mini|Die Bergheimer Innenstadt
Bergheim ist die Kreisstadt des Rhein-Erft-Kreises in Nordrhein-Westfalen. Sie entstand 1975 als Folge des Köln-Gesetzes aus dem Zusammenschluss der Stadt Bergheim mit den Gemeinden Niederaußem, Oberaußem-Fortuna, Hüchelhoven, Quadrath-Ichendorf und Paffendorf sowie Teilen der heutigen Städte Elsdorf und Bedburg.
Geografie Geografische Lage Bergheim liegt circa 20 km Luftlinie westlich von Köln auf etwa . Die höchste Bergheimer Erhebung ist die mit Abraum des Braunkohleabbaus aufgeschüttete Glessener Höhe mit . Zwischen dem Stadtzentrum und den nördlichen Stadtteilen erstrecken sich die Ausläufer des Villerückens. Durch Bergheim fließt die Erft. Die Stadt liegt in der Zülpicher Börde, die ihrerseits zur Kölner Bucht gehört. Wirtschaftsgeographisch liegt Bergheim im Rheinischen Braunkohlerevier.
Nachbarstädte Grevenbroich Rommerskirchen Pulheim Bedburg Windrose Frechen Bedburg / Elsdorf Elsdorf Kerpen
Gewässer Fließgewässer Bergheim liegt an der Erft, die sich auf dem Stadtgebiet in mehrere Seitenarme teilt: Große Erft, Kleine Erft und Erftkanal. Diese Arme wurden angelegt, um das ursprünglich sumpfige Land zu entwässern. Die Erft ist ab Bergheim für Kanus befahrbar. Der Gillbach ist neben der Erft das bedeutendste Bergheimer Fließgewässer. Er entspringt im Stadtteil Auenheim und mündet bei Neuss in die Erft. Des Weiteren fließen der Wiebach, das Elsdorfer Fließ und der Glessener Bach durch Bergheim.
Seen Zwischen Bergheim und Bedburg liegt das Peringsmaar. Es ist Teil der rekultivierten Gebiete des Braunkohlentagebaus Fortuna/Garsdorf.mini|Die Erft
Stadtgliederung Ausdehnung des Stadtgebiets Das Stadtgebiet hat eine Ausdehnung von 96,33 Quadratkilometern.
Stadtteile und Einwohner Bergheim besteht aus 15 Ortsteilen: Ahe, Auenheim, Bergheim-Mitte, Büsdorf (Ersterwähnung 893), Fliesteden (Ersterwähnung 1134), Glesch, Glessen, Kenten, Niederaußem (Ersterwähnung 969), Oberaußem (Ersterwähnung 969), Quadrath-Ichendorf (bevölkerungsreichster Stadtteil), Paffendorf (Ersterwähnung 882), Rheidt-Hüchelhoven, Thorr und Zieverich (Ersterwähnung 898).
mini|Bergheim auf der Tranchotkarte von 1807
Ortsteil EinwohnerAhe 4.076Auenheim 407Bergheim-Mitte6.555Büsdorf 1.376Fliesteden 2.076Glesch 2.003Glessen 6.117Kenten 6.951Niederaußem 5.783Oberaußem 6.029Paffendorf 1.232Quadrath-Ichendorf 14.509Rheidt-Hüchelhoven 1.849Thorr 2.530Zieverich 4.899Bergheim gesamt 66.332
Stand: 30. Juni 2026 (Einwohner mit Hauptwohnsitz)
Geschichte mini|Die Karte zeigt die Gaue im Rheinland. Die Grenzen zwischen Gillgau und Kölngau (linker Kartenrand) sind unklar. Vor- und Frühgeschichte Verschiedene Funde belegen frühe Siedlungen auf Bergheimer Gebiet bereits um 4000 vor Chr., vor allem in den nördlichen Stadtteilen. Bei Niederaußem gab es ein Grabhügelfeld, das dem Tagebau zum Opfer fiel. Um 50 vor Chr. siedelten die Römer im Gebiet um Bergheim. Die römische Fernstraße von Köln nach Boulogne-sur-Mer/Bonen (Gesoriacum), heute benannt als Via Belgica, verlief über das Gebiet des heutigen Bergheim. Nach den Römern übernahmen die Franken das Erftland. Bergheim lag damals im Grenzgebiet zwischen Gillgau, Kölngau und Jülichgau.
