Basisdaten Landeskirche: Evangelische Landeskirche in Württemberg Prälatur: Heilbronn Fläche: km² Gliederung: 24 Kirchengemeinden Gemeindeglieder: ca. 33.600 (2005) Adresse desDekanatamtes: Pfarrgasse 1174196 Neuenstadt a.K. Dekan: Traugott Mack Karte 200px|Lage des Kirchenbezirks Neuenstadt am Kocher innerhalb der Evang. Landeskirche in Württemberg
Der Evangelische Kirchenbezirk Neuenstadt am Kocher war bis Ende 2019 einer von 46 Kirchenbezirken bzw. Kirchenkreisen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Sein Gebiet war deckungsgleich mit dem Dekanat Neuenstadt am Kocher. Zum 1. Januar 2020 fusionierte er mit dem Kirchenbezirk Weinsberg zum Kirchenbezirk Weinsberg-Neuenstadt.Website des Evangelischen Kirchenbezirks Weinsberg-Neuenstadt
Geografie Der frühere Kirchenbezirk Neuenstadt am Kocher lag im Norden der württembergischen Landeskirche. Sein Gebiet umfasste den Nordosten des Landkreises Heilbronn, also das Gebiet der politischen Städte und Gemeinden Bad Friedrichshall, Erlenbach, Gundelsheim, Hardthausen am Kocher, Jagsthausen, Langenbrettach (nur Ortsteil Brettach), Möckmühl, Neckarsulm (ohne Stadtteil Obereisesheim), Neudenau, Neuenstadt am Kocher (ohne Stadtteil Stein), Oedheim, Offenau, Roigheim und Widdern.
Nachbarkirchenbezirke Der Kirchenbezirk Neuenstadt am Kocher grenzte an folgende Kirchenbezirke (im Uhrzeigersinn beginnend im Nordosten): Künzelsau, Öhringen, Weinsberg und Heilbronn (alle Prälatur Heilbronn). Im Westen und Nordwesten hat der Kirchenbezirk Neuenstadt am Kocher eine Grenze mit der Evangelischen Landeskirche in Baden (Kirchenbezirke Mosbach und Adelsheim-Boxberg).
Geschichte Das Gebiet um Neuenstadt am Kocher gehört überwiegend zum alten Kernland von Württemberg, wo ab 1534 die Reformation eingeführt wurde. Es gehörte zunächst zum Dekanat Weinsberg, dann ab 1586 zum Dekanat Möckmühl. 1612 wurde der Sitz des Dekanats nach Neuenstadt am Kocher verlegt. Seither ist der Stadtpfarrer von Neuenstadt zugleich Dekan. Zu seinem Bezirk gehörte neben Neuenstadt auch Möckmühl und Weinsberg. Von 1700 bis 1710 hatte Möckmühl vorübergehend wieder einen eigenen Dekan. Weinsberg wurde 1710 Sitz eines eigenen Dekanats, das bis 2019 bestand. Neuenstadt am Kocher war bis 1807 auch Sitz eines württembergischen Amtes bzw. Oberamtes. Dann wurde der Oberamtssitz nach Neckarsulm verlegt. Neuenstadt am Kocher blieb aber Sitz des Dekanats. Seit 1823 gehört das Dekanat Neuenstadt zum Generalat Heilbronn, aus dem die heutige Prälatur Heilbronn hervorging.
Leitung des Kirchenbezirks Die Leitung des Kirchenbezirks obliegt der Bezirkssynode, dem Kirchenbezirksausschuss (KBA) und dem Dekan. Letzter Dekan war von 2006 bis 2021 Traugott Mack (* 1955), der zugleich einer der Pfarrer an der Stadtkirche St. Nikolaus in Neuenstadt am Kocher war. Nach der Gründung des Kirchenbezirks Weinsberg-Neuenstadt wurde die Stelle nicht mehr neu besetzt.
Dekane des Kirchenbezirks Neuenstadt am Kocher seit 1799 1799–1814 Wolfgang Friedrich Gess 1814–1821 Jakob Friedrich Märklin (1771–1841) 1821–1829 August Ludwig Schelling 1829–1841 Rudolf Friedrich Wilhelm Andler 1842–1850 Christoph Ludwig Eyth 1850–1865 Gottlob Friedrich Nast 1865–1871 Gottlieb Heinrich Beckh (1819–1893) 1871–1876 Paul Heinrich Franz Pressel (1824–1898) 1876–1889 Friedrich Peter Gößler (1831–1896) 1889–1897 Christian Gottlob Hönes (1843–1936) 1897–1910 Karl Ziegler 1911–1933 Friedrich Breining 1933–1936 Wilhelm Teufel 1937–1947 Friedrich Held (1901–1977) 1947–1954 Traugott Schaible 1954–1966 Karl Ehrmann 1966–1980 Martin Schubert (1915–2003) 1980–1992 Johannes Georg Stockburger (1927–2021)Traueranzeigen für Johannes Georg Stockburger auf trauerundgedenken.de 1993–2006 Christoph Hirsch (* 1945) 2006–2021 Traugott Mack (* 1955)
Kirchengemeinden Im Kirchenbezirk Neuenstadt am Kocher gab es insgesamt 24 Kirchengemeinden. Davon haben sich zwei Kirchengemeinden zur Gesamtkirchengemeinde Bad Friedrichshall und vier Kirchengemeinden zur Gesamtkirchengemeinde Neckarsulm zusammengeschlossen, bleiben aber weiterhin selbständige Körperschaften des öffentlichen Rechts. Außerdem haben sich drei Verbundkirchengemeinden gebildet: Jagsthausen-Olnhausen, Möckmühl-Bittelbronn-Roigheim-Ruchsen-Züttlingen und Widdern-Unterkessach. Auch diese Gemeinden bleiben eigenständige rechtliche Körperschaften, haben jedoch nur noch einen gemeinsamen Kirchengemeinderat.
