Dieser Artikel behandelt tagesbezogene Nachrichten und Ereignisse im Dezember 2006.
Tagesgeschehen Freitag, 1. Dezember 2006 mini|150px|Vulkan Mayon mini|150px|Symbol der Solidarität mit HIV-positiven und AIDS-kranken Menschen Berlin/Deutschland: Die Große Koalition vereinbart, zum allgemeinen Gesundheitsschutz ein grundsätzliches Rauchverbot auf den Weg zu bringen. Der Entwurf sieht in allen öffentlichen Gebäuden, Krankenhäusern, öffentlichen Verkehrsmitteln und Restaurants ein Rauchverbot vor. Ausnahmebereiche werden genau definiert: Es soll in Zukunft nur in gesonderten Räumen geraucht werden dürfen, die mit Türen vom Nichtraucher-Bereich abgetrennt sein müssen. In Schulen soll Rauchen ganz verboten werden. Von den geplanten Verboten ausgenommen sind in Anlehnung an das Gaststättenrecht Bars, Nachtclubs, Kneipen und Bierzelte. Manila/Philippinen: Am Vulkan Mayon löst der heftige Taifun «Durian» eine riesige Schlammlawine aus. Sie tötet in 8 Dörfern bei Padang (330 km südlich der Hauptstadt) nach Angaben des Roten Kreuzes mindestens 380 Menschen.netzeitung.de: tsarchive.wordpress.com: Pregny-Chambésy/Schweiz: 25 Jahre nachdem Mediziner an Patienten erstmals ein erworbenes Immunschwächesyndrom erkannten und zehn Jahre nach dem Start des Gemeinsamen Programms der Vereinten Nationen (UN) für HIV/Aids stellen die UN fest, dass bisher jedes Jahr im Schnitt eine Million Menschen an AIDS starben. Die Geschwindigkeit der Ausbreitung des HI-Virus habe in den letzten Jahren abgenommen, es gebe aber keinen Anlass zu einer „Entwarnung“.
Samstag, 2. Dezember 2006 Havanna/Kuba: Mit einer großen Militärparade in der Hauptstadt feiert die regierende Kommunistische Partei den Beginn der Revolution vor 50 Jahren. Bei der Zeremonie fehlt der erkrankte Präsident Fidel Castro, der seit Juli nicht mehr in der Öffentlichkeit auftrat. An seiner Stelle leitet sein jüngerer Bruder Raúl Castro die Feierlichkeiten.
Sonntag, 3. Dezember 2006 mini|150px|Gloria Macapagal Arroyo Caracas/Venezuela: Präsident Hugo Chávez wird bei den Präsidentschaftswahlen mit 63 % Zustimmung in seinem Amt bestätigt. Manila/Philippinen: Präsidentin Gloria Arroyo ruft nach den verheerenden Muren vom Freitag den Notstand aus, ersucht um internationale Hilfe und gibt 20 Mill.$ für Sofortmaßnahmen frei. Das Rote Kreuz befürchtet, dass die Zahl der Todesopfer auf über 1000 ansteigt. Nach Berichten von Überlebenden riss die Schlammlawine Baumstämme und Felsblöcke mit sich und kam so schnell, dass man sich kaum mehr in höhere Stockwerke retten konnte. Über 100.000 Häuser wurden völlig zerstört und fast eine Million Menschen obdachlos. Neben der Provinz Albay rund um den Vulkan hat der Taifun, der über 200 km/h hatte, auch in anderen Provinzen gewütet und zieht nun nach Vietnam weiter, wo etwa 50.000 Evakuierungen anlaufen.
