Die Weltweite Evangelische Allianz (kurz WEA; ) wurde 1846 in der Freemasons’ Hall in London gegründet und ist die weltweit größte konfessionsübergreifende Vereinigung evangelischer Christen. Die WEA besteht aus Evangelischen Allianzen in 9 Regionen mit 163 nationalen Allianzen, die 2026 nach eigene Angaben über 600 Millionen Menschen mehrheitlich evangelikaler Überzeugung vertreten. Die Sitze der WEA sind an den UN-Sitzen New York City und Genf. Ziel ihrer Arbeit ist, „die Zusammenarbeit und das Zeugnis evangelikaler Christen weltweit zu fördern“.Weltweite Evangelische Allianz Seit 2025 ist der palästinensische Pastor Botrus Mansour aus Israel ihr Generalsekretär.Botrus Mansour als Generalsekretär der WEA eingeführt, idea.de, Meldung vom 31. Oktober 2025.

Organisation Die Leitung der WEA hat der Generalsekretär inne. Das Senior Leadership Team besteht aus der Person des Generalsekretärs (General Secretary), dem Chief of Staff sowie 6 Bereichsleitern. Das Leitungsteam wird durch das International Council (IC) überwacht, das mindestens aus einem Repräsentanten jeder der neun Regionen besteht. Den Vorsitz des IC hat mit Stand 2026 Godfrey Yogarajah aus Sri Lanka inne. Die Mitglieder des IC werden wiederum alle sechs Jahre auf einer General Assembly mit zuletzt 800 Teilnehmern gewählt.

mini|Goodwill Shana als Präsident des International Council und Thomas Schirrmacher als Secretary General der WEA legen 2022 in Yad Vashem in Jerusalem einen Kranz nieder Die WEA hat drei Arten von Mitgliedsorganisationen: Neun regionale Evangelische Allianzen, die einen Kontinent oder eine Großregion abdecken, mit in Summe 163 nationalen Evangelischen Allianzen, sowie sechs kirchliche Netzwerke, wie z. B. die Heilsarmee, und über 120 assoziierte Mitglieder, überwiegend gemeinnützige Werke oder Bildungseinrichtungen. Die nationalen Evangelischen Allianzen weisen in ihrer Größe und Organisation deutliche Unterschiede auf. Die Evangelische Allianz in Deutschland als Verein bietet keinen Kirchen, sondern nur Einzelpersonen die Mitgliedschaft an (aktuell rd. 60 Personen) und übersieht ein Netzwerk aus 370 ihr nahestehenden aber rechtlich eigenständigen Organisationen. Die Schweizerische Evangelische Allianz bietet Mitgliedschaften für Einzelpersonen aber auch lokale Kirchen und nationale Denominationen an.

Die WEA bezeichnet sich als die „evangelikale Stimme bei den Vereinten Nationen“ (Original: Evangelical Voice at United Nations) und hat dort die Rolle eines Sonderberaters (Special Consultative Status) im Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen. Sie ist bei der UNO-Hauptabteilung für Globale Kommunikation akkreditiert und nimmt regelmäßig an den Sitzungen des UN-Menschenrechtsrats in Genf teil. Das WEA Sustainability Center ist am UN-Sitz Bonn für Themen der Nachhaltigkeit zuständig und bemüht sich um die Umsetzung der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung.

Die WEA ist als Lobbyorganisation im Transparenz-Register des Europäischen Parlaments eingetragen und wird dort von Thomas Bucher vertreten.

Positionen Die Weltweite Evangelische Allianz bezieht Positionen zu zahlreichen Themen:

Nachhaltigkeit Die WEA Arbeitsgruppe für Nachhaltigkeit (Original: Creation Care Task Force; kurz: CCTF) ist seit 2012 für die Vermittlung von nachhaltigen Zielen aktiv. Sie arbeitet zusammen mit dem Lausanne Creation Care und hat als Ziel, Gottes Geschenk der Schöpfung zu bewahren (Original: care for God’s gift of creation). Die WEA nahm an der UN-Klimakonferenz in Glasgow 2021 teil. Globale Klimabotschafterin ist die Professorin und Klimaforscherin Katharine Hayhoe. Die globale evangelikale saubere Energie-Initiative (Original: Global Evangelical Clean Energy Initiative) setzt sich dafür ein, dass Evangelikale weltweit bis 2025 ihren Co2-Ausstoß um 20 % senken. Sie organisiert zusammen mit der amerikanischen Firma Smart Roofs Solar weltweit Kirchen mit Solarzellen nachzurüsten.

