Der Internationale Gewerkschaftsbund (IGB; englisch International Trade Union Confederation, ITUC; französisch Confédération syndicale internationale, CSI) ist ein internationaler Gewerkschaftsdachverband. Er entstand im Zuge der Globalisierung durch den Zusammenschluss der beiden internationalen Gewerkschaftsorganisationen Internationaler Bund Freier Gewerkschaften (IBFG) und Weltverband der Arbeitnehmer (WVA) sowie acht bisher keinem internationalen Dachverband angeschlossener Gewerkschaften.
Dem IGB gehörten im November 2017 nach eigenen Angaben 331 Gewerkschaften aus 163 „Ländern und Territorien“ mit rund 202,3 Millionen Mitgliedern an, darunter auch der Deutsche Gewerkschaftsbund mit 6 Millionen Mitgliedern, der Österreichische Gewerkschaftsbund mit etwa 1,22 Mio. Mitgliedern und der Schweizerische Gewerkschaftsbund mit 380.000 Mitgliedern.List of affiliated organisations. Liste der Mitgliedsorganisationen, PDF-Datei (englisch), Juni 2018.
Den 7. Oktober hat der IGB zum Welttag für menschenwürdige Arbeit () erklärt.
Geschichte Gründungskongress Der Gründungskongress des IGB fand vom 1. bis 3. November 2006 in Wien statt.
Zur Präsidentin wurde Sharan Burrow, Vorsitzende des australischen Gewerkschaftsbundes ACTU, gewählt.IGB-Seite zu Sharan Burrow, abgerufen am 23. August 2019. Der Kongress verabschiedete u. a. das Programm,Programm des IGB. 01-11-2006, abgerufen am 23. August 2019. die Satzung und die Geschäftsordnung des IGBSatzung und Geschäftsordnung des IGB. 01-11-2006. Fassung des Gründungskongresses, abgerufen am 23. August 2019..
Das Programm enthält die Abschnitte Die Globalisierung verändern Die Herausforderung multinationaler Unternehmen Die Gewerkschaftsrechte schützen und fördern Bekämpfung von Diskriminierung, Durchsetzung von Gleichstellung Beendigung von Kinderarbeit Eine menschenwürdige Zukunft für jugendliche Beschäftigte Gesunde und sichere Arbeitsplätze für alle Die Internationale Arbeitsorganisation als globaler Bezugspunkt Frieden, Sicherheit und die Vereinten Nationen Organisierung Der neue Internationalismus
2. Weltkongress 2010 Auf dem 2. Weltkongress vom 21. bis 25. Juni 2010 im kanadischen Vancouver wurde der bisherige Erste Stellvertretende Vorsitzende, der DGB-Vorsitzende Michael Sommer, zum Präsidenten gewählt. Die bisherige Präsidentin Sharan Burrow löste als Generalsekretärin den Briten Guy Ryder ab, der zur ILO nach Genf wechselte.
Der 2. Weltkongress verabschiedete eine „Hauptplenarentschließung: 'Aus der Krise ... mit globaler Gerechtigkeit'“ sowie dreizehn Entschließungen: Die Globalisierung verändern Die grundlegenden Arbeitnehmerrechte fördern und schützen Gleichstellung der Geschlechter Ein nachhaltiges und gerechtes Entwicklungsmodell für das 21. Jahrhundert Globale Gewerkschaften und globale Unternehmen Organisierung Ein menschenwürdiges Leben für jugendliche Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Die Internationale Arbeitsorganisation Demokratie, Frieden, Sicherheit und die Rolle der Vereinten Nationen Den Klimawandel durch eine nachhaltige Entwicklung und einen gerechten Übergang bekämpfen Wanderarbeitskräfte Den sozialen Schutz ausweiten und für guten Arbeitsschutz sorgen Kampf gegen HIV/AidsVom 2. IGB-Weltkongress verabschiedete Entschließungen, abgerufen am 23. August 2019.
3. Weltkongress 2014 Der 3. Weltkongress des IGB fand vom 18. bis 23. Mai 2014 in Berlin statt.3.IGB-Weltkongress, abgerufen am 23. August 2019.
Der Kongress nahm eine „Kongresserklärung“ zu den Themen Die globale Wirtschaft, Ungleichheit, Die Rolle der Gewerkschaften, Die globale Erwerbsbevölkerung, Klimaschutz, Frieden und Demokratie, SchlussfolgerungBuilding Workers’ Power Kongresserklärung. 02-07-2014, abgerufen am 23. August 2019., drei „Aktionsrahmen“: Förderung der RechteFörderung der Rechte – Aktionsrahmen. 27-05-2014, abgerufen am 23. August 2019., Nachhaltige ArbeitsplätzeNachhaltige Arbeitsplätze – Aktionsrahmen. 27-05-2014, abgerufen am 23. August 2019., GewerkschaftswachstumGewerkschaftswachstum – Aktionsrahmen. 27-05-2014, abgerufen am 23. August 2019. sowie eine Dringlichkeitsentschließung - TürkeiDringlichkeitsentschließung Türkei. 27-05-2014, abgerufen am 23. August 2019. an.
Die Generalsekretärin gab im Plenum eine Erklärung zur Ukraine ab.Erklärung der IGB-Generalsekretärin zur Ukraine im Kongressplenum. 26-06-2014, abgerufen am 23. August 2019.
Seit 2014 ist João Antonio Felicio vom brasilianischen Gewerkschaftsbund CUT Präsident des IGB., abgerufen am 23. August 2019.
4. Weltkongress 2018 Vom 2. bis 7. Dezember 2018 fand in Kopenhagen der 4. IGB-Weltkongress statt. Das Kongressthema lautete „Building Workers’ Power: Die Regeln neu festlegen“. Es soll darum gehen „mehr Mitglieder zu gewinnen und den Einfluss der Gewerkschaften auszubauen, um das aktuelle, von der Wirtschaft beherrschte Globalisierungsmodell durch Kampagnen für globale und innerstaatliche rechtliche Rahmenbedingungen, die die Menschen in den Vordergrund stellen und die ungebremste Macht multinationaler Unternehmen und Finanzinstitute eindämmen, in Frage zu stellen.“17. Sitzung des IGB-Vorstandes vom 29. November bis 1. Dezember in Brüssel, abgerufen am 23. August 2019.
5. Weltkongress 2022 Der 5. IGB-Weltkongress fand vom 17. bis 22. November 2022 in Melbourne unter dem Kongressmotto „Ein neuer Sozialvertrag“ statt.IGB-Seite zum 5. Weltkongress, abgerufen am 4. Dezember 2022
Neben der Kongresserklärung, in der ein neuer Sozialvertrag gefordert wird, hat der Kongress Dringlichkeitsentschließungen zur Islamischen Republik Iran, zur Bekämpfung der extremen Rechten und zur Invasion Russlands in die Ukraine angenommen.
Zum neuen IGB-Generalsekretär wurde Luca Visentini gewählt, der am 11. März 2023 aufgrund des Vertrauensverlustes im Zusammenhang mit der Korruptionsaffäre im EU-Parlament seines Amtes enthoben wurde. Ein Nachfolger sollte auf einem außerordentlichen Kongress im Mai 2023 gewählt werden, der Kongress wurde auf Oktober 2023 verschoben. Geschäftsführer und einzige Kandidat ist Luc Triangle aus Belgien.
6. (außerordentlicher) Weltkongress 2023 Der 6. (außerordentliche) Weltkongress fand am 12. Oktober 2023 virtuell statt und wählte Luc Triangle zum neuen Generalsekretär.Seite des IGB zum 6. Weltkongress
Organisatorischer Aufbau, Kooperationen Die leitenden Organe des Bundes sind sein Kongress, der alle vier Jahre stattfindet, sowie sein Vorstand und sein Lenkungsausschuss.
Der IGB hat vier Regionalorganisationen: die Regionalorganisation für Asien/Pazifik (IGB-AP)Seiten zur IGB-AP Asia Pacific, abgerufen am 21. März 2018., die Regionalorganisation für Afrika (IGB-AF)Seiten zur IGB-AF, abgerufen am 21. März 2018., die Regionalorganisation für Gesamtamerika (IGB-TUCA)Seiten zur IGB-TUCA Confederación Sindical de Trabajadores/as de las Américas, abgerufen am 21. März 2018. und die Regionalorganisation Arabischer Gewerkschaftsbund (ATUC), und er arbeitet eng mit dem Europäischen Gewerkschaftsbund zusammen, u. a. im Rahmen des Pan-Europäischen Regionalrates (PERR)Seiten zum Pan-Europäischen Regionalrat (englisch), abgerufen am 21. März 2018..
Der IGB unterhält zudem enge Beziehungen zu den Globalen Gewerkschaftsföderationen (GUFs) und zum Gewerkschaftlichen Beratungsausschuss bei der OECD (TUAC). Außerdem arbeitet er eng mit der Internationalen Arbeitsorganisation und mit verschiedenen anderen Sonderorganisationen der UN zusammen.IGB-Seite "Über uns", abgerufen am 23. August 2019.
Sitz des IGB ist Brüssel.
Themen und Prioritäten Als Themen werden auf der Web-Seite des IGB angegeben: EntwicklungszusammenarbeitSeiten zum Thema "Entwicklungszusammenarbeit", abgerufen am 23. August 2019. FrauenSeiten zum Thema "Frauen", abgerufen am 23. August 2019. Globale WirtschaftSeiten zum Thema "Globale Wirtschaft", abgerufen am 23. August 2019. HausangestellteSeiten zum Thema "Hausangestellte", abgerufen am 23. August 2019. HIV/AIDSSeiten zum Thema "HIV/AIDS", abgerufen am 23. August 2019. JugendSeiten zum Thema "Jugend", abgerufen am 23. August 2019. Kinderarbeit/ZwangsarbeitSeiten zum Thema "Kinderarbeit/Zwangsarbeit", abgerufen am 23. August 2019. KlimawandelSeiten zum Thema "Klimawandel", abgerufen am 23. August 2019. Menschen- und GewerkschaftsrechteSeiten zum Thema "Menschen- und Gewerkschaftsrechte", abgerufen am 23. August 2019. MigrationSeiten zum Thema "Migration", abgerufen am 23. August 2019.
als Prioritäten: Count Us In!Seiten zum Thema "Count Us In!", abgerufen am 23. August 2019. (Bei „Count Us In!“ handelt es sich um ein Programm „zur Erhöhung der Zahl der weiblichen Gewerkschaftsmitglieder und der Vertretung von Frauen in den Führungsgremien der Gewerkschaften“17. Sitzung des IGB-Vorstandes vom 29. November bis 1. Dezember in Brüssel, abgerufen am 23. August 2019..) Gefährdete LänderSeiten zum Thema "Gefährdete Länder", abgerufen am 23. August 2019. Globale KohärenzSeiten zum Thema "Globale Kohärenz", abgerufen am 23. August 2019. Globale Lenkung der MigrationSeiten zum Thema "Globale Lenkung der Migration", abgerufen am 23. August 2019. HausangestellteSeiten zum Thema "Hausangestellte", abgerufen am 23. August 2019. OrganisierungSeiten zum Thema "Organisierung", abgerufen am 23. August 2019.
Programmatische Positionen des IGB zu IWF, Weltbank und WTO In seinem Programm bezieht der IGB zum IWF, zur Weltbank und zur WTO Stellung: „9. Die wirksame und demokratische Lenkung der globalen Wirtschaft erfordert eine grundlegende Reform der relevanten internationalen Organisationen, vor allem des Internationalen Währungsfonds (IWF), der Weltbank und der Welthandelsorganisation (WTO). Ihre Entscheidungsprozesse müssen transparenter und demokratischer und ihre kollektiven politischen Positionen müssen kohärenter werden. Gleichzeitig müssen alle Organisationen erkennen, dass die Menschenrechte Vorrang vor finanziellen, kommerziellen oder wirtschaftlichen Regulierungsmaßnahmen haben. Die Regierungen müssen ihre Aufgabe, sie zu lenken und sie zu umfassender Kohärenz und zu einer rechenschaftspflichtigen Zusammenarbeit zu veranlassen, ernster nehmen, damit demokratisch beschlossene Ziele erreicht werden.“ Speziell zu IWF und Weltbank: „11. Der IWF und die Weltbank führen weiterhin arbeitnehmer- und armenfeindliche Programme durch und unterstützen typischerweise Privatisierungen, die Liberalisierung des Handels und der Investitionen sowie eine Deregulierung des Arbeitsmarktes. In vielen Ländern haben sie die Möglichkeiten des Staates, für eine wirksame Lenkung zu sorgen, untergraben. Die internationalen Finanzinstitutionen müssen die vom IGB vorgeschlagenen Alternativen, die eine nachhaltige und sozial gerechte Entwicklung fördern, anstatt sie zu untergraben, aufgreifen.“ Speziell zur WTO: „12. Seit ihrer Gründung ist die WTO das Instrument für ein unhaltbares Handelsliberalisierungsmodell gewesen, das die Ausbeutung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die Entwicklungsungleichheiten, die Umweltzerstörung und geschlechtsbedingte Ungleichgewichte verschärft. Der Kongress ist sich bewusst, dass das internationale Handelssystem nicht entwicklungsfördernd ist und dass im Rahmen einer integrierten Anstrengung des gesamten multilateralen Systems dafür gesorgt werden muss, dass dies der Fall ist. Die Entwicklungsländer müssen über genügend Spielraum verfügen, um mit der Agenda für menschwürdige Arbeit vereinbare industrielle Entwicklungsstrategien im Inland verfolgen und uneingeschränkt an den Entscheidungsprozessen der WTO mitwirken zu können.“