mini|Elisabeth Kopp, 2008 mini|Vereidigung als Bundesrätin, Foto von Fernand Rausser, 1984

Elisabeth Kopp (* 16. Dezember 1936 in Zürich als Anna Elisabeth Iklé; † 7. April 2023 in Zumikon; heimatberechtigt in Zumikon, Niederönz, Luzern und Ehrenbürgerin von Unterbäch) war eine Schweizer Juristin und Politikerin der FDP.

Sie war als erste Frau von 1984 bis 1989 Mitglied des Bundesrates, der Regierung der Schweizerischen Eidgenossenschaft, und wurde 1988 zu dessen Vizepräsidentin gewählt. Ein politischer Skandal im Herbst 1988 beendete Kopps Amtszeit im Januar 1989 vorzeitig.

Herkunft und politischer Werdegang Ihr Vater Max Iklé (1903–1999) war Direktor der Eidgenössischen Finanzverwaltung und Vizepräsident der Schweizerischen Nationalbank. Er wie auch Iklés Mutter, Beatrix Iklé-Heberlein (1906–1988) stammten aus Industriellenfamilien der Textilbranche. Ihr Grossvater väterlicherseits, Adolph Iklé, war ein deutsch-jüdischer Immigrant. Vater von Beatrix Heberlein Der Bruder des Urgrossvaters von Max Iklé, Wilhelm Matthias Naeff, war Mitglied des ersten Bundesrates der Schweiz.Bilder von Maria und Johann Matthias Naeff und ihren 10 Kindern mit Ehegatten, unter ihnen Bundesrat Wilhelm Matthias Naeff sowie Elisabeth Kopps Ururgrosseltern Augusta Maria und Ferdinand Adolf Naeff. Augusta Maria Neff stammte nachweislich von Karl dem Grossen ab, siehe Uli W. Steinlin: Die Vorfahren der Familie Steinlin von St. Gallen. Eigenverlag/Druckerei Krebs, Basel/Biel-Benken 2008, ISBN 978-3-85775-001-4. Ihr Cousin Fred Iklé wurde Staatssekretär im US-amerikanischen Verteidigungsministerium.

Elisabeth Iklé wuchs mit ihren Schwestern Marianne (1935–2019) und Beatrix (* 1944) in Bern auf und besuchte die Schulen in Muri und Bern. Sie nahm als Eiskunstläuferin an den Schweizer Juniorenmeisterschaften 1950–1952 teil. Der Ost-Berliner Volksaufstand von 1953 motivierte sie erstmals, sich für Demokratie und Menschenrechte zu engagieren. Iklé studierte Rechtswissenschaften an der Universität Zürich. Sie wollte Jugendanwältin werden. Als in Ungarn die 1956er Revolution und der antisowjetische Freiheitskampf niedergeschlagen wurden, unterbrach sie ihr Studium für zwei Jahre von 1956 bis 1958, um als Aktivistin der spontan gegründeten Studentischen Ungarnhilfe – mit Walter Renschler, Peter Arbenz u. a. – Flüchtlingsstudenten in der Schweiz zu betreuen und die Lieferung humanitärer Hilfsgüter nach Ungarn zu organisieren. Dafür erhielt sie 2006 das Offizierskreuz des Verdienstordens der Republik Ungarn, die höchste Auszeichnung des Landes. Iklé trat 1957 der Schweizerischen Vereinigung der Freisinnig-Demokratischen Frauen sowie dem militärischen Frauenhilfsdienst bei, wo sie als Sanitätsfahrerin und Gruppenführerin diente. Am Schweizer Nationalfeiertag 1957 hielt sie ihre erste politische Rede.

Auf der Reise zu einem antikommunistischen Treffen in West-Berlin lernte sie 1959, am Valentinstag, den Wirtschaftsanwalt Hans W. Kopp (1931–2009) kennen. Sie verlobten sich am selben Tag und heirateten 1960, nachdem Elisabeth ihr Juraexamen mit summa cum laude als erste Frau an der Fakultät absolviert hatte. Das Paar zog nach Zumikon. Elisabeth Kopp unterstützte ihren Mann beim Aufbau der Anwaltspraxis, wo sie als Juristin arbeitete. Nach der Geburt ihrer Tochter Brigitte (1963) blieb sie bis zu deren Einschulung zu Hause. Ihr Wunsch, mehr Kinder zu haben, wurde nicht erfüllt.

