mini|Krieger von Kemathen. Fünf handgemachte Tongefäße, unter diesen die große, schräg kannelierte Schale, entsprechen Keramik des Typs Friedenhain-Přešťovice. mini|Bajuwarische Bügelfibel mini|Bajuwarische Gürtelschnalle aus Aubing, (1. Drittel 7. Jahrhundert, Schnalle mit Gesichtern, Eisen mit Silbertauschierung) mini|Rekonstruiertes Bajuwarendorf der Merowingerzeit in Kirchheim
Bajuwaren ist eine verbreitete, historisch jedoch nicht korrekte Namensform der Baiern, der Bevölkerung eines Mitte des 6. Jahrhunderts entstandenen Stammesherzogtums, das den Großteil Altbayerns, Österreichs und Südtirols umfasste. Unter der vom fränkischen Königshaus initiierten Herrschaft der Agilulfingerherzöge entwickelte sich aus einer sehr gemischten Bevölkerung das „Volk der Bajuwaren“. Erst zu dieser Zeit wuchsen die spätrömische Bevölkerung (mit sehr vielfältigen älteren Wurzeln) und die zahlreichen neu dazugekommenen Elemente anderer Herkunft zu einem bajuwarischen Stammesvolk zusammen.
Etymologie
Die Herkunft des Namens der Bajuwaren ist umstritten. Die am weitesten verbreitete Theorie besagt, er komme von dem mutmaßlichen germanischen Kompositum *Bajawarjōz (Plural). Überliefert ist dieser Name als althochdeutsch Beiara, Peigira und, latinisiert, Baiovarii. Es wird angenommen, dass es sich dabei um ein Endonym handelt.
Hinter dem Erstglied Baio steckt das Ethnikon des zuvorbewohnenden keltischen Stammes der Boier, der auch im althochdeutschen Landschaftsnamen Bēheima ‚Böhmen‘ (germanisch *Bajahaimaz ‚Heim der Boier‘, spätlateinisch dann Boiohaemum) und im onomastischen Anknüpfungspunkte (Baias, Bainaib usw.) erhalten ist.
Das Zweitglied -ware bzw. -varii der Bewohnerbezeichnung Bajuwaren stammt aus urgermanisch *warjaz ‚Bewohner‘ (vgl. altnordisch Rómverjar ‚Römer‘, altenglisch burhware ‚Stadtbewohner‘),Vladimir Orel: A Handbook of Germanic Etymology. Brill, Leiden 2003, S. 449. das zu wehren (urgermanisch *warjana-) gehört (vgl. auch walisisch gwerin ‚Menschenmenge‘).
Der Name ‚Baiern‘ wird deshalb in der traditionellen Forschung zu den Bajuwaren als ‚Bewohner Böhmens‘ gedeutet.
Eine allgemeinere Deutung, die die Herkunft aus Böhmen nicht impliziert, ist die als „Menschen des Landes Baia“.
Schreibweise Die endgültige Festlegung der Schreibweise mit y für das Territorium des neuen Staats Bayern, des Königreichs von 1806, das nun auch Bayerisch Schwaben und Franken umfasste, geht auf den philhellenischen bayerischen König Ludwig I. zurück. Allerdings wurde das Land schon in der Frühen Neuzeit nicht nur Bairn, sondern auch Bayrn, Bayren und Beyern geschrieben. Diese Schreibweise gilt heute sowohl für das ehemalige Königreich Bayern und seine Nachfolger bis zum heutigen Freistaat Bayern als auch seine historischen Vorgänger wie das frühere Herzogtum und Kurfürstentum Bayern, auch wenn diese zeitgenössisch anders geschrieben wurden.
In der Sprachwissenschaft wird hingegen unterschieden zwischen bairischer Sprache und Bevölkerung, die mit i geschrieben werden, und der politischen Territorialeinheit Bayern, die mit y geschrieben wird.
Die Sprache
Die bairischen Dialekte werden im Osten des oberdeutschen Sprachraums gesprochen und daher auch als Ostoberdeutsch bezeichnet. Innerhalb des Bairischen wird zwischen Nordbairisch, Mittelbairisch und Südbairisch unterschieden. Das bekannteste Merkmal, das das Hochdeutsche, zu dem Ober- und Mitteldeutsch gehören, von anderen westgermanischen Sprachen unterscheidet, ist die althochdeutsche Lautverschiebung.
mini|hochkant=1.6|Die bairischen Dialekte:
Der bairische Sprachraum umfasst im Freistaat Bayern die Regierungsbezirke Oberbayern, Niederbayern und Oberpfalz, das Staatsgebiet Österreichs mit Ausnahme Vorarlbergs, ferner Südtirol, die zimbrischen und karnischen Sprachinseln in Oberitalien und das südliche Vogtland im Freistaat Sachsen. Die UNESCO hat 2009 die bairische Sprache als gefährdet und damit schützenswert eingestuft.
