Villersexel (deutsch veraltet Sechsweiler) ist eine Gemeinde im französischen Département Haute-Saône und Hauptort des gleichnamigen Kantons.

Geographie Der Ort liegt in leicht hügeliger Landschaft oberhalb des Flusses Ognon, an der Einmündung seines linken Nebenflusses Scey, etwa 46 Kilometer nordöstlich von Besançon, 24 km südöstlich von Vesoul und 30 Kilometer westlich von Montbéliard.

Benachbarte Gemeinden Aillevans im Norden, Saint-Sulpice im Nordosten, Villers-la-Ville im Osten, Les Magny im Süden, Autrey-le-Vay im Südwesten, Moimay im Westen und Oppenans im Nordwesten.

Geschichte Gegen Ende des Mittelalters gelangte das burgundische Villersexel nach der Heirat Maximilians von Österreich mit Maria von Burgund an Habsburg, später an deren spanische Linie. Im Frieden von Nijmwegen 1678 ging dieser habsburgische Besitz endgültig an Frankreich.

Gegen Ende des Deutsch-Französischen Kriegs von 1870/71 gelang es Truppen der französischen Bourbaki-Armee, die auf dem Weg zur belagerten Festung Belfort war, in Villersexel die sich ihnen in den Weg stellenden Deutschen zum Rückzug zu zwingen. Die Entscheidung brachte ein mehrstündiges Nachtgefecht, wobei das Schloss von polnischen Landwehrleuten in Brand gesetzt wurde. Dieser französische Erfolg wurde wenig später bei der Schlacht bei Héricourt zunichtegemacht. Im Ersten Weltkrieg lag Villersexel im strategischen Hinterland. Es existierte ein Camp de Villersexel, ein militärischer Sammel-, Ausbildungs- und Ruheplatz. Im Zweiten Weltkrieg war Villersexel im Herbst 1944 ein wichtiger Ausgangspunkt für die französischen Offensiven gegen die deutsche Abwehrfront vor der Burgundischen Pforte. Die Befreiung von der Naziherrschaft erfolgte am 17. September 1944 durch alliierte Truppen. Die Situation blieb aber noch weiterhin kritisch, da beim alliierten Vormarsch auf Belfort weiterhin in der Umgebung gekämpft wurde.

Im Mittelalter war das Dorf im Besitz der Herren von Faucogney, die in den Urkunden auch als Herren von Villersexel erscheinen. Ab 1699 spielte die Adelsfamilie von Grammont eine wichtige Rolle im Ort. Im frühen 18. Jahrhundert entstand ihr stattliches Schloss, das den Kämpfen 1871 zum Opfer fiel. Den Grammont ist auch der Bau des historischen Hôpital zu verdanken.

Toponymie Der Ortsname wurde unterschiedlich gedeutet. Wenig plausibel ist die Deutung, die den Ortsnamen mit hier sesshaft gewordenen Sachsen in Verbindung bringen will. Naheliegend ist die Annahme, dass sich sexel vom lateinischen saxum=Fels herleitet. Ausgehend von der Mundartform V’lâ-su-Sè / V’lâ-su-Sè ist die Deutung, dass die ursprüngliche Bezeichnung Viller-sur-Scey gewesen sein könnte, plausibel. Bei Villersexel mündet das Flüsschen Scey, dessen Unterlauf auf der topographischen Karte des IGN allerdings unzutreffenderweise als Rognon bezeichnet ist, in den Ognon (Siehe dazu den Wikipedia-Artikel Scey).

Seit 2000 ist Villersexel Mitglied und Sitz des 33 Ortschaften umfassenden Gemeindeverbandes Communauté de communes du Pays de Villersexel (CCPV).

Bevölkerung Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006 2018Einwohner 1124 1191 1326 1516 1460 1444 1423 1428 Quellen: Cassini und INSEE

Bauwerke und Sehenswürdigkeiten mini|Schloss Les Grammont Die Kirche Saint-Nicolas entstand zwischen 1755 und 1758, Fassade und Turm wurden 1780 vollendet. Der Turm besitzt eine gewölbte Vorhalle und die für die Franche-Comté typische vierkantige Haube (un clocher comtois à l' impériale). Beachtenswerte Innenausstattung. Unter anderem ein Joseph-Benoît Suvée zugeschriebenes Gemälde (Befreiung des Petrus) und ein weiteres, das Jean-Baptiste Regnault zugeschrieben wurde: Johannes der Evangelist. Callinet-Orgel von 1852. Das Schloss der Grammont: Das nach der Zerstörung des Vorgängerbaus in den Jahren 1882–84 errichtete Schloss ist ein eindrucksvolles Beispiel historistischer Architektur des späten 19. Jahrhunderts. Der Architekt nahm Bezug auf die Architektur der Louis-XIII-Zeit (erste Hälfte 17. Jahrhundert). Typisch für den Style Louis-Treize ist die Kombination von hellem Werk- und rotem Backstein sowie grauem Schiefer als Dachdeckung. Untypisch ist die Asymmetrie der Anlage. Als Vorbild kommen Schlösser wie etwa das das Palais Luxembourg in Paris in Frage. Vom Vorgängerbau sind neben dem Schloss noch Mauerreste erhalten. Das alte Hôpital de Gramont ein 1753–55 entstandener, der Wohltätigkeit eines Grammont zu verdankender Spitalbau, ist heute Altersheim. 1893 wurde eine neugotische Kapelle angefügt. Von der alten Innenausstattung hat sich die Apotheke erhalten. Die Mairie, ein spätklassizistischer Bau des zweiten Kaiserreichs von 1858, war ursprünglich Kornhalle. Mairie in der Beletage. Pfarrhaus (1753)

Verkehr Villersexel liegt etwas abseits der großen Straßenverkehrsströme und ist nur über Departementsstraßen (D 9 von Vesoul und Montbéliard, D 486 von Lure und D 50 von Baume-les-Dames) erreichbar. Die nächstgelegene Autobahn ist die A 36/E 60, die man über die D 50 an der ca. 20 km entfernten Anschlussstelle Baume-les-Dames erreicht.

Die 2011 eröffnete Hochgeschwindigkeitsbahnstrecke LGV Rhin-Rhône führt 1,5 km südwestlich am Ort vorbei. Die Gemeinde hatte an der Bahnstrecke Montbozon–Lure einen Bahnhof. Die Strecke wurde zuletzt für den Materialverkehr des Baus der LGV benutzt, die Verbindungsbahn von der Base Travaux zur LGV wurde 2012 zur Umgehungsstraße des Ortes umgebaut.

Partnerstadt Schönau im Schwarzwald, Deutschland

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Ort in Bourgogne-Franche-Comté