mini|Flagge der Deutschen Arbeitsfront (Fabrikfahne) mini|Werkausstellung der Deutschen Arbeitsfront (1933) mini|DAF-Ausstellung „Gesundes Leben, Frohes Schaffen“ (1938)Verballhornung des Lieds Brüder, zur Sonne, zur Freiheit mit Judenhetze Die Deutsche Arbeitsfront (DAF) war in der Zeit des Nationalsozialismus der Einheitsverband der Arbeitnehmer und Arbeitgeber mit Sitz in Berlin (ab 1935 im Dienstgebäude Hohenzollerndamm in Berlin-Wilmersdorf. Aufgerufen am 7. März 2017.).

Die DAF wurde am 10. Mai 1933 nach Zerschlagung der Freien Gewerkschaften gegründet. Deren Vermögen wurde zugunsten der DAF beschlagnahmt und das Streikrecht abgeschafft. Sämtliche Berufsverbände der Angestellten und der Arbeiter wurden mit dem Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit vom 20. Januar 1934 zusammengeführt. In den Betrieben arbeiten fortan „der Unternehmer als Führer des Betriebes, die Angestellten und Arbeiter als Gefolgschaft gemeinsam zur Förderung der Betriebszwecke und zum gemeinsamen Nutzen von Volk und Staat.“§ 1 des Gesetzes zur Ordnung der nationalen Arbeit vom 20. Januar 1934. Im Oktober 1934 wurde die DAF offiziell der NSDAP angeschlossen. Sie war nach dem Führerprinzip bis hinab zum Blockwart organisiert und unterstand dem Reichsorganisationsleiter der NSDAP Robert Ley, der als „eine Art Treuhänder der Volksgemeinschaft“ fungierte. „An die Stelle einer gewerkschaftlichen Interessenvertretung kam die Erziehung von Arbeitnehmern und Unternehmern im Sinne der NS-Ideologie.“ Gegliedert in 18 Reichsbetriebsgemeinschaften (später 16 Fachämter) und 33 Gauwaltungen, bestand die DAF bis Mai 1945 mit zuletzt 22 Millionen Mitgliedern. Die DAF war der mit Abstand größte NS-Massenverband.Rüdiger Hachtmann in Frank Becker, Ralf Schäfer (Hrsg.): Sport und Nationalsozialismus. Wallstein Verlag, Göttingen 2016, ISBN 978-3-8353-1923-3, S. 28 ff.

Bereits mit Gesetz vom 10. April 1933 war der Tag der nationalen Arbeit eingeführt worden.Gesetz über die Einführung eines Feiertags der nationalen Arbeit vom 10. April 1933. documentarchiv.de, abgerufen am 21. Dezember 2024. Die Auffassung, dass nur derjenige, der arbeitet, ein nützliches Glied der Gesellschaft sei und die Schaffenden als nationale Gemeinschaft bestimmt wurden, war jedoch älter und stammte aus dem völkischen Nationalismus des 19. Jahrhunderts. Nach den NS-Arbeitsvorstellungen wurden aus der nationalen Gemeinschaft insbesondere die nicht schaffenden, sondern „eigennützig raffenden“ Juden ausgeschlossenMichael Wildt: Der Begriff der Arbeit bei Hitler. In: Marc Buggeln, Michael Wildt (Hrsg.): Arbeit im Nationalsozialismus. De Gruyter Oldenbourg 2014, S. 3 ff. Open access. sowie Personen, die als „arbeitsscheu“ oder aus anderen Gründen als „minderrassig“ oder auch aus politischen Gründen als „gemeinschaftsunfähig“ galten.

Auch in der DAF organisierte Betriebe wie die Gesellschaft zur Vorbereitung des Deutschen Volkswagens mbH (GeZuVor, ab 1938 Volkswagenwerk GmbH) profitierten später von Zwangsarbeit, die Teil der nationalsozialistischen Verfolgungspraxis war.Michael Wildt: Die Ambivalenz des Volkes. Der Nationalsozialismus als Gesellschaftsgeschichte. Suhrkamp, Berlin 2019, S. 14, ISBN 978-3-518-29880-0.Manfred Grieger: Zwangsarbeit in einem Industrieunternehmen der Deutschen Arbeitsfront (DAF). Die Beschäftigung ausländischer Arbeitskräfte bei der Volkswagen GmbH 1938-1945. Klartext Verlag, Essen 1999. ISBN 3-88474-747-9.

