Sabine Christiansen war eine politische Talkshow im Ersten Deutschen Fernsehen (ARD). Moderatorin war Sabine Christiansen.

Die Sendung wurde erstmals am 4. Januar 1998 ausgestrahlt und lief bis zum 24. Juni 2007 immer sonntags um 21:45 Uhr. Vom 1. September 2002 an wurde die Sendung von Sabine Christiansens Firma TV21 GmbH produziert. Insgesamt wurden 447 Folgen hergestellt. Das Format entwickelte sich zur damals bekanntesten Talk-Sendung im deutschen Fernsehen. Die jährlichen Kosten für die ARD lagen bei rund zehn Millionen Euro, dies entspricht rund 200.000 Euro pro Sendung.

Die Quoten und Marktanteile der Sendung standen im Jahresschnitt 2002 bei fünf Millionen und einem Marktanteil von 18,3 Prozent, im Juni 2006 bei 3,72 Millionen und einem Marktanteil von 12,9 Prozent.

Konzept der Sendung Während der einstündigen Ausstrahlung äußerten die geladenen Gäste aus Politik und Wirtschaft ihre Meinung zum Thema der Sendung und diskutierten miteinander unter Leitung der Moderatorin. Die Auswahl des wöchentlich wechselnden Themas orientierte sich im Wesentlichen an der in den Medien geführten aktuellen politischen Debatte; meist wurde das Thema als Frage formuliert. Nach der Ausstrahlung wurden Redebeiträge einzelner Gäste sowie in der Gesprächsrunde geführte argumentative Auseinandersetzungen von vielen Medien in Deutschland aufgenommen und weiter ausgebreitet. Der Moderatorin Christiansen wurde in den Medien ein größerer Einfluss zugeschrieben als manchem Abgeordneten, gleichzeitig wurde ihre Sendung, teilweise stellvertretend für die zunehmende Boulevardisierung der Berichterstattung, kritisiert.Als Politik noch in schwarz-weiß regierte. suedkurier.de

Die Sendung war innerhalb der ARD dem Unterhaltungsressort statt der für Politik zuständigen ARD-Koordination zugeordnet. Im Zuge der Diskussion über die Moderatorennachfolge im Januar 2007 kritisierte der damalige SWR-Intendant Peter Voß dies mit den Worten: „Ich habe es immer für unsinnig gehalten, ‚Sabine Christiansen‘ bei der Unterhaltung anzusiedeln. Die Sendung wurde damit der professionellen Kritik der ARD-Chefredakteure entzogen.“Peter Voß: Der offene Brief an Günther Jauch im Wortlaut. In: Die Welt. 15. Januar 2007.

Die Sendung wurde live aus dem Globe City Studio, einem kugelförmigen Einzelstudio am Berliner Breitscheidplatz, gesendet. Das „Panorama Berlin“ wurde 1989 als 360-Grad-Kino gebaut, diente später als Discothek und wurde 1997 zu einem Fernsehstudio umgebaut. Auf ca. 280 Quadratmetern Grundfläche konnten 95 Zuschauer die Sendung verfolgen. Im Globe City Studio werden auch einzelne Sendungen von Hart aber fair produziert.

Geschichte Interview mit George W. Bush Im Mai 2006 führte Sabine Christiansen das erste Interview mit dem US-Präsidenten George W. Bush im deutschen Fernsehen. Es war zugleich auch das längste Interview, das Bush je einem ausländischen Sender gewährte.

Ausladung Garri Kasparow 2006 wurde der ehemalige Schachweltmeister und russische Regierungskritiker Garri Kasparow kurzfristig aus der Sendung ausgeladen. Ebenfalls ausgeladen wurde der WDR-Journalist und langjährige Russlandkorrespondent Klaus Bednarz. Als Grund für die Nichtteilnahme Kasparows gab die Redaktion „technische Probleme“ an, die eine Schaltung nach Moskau verhindert hätten. Bednarz und Jürgen Roth, ein weiterer Gast der Sendung, behaupteten jedoch, Mitarbeiter aus Christiansens Team hätten im persönlichen Gespräch politischen Druck als wahren Grund genannt. Der russische Botschafter, der an der Sendung teilnahm, habe die Einladung Kasparows abgelehnt. Günter Nooke, der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, kritisierte die Gästeauswahl.Michael Hanfeld, Kerstin Holm: Wäre das nichts für „Christiansen“ gewesen? In: FAZ, 14. Dezember 2006.

Sendungsende Am 23. Juni 2006 gab die Moderatorin bekannt, dass sie die Sendung im Sommer 2007 beenden werde. „Die Gründe für diese Entscheidung liegen in einem verstärkten Engagement meinerseits für das weltweite CNBC-Format ,Global Players' als auch im privaten Bereich durch eine Verlagerung meines Lebensmittelpunkts ins Ausland.“Die eigentlichen Gründe für die „Trennung“ seien, so Michael Hanfeld (FAZ), in dem Graben zu suchen, der sich zwischen der Moderatorin und ihrem Sender, ja zwischen ihr und einem großen Teil der restlichen Welt, aufgetan habe.

Der für eine Nachfolgesendung am selben Sendeplatz ursprünglich vorgesehene Günther Jauch sagte nach mehrmonatigen Verhandlungen aufgrund zu großer Forderungen der ARD nach journalistischer Exklusivität ab. Daraufhin einigten sich die Intendanten der Landesrundfunkanstalten darauf, ab September 2007 eine Nachfolgesendung mit Anne Will ins Programm zu nehmen.

Am 24. Juni 2007 wurde die letzte Sendung ausgestrahlt. Als Gast war lediglich Bundespräsident Horst Köhler eingeladen. Zum Empfang nach der letzten Sendung wurde der Politikwissenschaftler Jürgen W. Falter, der mehrmals Gast in der Sendung gewesen war, ausgeladen, nachdem er sich zuvor kritisch über die inhaltliche Qualität geäußert hatte.

Kritik Niedriger Frauenanteil 1999 wurde Sabine Christiansen wegen des geringen Frauenanteils unter ihren Gästen der Medienpreis des Medienfrauentreffens Saure Gurke überreicht.Die GewinnerInnen der Sauren Gurke 1999 Walter van Rossum, 2004 In seinem Spiegel-Bestseller Meine Sonntage mit „Sabine Christiansen“. Wie das Palaver uns regiert bot 2004 Walter van Rossum eine kritische Analyse der Talkshow. Die Talkshow von Christiansen spiegele eine streitbare Demokratie vor, womit sie allerdings weder neu noch exklusiv sei. Stattdessen würde sie die „Wünsche der Chefetage ans Volk“ durchreichen und eine Wachstum-um-jeden-Preis-Ideologie verfolgen. Es gehe dabei nicht mehr um Reformen, sondern um Systemüberwindung. Stellvertretend habe das Ole von Beust formuliert: „Ich glaube, wenn wir im Moment die Chance nicht nutzen, zu sagen, es geht nicht mehr um Bausteine im System, es geht um einen notwendigen Systemwechsel in vielen Bereichen, vertun wir eine Chance.“ Leitmotivisch gehe es, so die Meinung Rossums, immer darum, Deutschland erst in Gefahr zu wiegen, um es anschließend zu retten. Dabei gebe es aber keine Diskussion, da eine von Rossum so genannte „Deutschland-Rettungs-AG“, womit er die Chefetage aus Politik, Wirtschaft, Lobby und Beratern meint, ihre Zehnjahrespläne dekretiere. Rossum sieht Sabine Christiansen als beflissene Chefsekretärin des "Juste-milieu", sie funktioniere als eine „Tonspur in der Endlosschleife mit den stets gleichen Figuren, die bloß unterschiedliche Namen tragen“. Fast jede Sendung sei ein „orgelumtostes Hochamt für den Gott des Wachstums“. „Es ist nämlich so: Geht es ‚der‘ Wirtschaft gut, dann geht es ‚uns‘ gut. Nur leider geht es der Wirtschaft nicht gut. Und daran ist der Rest der Gesellschaft schuld. Es gibt nur eine Rettung: Wachstum, Wirtschaftswachstum, für das die Arbeitenden wie die Arbeitslosen etwas weniger bekommen, aber mehr tun müssen.“ Klaus Koch (DPA) stellte fest, dass in der zweiten Auflage ein Satz gestrichen werden musste, gegen den die Produktionsfirma eine Unterlassungserklärung erhoben hatte: Ein Mitarbeiter von Finanzminister Hans Eichel sei als Berater für die Auswahl der Gäste zuständig.

Spiegel Online, 2006 Als Christiansen bekanntgab, ihre Sendung beenden zu wollen, kommentierte Reinhard Mohr von Spiegel Online diese „Medien-Sensation“ mit den Worten: „Wenn ein unerbetener Rat erlaubt wäre: Sabine Christiansen sollte gleich aufhören, hier und jetzt. Es wäre ein Segen für alle Beteiligten.“Reinhard Mohr: Sabine Christiansen: Queen Blabla dankt ab. Spiegel Online, 23. Juni 2006, abgerufen am 9. Februar 2016. Eine frauenfeindliche Tendenz dieses Umgangs mit einer renommierten Kollegin weiblichen Geschlechts wurde aus gendertheoretischer Perspektive von Claudia Riesmeyer und Martina Thiele herausgearbeitet und in den Kontext der einer kritischen Diskursanalyse unterzogenen Berichterstattung des Spiegel gestellt.Vgl. Claudia Riesmeyer, Martina Thiele: ‚Ersatz für Queen Blabla gesucht‘. Wie Spiegel und SpiegelOnline Geschlechterstereotype reproduzieren. In: Margreth Lünenborg (Hrsg.): Politik auf dem Boulevard? Die Neuordnung der Geschlechter in der Politik der Mediengesellschaft. Transcript Verlag. Bielefeld 2009, S. 44–59.

Im Gegensatz zu Mohr würdigte die Jury des deutschen Fachjournalistenverbandes ihre „beeindruckenden journalistischen Leistungen“ und ihre Fähigkeit, komplexe politische und wirtschaftliche Inhalte so aufzubereiten, dass sie von einem breiten Publikum interessiert aufgenommen würden. Der Medientenor zur Einstellung ihrer ARD-Sendung lief dieser Auffassung überwiegend diametral entgegen.Vgl. z. B. Sabine Christiansen – Wie eine Unpolitische Politik machte. faz.net, 15. Februar 2007, abgerufen am 9. Februar 2016.

Thomas Ludwig: Letzte Sendung „Sabine Christiansen“: Armdrücken vor Millionen. Wirtschaftswoche, 26. Juni 2007, abgerufen am 9. Februar 2016.

Reinhard Mohr: Christiansen-Finale: Abgrund ist immer. Spiegel Online, 26. Juni 2007, abgerufen am 9. Februar 2016.

Hans-Jürgen Jakobs: ARD: Talkabschied mit Präsident „Ach, die Frau Christiansen!“ sueddeutsche.de, 25. Juni 2007, abgerufen am 9. Februar 2016.

Lobbycontrol, 2006 2006 stellte die von der Bewegungsstiftung unterstützteUnsere Finanzierung. lobbycontrol.de Nichtregierungsorganisation Lobbycontrol eine kritische Studie zur Sendung vor. Die Studie kommt zum Ergebnis, dass Christiansen – unter anderem durch die Wahl ihrer Diskussionsteilnehmer – einen „neoliberal geprägten Reformdiskurs“ betreibe, in dem unternehmensnahe und marktliberale Positionen überwögen.Harald Neuber: Club der anonymen Meinungsmacher. Telepolis, 9. September 2006. Die Autoren führen vier Problemkreise an: Elitäres und einseitiges Gästespektrum: „Die einseitige Einladepolitik schließt eine große Gruppe von der Artikulation ihrer Sichtweise und Interessen aus.“ Einseitiges Themenspektrum: Der Sozialstaat werde in den Sendungstiteln als Bedrohung dargestellt, so in „Melkkuh Sozialstaat – sind wir ein Volk von Abzockern?“ oder „Arm durch Arbeit, reich durch Hartz IV?“. Die Anhebung des Renteneintrittsalters und die Erhöhung der Mehrwertsteuer seien 2006 dagegen nicht thematisiert worden. Neoliberal geprägter Reformdiskurs. Mangelnde Transparenz: „Die Priorität für neoliberale Positionen wird verborgen, indem ihre Vertreter neutral und sachlich als ‚Experten‘ vorgestellt werden. Kritische Positionen werden demgegenüber vorsorglich ideologisch eingestuft.“ Beispielsweise sei der langjährige CDU-Mitarbeiter und Nicht-Ökonom Meinhard Miegel als „unabhängiger Rentenexperte“ eingeführt worden, der Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel jedoch als „linker Ökonom“.Ulrich Müller, Heidi Klein: Schaubühne für die Einflussreichen und Meinungsmacher. Der neoliberal geprägte Reformdiskurs bei „Sabine Christiansen“.