Montag, 4. Dezember 2006 mini|150px|Mond und Plejaden im Größenvergleich Belém/Brasilien: Für den Amazonas-Regenwald wird das weltweit größte Urwaldschutzgebiet beschlossen. Simao Jatene, der Gouverneur der Nordprovinz Pará, gibt den Zusammenschluss von 7 Nationalparks bekannt, die 160.000 km² umfassen und auch in die Bundesstaaten Amapa und Amazonas hineinreichen. Damit stünden 42 % des Amazonas unter Schutz. Die Region ist von zahllosen Landkonflikten, illegaler Abholzung und der sklavenähnlichen Ausbeutung von Indios betroffen; laut Imazon (Institut für Umweltforschung im Amazonasgebiet) und soll nun ein Modell für nachhaltige Entwicklung werden.orf.at London/Vereinigtes Königreich: Zehn Tage nach dem Tod des russischen Ex-Spions Alexander Litwinenko reisen britische Kriminalbeamte nach Russland, um mehrere Zeugen des Giftmordes zu vernehmen. Zu ihnen gehören der frühere Geheimdienstler Andrej Lugowoj und zwei Russen, mit dem sich Litwinenko am 1. November in einer Londoner Hotelbar getroffen hatte. Vertraute Litwinenkos fordern, auch den früheren FSB-Offizier Michail Trepaschkin zu befragen. Er ist wegen Geheimnisverrats inhaftiert und hatte am 1. Dezember von einer speziellen Agentengruppe gesprochen, die Litwinenko und andere Kritiker des Präsidenten Russlands Wladimir Putin töten solle. Auch der am 1. November anwesende, in einer Londoner Klinik liegende Italiener Mario Scaramella kündigt Enthüllungen an. In seinem Urin fand sich ebenfalls das radioaktive Gift Polonium 210. Moskau/Russland: In diesem Zusammenhang warnt der russische Außenminister Sergei Lawrow, die Beziehungen zwischen Russland und Großbritannien zu schädigen, falls der Fall weiter „politisiert“ werde. Die „Kampagne“ über eine angebliche Verwicklung russischer Behörden in den Tod des Ex-Spions sei inakzeptabel. In der Montagausgabe der Zeitung „Kommersant“ erhebt der Vater Litwinenkos schwere Vorwürfe gegen die Regierung: „Es gab einen Befehl direkt von oben, meinen Sohn zu töten“. Sonnensystem: In den Morgenstunden ereignet sich aus Perspektive der Erde eine der seltenen Plejaden-Bedeckungen durch den Mond.
Dienstag, 5. Dezember 2006 Assen/Niederlande: Die niederländische Srebrenica-Schutzeinheit „Dutchbat“ erhält unter Protest der Überlebenden des Massakers von Srebrenica ein Ehrenzeichen von Verteidigungsminister Kamp. Unter Beobachtung der UN-Schutzeinheit wurden 1995 beim Massaker der serbischen Einheiten über Personen getötet. Moskau/Russland: In Russland ist der Chef der unabhängigen Gasfirma Itera-Samara, Alexander Samoilenko, von Killern erschossen worden. Peking/China: China will die DVD vom Markt drängen, um mit der EVD seinen Gewinn maximieren zu können. Suva/Fidschi: Nachdem die Polizei ihre Bewaffnung in den letzten Tagen dem Militär aushändigen musste, umstellt dieses die Residenz von Ministerpräsident Laisenia Qarase und übernimmt die Macht im Südpazifik-Staat. Qarase wurde im Mai 2006 zu einer zweiten fünfjährigen Amtszeit gewählt und verweigerte bislang den Rücktritt. Fidschis Militärchef Frank Bainimarama, ein Unterstützer der indischen Minderheit, wirft der Regierung Korruption und das Schüren ethnischer Spannungen vor. Australien entsendet drei Marineschiffe in die Region, um notfalls Urlauber heimzuholen. Washington, D.C./Vereinigte Staaten: Bei einem Treffen mit US-Präsident George W. Bush fordert Abdul Asis al-Hakim, Parteichef der größten irakischen Regierungspartei Sciri, ein schärferes Vorgehen der Vereinigten Staaten gegen Aufständische im Irak, um einen Bürgerkrieg zu verhindern. Der Schiiten-Führer bestreitet, die Gewalt gegen Sunniten zu schüren und die Existenz schiitischer Todesschwadronen. Er wird von Bush für seine „starke Position gegen den Mord an Unschuldigen“ gelobt. Politologen werten Hakims Besuch als Signal, dass Bush eine direktere Rolle in der Bekämpfung der Gewalt im Irak übernehmen will. In Kürze werden die Vorschläge einer unabhängigen Irak-Kommission unter dem Ex-Außenminister James Baker zu einem möglichen Strategiewechsel erwartet.