Der Zweck der DAF Die DAF sollte die deutschen Arbeiter in das neue „Dritte Reich“ integrieren und damit ihren bisherigen Organisationen den Boden entziehen. Vor 1932 hatte die Nationalsozialistische Betriebszellenorganisation (NSBO) nur geringe Erfolge. Viele ehemalige Anhänger des Strasser-Flügels waren auch 1933 noch antikapitalistisch eingestellt und forderten, aus der NSBO eine nationalsozialistische Gewerkschaft zu machen. Nach der Reichstagswahl März 1933 übertrug Hitler Robert Ley die Aufgabe, die „wilden“ Aktivitäten der NSBO zu beenden und die Freien Gewerkschaften zu zerschlagen. In einer generalstabsmäßig geplanten Aktion besetzten einen Tag nach dem groß gefeierten „Tag der nationalen Arbeit“ SA und SS in ganz Deutschland die Gewerkschaftshäuser und nahmen die Vorsitzenden der größeren Gewerkschaften in „Schutzhaft“.Heinrich August Winkler: Geschichte des Westens – Die Zeit der Weltkriege 1914–1945. CH Beck, München, 3. Auflage 2016, ISBN 978-3-406-59236-2, S. 682. Im Gegensatz zu den Gewerkschaften konnten die Unternehmerverbände ihre organisierte Selbständigkeit behaupten.

Die DAF fungierte gegenüber deutschen „Volksgenossen“ auf vielfältige Weise als „volksgemeinschaftlicher Dienstleister“. Obwohl jeder Arbeitnehmer zur Kontrolle ein Arbeitsbuch haben musste und ihm ein Zwangsbeitrag in Höhe von durchschnittlich 1,5 bis 2 Reichsmark direkt vom Lohnkonto abgezogen wurde, bejahten die Arbeiter und Angestellten die DAF. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit zwischen Dezember 1933 und November 1934 von 4,1 auf 2,3 Millionen verminderte die Angst vor einem Arbeitsplatzverlust. Die damit verbundene psychologische Aufwertung der Arbeit war das Gegenstück zur tatsächlichen Entrechtung der Arbeiter.Heinrich August Winkler: Geschichte des Westens, Die Zeit der Weltkriege 1914–1945. S. 694. Anfängliche Versuche der DAF, arbeits- und tarifpolitische Ansprüche zu formulieren, fanden ihren Widerstand auf Seiten der Unternehmer. Im Juni 1933 wurden „Treuhänder der Arbeit“ unter der Dienstaufsicht des Reichsarbeitsministeriums eingesetzt. Sie sollten sowohl über die Tarifordnungen und Betriebsordnungen entscheiden als auch in Streitfällen schlichten. Im November 1933 musste Robert Ley den „Aufruf an alle schaffenden Deutschen“ zusammen mit Reichsarbeitsminister Franz Seldte, Reichswirtschaftsminister Kurt Schmitt und dem Parteibeauftragten für Wirtschaftsfragen Wilhelm Keppler unterzeichnen. „Damit wurden endgültig alle Hoffnungen auf eine berufsständische oder gewerkschaftliche Interessenvertretung bzw. Kompetenzen in der Arbeits- und Sozialpolitik durch die DAF begraben.“ Daraufhin gab auch der Leiter des Reichsstandes der deutschen Industrie Gustav Krupp von Bohlen und Halbach am folgenden Tag seine Zustimmung zum Beitritt der Unternehmer zur DAF.Hans-Ulrich Thamer: Die Deutsche Arbeitsfront auf Zukunft braucht Erinnerung, erstellt am 6. Oktober 2004 Da die DAF eigentlich der Anwalt der Arbeiterschaft sein wollte, hielt es Ley gelegentlich für notwendig, sich dafür zu rechtfertigen, dass er an der Spitze einer Reihe von kapitalistischen Unternehmen stand. Er argumentierte, die Form der Unternehmen sei zwar kapitalistisch, aber ihr Leitgedanke entstamme dem Nationalsozialismus.Ronald Smelser: Robert Ley. Hitlers Mann an der „Arbeitsfront“. Paderborn 1989, S. 164.

Am 24. Oktober 1934 unterschrieb Hitler eine von Ley vorgelegte Verordnung:

Am 29. August 1936 wurde der Leistungskampf der deutschen Betriebe vom Amt für soziale Selbstverantwortung der DAF ins Leben gerufen.Klaus Weber: Leistungskampf der deutschen Betriebe auf Lebendiges Museum Online, erstellt am 14. September 2014 Er diente zur Prämierung nationalsozialistischer Musterbetriebe. Dabei wurden die Kriterien von Jahr zu Jahr immer mehr ausgerichtet auf die Umstellung der Betriebe auf Rüstungsproduktion.

mini|1943 bittet die Deutsche Arbeitsfront, Abteilung Leistungskampf der deutschen Betriebe, die Wirtschaftskammer um eine Auszeichnung für die Opekta Köln mini|Mitgliedsbuch der Deutschen Arbeitsfront (ausgestellt im Großunterstandsmuseum in Hatten)

