Bad Oldesloe (gesprochen [] mit Dehnungs-e, , bis 1910 Oldesloe) ist eine Mittelstadt im Norden des Kreises Stormarn in Schleswig-Holstein sowie dessen Kreisstadt.

Geographie Geographische Lage Die Stadt Bad Oldesloe liegt an der Trave im südöstlichen Teilbereich des Naturraums Ostholsteinisches Hügel- und Seenland (Haupteinheit Nr. 702), etwa mittig zwischen den historisch bedeutenden Hansestädten Hamburg und Lübeck.

Ortsteile Die Stadt Bad Oldesloe besteht aus einer Mehrzahl von siedlungsgeographisch unterschiedlich strukturierten Ortsteilen. Diese wurden statistisch bei der Volkszählung in der Bundesrepublik Deutschland 1987 in einem Wohnplatzverzeichnis wie folgt ausgewiesen:

Neben dem gemeindlich namenstiftenden Ort als Stadtkern befinden sich auch die Ortsteile Glinde, Schadehorn, Rethwischfeld und Seefeld, die Gutsiedlungen Altfresenburg und Blumendorf, die Siedlungen Poggensee, Sehmsdorf und Neufresenburg, die Häusergruppe und Forsthaus Kneeden und Düpenau, außerdem die Dörfer Poggensee und Wolkenwehe im Gemeindegebiet.

Nachbargemeinden Umliegende Gemeinden von Bad Oldesloe sind:

Geschichte mini|Oldesloe um 1895, mit Blick auf die Peter-Paul-Kirche mini|Oldesloer Marktplatz um 1900 mini|Altes Panorama mini|Salzteich im Kurpark Das Gebiet ist bereits in der Steinzeit besiedelt gewesen. Hier gefundene Feuersteinwerkzeuge wurden auf die Zeit 6000–4500 v. Chr. datiert und sind unter dem Namen Oldesloer Stufe bekannt.

Nach einer geodätischen Deformationsanalyse zum Ort Treva aus dem antiken Kartenwerk der Geographike Hyphegesis, die das Institut für Geodäsie der Technischen Universität Berlin im Rahmen eines Forschungsprojekts der Deutschen Forschungsgemeinschaft 2007 bis 2010 durchführte, befand sich dieser historische Ort im Bereich der Gemarkung des heutigen Bad Oldesloe.

Oldesloe wurde erstmals 1163 als Tadeslo erwähnt. In der Carta Marina wird es 1538 Odelslo genannt. Die Schauenburger Grafen von Holstein-Stormarn entwickelten den Ort, der im sächsisch-slawischen Grenzgebiet an einem Traveübergang an der Nordsee-Ostsee-Straße von Lübeck nach Hamburg liegt, zu einem wichtigen Umschlagplatz. Bereits für 1175 ist eine Zollstation belegt. Um 1238 erhielt Oldesloe das lübische Stadtrecht, 1370 von Graf Adolf VIII. das Marktrecht. Seit dem Jahr 1289 war vor dem Hamburger Tor der Stadt ein Siechenhaus für Leprakranke nachweisbar, das als Siechenhaus St. Jürgen bekannt war.siehe Übersicht der Gesellschaft für Leprakunde über die mittelalterlichen Leprosorien in Schleswig-Holstein unter . Davon abgeleitete Bezeichnungen existieren nicht mehr.

Im Jahr 1515 entstand aufgrund eines königlichen Privilegs an den Lübecker Kaufmann Mathias Mulich der erste von mehreren Kupferhämmern an der Beste. 1529 folgte die Inbetriebnahme des Alster-Beste-Kanals und Oldesloe lag bis zur Einstellung der Schifffahrt um 1550 an der Binnenschifffahrtsverbindung zwischen Hamburg und Lübeck. Mit dem 1972 eingemeindeten Rethwischfeld gehört das Gelände des 1699 erbauten Schlosses Rethwisch heute zu Oldesloe. Hier residierten bis 1729 die zwei Herzöge von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Plön-Rethwisch.

Am 22. Mai 1798 vernichtete ein Stadtbrand drei Viertel der Stadt.

mini|Badewanne aus dem Kurbad von 1813; als Baudenkmal im Kurpark ausgestellt

Im Jahr 1813 wurde ein modernes Kurbad (Sole-, Moor- und Schwefelbad) in Betrieb genommen. Die Verleihung des Titels „Bad“ erfolgte jedoch erst im Jahr 1910, als der Umfang des Kurbetriebs schon fast wieder bedeutungslos war. Trotz der heute nicht mehr vorhandenen Anerkennung als Heilbad trägt Oldesloe aber weiterhin den Namenszusatz „Bad“. Der letzte der Saline Oldesloe gehörende Salzspeicher an der Trave in Lübeck wurde 1839 verkauft.

Mit dem Anschluss an das Eisenbahnnetz im Jahr 1865 (Hamburg–Bad Oldesloe–Lübeck) wurde die bis dahin für diese Strecke bedeutsame Traveschifffahrt eingestellt. Die 1907 eröffnete Bahnstrecke Elmshorn–Bad Oldesloe (über Ulzburg und Barmstedt) wurde auf dem Streckenstück Ulzburg–Blumendorf 1973 stillgelegt.