Das Gebiet des Kirchenbezirks Neuenstadt am Kocher gehörte einerseits schon früh zu Württemberg, das ab 1534 die Reformation einführte, andererseits auch zum Deutschen Orden und dem Bistum Mainz, wo sich die Reformation nicht durchsetzen konnte. Daher ist dieser Teil des Kirchenbezirks, der vor allem den Westen und Südwesten umfasst, überwiegend katholisch geprägt. In den früher württembergischen Dörfern gibt es meist eine evangelische Kirchengemeinde und eine alte Kirche. In allen anderen Orten (außer Gundelsheim und Neckarsulm) zogen Evangelische überwiegend erst nach dem Zweiten Weltkrieg zu und errichteten inzwischen dort teilweise eigene Kirchen und Kirchengemeinden.
Gesamtkirchengemeinde Bad Friedrichshall Die Gesamtkirchengemeinde Bad Friedrichshall umfasst das gesamte Gebiet der Stadt Bad Friedrichshall sowie der Gemeinden Oedheim und Offenau. Sie wurde zum 1. Januar 2015 zur Kooperation der beiden Kirchengemeinden Bad Friedrichshall-Jagstfeld und Bad Friedrichshall-Kochendorf gebildet. Zwei Kirchengemeinden unter einem Dach, Heilbronner Stimme vom 23. März 2015
Kirchengemeinde Bad Friedrichshall-Jagstfeld mini|hochkant|Evang. Erlöserkirche Bad Friedrichshall-Jagstfeld Die Kirchengemeinde Bad Friedrichshall-JagstfeldWebsite der Kirchengemeinde Jagstfeld umfasst die Stadtteile Jagstfeld, Untergriesheim und Duttenberg der Stadt Bad Friedrichshall sowie die Gemeinde Offenau. Jagstfeld war als Besitzung des Deutschen Ordens von alters her katholisch. Überwiegend erst nach dem Zweiten Weltkrieg zogen auch evangelische Einwohner zu, die zunächst als Nebenort zur Kirchengemeinde Bad Friedrichshall bzw. zur Pfarrei Kochendorf gehörten. Durch Bekanntmachung des Oberkirchenrats vom 22. November 1949 wurde die selbständige Kirchengemeinde Jagstfeld gebildet und gleichzeitig die bisherige Kirchengemeinde Bad Friedrichshall wieder in „Kirchengemeinde Kochendorf“ umbenannt (siehe unten). Der neuen Kirchengemeinde Jagstfeld wurden auch die evangelischen Bewohner von Duttenberg (ohne Heuchlingen, das bei Kochendorf verblieb), Obergriesheim, Offenau und Untergriesheim zugeordnet (Duttenberg, Obergriesheim und Untergriesheim gehörten bis 1947 noch zur Kirchengemeinde Gundelsheim). Das Kultministerium hatte die neue Kirchengemeinde Jagstfeld mit Schreiben vom 13. Juli 1949 als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt. 1951 konnte in Jagstfeld eine eigene Pfarrei errichtet werden. Durch Bekanntmachung des Oberkirchenrats vom 20. April 1964 wurden die evangelischen Bewohner aus Höchstberg von der Kirchengemeinde Gundelsheim in die Kirchengemeinde Jagstfeld umgegliedert. 1967 erbaute sich die Kirchengemeinde Jagstfeld dann nach Plänen von Hannes Mayer eine eigene Kirche, die Erlöserkirche mit zeltförmigem Kirchenschiff. Im Inneren befinden sich seit 1967 das Altarbild Abendmahl von K. H. Türk sowie das Glasfenster Pfingsten von Wolf-Dieter Kohler. Seit 2009 gibt es auch eine Orgel aus dem Jahr 1956, welche zuvor in der evangelischen Kirche in Oberrot stand.