Aus dem Hauptsitz in der Potsdamer Straße in BerlinDavid Koser et al.: Deutsche Arbeitsfront. In: Hauptstadt des Holocaust. Orte nationalsozialistischer Rassenpolitik in Berlin. , Berlin: Stadtagentur 2009, Ort 85, S. 204, ISBN 978-3-9813154-0-0. lenkte die DAF diverse Unterorganisationen, die einerseits für das Wohl, andererseits für die Kontrolle der Arbeiterschaft zuständig waren (Auswahl von Unterorganisationen):Otto Mönckmeier, Jahrbuch der nationalsozialistischen Wirtschaft 1937, S. 454, nennt als Beispiele für „Hauptarbeitsgebiete“: „Sicherung des sozialen Friedens. Hebung des Lebensstandards“ (zu letzterem gehören: Heimstättenamt, KdF sowie „Internationales Büro Freude und Arbeit“ mit einer gleichnamigen Zeitschrift bei Georg von Holtzbrinck). Amt Bau Amt für Leistungsertüchtigung, Berufserziehung und Betriebsführung Amt für Rechtsberatungsstellen Amt Schönheit der Arbeit (bis 1939) Amt für technische Wissenschaften Amt für Volksgesundheit Amt Heer Amt Kriegsmarine Amt Luftwaffe Amt Werkschar und Schulung Arbeitswissenschaftliches Institut AWI Deutsche Arbeitsopfer-Versorgung DAOV Frauenamt Jugendamt Kraft durch Freude, oft abgekürzt als „KdF“ Unterorganisationen: Amt für Reisen, Wandern und Urlaub (RWU) und Deutsches Volksbildungswerk (DVW) ReichsarbeitskammerPersonalunion mit der DAF: Die Reichsarbeitskammer wird vom Leiter der Deutschen Arbeitsfront geleitet. Er beruft als Mitglieder die Leiter der Reichsbetriebsgemeinschaften, die Gauwalter der Deutschen Arbeitsfront, Einzelpersonen und die Leiter der Ämter des Zentralbüros der Deutschen Arbeitsfront und überträgt der Reichsarbeitskammer die von ihr zu bearbeitenden Aufgaben. Ein gleichzeitiger Erlaß regelt die Bildung der Arbeitskammern in den 18 Wirtschaftsbezirken. Mitglieder der Arbeitskammer sind: außer dem durch Sonderverfügung berufenen Leiter alle zum Gebiet der Arbeitskammer noch gehörenden Gauwalter, von jeder Reichsbetriebsgemeinschaft, die im Gebiete der Arbeitskammer vorkommt, je ein Gaubetriebsgemeinschaftswalter, auf Vorschlag des Leiters der Arbeitskammer Kreiswalter der Deutschen Arbeitsfront, Einzelmitglieder und je ein Abteilungsleiter der bzw. einer Gauleitung der Deutschen Arbeitsfront. Quelle: Jahrbuch für das Berg- und Hüttenwesen in Sachsen. Jg. 1936,-- Hauptgeschäftsführer: Jäckel, Vorname unbek., nach 1945 FDP Berufswettkampf aller schaffenden Deutschen Reichsheimstättenamt Das „Sozialwerk des deutschen Volkes“

Unternehmen der DAF Die DAF war die finanzkräftigste Organisation des „Dritten Reichs“, sie verfügte „über einen umfänglichen Komplex sehr profitabler Unternehmen“, die „vom Umsatz her dem damals weltgrößten Chemiekonzern, der IG Farbenindustrie, nahekamen“. Zur Unternehmensgruppe gehörten viele Unternehmen aus Gewerkschaftsbesitz, die im Rahmen der Gleichschaltung enteignet wurden, und auch Neugründungen. Im Versicherungsbereich waren dies Volksfürsorge, Deutscher Ring und Deutsche Leben. Im Bankenbereich ist vor allem die Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten zu nennen, die am 31. Oktober 1933 in Bank der Deutschen Arbeit umfirmierte. Auch die Bank des christlichen DGB, die später in National-Bank umbenannte Deutsche Volksbank, die Bank des Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verbands (DHV) Deutsche-Angestellten-Verbands-Sparkasse (DAVS) und viele kleinere Banken (z. B. die Deutsche Werkmeister-Sparbank AG, Industriebeamten-Sparbank e.G.m.b.H, Deutsche Wirtschaftsbank oder der Bank für deutsche Arbeit und Sparbank von 1820 AG) gingen in den Besitz der DAF über. Während die National-Bank im Laufe der Jahre abgestoßen und zu einer Regionalbank umgebaut wurde, wurden die anderen Bankbeteiligungen im Laufe der 1930er Jahre auf die Bank der Deutschen Arbeit übertragen.

Wesentlich war auch das Verlagsgeschäft der DAF. Die wichtigsten Verlage waren die beiden vom DHV übernommenen Verlage, der Hanseatischen Verlagsanstalt (HAVA) und der Langen Müller Verlag. Ab 1936 übernahm der neu gegründete Verlag der Deutschen Arbeitsfront (Zentralverlag) zunehmend die wichtigste Rolle der drei Großverlage der DAF.Rüdiger Hachtmann: Das Wirtschaftsimperium der Deutschen Arbeitsfront 1933–1945. Wallstein, Göttingen 2012, ISBN 978-3-8353-1037-7 Für die DAF gab der Verleger Otto Karl Stollberg die Zeitung „Der Deutsche – die Tageszeitung der Deutschen Arbeitsfront“ heraus.