie Wintersemester 2017/18: Volker Beck lehrt am CERES, Pressemitteilung der Ruhr-Universität Bochum, 4. Sept. 2017Volker Beck arbeitet nicht länger für CERES und Volker Beck arbeitet nicht länger für Studium, Mitteilung des CERES der Ruhr-Universität Bochum, abgerufen am 25. März 2025
Anschlagspläne gegen Volker Beck Im Mai 2026 klagte die Bundesanwaltschaft zwei Männer, einen Dänen und einen Afghanen, wegen einer „geheimdienstlichen Agententätigkeit im Auftrag der iranischen Revolutionsgarde“ an. Der Däne war – nach einem Hinweis des Mossad an das Bundesamt für Verfassungsschutz – in Dänemark festgenommen worden.Friederike Haupt: Zur Zielscheibe geworden. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23. Mai 2026, S. 4. Die beiden Männer sollen im Jahr 2025 Mordanschläge gegen Volker Beck und den Präsidenten des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, geplant haben.
Politische Positionen und Projekte Der dem linken Flügel der Grünen angehörende Abgeordnete beschreibt sich selbst als wertkonservativ und emanzipatorisch. Beck beschrieb in einem Interview den wertkonservativen Gedanken bei den Grünen mit den Worten „Man muss im zu Bewahrenden immer das Bewahrenswerte identifizieren“ und führte dies am Beispiel der Forderung der Ehe für Homosexuelle aus.Interview mit Volker Beck. Der Grüne und die Schöpfung. Auf: stern.de. 19. April 2011, abgerufen am 30. Juli 2013.
Digitaler Dialog Netzpolitisch postulierte er den freien Zugang zum Netz als Menschenrecht und erinnert an das verfassungsgerichtliche Computer-Grundrecht.Internetregulierung. Volker Beck: Netzanschluss ist Menschenrecht. In: FAZ. 30. Oktober 2011, abgerufen am 2. April 2013. Im Web 2.0 gehört er zu den anerkannten Politikern, so schrieb 2009 die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung über ihn: „Wird in der sog. Internetgemeinde allseits als sachverständigster Twitterer gelobt. Verzichtet völlig auf private Anekdoten und glaubt offensichtlich tatsächlich an den Dialog mit seinen Anhängern.“Harald Staun: 140 Zeichen heiße Luft. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. 17. Mai 2009.Benedikt Koehler: Volker Beck, Hubertus Heil und die FDP – die Politik entdeckt die Macht des Mikrobloggens. In: viralmythen. 30. September 2008.
Antiterrorpakete und Zuwanderungsgesetz Er kritisierte den damaligen Bundesinnenminister Otto Schily dafür, dass durch die Anwendungshinweise seines Ministeriums die versprochene Umstellung auf Aufenthaltstitel für Flüchtlinge mit Kettenduldungen nicht eingelöst wurde.Peter Carstens: In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 5. Mai 2004.
Wirtschaft und Menschenrechte