Die Schlacht um Timor () fand im Pazifikkrieg 1942 bis 1943 während des Zweiten Weltkrieges statt. Auf der südostasiatischen Insel Timor bekämpften die Alliierten, hauptsächlich australische und niederländische Truppen, die japanischen Invasoren im Jagdkampf. Viele Einheimische und portugiesische Kolonisten unterstützten die Alliierten, versorgten sie mit Lebensmitteln oder boten Obdach. Andere Timoresen unterstützten die Japaner in der Hoffnung, die koloniale Herrschaft der Europäer abschütteln zu können.
Die Versorgung der alliierten Truppen erfolgte durch Flugzeuge und Boote, die in Darwin, 650 Kilometer jenseits der Timorsee, stationiert waren. Durch die Kämpfe wurde eine komplette japanische Division für mehr als sechs Monate auf Timor gebunden. Die Kommandoaktionen der Alliierten wurden am 10. Februar 1943 beendet, als der letzte australische Soldat aus Timor evakuiert wurde. Die Timoresen führten den Widerstand weiter. Den Vergeltungsmaßnahmen der Japaner fielen Zehntausende von Timoresen zum Opfer.
Vorbereitungen mini|links|Situation in Südostasien 1941–1942
Westtimor war 1941 Teil Niederländisch-Indiens, während der Osten die Kolonie Portugiesisch-Timor bildete. Portugal hatte sich im Zweiten Weltkrieg für neutral erklärt. Entsprechend hatte Japan Portugiesisch-Timor zunächst nicht in seine Strategie miteinbezogen, auch wenn mehrere japanische Agenten in der Kolonie tätig waren. Tokio profitierte durchaus von strategischen Informationen, die es über diplomatische Wege aus Lissabon erhielt. Entsprechend wollte Japans Ministerpräsident Hideki Tojo keine Unterbrechung der Beziehungen. Zudem war Japans Verbündeter Deutschland auf Materiallieferungen aus Portugal angewiesen, weswegen es Tokio anwies, hier keine Komplikationen zu verursachen. Niederländisch-Timor war dagegen ein klares Ziel der japanischen Expansion.Tsuchiya: Indigenization of the Pacific War in Timor Island: A Multi-language Study of its Contexts and Impact, 2018, S. 2.
Im Dezember 1941 baten die Niederlande um die Entsendung australischer Truppen nach Kupang, der Hauptstadt des niederländischen Westteils der Insel, und auf die Insel Ambon, entsprechend den Vereinbarungen, die im selben Jahr in Singapur getroffen worden waren. Diese Vereinbarungen trugen den Namen Plenaps für „Plans for the employment of naval and air forces of the associated powers in the eastern theatre in the event of war with Japan“ (). Aufgrund von Plenaps waren bereits im November 1941 Truppen, inklusive einiger US-amerikanischer Flottenverbände, in Marsch gesetzt worden. Am 10. Dezember verließ eine australische Einheit mit 1.402 Mann, die den Namen „Sparrow Force“ erhielt, den Hafen von Darwin an Bord der SS Zealandia und des Hilfskreuzers HMAS Westralia in Richtung Kupang, wo sie am 12. Dezember ankam.Gill: Royal Australian Navy 1939–1942. 1957, S. 473–474 Erst kurzfristig entschied man sich, auch nach Ambon Truppen zu entsenden. Die 1.090 Mann der „Gull Force“ () verließen Darwin am 14. Dezember auf drei niederländischen Frachtern.Gill: Royal Australian Navy 1939–1942. 1957, S. 496
mini|links|Der Strand bei Usapa Besar. Hier ging die australische Sparrow Force am 12. Dezember 1941 an Land.