Mittelalter mini|Die mittelalterliche Stadtbefestigung Bergheims mini|Das Aachener Tor bei Nacht
mini|Die Bergheimer Altstadt
mini|hochkant|Preußischer Meilenstein am Ortseingang von Niederaußem
Erwähnt wird Bergheim erstmals in einer Urkunde aus dem Jahr 1028 (einige Stadtteile auch wesentlich früher), in welcher Hezelin, der Bruder des Pfalzgrafen Ezzo, die ihm gehörende Grundherrschaft Bergheim, die ehemals Reichsgut war, an die Reichsabtei Kornelimünster verschenkte. Die Abtei an der Inde verblieb bis zum Ende des Alten Reiches im Besitz der Grundherrschaft von Bergheimerdorf, zu der die meisten Orte der heutigen Stadt gehörten.
Die Vogtei über die Bergheimer Grundherrschaft übten seit dem 13. Jahrhundert die Grafen von Jülich aus. Sie bauten hier eine Burg. Aus der Burgsiedlung entwickelte sich Bergheim. Bergheim erhielt um 1300 Stadtrechte. Die Fernstraße Köln–Aachen wurde direkt durch die Innenstadt verlegt. Im Mittelalter war Bergheim Zoll- und Münzstätte der Herzöge von Jülich sowie Marktort.
Die Stadt Bergheim war im Mittelalter von zwei Stadttoren und einer Mauer gesichert. Von den Anlagen sind noch heute das Aachener Tor sowie Teile der Mauer mit Türmen erhalten.
Eine Quittung von Herzog Gerhard von Jülich-Berg für seinen Landrentmeister zu Jülich aus dem Jahr 1440 belegt, dass es in jenem Jahr in Bergheim zu einem Treffen des Herzogs mit dem Erzbischof von Köln, Dietrich II. von Moers, und dem Grafen Friedrich IV. von Moers kam.LAV NRW, Abteilung Rheinland, Jülich-Berg I, 1286. Auch Gerhards Sohn Herzog Wilhelm von Jülich-Berg besuchte Bergheim. Am 27. Juni 1492 stellte er hier eine Urkunde aus, in der er sich bei Graf Vincenz von Moers darüber beschwerte, dass einer von Wilhelms Dienern beim Zoll bekümmert worden sei.LAV NRW, Abteilung Rheinland, Jülich-Berg I, 327. Mit Vincenz Nachfolger, dem Grafen Wilhelm II. von Wied-Runkel-Moers, wiederum verabredete Herzog Wilhelm von Jülich-Berg für den 17. August 1494 eine Tagfahrt zu Bergheim zur Erledigung von Mißhelligkeiten.LAV NRW, Abt. Rheinland, Jülich-Berg, Lit. n. 607. Bergheim scheint zu jener Zeit ein bevorzugter Ort für Konsultationen der Herzöge von Jülich-Berg gewesen zu sein.
Nördlich neben der befestigten Stadt lag entlang eines der Erftgräben der Kirchort Bergheimerdorf, der eine eigene Grundherrschaft bildete. Das Besetzungsrecht der Kirche hatte der Abt von Kornelimünster.