Ausbildung Die WEA hat mit Journey Passport eine digitale Ausbildungsmöglichkeit für religiöse Leiter auf der ganzen Welt erstellt. Die App und das Netzwerk werden von der WEA IT Kommission verwaltet und inhaltlich durch das Global Institute of Leadership (GIL) erweitert. Die Applikation ist eine Mischung aus Lern- und Netzwerk Community. Das WEA Center for Information Technology steht seit 2004 als IT-Dienstleister für Kirchen weltweit zur Verfügung und betreibt auf sechs Kontinenten so genannten Kompetenzzentren, die Kirchen vor Ort mit der Übertragung von Livestreams ihrer Gottesdienste helfen. Das International Council for Evangelical Theological Education (ICETE) akkreditiert die theologische Ausbildung von 1.200 theologischen Ausbildungsstätten auf der ganzen Welt. Sie führt Akkreditierungsinstitute auf acht Kontinenten:

Afrika: Association for Christian Theological Education in Africa (ACTEA) Asien: Asia Theological Association (ATA) Karibik: Caribbean Evangelical Theological Association (CETA) Europa: European Council for Theological Education (ECTE) Euro-Asien: Euro-Asian Accrediting Association (E-AAA) Lateinamerika: Association for Evangelical Theological Education in Latin America (AETAL) Mittlerer Osten und Nordafrika: Middle East-North Africa Association for Theological Education (MENATE) Nordamerika: Association for Biblical Higher Education (ABHE)

Die Re-Forma hat sich die Laienausbildung zum Ziel gesetzt. Nach eigener Aussage haben von 2 Mio. protestantische Pastoren auf der Welt 90 % keine formale, theologische Ausbildung, und möchte diese in gewissen Zügen nachliefern.

Religionsfreiheit In der UN-Vertretung in Genf wird durch Anwesenheit in der UN-Menschenrechtskommission auf Menschenrechtsverletzungen hingewiesen. Die WEA nimmt am Universal Periodic Review (UPR) der UN teil, ein Mechanismus, der die Menschenrechtssituation in allen UN-Mitgliedsstaaten prüft. Ständiger Vertreter der WEA in Genf ist seit September 2022 Gaetan Roy. Die WEA forderte zuletzt ein sofortiges Ende der Kriegshandlungen in Äthiopien. Die Religious Liberty Commission setzt sich für die Rechte von verfolgten Christen ein und trifft sich zu diesem Zweck weltweit mit Regierungen und Diplomaten. Sie organisiert jährlich den International Day of Prayer for the Persecuted Church (IDOP), der zu einem gemeinsamen Gebetstag für verfolgte Christen aufruft. Die WEA führt seit 2007 das Internationale Institut für Religionsfreiheit (IIRF) und macht mit akademischen Veröffentlichungen auf Menschenrechtsverletzungen in der Welt aufmerksam. Vorsitzender ist mit Stand 2022 Dennis Petri. Das Peace and Reconciliation Network mit Sitz in Kanada setzt sich für den Weltfrieden ein.

Theologie Die WEA nutzt die Theologische Kommission (Original: Theological Commission; kurz: TC) als Sprachrohr für theologische Meinungen. Sie veröffentlicht die Evangelical Review of Theology, eine seit 1977 erscheinende Fachzeitschrift über theologische Diskussionen. Zuvor wurde als Sprachrohr die Theological News seit 1969 veröffentlicht. Direktorin der TC ist seit 2010 Rosalee Velosso Ewell. Der heutige Generalsekretär der WEA war zuvor 18 Jahre Vorsitzender der TC. Das Bible Translation Review Panel übersieht und verifiziert weltweit Bibelübersetzungen. Hierfür gibt sie Leitlinien heraus.

Familie Die WEA betreibt mehrere internationale Netzwerke zur Unterstützung von Zielen in den Bereichen Familie, Frauen und Jugend:

WEA Children’s Network Family Challenge Youth Commission Women’s Commission

Mission Die WEA Missionskommission (Original: Mission Commission, kurz: MC) ist ein Zusammenschluss von ca. 250 Leitern (Associates genannt), die etwa 85 global arbeitenden Missionsgesellschaften aus sieben Regionen (meist ein Kontinent) angehören. Die MC arbeitet daran, aktuelle Trends und Probleme in der weltweiten Missionsarbeit zu ermitteln und dafür Lösungen zu erarbeiten. Im Zuge dieser Arbeit stößt sie Forschungsarbeiten an, bietet ein Forum zur Diskussion neuer Erkenntnisse, startet gemeinsame Projekte und entwickelt allgemein zugängliche Ressourcen, die den Missionsgesellschaften dienen. Die praktische Arbeit geschieht in jährlichen Konferenzen unterschiedlichen Zuschnitts.

