mini|Friedenskirche mini|Bahnhof Wicklesgreuth in den 1970er Jahren mini|Bahnhof mit 050er Dampflok mini|Weiherhofsiedlung

Wicklesgreuth (fränkisch: GraidE. Fechter: Die Ortsnamen des Landkreises Ansbach, S. 202.) ist ein Gemeindeteil der Gemeinde Petersaurach im Landkreis Ansbach (Mittelfranken, Bayern). Wicklesgreuth liegt teils in der Gemarkung Petersaurach, teils in der Gemarkung Herpersdorf.

Geografie Geografische Lage Westlich des Kirchdorfes grenzt Langenheim an. Nordwestlich liegt das Waldgebiet Streitlach und im Osten das Weiherholz. Unmittelbar südlich von Wicklesgreuth entspringt das Dorfbächlein, ein linker Zufluss der Fränkischen Rezat, unmittelbar nördlich des Orts entspringt ein Bach als rechter Zufluss des Rippbachs, der links in den Haselbach fließt. Die höchste Erhebung ist der Sandbühl () südwestlich des Ortes.

Ortsgliederung Neben dem ursprünglichen Wicklesgreuth entstand 1815 der Weiherhof, um 1885 die Siedlung Wicklesgreuth-Bahnhof. 1970 kam es zur einheitlichen Bezeichnung Wicklesgreuth für die drei Orte.

Geschichte Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort möglicherweise schon im Jahr 1213 als „Geriute“, womit allerdings auch Reuth (Neuendettelsau) gemeint sein könnte.H. Dallhammer: Petersaurach: Dokumentation einer Großgemeinde, S. 93. Im Jahr 1317 erfolgte eine urkundliche Erwähnung als „Wickelinsgerut“. Das Bestimmungswort des Ortsnamens ist der Personenname Wikelîn,Heute zwar als Vorname ausgestorben, jedoch nicht als Familienname (s. Wicklein). das Grundwort -reuth bedeutet Rodung. Wikelîn ist als Gründer der Siedlung anzunehmen, die durch Rodung ermöglicht wurde.

Im Salbuch des Klosters Heilsbronn aus dem Jahr 1402 wurde für Wicklesgreuth ein Untertan aufgeführt.H. Dallhammer: Petersaurach: Dokumentation einer Großgemeinde, S. 94. Im Jahr 1518 erhielt der 25. Abt Bamberger durch Tausch mit dem Heilig-Geist-Spital in Nürnberg Gefälle von einem Hof in Wicklesgreuth. Als Gegenleistung bekam das Spital ein Gefälle in Neunhof. In der Folge wurden vier von acht Höfen in Wicklesgreuth heilsbronnisch.G. Muck: Geschichte von Kloster Heilsbronn von der Urzeit bis zur Neuzeit, Bd. 2, S. 304.

Im 15. Jahrhundert war im Ort ein Heinrich Geuder aus Nürnberg begütert. 1467 verkaufte dieser sein Gütlein an Hans von Eyb zu Vestenberg. Im Jahr 1472 erwarb er noch ein Söldengütlein. 1482 verkaufte Endres Scheppach aus Nürnberg sein Wicklesgreuther Eigengut ebenfalls an Hans von Eyb.

Seit 1579 bildete Wicklesgreuth mit Gleizendorf eine Realgemeinde.H. Dallhammer: Petersaurach: Dokumentation einer Großgemeinde, S. 95.

Im 16-Punkte-Bericht des Klosteramts Heilsbronn aus dem Jahr 1608 wurden für Wicklesgreuth nur die drei Mannschaften verzeichnet, die das Klosterverwalteramt Heilsbronn als Grundherrn hatten. Die anderen blieben unerwähnt. Das Hochgericht übte das brandenburg-ansbachische Kasten- und Stadtvogteiamt Windsbach aus.Staatsarchiv Nürnberg, 16-Punkte-Berichte 43/2, 16. Zitiert nach M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 740. Nach dem Dreißigjährigen Krieg war der Ort viele Jahre lang öde und verfiel.