In Offenau wurde bereits 1953 die Heilig-Geist-Kapelle als rechteckiger Putzbau mit einem von einem kleinen Dachreiter gekrönten Zeltdach errichtet. Der Stuttgarter Glaskünstler Adolf Valentin Saile schuf 1953 das Altarfenster mit dem Motiv Kreuzigung. Später versah die örtliche Künstlerin Herlinde Schlepp das Fenster im Eingangsbereich mit dem Motiv Heiliger Geist. Inzwischen wurde der Baukörper um einen seitlichen Anbau sowie einen vorgelagerten Windfang erweitert.
Kirchengemeinde Bad Friedrichshall-Kochendorf mini|links|Evang. Sebastianskirche Bad Friedrichshall-Kochendorf Die Kirchengemeinde Bad Friedrichshall-KochendorfWebsite der Kirchengemeinde Kochendorf umfasst die Stadtteile Kochendorf, Hagenbach und Plattenwald der Stadt Bad Friedrichshall sowie die Gemeinde Oedheim (mit Ortsteil Degmarn). Eine Kirche wird in Kochendorf bereits 1274 erstmals erwähnt. 1294 wurde sie von den Herren von Kochendorf an das Stift Wimpfen verkauft. Die Ortsherrschaft, Wolf Conrad Greck von Kochendorf, führte 1549 die Reformation ein und mit dem Übergang an Württemberg 1805 wurde Kochendorf eine Gemeinde der württembergischen Landeskirche. Sie ist somit die Kirchengemeinde Kochendorf die älteste evangelische Kirchengemeinde auf dem Gebiet der heutigen Stadt Bad Friedrichshall. Nach Bildung der bürgerlichen Gemeinde Bad Friedrichshall 1933 wurde die Kirchengemeinde zum 5. Juni 1934 in „Kirchengemeinde Bad Friedrichshall“ umbenannt.Landeskirchliches Archiv Stuttgart, A 129, Nr. 2182, Qu. 99, S. 1.
Die Sebastianskirche Kochendorf gilt als das älteste Gebäude im Ort und ist vermutlich vor 1100 entstanden. Die ursprünglich ummauerte Wehrkirche wurde 1294 erstmals erwähnt und enthielt neben den heute noch an der Außenfassade erhaltenen steinernen Grabplatten der Grecken auch im Inneren wertvolle Grabmale, die jedoch bei Kampfhandlungen im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden. Der Bau stammt in seiner heutigen Form aus dem späten 16. Jahrhundert mit Treppentürmen von 1886, brannte jedoch gegen Ende des Zweiten Weltkriegs vollständig aus, so dass kaum noch historische Ausstattung vorhanden ist. Lediglich im Chorbereich blieben einige wenige historische Relikte erhalten, darunter ein gotisches Sakramentshaus sowie Reste von Wandmalereien. Die Sebastianskirche wurde bis 1948 durch Architekt Hannes Mayer wieder aufgebaut und erhielt 1952 neue Glocken aus der Glockengießerei Bachert, 1958 die neue Orgel von der Firma Weigle aus Echterdingen. Das Holz-Kruzifix auf dem Altar vor dem Auferstehungsfenster wurde 1954 vom Kochendorfer Künstler Albert Dobler gestaltet. Die Fenster des Stuttgarter Glaskünstlers Adolf Valentin Saile im Chor und im Kirchenschiff nehmen hauptsächlich (1967–1971) Themen der Gleichnisse Jesu auf. Das Auferstehungsfenster wurde bereits 1956 eingesetzt. Ein Meisterkurs der Heilbronner Gipserinnung übernahm es, an der linken Turmseite der Sebastianskirche ein Sgraffito nach einer frühchristlichen Ritzzeichnung zu gestalten. Es zeigt ein Schiff mit ausgeworfenem Netz. Das Motiv nimmt das Verständnis auf, dass die Gemeinde Jesu einer Arche gleicht.
Von der Pfarrei Kochendorf werden auch die evangelischen Einwohner der überwiegend katholischen Nachbarorte Hagenbach, Oedheim (mit Christuskirche) und Degmarn (dieser Ort wurde durch Bekanntmachung des Oberkirchenrats vom 13. Februar 1975 von der Kirchengemeinde Neuenstadt hierher umgegliedert) betreut, in welche vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg auch evangelische Einwohner zuzogen, ferner die evangelischen Einwohner des neuen Stadtteils Plattenwald, der überwiegend seit den 1990er Jahren als Wohnbauschwerpunkt der Stadt Bad Friedrichshall aufgesiedelt wurde.
mini|110px|Evang. Christuskirche OedheimDie evangelische Christuskirche Oedheim wurde durch eine Bauplatzspende eines Gemeindeglieds möglich, dessen Familie seit Jahrhunderten evangelisch war. Nach den Plänen von Architekt Hannes Mayer errichtete die Gemeinde 1957 mit viel Eigenleistung den Bau. Ein kleines Farbfenster rechts in der Altarwand, vermutlich vom Stuttgarter Glaskünstler Adolf Valentin Saile geschaffen, zeigt eine Taube als Symbol des heiligen Geistes.