Neuzeit Im Jahr 1521 besuchte der berühmte Maler Albrecht Dürer die Stadt und aß hier zu Mittag: „Am Montag frühe fuhren wir durch Gülch, ein Stadt, und kamen gen Perckan [Bergheim]; da aßen und trunken wir und verzehrten 3 Stüber. Von Dannen fuhren wir noch durch 3 Dörfer und kamen geng Cöhln.“ 1542 wurde die Stadt infolge der kriegerischen Wirren zwischen dem Landesherrn sowie Kaiser Karl V., der Bergheim selbst drei Mal besucht hat, weitgehend zerstört. Die alte Bedeutung konnte Bergheim seither bis zum 19. Jahrhundert nicht wieder erlangen. Nach dem Ende des alten Reiches und dem Übergang an Frankreich wurde Bergheim Hauptort des gleichnamigen Kantons im Département de la Roer, beispielsweise besuchte Napoleon Bonaparte am 7. November 1811 die Stadt, nach dem Einmarsch der Preußen 1816 Kreisstadt. Im Jahre 1815 verbrachte der Duke of Wellington, Sieger über Napoleon, eine Nacht in der Hauptstraße 40 (Bergheim). Bergheim blieb nach dem Krieg übergeordnetes Verwaltungszentrum. Ein neuer Aufschwung der Stadt begann mit der Industrialisierung in den 1890er Jahren. Besonders die Braunkohlengruben in der Nähe der Stadt sowie der Anschluss an das rheinische Eisenbahnnetz trugen in erheblichem Maße zur städtischen Entwicklung bei. Bereits 1935 arbeiteten mehr Menschen in den großen Industriebetrieben – wie Braunkohle- und Chemiewerken – als in der Landwirtschaft und in den sonstigen Gewerben
Im Zweiten Weltkrieg hatte Bergheim durch Bombardierungen der Alliierten und durch die Kampfhandlungen bei der Besetzung im März 1945 stark zu leiden. Insgesamt wurden 4,2 Prozent der Wohnhäuser total zerstört, 11,8 Prozent schwer und 37,6 Prozent leicht beschädigt. Nach dem Krieg nahm Bergheim über 5000 Flüchtlinge vor allem aus den Ostgebieten auf, die die konfessionelle sowie soziale Zusammensetzung der Bevölkerung in starkem Maße veränderten.
Durch Bildung des Amtes Bergheim aus dem Zusammenschluss der Ämter Bergheim und Paffendorf sowie der Gemeinde Hüchelhoven im Jahr 1937 war die verwaltungsmäßige Voraussetzung für das in den Nachkriegsjahrzehnten starke Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum geschaffen worden. Von 1945 bis 2005 stieg die Einwohnerzahl um mehr als das Dreifache. 1958 kam die Gemeinde Wiedenfeld zu Bergheim, die wegen des Braunkohlentagebaus Fortuna/Garsdorf umgesiedelt werden musste. In den 1980er Jahren verschwand ein weiterer Ort von der Bergheimer Landkarte. Die zu Oberaußem gehörende Bergarbeitersiedlung Fortuna wurde aufgelöst, ein Teil der Bewohner wurde auf Werkswohnungen im ganzen Rhein-Erft-Kreis verteilt, ein anderer Teil erhielt Zuschüsse für den Bau neuer Eigenheime an anderen Orten.
1968 wurde in Ahe und Zieverich eine neue Form des Wohnungsbaus begonnen: die Wohnparks. Der zuständige Bauunternehmer Herbert Hillebrandt beabsichtigte damit Wohnungen zu schaffen, die sowohl verkehrsgünstig gelegen sind, als auch einen hohen Wohnkomfort und Gemeinschaftsaktivitäten gewähren. Dieses Vorhaben erweckte so viel Interesse, dass auch der damalige Bundeswohnungsbauminister Hans-Jochen Vogel die Stadt besuchte.
Seit der kommunalen Neugliederung 1975 besteht Bergheim aus 15 Stadtteilen, ist Sitz des Rhein-Erft-Kreises und zahlreicher Verwaltungen. Es ist neben Kerpen die bevölkerungsreichste Kommune im Rhein-Erft-Kreis.