In den Oberamtsbeschreibungen des Fürstentums Ansbach von Johann Georg Vetter aus dem Jahr 1732 wird der Ort folgendermaßen beschrieben:

Auch gegen Ende des 18. Jahrhunderts bildete Wicklesgreuth mit Gleizendorf eine Realgemeinde. In Wicklesgreuth gab es acht Anwesen und ein Flachsbrechhaus der Kommune. Das Hochgericht über sechs Anwesen übte das brandenburg-ansbachische Kasten- und Stadtvogteiamt Windsbach aus, über zwei Anwesen das Hofkastenamt Ansbach. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Klosterverwalteramt Heilsbronn. Grundherren waren das Fürstentum Ansbach (Klosterverwalteramt Heilsbronn: 1 Hof, 1 Gut mit Wirtschaft, 1 Gut mit Schmiedstatt; Kasten- und Stadtvogteiamt Windsbach, Kirche Gleizendorf: 1 Gut) und das Rittergut Eyerlohe der Herren von Eyb (1 Hof, 1 Gut, 2 Söldengüter).M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 927 f. Es gab zu dieser Zeit neun Untertansfamilien, von denen fünf dem Kammeramt Windsbach unterstanden.J. K. Bundschuh: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken, Bd. 6, Sp. 216. Von 1797 bis 1808 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Windsbach.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 1005.

Mit dem Gemeindeedikt wurde Wicklesgreuth dem 1808 gebildeten Steuerdistrikt Petersaurach und der 1810 gegründeten Ruralgemeinde Petersaurach zugeordnet.Staatsarchiv Nürnberg, Regierung von Mittelfranken, Kammer des Inneren, Abgabe 1952, 3850: Formation der Municapial- und Ruralgemeinden im Landgericht Heilsbronn 1810. Zitiert nach M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 963. Wenig später reichte Wicklesgreuth ein Gesuch ein, mit dem Weiherhof eine eigene politische Gemeinde bilden zu dürfen. Dieses wurde jedoch abgelehnt.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 964. Der Teil der ab 1948 auf dem Gemeindegebiet Herpersdorf entstandenen Siedlung wurde als Langenloh-Nord bezeichnet und von Herpersdorf verwaltet. Sie wurde am 1. Januar 1972 im Zuge der Gebietsreform in Bayern in die Gemeinde Petersaurach eingegliedert.

Weiherhof Die Einöde mit zugehörigem Wirtschaftsgebäude entstand 1812M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 1005. auf dem Grund des trockengelegten Breitweihers bzw. Langenloher Weihers, einer vormaligen Besitzung der Herren von Eyb. 1805 wurde dieses Grundstück vom Bauern Enser aus Wustendorf erworben. Mit dem Bau eines Bahnhofs an der Eisenbahnlinie Nürnberg–Crailsheim (1875) gab der Besitzer den ursprünglichen Hof auf, um ein neues Gebäude, die Wirtschaft zur Eisenbahn, an der Bahnlinie zu errichten. Nach dem Zweiten Weltkrieg siedelten sich dort deutsche Heimatvertriebene an. 1961 lebten in zehn Häusern 39 Personen. Heute erinnert nur noch der Straßenname Weiherhofstraße an den einstmaligen Gemeindeteil.H. Dallhammer: Petersaurach: Dokumentation einer Großgemeinde, S. 100 f.