Die aus dem 2/40th Battalion der Australian 8th Division (aus Tasmanien) und der 2nd Australian Army Independent Company (die spätere 2/2 Commando Squadron)Australian Society for the Study of Labour History: Paddy Kenneally, a ‘Foot Soldier’ from Miller’s Point, abgerufen am 15. November 2019. (Western Australia) bestehende Einheit wurde von Lieutenant Colonel William Leggatt kommandiert. Zu der Sparrow Force kamen noch 650 Mann der Königlich Niederländisch-Indischen Armee (Koninklijk Nederlandsch-Indisch Leger KNIL) unter Lt. Col. Nico van Straten inklusive des Timor-und-Dependenzen-Garnisonsbataillons, einer Kompanie des VIII. Infanteriebataillons, einer Reserveinfanteriekompanie, eines Maschinengewehrzugs des XIII. Infanteriebataillons und einer Artilleriebatterie. Die Landstreitkräfte wurden durch zwölf leichte Bomber vom Typ Lockheed Hudson des No. 2 Squadron der Royal Australian Air Force (RAAF) und ein 189 Mann starkes Kontingent der britischen 79th Light Anti-Aircraft Battery der Royal Artillery ergänzt, die bereits bei der Luftschlacht um England gekämpft hatten. Die alliierten Truppen wurden um das strategisch wichtige Flugfeld von Penfui stationiert. Es diente als zentrales Verbindungsglied zwischen Australien und den amerikanischen Truppen, die auf den Philippinen unter General Douglas MacArthur kämpften.Dennis: The Oxford Companion to Australian Military History. 2008, S. 529 Einige Einheiten waren auch in Klapalima, Usapa Besar, Babau stationiert. Die Versorgungsbasis der Sparrow Force lag weiter östlich in Champlong.
Einmarsch der Alliierten in Portugiesisch-Timor Portugal hatte bis zu diesem Zeitpunkt jegliche Zusammenarbeit mit den Alliierten abgelehnt und plante stattdessen, 800 seiner Soldaten aus Mosambik nach Portugiesisch-Timor zu bringen, um die Kolonie gegen eine mögliche japanische Invasion zu schützen. Die Alliierten sahen aber ihre Flanke gefährdet. Die portugiesische Kolonie könnte als Basis für Angriffe auf das 600 Kilometer entfernte Darwin genutzt werden.Tsuchiya: Indigenization of the Pacific War in Timor Island: A Multi-language Study of its Contexts and Impact, 2018, S. 3. In Dili, der Hauptstadt Portugiesisch-Timors hatte Australien bereits im Dezember 1940 David Ross als Qantasvertreter entsandt, 1941 wurde er zusätzlich britischer Honorarkonsul. Seine Hauptaufgabe bestand aber in der Aufklärung japanischer Tätigkeiten in der portugiesischen Kolonie. Japan engagierte sich in dieser Zeit bereits stark in der osttimoresischen Wirtschaft und eröffnete 1941 in Dili ein Konsulat. Ross konnte zusammen mit dem Marinegeheimagenten Lieutenant Whittaker schnell Erfolge bei seiner Arbeit verzeichnen. Innerhalb weniger Tage etablierten sie einen geheimen Kanal für tägliche Funkmeldungen nach Darwin. Ross entdeckte ein geheimes japanisches Flugfeld, japanische U-Boot-Aktivitäten und ein geheimes Waffenlager auf dem japanischen Seeflugzeugtender Nanyei Maru. Die europäische Bevölkerung ordnete Ross nach Unterstützer und Gegner der Achsenmächte.Assignment Aisa: WAYNE GOBERT UNCOVERS THE SURPRISING TRUTH OF AUSTRALIA'S INTELLIGENCE WORK BEFORE AND DURING WORLD WAR II., abgerufen am 16. August 2017. Auch andere australische Agenten und der als Agent arbeitende niederländische Journalist Stuinnrs warnten deutlich, dass man sich um Portugiesisch-Timor kümmern müsse.Wayne Gobert: The origins of Australian diplomatic intelligence in Asia, 1933-1941, S. 61 ff., 1992. Im September 1941 erklärte das australische Kabinett, dass eine japanische Invasion Portugiesisch-Timors möglich sei und forderte Großbritannien auf, Pläne für eine australisch-niederländische „Präventiv-Invasion“ der portugiesischen Kolonie vorzubereiten. Am 11. und 12. Dezember sandte der britische Secretary of State for Dominion Affairs Robert Gascoyne-Cecil zwei geheime Telegramme an Australiens Premierminister John Curtin. Auch in diesen wurde eine vorbeugende Maßnahme in Portugiesisch-Timor vorgeschlagen. Gascoyne-Cecil stellte es so dar, als hätte Portugal dieser bereits zugestimmt. Die australische Regierung entschied daraufhin, alliierte Streitkräfte auch nach Portugiesisch-Timor zu schicken.