Kopp engagierte sich ab 1957 für die gesellschaftliche Gleichstellung der Frauen, insbesondere für das Frauenstimmrecht. In den 1960er/1970er-Jahren war sie Präsidentin des Zumiker Frauenvereins und Vorstandsmitglied der Zürcher Frauenzentrale. mini|Elisabeth Kopp, Gemeindepräsidentin von Zumikon, Entstehung des Fotos zwischen 1974–1980

Gemeindepräsidentin Unmittelbar nach der Einführung des Frauenstimmrechts im Kanton Zürich 1970, wurde Kopp als Kandidatin des überparteilichen Gemeindevereins in den Gemeinderat, die Exekutive, von Zumikon gewählt. Bei der nationalen Abstimmungskampagne für das Frauenstimmrecht 1971 trat sie an der Seite des späteren Bundesrats Hans Hürlimann in der SRG-Fernsehdebatte auf. Sie war von 1972 bis 1979 erstes weibliches Mitglied des Erziehungsrates des Kantons Zürich. 1974 wurde Kopp in Zumikon mit 80 % der Stimmen zur zweiten Gemeindepräsidentin der Deutschschweiz gewählt. Sie übte dieses Amt bis 1984 aus. Die Lösung der Verkehrsprobleme, die Erhöhung der Wohnqualität sowie der Einsatz von Alternativenergien unter ihrer Amtszeit in Zumikon wurden als vorbildlich gewürdigt.

Kopp trat weiterhin für die Menschenrechte in Osteuropa ein. Sie gehörte von 1970 bis 1981 dem Beratenden Ausschuss des Schweizerischen Ostinstituts an und war geschäftsführende Präsidentin des Internationalen Helsinki-Vereins (1983–1984). Nach der Niederschlagung des Prager Frühlings im August 1968 nahm ihre Familie eine tschechische Flüchtlingsstudentin bei sich auf.

Nationalrätin mini|FDP-Parlamentarier im Nationalrat. Erste Reihe: Georg Stucky, Hans Georg Lüchinger, Paul Wyss, Elisabeth Kopp und Hans Künzi. Obere Ecke rechts: Rudolf Friedrich, neben ihm Felix Auer, zirka 1980,Foto: Fernand Rausser Kopps nationale Karriere begann 1979. Auf der Liste der Zürcher FDP wurde sie mit 52'113 Stimmen in den Nationalrat gewählt. Sie galt als überzeugte Freisinnige, beharrte jedoch stets auf ihrer eigenen Meinung. Die Politik betrachtete sie nicht als Machtmittel, sondern als Möglichkeit, etwas zu bewegen. So unterstützte sie beispielsweise 1981 die Aufnahme des Gleichstellungsartikels in die Bundesverfassung und war Vorkämpferin für technisch-ökonomische Lösungen im Umweltschutz. Kopp gehörte der nationalrätlichen Wissenschafts- und Forschungskommission sowie der Petitionskommission an. Während der Zürcher Jugendunruhen befürwortete sie eine weitgehende Amnestie für nicht gewalttätige Beteiligte. Mit 92'960 Stimmen, den meisten ihrer Parteiliste, schaffte Kopp 1983 die Wiederwahl ins Parlament. Im April 1984 wurde sie Vizepräsidentin der FDP Schweiz.

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Bundesrätin Wahl

mini|Bluse und Rock des Modeateliers Akris, die die erste Schweizer Bundesrätin Elisabeth Kopp am 2. Oktober 1984 trug, historische Sammlung des Schweizerischen Landesmuseums mini|links|Elisabeth Kopp, 1984 mini|links|hochkant|Das Ehepaar Kopp nach der Bundesrätinwahl vom2. Oktober 1984 mini|links|hochkant|Elisabeth-Kopp-Eiche in Bern als Erinnerung an die Wahl vom 2. Oktober 1984 Als Bundesrat Rudolf Friedrich 1984 gesundheitsbedingt zurücktrat, nominierte die FDP-Bundeshausfraktion Kopp sowie den Parteipräsidenten Bruno Hunziker als mögliche Nachfolger. Unmittelbar nach Bekanntwerden der Nomination startete eine Medienkampagne gegen Kopp, in der vor allem ihr Ehemann kritisiert wurde. Kurz vor dem Wahltermin drehte sich der Wind. Man wollte Elisabeth Kopp nicht für die Fehler ihres Mannes verantwortlich machen.

Am 2. Oktober 1984 wählte die Vereinigte Bundesversammlung Kopp im ersten Wahlgang mit 124 von 244 Stimmen als erste Frau in den Bundesrat. Die Bluse und der Rock, die sie am Wahltag trug, werden in der historischen Sammlung des Schweizerischen Nationalmuseums aufbewahrt. Als Erinnerung an die Wahl liess der Schweizerische Verband der Berufs- und Geschäftsfrauen die «Elisabeth-Kopp-Eiche» in Bern pflanzen. Wenig später wurde Kopp zur Ehrenbürgerin der Walliser Gemeinde Unterbäch ernannt, dem «Rütli der Schweizer Frau», weil ebenda 1957 die erste Schweizer Abstimmung mit Frauenbeteiligung stattgefunden hatte. 1985 weihte Elisabeth Kopp die Unterbächer Gedenkskulptur vor dem Burgerhaus ein, die auch ihr als erste Bundesrätin gewidmet ist. mini|Elisabeth Kopp, Bundesrätin, nach dem 2. Oktober 1984, Foto: Comet Photo, ETH-Bibliothek