Eingemeindungen mini|1975 wurde auch der ehemals zu Bedburg gehörende Ort Auenheim Bergheimer Stadtteil
Im Jahr 1938 wurden die Gemeinden Kenten und Zieverich eingemeindet. Am 1. April 1958 kam Wiedenfeld hinzu. Am 1. Januar 1975 wurden die Gemeinden Glesch, Niederaußem, Oberaußem-Fortuna, Quadrath-Ichendorf, Paffendorf und Rheidt-Hüchelhoven sowie ein Teil der Stadt Bedburg (Auenheim), Teile der Gemeinde Elsdorf (Ahe und Thorr) sowie der Gemeinde Hüchelhoven (Büsdorf, Fliesteden und Glessen) eingegliedert.
Einwohnerentwicklung Im Mittelalter und der frühen Neuzeit war Bergheim nur eine kleine Stadt mit wenigen hundert Einwohnern. Die Bevölkerungszahl wuchs nur langsam und ging durch die zahlreichen Kriege, Seuchen und Hungersnöte immer wieder zurück. Durch die Industrialisierung im 20. Jahrhundert beschleunigte sich das Bevölkerungswachstum. Lebten 1900 erst 1400 Menschen in der Stadt, so waren es 1950 bereits 6900. Auch danach stieg die Bevölkerungszahl weiter. 1970 hatte Bergheim 10.225 Einwohner.
Die Eingemeindung zahlreicher Orte brachte am 1. Januar 1975 einen Zuwachs von 36.325 Personen auf 49.457 Einwohner. 2002 erreichte die Bevölkerungszahl mit 63.728 ihren bisherigen Höchststand. Am 30. Juni 2005 betrug die „Amtliche Einwohnerzahl“ für Bergheim nach Fortschreibung des Landesamtes für Datenverarbeitung und Statistik Nordrhein-Westfalen 63.639 (nur Hauptwohnsitze nach Abgleich mit den anderen Landesämtern).
Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Dabei handelt es sich um Volkszählungsergebnisse (*) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes. Die Angaben beziehen sich ab 1871 auf die „ortsanwesende Bevölkerung“, ab 1925 auf die Wohnbevölkerung und seit 1987 auf die „Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung“.
Jahr Einwohner 1. Dez. 1871 1100 1. Dez. 1885 1255 1. Dez. 1900 1400 1. Dez. 1905 1500 1. Dez. 1910 1803 16. Juni 1925 2500 13. Sept. 1950 6900 6. Juni 1961 8631 27. Mai 1970 10.225 30. Juni 1974 12.754 31. Dez. 1975 50.272 31. Dez. 1980 54.064 31. Dez. 1985 54.061 25. Mai 1987 54.545 31. Dez. 1990 58.146 Jahr Einwohner 31. Dez. 1995 60.610 31. Dez. 2000 63.526 30. Juni 2005 63.639 31. Dez. 2011 62.129 31. Dez. 2012 59.297 31. Dez. 2013 59.272 31. Dez. 2014 59.656 31. Dez. 2015 60.390 31. Dez. 2016 60.288 31. Dez. 2017 61.099 31. Dez. 2019 61.60131. Dez. 2022 66.162 31. Dez. 2025 61.976 mini|400px|links|Einwohnerentwicklung von 1871 bis 2017
Politik
Stadtrat Der Stadtrat ist die kommunale Volksvertretung der Stadt Bergheim. Über die Zusammensetzung entscheiden die Bürger alle fünf Jahre, zuletzt am 14. September 2025. Das Ergebnis dieser Wahl führte zu folgender Sitzverteilung im Rat:
Bürgermeister 1975–1980 Hubert Rheinfeld (SPD) 1980–1985 Bernd Poulheim (SPD) 1985–1996 Wilhelm Schmitt (SPD) 1996–2004 Jürgen Peters (SPD) 2004–2017 Maria Pfordt (CDU) 2017– Volker Mießeler (CDU) mini|Altes Rathaus in Bergheim