In den 1930er Jahren kämpfte Bürgermeister Friedrich Wilhelm Kieling vergeblich für eine Verlegung der Kreisverwaltung des Kreises Stormarn aus der kreisfreien Stadt Hamburg-Wandsbek nach Bad Oldesloe, was zu schweren Zerwürfnissen mit Landrat Constantin Bock von Wülfingen führte.

Im Zweiten Weltkrieg verlegte man dann nach der katastrophalen Bombardierung Hamburgs im Sommer 1943 die Kreisverwaltung provisorisch von Hamburg-Wandsbek nach Bad Oldesloe. Auch Bad Oldesloe selbst war ab 1940 vom Luftkrieg betroffen. Ein Angriff der Royal Air Force am 24. April 1945 forderte über 700 Menschenleben und 300 Verwundete. Mehrere hundert Gebäude waren total zerstört bzw. schwer beschädigt worden. Anfang Mai 1945 hatten die Alliierten schon fast ganz Deutschland besetzt. Am 2. Mai 1945 ergab sich Bad Oldesloe kampflos den vorrückenden britischen Truppen.Institut für schleswig-holsteinische Zeit- und Regionalgeschichte: , abgerufen am: 31. Mai 2017Hamburger Abendblatt: Kriegsende. Vor siebzig Jahren kapitulierte die Stadt Ahrensburg, vom: 2. Mai 2015; abgerufen am: 31. Mai 2017 Zwei Tage später unterschrieb Hans-Georg von Friedeburg im Auftrag des letzten Reichspräsidenten Karl Dönitz, der sich zuvor mit der letzten Reichsregierung nach Flensburg-Mürwik abgesetzt hatte, bei Lüneburg die Kapitulation aller deutschen Truppen in Nordwestdeutschland, den Niederlanden und Dänemark. (PDF, 16. S.; 455 kB)

Seit 1949 befindet sich die Kreisverwaltung, die sich in Bad Oldesloe aufgrund des Krieges nur provisorisch befand, offiziell in der Stadt.

Eingemeindungen Im Jahr 1928 wurden Blumendorf und Fresenburg eingegliedert. Am 1. Januar 1972 kam Rethwischfeld hinzu. Mit der Eingliederung von Sehmsdorf wurde am 1. August 1976 die Reihe der Eingemeindungen abgeschlossen.

Blumendorf Das Bauerndorf Blumendorf wurde erstmals 1314 urkundlich genannt. Es gehörte zum Gut Fresendorf (Altfresenburg), bis es 1635 Hans von Buchwald zu Schadehorn erwarb. Dieser wandelte es in ein Adliges Gut um.

mini|Herrenhaus Blumendorf mini|Bahnhof Blumendorf 2021 1755 ließ der damalige Gutsbesitzer Jacob Levin von Plessen das heutige Herrenhaus mit Torhaus erbauen und den Garten anlegen. 1761 gelangte das Gut Blumendorf an die Familie von Luckner. 1763, zwei Jahre nach Blumendorf, kam auch das Gut Schulenburg in den Besitz von Nicolaus von Luckner. Dieser ließ 1794 in den Wirren der Französischen Revolution in Paris auf der Guillotine sein Leben. Sein gleichnamiger Sohn hob schon im folgenden Jahr die Leibeigenschaft auf. 1827 ging das Gut an Martin Johann Jenisch, der damit Blumendorf und Altfresenburg nach fast 200 Jahren wieder zusammenführte. 1881 fielen die Güter an Martin Rücker von Jenisch, der 1906 in den preußischen Adels- und Freiherrnstand erhoben wurde. Sein Nachfahre, Martin Freiherr von Jenisch, besitzt die beiden Güter noch heute.

1889 kam der Gutsbezirk kommunalrechtlich zum Amtsbezirk Fresenburg. 1907 erhielt Blumendorf eine Bahnstation an der Bahnstrecke Elmshorn–Bad Oldesloe (Elmshorn-Barmstedt-Oldesloer Eisenbahn). Nach Einstellung des Personenbetriebs 1973 fand auf dem Reststück Blumendorf–Bad Oldesloe bis Ende Dezember 2016 Güterverkehr statt.

1928 wurde der Gutsbezirk aufgelöst und nach Bad Oldesloe eingemeindet. Blumendorf hatte damals 307 Einwohner. Ab 1950 entstanden auf 149 Hektar Neusiedlungen für Flüchtlinge und Vertriebene aus dem deutschen Osten. In den Jahren um 1958 wurde das Schloss als Krankenhaus genutzt.