Migrationspolitik mini|Der Schweizer Bundesrat im Sitzungszimmer im Bundeshaus West in der damaligen Sitzungsordnung mit dem Bundespräsidenten Pierre Aubert ganz links, hinten von links: Leon Schlumpf, Elisabeth Kopp und Flavio Cotti, in der Mitte der Bundeskanzler und die beiden Vizekanzler, im Vordergrund von links: Otto Stich, Jean-Pascal Delamuraz und Arnold Koller, 14. Januar 1987, Foto: Walter Rutishauser Während ihrer Amtszeit als Bundesrätin von 1984 bis 1989 stand Kopp dem Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement, EJPD, vor und war somit auch für die Flüchtlings- und Ausländerpolitik verantwortlich. 1985 schuf sie das Amt des Delegierten für das Flüchtlingswesen, das vom Amtsdirektor Peter Arbenz geleitet wurde. Von 1985 bis 1987 wurde das Asylgesetz revidiert. Die «Attraktivität» der Schweiz als Asylland sollte angesichts des Anstiegs von Asylanträgen reduziert werden. Der Schutz von politisch verfolgten Asylsuchenden blieb dabei unantastbar. Durch eine Verkürzung des Verfahrens wurde die Zahl der pendenten Asylanträge gesenkt, mithilfe von Grenztoren, exklusiven Empfangsstellen bei Basel, Chiasso, Genf und Kreuzlingen sollten Schlepper als Menschenschmuggler bekämpft werden. Neben einer rascheren Wegweisung der zu 80 Prozent nicht anerkannten Flüchtlingen wurde auch ein humanitäres Bleiberecht für lange wartende Antragsteller angestrebt. Für die längerfristige Planung rief Kopp zudem die interdepartementale Strategiegruppe «Asyl- und Flüchtlingspolitik» ins Leben.

Weitere Schwerpunkte mini|Der Bundesrat 1987/88: René Felber, Arnold Koller, Jean-Pascal Delamuraz, Otto Stich, Elisabeth Kopp, Flavio Cotti und Adolf Ogi Kopp setzte sich für die Besserstellung der Frauen in der Gesellschaft ein, vor allem durch die Einführung des neuen partnerschaftlichen Eherechts und das Rechtsetzungsprogramm «Gleiche Rechte für Mann und Frau». Nach ihrem Tod feierten sie deshalb die Medien als «Ikone der Frauenbewegung» und ihre Partei als «Pionierin der Gleichstellung von Frau und Mann». Gegen diese «Legendenbildung» wandte sich die Kopp-Biografin Catherine Duttweiler. Die erste Bundesrätin sei aus einem konservativen Milieu gekommen, von ihrem Vater als Mädchen konsequent Peter genannt und wie ein Junge erzogen, und sie sei nie Teil der Frauenbewegung gewesen. Als angepasste bürgerliche Frau habe sie sich privat wie politisch vorwiegend an männlichen Autoritäten orientiert und beispielsweise Vorstösse für Lohngleichheit hintertrieben, weil sich die Wirtschaftsvertreter in ihrer Partei dagegen wehrten. So habe Kopp «mit Ausnahme des neuen Eherechts herzlich wenig für ihre Geschlechtsgenossinnen erreicht».

Weitere Schwerpunkte ihrer Tätigkeit waren die strafrechtliche Erfassung der Geldwäscherei, die Bekämpfung des Drogenhandels, die Einführung des internationalen Privatrechts in der Schweiz, die Insiderstrafnorm im Börsenhandel, der Kündigungsschutz im Miet- und Arbeitsvertragsrecht, die Revision des Aktienrechts und des Urheberrechts, die Verstärkung des bäuerlichen Bodenrechts in der Raumplanung (Projekt «Boden und Raum») sowie der Umweltschutz. Sie befürwortete schon damals den UNO-Beitritt der Schweiz und die Totalrevision der Bundesverfassung. Eine Entspannung in Rechtshilfefragen zwischen der Schweiz und den USA erreichte sie vor allem im Bereich Geldwäscherei. Das Treffen mit Ronald Reagan anlässlich dieser Mission gehört zu ihren denkwürdigsten Begegnungen. In ihrer Amtszeit wurde ein in der Schweiz operierendes DDR-Agentenpaar enttarnt und verurteilt.

Kopp galt als beliebte, charismatische Politikerin.Viktor Parma: Frau des Jahres – Unerschütterliche Wille. In: Bilanz, 12/1984; Elisabeth Kopp – die neue Nummer eins. In: Schweizer Illustrierte, 15. Dezember 1986. Der Abstimmungskampf über die Asylgesetzrevision von 1987 brachte ihr aber auch politische Gegnerschaft («Stop-Kopp»-Aktion).

Am 7. Dezember 1988 wurde Elisabeth Kopp mit 165 Stimmen als erste Frau zur Vizepräsidentin des Bundesrates für das Jahr 1989 gewählt. Die wachsenden Verdächtigungen von Medien gegen ihren Mann erreichten zwei Tage später eine neue Dimension.

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Der Kopp-Skandal Vorgeschichte