Mittwoch, 6. Dezember 2006 mini|150px|Robert Gates Düsseldorf/Deutschland: Die nordrhein-westfälischen Regierungsparteien CDU und FDP einigen sich auf eine Gesetzesvorlage zum Wahlrecht. Es soll künftig bei Landtagswahlen eine Zweitstimme geben. Dies würde „kleineren“ Parteien zu mehr Mandaten verhelfen, denn es zeigt sich bei Bundestagswahlen, dass Wähler, die ihre Erststimme einem Kandidaten einer der großen Parteien geben – CDU oder SPD −, ihre Zweitstimme nur selten der anderen großen Partei zukommen lassen. Häufiger ist eine Splittung zwischen einer großen Partei und einer der kleineren, z. B. zwischen CDU und FDP. Suva/Fidschi: Wie seit Tagen angekündigt, übernimmt das Militär die Regierung und der Armeechef Voreqe Bainimarama die Befugnisse des Staatspräsidenten. Er entlässt Ministerpräsident Laisenia Qarase und ernennt den pensionierten Arzt Jona Senilagakali zum Nachfolger. Nach Bildung einer Übergangsregierung zur Einleitung von Parlamentswahlen soll Präsident Ratu Josefa Iloilo in sein Amt zurückkehren. Qarase wird vorgeworfen, die ethnischen Spannungen zwischen der Mehrheit der Ureinwohner Fidschis und der indischen Minderheit durch verfassungswidrige Gesetze zu schüren. International wird der Putsch verurteilt und die Rückkehr zur gewählten Regierung gefordert. Auch könne der Ausnahmezustand die Wirtschaft ernsthaft gefährden, die vor allem auf Zucker-Exporten und Winter-Tourismus beruht.20min.ch Washington, D.C./Vereinigte Staaten: Der neue Verteidigungsminister Robert Gates meint, die US-Truppen könnten im Irak gegen die Aufständischen kaum mehr siegen. Die paritätische Irak-Kommission unter James Baker empfiehlt eine grundlegende Neuausrichtung der Irak-Politik. Das US-Militär solle sich statt Kampfeinsätzen auf die Unterstützung der irakischen Sicherheitskräfte konzentrieren. Angeblich schlagen die Experten eine Halbierung der Truppen bis Ende 2007 vor sowie die Einbindung der Nachbarländer Syrien und Iran in politische Gespräche. Washington, D.C./Vereinigte Staaten: Die NASA plant, bis 2020 eine ständig bemannte Mondstation zu errichten. Sie soll Ausgangspunkt zur weiteren Weltraumforschung, für Rohstoffgewinnung und für den bemannten Marsflug sein. Erste Testflüge sollen 2009 stattfinden. Anfang 2010 wird man mit einer Rückkehr zum Mond innerhalb von 10 Jahren sowie einer Mondstation ab 2025 rechnen.dw.com Washington, D.C./Vereinigte Staaten: Gleichzeitig gibt die NASA bekannt, dass auf dem Mars Wasser in flüssiger Form und nicht nur als Eis existiere. Bilder des Global Surveyor zeigen junge Sedimente am Fuß zweier steiler Erdrinnen. Die bisher nachgewiesenen Marskanäle sind demgegenüber viele Jahrmillionen alt und werden auf plötzliche Schmelzwässer zurückgeführt. Wien/Österreich: Die Regierungsverhandlungen zwischen SPÖ und ÖVP stocken wegen der Finanzierung mehrerer Vorschläge. Nun soll eine Finanzgruppe mit Christoph Matznetter und Finanzminister Karl-Heinz Grasser alle Vorschläge prüfen und neue Staatsschulden vermeiden. In den letzten Tagen hatte man sich u. a. auf eine bedarfsorientierte Grundsicherung von 725 Euro geeinigt, wie sie Linksparteien und Katholische Soziallehre seit langem fordern, für deren Mehrkosten aber mit den 9 Bundesländern zu verhandeln wäre. Wiesbaden/Deutschland: Die Studie „Leben in Europa“ des statistischen Bundesamtes ergibt, dass 13 % der Deutschen von Armut bedroht sind. Ohne Sozialleistungen wäre es fast ein Viertel. Damit liegt die BRD etwa im Mittelfeld der EU, deren aufwendiges Projekt international vergleichbare Daten zur Armutsbekämpfung erstellen soll. Sie beruhen auf 25.000 Befragungen 2004, also noch vor der von Hartz IV-Arbeitsmarktreform. Insbesondere Alleinerzieher sind zu 30 % armutsgefährdet, doch auch bei Elternpaaren mit 1–2 Kindern beträgt sie 7–10 %. Viele kinderreiche Familien liegen nur knapp über der Armutsgrenze.
Donnerstag, 7. Dezember 2006 Paris/Frankreich: Der neue Nachrichtenkanal France24 geht auf Sendung. Das von Präsident Chirac unterstützte Projekt soll „Frankreichs Blick auf die Welt“ verbreiten und der Übermacht angelsächsischer Marktführer wie CNN und BBC entgegenwirken. Zunächst nur auf Internet und ab Samstag über Astra-Satelliten und Kabelnetze verbreitet, soll das zweisprachige Programm (englisch und französisch) in 90 Ländern und über 75 Millionen Haushalten empfangbar sein und in 6 Monaten auf Arabisch ergänzt werden.
Freitag, 8. Dezember 2006 Hamburg/Deutschland: Der Fall des mit Polonium vergifteten ehemaligen KGB-Agenten Alexander Litwinenko hat nun auch deutschen Boden erreicht. In Hamburg-Ottensen finden Ermittler ebenfalls Spuren des hochgradig radioaktiven Poloniums 210 in dem Mehrfamilienwohnhaus seines Kontaktmannes Dmitri Kowtun. Kowton hatte Litwinenko am 1. November, dem vermuteten Zeitpunkt der Vergiftung, in London getroffen. Der 41-jährige Kowton befindet sich aufgrund seiner eigenen Strahlenkrankheit in einem Moskauer Krankenhaus. Scotland Yard unterstützt die Ermittlungen der deutschen Staatsanwaltschaft.