Fresenburg mini|Torhaus des Gutes Altfresenburg

Fresenburg geht auf eine slawische Burg des 8. Jahrhunderts zurück. Urkundlich erwähnt wurde es aber erst 1263 als ein Adliges Gut, zu dem neben den Höfen Alt- und Neufresenburg, Poggensee und Schadehorn auch die Dörfer Poggensee und Seefeld gehörten. Der Gutsbesitzer Bartholomäus von Ahlefeld siedelte 1544 Mennoniten, die vor der religiösen Verfolgung in ihrer Heimat geflohen waren, in Wüstenfelde bei Schadehorn an. Auch Menno Simons fand hier eine Heimat. Simons Druckerei, die Mennokate, kann bis heute besichtigt werden. 1710 kaufte die Familie derer von Buchwaldt das Gut. Hugo von Buchwaldt ließ 1791 das noch bestehende Herrenhaus von Christian Frederik Hansen erbauen. Die Leibeigenschaft wurde erst 1804 aufgehoben. Mit Einführung der preußischen Kommunalverfassung 1889 bildete der Gutsbezirk gemeinsam mit dem Gutsbezirk Blumendorf den Amtsbezirk Fresenburg. Bei Auflösung der Gutsbezirke wurde Fresenburg 1928 nach Bad Oldesloe eingemeindet, es hatte damals 638 Einwohner. Während der Bodenreform nach dem Zweiten Weltkrieg wurden große Teile des ehemaligen Gutsgeländes aufgesiedelt.

Einwohnerentwicklung mini|400px|Einwohnerentwicklung von Bad Oldesloe von 1939 bis 2016

Jahr Einwohner 1939 8.281 1954 14.953 1961 15.988 1970 18.360 2002 23.744 2005 24.019 2006 24.071 2007 24.172 2008 24.175 2010 24.322 Jahr Einwohner 2011 24.461 2012 24.557 2013 24.477 2014 24.699 2015 24.949 2016 25.005 2017 24.964201824.744201924.690202024.784202124.841

Konfessionsstatistik Gemäß der Zensus 2022 waren 36,4 % der Einwohner evangelisch, 5,9 % römisch-katholisch und 57,7 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Religion, Zensus 2022.

Religion

Peter-Paul-Kirche Im Jahr 1150 weihte Bischof Vicelin die erste bekannte Kirche Oldesloes ein, die Petruskirche, die der Vorgängerbau der heutigen Peter-Paul-Kirche ist. Es wird vermutet, dass die Petruskirche im Jahr 1415 bei der Einäscherung Oldesloes durch Herzog Erich V. von Sachsen-Lauenburg in Flammen aufging. Auf ihren Grundmauern wurde daraufhin eine neue Kirche errichtet, die den Namen „kerke sante Peters unde sante Pawels“ trug. Seit 1525 gilt in Oldesloe die Reformation lutherischer Ausgestaltung. Zu der Zeit soll nach einer alten Überlieferung der Reformator Johannes Bugenhagen in der Peter-Paul-Kirche gepredigt haben. In den Jahren vor 1537 brannte die Peter-Paul-Kirche durch einen Blitzeinschlag weitgehend aus. Um wieder Gottesdienste feiern zu können, deckte man im Jahr 1542 das Dach der bis auf die Außenmauern zerstörten Kirche ein. In zwei Jahrhunderten wurde immer wieder versucht die Kirche zu reparieren, bis man sich aus Sicherheitsbedenken dafür entschieden hat, die Peter-Paul-Kirche abzureißen. Wenig später am 19. Juli 1757 wurde der Grundstein für eine neue Kirche gelegt, die schließlich 1763 fertiggestellt wurde. Ein Dachreiter befand sich bis etwa 1844 auf dem Dach der Kirche. Ihr heutiges Aussehen erlangte die Kirche durch den im Jahre 1886 gebauten 60 Meter hohen Turm im neugotischen Stil.

Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde in Bad Oldesloe hat drei Kirchen (Peter-Paul-Kirche in Bad Oldesloe, Christuskirche in Rethwisch und Martin-Luther-Kirche in Travenbrück im Ortsteil Tralau), fünf Gemeindehäuser (drei in Bad Oldesloe, eines in Rethwisch und eines in Travenbrück), sechs Kindertagesstätten, drei evangelische Friedhöfen (Bad Oldesloe, Rethwisch, Travenbrück im Ortsteil Tralau) und ein Familienzentrum.

Römisch-katholische Kirchengemeinde Die katholische Gemeinde St. Vicelin in Bad Oldesloe gehört zur in Ahrensburg ansässigen Pfarrei Sankt Ansverus des Erzbistums Hamburg, sie trägt das Patrozinium des heiligen Vizelin. Zu ihr gehören in Bad Oldesloe die am 13. Dezember 1969 geweihte St.-Vicelin-Kirche, ferner die Dreieinigkeitskapelle im ehemaligen Pfarrhaus und die St.-Josefs-Kapelle des Kinder- und Jugendhauses.Gemeinde St. Vicelin Bad Oldesloe. Pfarrei Sankt Ansverus, abgerufen am 28. April 2023.

Evangelisch-Freikirchliche Baptistengemeinde In der Straße Am Moordamm befindet sich das Gemeindezentrum der Baptistengemeinde. Sie gehört zum Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden.Internetauftritt der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Bad Oldesloe; eingesehen am 5. März 2019

Islam In der Turmstraße befindet sich die Mevlana-Moschee, welche der DiTiB angehört.

Sonstiges