mini|Das niederländische Küstenpanzerschiff Soerabaia
Am 15. Dezember verließ das alte niederländische Küstenpanzerschiff Soerabaia Kupang mit 200 niederländischen und 200 australischen Soldaten. Am 17. Dezember erreichte es Dili. Offiziere gingen als Unterhändler an Land und baten Manuel de Abreu Ferreira de Carvalho, den Gouverneur Portugiesisch-Timors, um die Erlaubnis, die Truppen anlanden zu dürfen. Carvalho protestierte und versuchte Zeit zu gewinnen, um auf Anweisungen durch seine Regierung über den Telegrafen zu warten. Mittags verloren die Alliierten die Geduld. Die Soerabaia ankerte vor der Küste Dilis, die Truppen wurden an Land gebracht und die 28-cm-Geschütze wurden einsatzbereit gemacht. Die 500 Soldaten der portugiesischen Armee leisteten keinen Widerstand gegen die Australier und Niederländer. Japanische Staatsangehörige wurden inhaftiert und auch Carvalho erklärte sich selbst zum Gefangenen, um das Erscheinungsbild der Neutralität zu wahren, während Portugals Diktator António de Oliveira Salazar gegen die Besetzung bei den alliierten Regierungen protestierte. Lokale Behörden kooperierten aber heimlich mit den Besatzern. Im Januar 1942 wurde der Großteil der niederländischen Truppen unter van Straten und die gesamte 2nd Independent Company unter Major A. Spence nach Portugiesisch-Timor verlegt. Dort wurden sie in kleineren Einheiten auf das Territorium verteilt. Im Januar 1942 bildeten die Truppen auf Timor eine Schlüsselposition in der sogenannten Malay Barrier unter dem American-British-Dutch-Australian Command unter General Archibald Wavell. Weitere australische Unterstützungseinheiten erreichten Kupang am 12. Februar. Mit dabei war Brigadier William Veale, der kommandierender Offizier (CO) der alliierten Truppen auf Timor wurde. Zu diesem Zeitpunkt litten viele Mitglieder der Sparrow Force unter den tropischen Bedingungen und Krankheiten wie Malaria.Henning: Doomed Battalion. 1995, S. 45The Java Gold's Blog: Australian – Dutch Guerrillas on Timor, abgerufen am 17. August 2017.
In Japan erfuhr man Anfang Januar 1942 von den alliierten Truppenstationierungen in der eigentlich neutralen Kolonie. Diese und die Inhaftierung der japanischen Bevölkerung lieferte dem Kaiserreich den Vorwand zur Intervention. Am 5. Januar präsentierte die Südliche Expeditionsarmee ihre Angriffspläne auf Niederländisch-Timor und berichtete dabei der Regierung von der australisch-niederländischen Invasion in Portugiesisch-Timor. Daher drängte man nun auf einen Angriff auf Dili. Die Entscheidung verzögerte sich, weil Hajime Sugiyama, der Chef des Generalstabes, und Außenminister Shigenori Togo sich in dieser Frage stritten. Sugiyama wollte die Eroberung Portugiesisch-Timors, Togo drängte auf die Respektierung der Neutralität Portugals.
Am 26. und 30. Januar kam es zu ersten Angriffen durch japanische Flugzeuge auf Penfui. Neben der britischen Flak setzte man auch elf Curtiss P-40 der 33rd Pursuit Squadron der United States Army Air Forces von Darwin aus gegen die Angreifer ein. Betreffs Portugiesisch-Timor folgte die japanische Regierung schließlich der Einschätzung der Armee und genehmigte den Angriff auf Dili. Premierminister Tojo und Osami Nagano, Chef des japanischen Marinegeneralstabes stritten noch, ob sich die japanischen Truppen, nach der Vernichtung der alliierten Einheiten in Dili, wieder aus der portugiesischen Kolonie zurückziehen oder es besetzt halten sollten. Schließlich beschloss man, dass die japanischen Streitkräfte bleiben sollten, bis Portugal sein Territorium durch Verstärkung seiner Truppen selbst schützen könnte. Die Entscheidung wurde am 8. Februar an die Südliche Expeditionsarmee weitergeleitet. Noch am selben Tag wurde Dili erstmals von japanischen Bombern angegriffen.Frédéric Durand: Three centuries of violence and struggle in East Timor (1726–2008), Online Encyclopedia of Mass Violence
mini|Die USS Houston wurde wenige Wochen vor ihrer Versenkung vor Timor eingesetzt.