Geschichte Beweggründe Die Evangelische Allianz entstand auf dem Boden der von John Wesley und George Whitefield ausgelösten Erweckungen im Großbritannien der 1730er Jahre, die viele evangelische Denominationen erfasst und miteinander in Verbindung gebracht hatten. Die Opposition gegen die Oxford-Bewegung in der anglikanischen Kirche ab 1830 und gegen das empfundene Erstarken des Katholizismus in den 30er und 40er Jahren des 19. Jahrhunderts sowie die Spaltung der Church of Scotland 1843 gelten als Ursachen für die Entstehung einer Bewegung, deren Ziel die Einigung der evangelischen Christen war., S. 1 Auch die wachsende soziale Ungerechtigkeit, die sich vor allem in schlechten Arbeitsbedingungen und Kinderarbeit niederschlug, gehörte zu einem historischen Kontext, in dem der Wunsch nach einer geeinten und einflussreichen Kirche wuchs. auf www.worldevangelicals.org

Gründung mini|Thomas Chalmers Verschiedene schottische Presbyterianer – besonders zu nennen sind Thomas Chalmers, Robert Balmers und John Henderson – waren Schlüsselpersonen auf dem Weg zur Gründung der Evangelischen Allianz. Sie organisierten ein Vorbereitungstreffen, das vom 1. bis 3. Oktober 1845 in Liverpool stattfand und zu dem sich 216 Vertreter aus zwanzig verschiedenen Denominationen Großbritanniens einfanden.Erich Beyreuther: Der Weg der Evangelischen Allianz in Deutschland, Wuppertal 1969, S. 9 Durch die Unterstützung von u. a. John Angell James (Kongregationalist), Edward Bickersteth (Anglikaner), Jabez Bunting (Methodist), Edward Steane (Baptist) war die Teilnahme eines breiten Spektrums evangelischer Christen aus England sichergestellt worden. Die eigentliche Gründungskonferenz der Evangelischen Allianz wurde in der Zeit vom 19. August bis 1. September 1846 in der Freemasons’ Hall in London abgehalten.Hans Hauzenberger, Einheit auf evangelischer Grundlage, Brunnen Verlag, Gießen 1986, ISBN 3-7655-9323-0, ISBN 3-85706-235-5Dass die Versammlung in einem Saal der Freimaurer stattfand, war für die Zeit nicht ungewöhnlich. Auch andere interdenominationale Organisationen, wie die Bible Society, die London Missionary Society und die Anti-Slavery Society nutzten den angemieteten Saal als neutralen Versammlungsort. Vgl. , S. 1 An ihr beteiligten sich 921 Christen aus zwölf Nationen und 52 reformatorischen Kirchen.Reinhard Hempelmann (Hrsg.): Handbuch der evangelistisch-missionarischen Werke, Einrichtungen und Gemeinden, Christliches Verlagshaus Stuttgart, Stuttgart, 1997, Seite 134 ff, ISBN 978-3-7675-7763-3 84 Prozent der Delegierten kamen aus Großbritannien, 8 Prozent aus den USA und 7 Prozent aus Europa und dem Rest der Welt, wobei die Delegierten nicht als offizielle Vertreter ihrer Kirchen, vielmehr als Privatleute zu sehen waren. Zu den Teilnehmern aus Deutschland gehörten der evangelische Pfarrer Christian Gottlob Barth, der Calvin-Forscher Jules Bonnet, der protestantische Theologieprofessor August Tholuck und Johann Gerhard Oncken, der Begründer der deutschen Baptistenbewegung. Auch die streng lutherisch ausgerichtete Berliner Theologische Fakultät hatte eine Einladung nach London erhalten. Im selben Jahr wurde die britische Vereinigung der WEA in Manchester gegründet. Sie hatte 3.000 Gründungsmitglieder und bis 1859 hatte sie 6.000 Mitgliedern. Nicht überall jedoch war der Beginn der Allianz-Arbeit derart rasant. In Deutschland gab es anfangs größere Zurückhaltung, da die Weltweite Evangelische Allianz als fremdländisches Gewächs empfunden wurde, das für Deutschland eigentlich nicht nötig sei.