Baudenkmäler Haus Nr. 6: zweigeschossiger Bau des 18./19. Jahrhunderts mit KrüppelwalmG. P. Fehring: Stadt und Landkreis Ansbach, S. 153. Denkmalschutz aufgehoben, Objekt evtl. abgerissen. Grenzsteine des 18. Jahrhunderts ein Sandstein im ausmärkischen Forstbezirk Lichtenau, Distrikt VI Herrenwand am Kreuzungspunkt Dreckige Flur/Abteilungslinien Großer Sulzschlag/Rehbusch Grenzsteine, bezeichnet „NL“ (Nürnberg/Lichtenau) mit fortlaufender Nummerierung an der Nordgrenze des Herrenwaldes parallel zur Bundesstraße 14

Einwohnerentwicklung Jahr 1818 1840 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 2009 2015 2022Wicklesgreuth 63 61 68 72 91 89 86 186 277 Wicklesgreuth-Bhf. 19 21 40 49 38 Weiherhof 6 3 5 3 2 9 7 24 39 Gesamt 69 64 73 75 112 119 133 Die Einwohner und Zahl der Wohngebäude der Siedlung, die sich auf dem Gebiet der Gemeinde Herpersdorf befanden, sind hier nicht mitgerechnet. Sie wurden in den Statistiken bei Langenloh verbucht. 1970 zählte Wicklesgreuth insgesamt 608 Einwohner (472 E. auf dem Gemeindegebiet Petersaurach und 136 Einwohner auf dem Gemeindegebiet Herpersdorf).259 384 472 717 906 983 884

Wohngebäude Jahr 1818 1840 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 2009 2015 2022Wicklesgreuth 11 11 15 17 18 20 43 Wicklesgreuth-Bhf. 3 3 4 3 4 Weiherhof 1 1 1 2 2 4 10 Gesamt 12 12 19 22 24 27 57 180 Quelle Für Weiherhof (S. 100).

Religion Wicklesgreuth ist seit der Reformation evangelisch-lutherisch geprägt und nach St. Peter (Petersaurach) gepfarrt. Im Jahr 1971 wurde im Ort die Friedenskirche errichtet. Die Einwohner römisch-katholischer Konfession sind nach St. Franziskus (Neuendettelsau) gepfarrt. Seit den 1950er Jahren gab es für die Katholiken eine Räumlichkeit, die zur Notkirche umgebaut und bis 1978 genutzt wurde. Im selben Jahr wurde vereinbart, dass die Friedenskirche auch von den Katholiken genutzt werden kann.M. Gebauer (Hrsg.), S. 35.

Verkehr Wicklesgreuth liegt an den Bahnstrecken Nürnberg–Ansbach–Crailsheim und Wicklesgreuth–Windsbach und hat seit 1875 einen eigenen Bahnhof. Dort verkehren die S-Bahn Nürnberg mit der Linie (Nürnberg–Crailsheim), Regionalexpresszüge Stuttgart–Nürnberg und Regionalbahnen nach Windsbach. Durch Buslinien des VGN ist es an das öffentliche Nah-Verkehrsnetz angeschlossen.

Die Bundesstraße 14 verläuft über Katterbach nach Ansbach (9 km westlich) bzw. an dem Gütlershof vorbei nach Heilsbronn (7 km östlich). Die Kreisstraße AN 10 führt nach Adelmannssitz (1,6 km nördlich) bzw. nach Langenloh zur Staatsstraße 2412 (1,5 km südlich).

Durch Wicklesgreuth verlaufen der Fernwanderwege Rangau-Querweg und am südlichen Ortsausgang beim Fußballplatz die Rangau-Linie des Main-Donau-Weg.

Vereine Fußballverein Wicklesgreuth e. V., er entstand aus dem FC Cobra Wicklesgreuth, der Firmenmannschaft der Firma Cobra. Der Verein spielt in der A-Klasse (Gruppe 3). Familienverein Familie Aktiv Männergesangverein Freiwillige Feuerwehr Theaterverein Kessllochstodl.

Literatur

Weblinks

Beitrag mit Luftbildern und Bildern vom Bahnhof

Fußnoten

Kategorie:Ort im Landkreis Ansbach Kategorie:Ortsteil von Petersaurach Kategorie:Ersterwähnung 1317 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp)