Der VW Crafter ist ein Kleintransporter von Volkswagen Nutzfahrzeuge, der seit 2006 gebaut wird. 2016 kam die zweite Generation auf den Markt.
1. Generation (2006–2016), Typ 2E
Die von 2006 bis November 2016 produzierte 1. Generation war bis auf die Motoren, die Fahrzeugfront und die Rückleuchten weitgehend baugleich mit dem Mercedes-Benz Sprinter der 2. Generation. Er wurde mit diesem in den Werken Ludwigsfelde und Düsseldorf produziert.
Fahrwerk Das Fahrwerk entspricht im Wesentlichen dem des VW LT, der weitgehend dem Sprinter der ersten Generation entsprach, wurde jedoch in einigen Details überarbeitet.
Vorderachse Die Vorderräder sind einzeln an Dämpferbeinen und Querlenkern aufgehängt. Der Crafter hat nun 16-Zoll-Räder sowie eine größere Spurweite. Die wie beim Vorgänger quer liegende Blattfeder besteht aus GFK und hat somit ein geringeres Gewicht bei verbessertem Stabilisierungsvermögen. Serienmäßig ist beim Crafter jetzt auch ein Stabilisator. Die Achse wurde vom Fahrzeugaufbau mit Gummilagern akustisch entkoppelt. Das Fahrverhalten wurde leicht untersteuernd bis neutral ausgelegt.
Hinterachse Die starre Hinterachse ist an zwei längs eingebauten Blattfedern geführt. Bei den Varianten Kastenwagen bzw. Kombi wird der Aufbau über große Gummilager akustisch entkoppelt. Die Federungsabstimmung wurde verbessert, und die Stoßdämpfer wurden etwas weiter nach außen verlegt, um der gefährlichen Wankneigung etwa beim schnellen Spurwechsel besser entgegenzuwirken. Beim Crafter 50 ist ein Stabilisator serienmäßig, beim Crafter 35 gegen Aufpreis erhältlich.
Bereifung Der Crafter 30 ist serienmäßig mit 205/75 R 16C-Reifen auf 5,5J×16-H2-Felgen ausgestattet. Die Reifengröße 235/65 R 16C mit Felge 6,5J×16-H2 gehört beim Crafter 35 zur Serienausstattung und ist als Sonderausstattung für den Crafter 30 erhältlich. An der Hinterachse des Crafter 50 gibt es Zwillingsbereifung in der Größe 195/75 R 16C oder 205/75 R 16C auf Felge 5,5J×16-H2. Der Crafter 50 kann statt mit Zwillingsbereifung auch mit sogenannten Supersingle-Reifen ausgerüstet werden. Hierbei wird das zulässige Gesamtgewicht auf 4,6 Tonnen reduziert. Der hohe Tragfähigkeitsindex von 128 entspricht einer maximalen Reifentragfähigkeit von 1800 kg. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 140 km/h begrenzt. Die Vorteile bestehen im geringeren Rollwiderstand und den schmaleren Radkästen.
Bremsanlage An der Vorder- und Hinterachse sind Scheibenbremsen eingebaut, wobei die vorderen und ab dem Crafter 50 auch die hinteren innenbelüftet sind. Wie beim LT 2 besteht die Feststellbremse aus einer kleinen, in die hintere Bremsscheibe integrierten Trommelbremse. Das hydraulische Zweikreissystem mit diagonaler Aufteilung und hydraulischem Bremsassistenten wird von einem pneumatischen 10-Zoll-Bremskraftverstärker unterstützt. Serienmäßig wurde der Crafter mit Antiblockiersystem (ABS), Antriebsschlupfregelung (ASR) und einem elektronischen Stabilitätsprogramm (ESP) ausgestattet. Dabei handelt es sich um die neueste Generation der Systeme von Bosch, welche die Beladung des Fahrzeugs in seiner Regelcharakteristik berücksichtigt.
Lenkung Um einen hohen Komfort zu erreichen, wurde eine hydraulisch unterstützte Zahnstangenlenkung eingebaut. Die Lenksäule ist zur besseren Crashsicherheit teleskopartig verschiebbar gestaltet und kann als Option in Höhe und Neigung verstellt werden. Das Lenkschloss ist nicht mehr wie bisher rein mechanisch aufgebaut, sondern wird über das elektromechanische Zündschloss mit einem Stellmotor verriegelt.
Antrieb Zunächst wurde der Crafter ausschließlich mit einem Fünfzylinder-Dieselmotor mit einem Hubraum von 2,5 Litern geliefert (VW-Motorenbezeichnung EA153 „lang“). Es gab den Motor in verschiedenen Leistungsstufen von 65 bis 120 kW (88 bis 163 PS). Seit 2012 wird stattdessen der Vierzylinder-Dieselmotor mit einem Hubraum von 2,0 Litern eingebaut (VW EA288); der Fünfzylinder wurde komplett gestrichen. Die Fortschritte in der Motorentechnik ermöglichen es, auch mit 2,0 Litern Hubraum die für einen schweren Transporter notwendige Leistung zu erzeugen. Die Leistungsstufen reichen seitdem von 80 bis 120 kW (109 bis 163 PS). In Australien und Neuseeland wurde im Crafter der Sechszylinder-Dieselmotor aus dem baugleichen Mercedes-Benz Sprinter eingesetzt.
Motortechnik mini|Motorraum des VW Crafter Die im Crafter längs zur Fahrtrichtung eingebauten Motoren basieren auf dem bereits im VW Transporter und VW LT 2 eingesetzten Reihen-Fünfzylindermotor mit einem Hubraum von 2,5 Litern. Ebenso wie die 4- und 6-Zylinder des Sprinters sind die 5-Zylinder des Crafters wie alle älteren Fünfzylinder von Audi oder VW rechtsdrehend. Zur Verbesserung der Laufkultur und um den neuen strengen Abgasnormen Rechnung zu tragen, werden nun allerdings eine Common-Rail-Einspritzanlage und ein Rußpartikelfilter eingebaut. Ein verstärkter Zahnriemen dient zum Antrieb von Nockenwelle, Hochdruck- und Kühlmittelpumpe. Er hat ein Wechselintervall von 200.000 km. Die sechsfach gelagerte gesenkgeschmiedete Kurbelwelle befindet sich in einem Gehäuse aus Grauguss mit Lamellengraphit. Sie hat jetzt dickere Hubzapfen, um die Torsionskräfte besser aufnehmen zu können.
Die Kolben aus Aluminiumlegierung haben, wie auch die der Vorgängermodelle, eine asymmetrische Kolbenmulde zur besseren Verwirbelung des eingespritzten Kraftstoffs. Zur Erhöhung der Standfestigkeit wurde sie etwas größer und so die Verdichtung reduziert. Zudem sind die Kolben gegenüber den Vorgängermodellen verstärkt und die Pleuel trapezförmig. Wie bei allen anderen VW-TDI-Motoren werden auch hier die Kolbenböden durch Ölspritzdüsen zusätzlich von unten gekühlt. Die neue fünflagige Metallzylinderkopfdichtung ermöglicht eine standfestere Abdichtung der Brennräume sowohl untereinander als auch nach außen hin. Die Nebenaggregate des Motors wie Generator, Kältemittelkompressor, Hydraulikpumpe und Kühlerlüfter werden über einen Keilrippenriemen angetrieben.
Technische Daten Modell Zylinder/Ventile proZylinder Hubraumcm³ max. Leistung max. Drehmoment Motorkennung Abgasnorm Bauzeitraum 2.0 TDI 4/4 1968 80 kW (109 PS) bei 3500/min 300 Nm bei 1500–2250/min CKTB Euro 5 2011–2016 84 kW (114 PS) bei 3500/min CSLB 2013–2016 100 kW (136 PS) bei 3500/min 340 Nm bei 1575–2250/min CKTC 2011–2016 105 kW (143 PS) bei 3500/min CKUC 120 kW (163 PS) bei 3600/min 400 Nm bei 1800/min CKUB 2.5 TDI 5/2 2461 65 kW (88 PS) bei 3500/min 220 Nm bei 2000/min BJJ Euro 4 2006–2010 CEBA Euro 5 2010–2012 80 kW (109 PS) bei 3500/min 280 Nm bei 2000/min BJK Euro 4 2006–2010 CEBB Euro 5 2010–2012 100 kW (136 PS) bei 3500/min 300 Nm bei 2000/min BJL Euro 4 2006–2010 CECA Euro 5 2010–2012 120 kW (163 PS) bei 3500/min 350 Nm bei 2000/min BJM Euro 4 2006–2010 CECB Euro 5 2010–2012
Schmierung Der Ölumlauf wird von einer vorn auf der Kurbelwelle sitzenden Sichelpumpe sichergestellt. Ein internes Überdruckventil schützt Pumpe und Motor vor einem eventuell zu hohen Öldruck. Das Ölfiltermodul mit Papiereinsatz ist stehend seitlich am Motorblock angeflanscht. Für den Zylinderkopf ist ein Öldruckhalteventil vorgesehen, das bei absinkendem Öldruck noch eine Restschmierung gewährleistet und so die Lagerung der Nockenwelle vor Schäden schützt. Die Ölmenge im Motor liegt bei etwa neun Litern.
Kühlung Zur Umwälzung des Kühlmediums wird eine über den Zahnriemen angetriebene Kühlmittelpumpe verwendet. Zusätzlich soll eine elektrisch betriebene Pumpe einen Wärmestau bei abgestelltem Motor verhindern; sie übernimmt auch die Funktion der Motorrestwärmenutzung. Hierbei kann über einen Taster in der Heizungsregulierung die Fahrzeugheizung auch nach dem Abstellen des Motors, je nach Außentemperatur, für weitere 20 Minuten genutzt werden. Der Durchfluss durch den Wasserkühler wird über ein Dehnstoffthermostat geregelt. Über das Kühlsystem werden zusätzlich der Kühler für Abgasrückführung und der Motorölkühler gekühlt.
Kraftstoffsystem Kraftstoffversorgung Im Kunststoffkraftstoffbehälter befindet sich eine elektrische Vorförderpumpe zur kontinuierlichen Kraftstoffförderung. Von dort wird über den Kraftstofffilter und den Kraftstoffspeicher die mechanisch angetriebene Hochdruckpumpe versorgt. Diese stellt den zur Einspritzung benötigten Druck bereit. Der Kraftstofffilter hat eine elektrische Heizung, die bei niedrigen Außentemperaturen die Bildung von Paraffinkristallen und damit ein Verstopfen des Filters verhindert. Von den Einspritzventilen nicht benötigter Kraftstoff wird über ein Druckhalteventil und eine Rückleitung wieder dem Kraftstoffbehälter zugeführt.
Common-Rail-Einspritzung Die piezoelektrischen Einspritzventile, die mit einem maximalen Druck von 1600 bar arbeiten, ermöglichen mehrere Vor- und Nacheinspritzungen und damit einen geräusch- und emissionsarmen Motorlauf. Die Einspritzung der 2.5-TDI-Motoren bis 2010 wurde von einem Bosch EDC-16C-System (Electronic Diesel Control) geregelt. Bei den 2.5-TDI-Motoren der Baujahre 2010–2012 sowie ab 2012 erhältlichen 2.0-TDI-Modelle wird die Einspritzung von einem Bosch EDC-17C-System geregelt.
Abgasturbolader Der Abgasturbolader mit verstellbaren Leitschaufeln wird über eine Unterdruckdose gesteuert. Vom Motorsteuergerät wird je nach Lastzustand der optimale Ladedruck eingeregelt. Auch der maximale Ladedruck wird vom Steuergerät begrenzt. Da sich die Luft im Turbolader aufheizt, ist ihm ein Ladeluftkühler nachgeschaltet.
Abgasreinigung Die Abgase werden mit einem Rußpartikelfilter gereinigt. Bei diesem sind Oxidationskatalysator und Partikelfilter zu einer Einheit zusammengefasst und direkt hinter dem Turbolader angebracht. So wird ein schnelles Erreichen der Betriebstemperatur und eine optimale Regeneration ermöglicht. Der Einsatz eines Additivs ist hierbei nicht notwendig. Wird der Motor vorwiegend im Teillastbereich betrieben, wird der Filter über eine Anhebung der Abgastemperatur regeneriert.
Abgasrückführung Auch beim Crafter wird zur Verringerung der Stickoxidemission eine Abgasrückführung (AGR) eingebaut. Hierbei wird ein Teil der Abgase dem Verbrennungsprozess erneut zugeführt, was den Sauerstoffgehalt des Gemisches senkt. Dadurch können die Verbrennung verlangsamt und die Brennraumtemperatur vermindert werden. Dies wird durch den AGR-Kühler unterstützt. Das AGR-Ventil wird beim Crafter elektrisch betätigt und kann so besser die Menge des zurückgeführten Abgases regulieren. Als Sensor dient eine vor dem Rußpartikelfilter eingebaute Lambda-Sonde zur Ermittlung des Restsauerstoffgehalts im Abgas. Vor dem AGR-Ventil wird eine elektrisch betätigte Saugrohrklappe verwendet, die bei Bedarf die angesaugte Luftmenge reduzieren kann. Dies wird zur Motorabstellung und zur Regeneration des Partikelfilters benötigt und unterstützt die Abgasrückführung.
Vorglühanlage Die Schnellstartglühanlage mit Keramikglühkerzen ermöglicht einen Sofortstart bei Temperaturen von bis zu −24 °C. Das Steuergerät versorgt die Glühkerzen zeitversetzt mit einem pulsweitenmodulierten Strom, um die elektrische Anlage zu entlasten. Es überwacht jede einzelne Glühkerze und signalisiert Störungen im System durch Aufleuchten der Kontrollleuchte für Glühzeit.
Kraftübertragung Alle im Crafter eingesetzten Getriebevarianten wurden von Daimler-Benz entwickelt. Zur Adaption an die Motoren und deren unterschiedliche Anschluss-Lochbilder werden lediglich unterschiedliche Kupplungsglocken eingesetzt.
6-Gang-Schaltgetriebe