Im spezifisch bairischen Wortschatz finden sich auch griechische Einflüsse, die durch die gotische Mission vermittelt werden: Ertag für ‚Dienstag‘, aus dem altgriechischen Wochentagnamen Árēos hēméra ‚Tag des Ares‘; Pfinztag für ‚Donnerstag‘, aus gotischem *paíntē dags, aus dem altgriechischen Wochentagnamen pémptē hēméra ‚fünften Tag‘ (von Sonntag aus gezählt); vgl. vom selben Stamm neugriechisch Pentikosti (Πεντηκοστή) ‚Pfingsten‘.
Religion
Zur Zeit der Ethnogenese der Bajuwaren gab es bereits ein Nebeneinander diverser Glaubensvorstellungen. Von den Goten verbreitete sich die arianische Variante des Christentums rasch auf benachbarte Stämme und auf die Gruppen, aus denen im 6. Jahrhundert die Bajuwaren entstanden waren.
mini|Bajuwarische Perlenkette
Etwa nach 530 änderte sich die Tradition der Grabbeigaben in bairischen Reihengräbern. Durch zahlreiche Ausgrabungen wurde nachgewiesen, wie die Bajuwaren ihre Toten bestatteten: Die Frauen wurden nach der Tradition der Bajuwaren mit ihrem Schmuck bestattet. Den Männern wurden ab dem 5. Jahrhundert plötzlich Waffen als Beigaben in die Gräber gelegt – ein Brauch, den es bei Bajuwaren, Alamannen und in anderen Gebieten spätrömischer Kulturkontinuität gab. Im Altsiedlungsgebiet der Germanen, der Germania magna, war dieser Brauch zur selben Zeit unbekannt.
Ab 615 begann die Missionierung durch iro-schottische Mönche zur katholischen Variante des Christentums. Dabei waren vor allem die Heiligen Eustasius, Agilus und Emmeram von Regensburg von Bedeutung. Um das Jahr 700 wurden katholische Bistümer im bajuwarischen Herzogtum eingerichtet, das älteste davon Salzburg (696), später Regensburg (um 700), Freising (716), Passau (739) und Eichstätt (Mitte/2. Hälfte des 8. Jahrhunderts). Endgültig wurden die letzten Anhänger des Arianismus aber wahrscheinlich erst nach dem Sieg der Franken über die mit den Bajuwaren eng verbundenen Langobarden im Jahr 774 zur Konversion bewegt. Die Niederwerfung der ebenfalls arianischen Langobarden durch die bereits katholischen Franken bedeutete das endgültige Ende des Arianismus in Europa. Das katholische Christentum setzte sich bei den Bajuwaren also langsam durch – durch kulturellen Austausch mit den Romanen seit der Endphase des Weströmisches Reiches bis zur endgültigen Integration Baierns in das Frankenreich im Jahr 788. Daneben konnten sich möglicherweise unter einem christlichen Kontext auch Reste außerchristlicher Traditionen erhalten.
Eine synodale Tätigkeit seit den Bistumsgründungen im Jahr 739 ging mit bajuwarischen Landessynoden unter Herzog Tassilo in Dingolfing um 770 n. Chr. und Neuching 772 einher. Bischof Arn von Salzburg lud zu einem Konzil, welches im Jahr 799 in Reisbach gehalten wurde, einem im Frühmittelalter bedeutenden Ort der Bajuwaren. Dies war die erste zeitlich und örtlich überlieferte bairische Metropoliten-Bischofssynode. Bischöfe, Äbte, Priester, Erzpriester und Diakone aus ganz Baiern waren auf frühmittelalterlichen Straßen und Wegen unterwegs in das heutige Niederbayern.
Geschichte
Frühgeschichte Im Jahr 15 v. Chr. eroberten römische Legionen das nördliche Alpenvorland bis zur Donau. Die Kontinuität der Flur- und Ortsnamen beweist, dass keltische Bevölkerungen zu diesem Zeitpunkt im Lande gewesen sein mussten, wie auch das Oppidum von Manching bei Ingolstadt zeigt, die Germanen dort jedoch noch nicht heimisch geworden waren. Der archäologische Befund verweist in weiten Teilen des heutigen Bayerns auf ein „fast menschenleeres Ödland“ für jene Zeit (S. Rieckhof, Das Keltische Jahrtausend.). Lediglich in den unzugänglicheren Hügel- und Bergregionen war offenbar eine keltische und auch vorkeltische alteuropäische Bevölkerung ansässig geblieben. Strabon benennt westlich des Bodensees die Helvetier, östlich desselben die Vindeliker als Bewohner von Berghalden, während Räter und Noriker die eigentliche Alpenregion bewohnten (Strabon, Geographika, VII).
mini|Römische Provinzen im Alpenraum 395 n. Chr.
Während der mehrhundertjährigen Herrschaft der Römer ergab sich durch Zuzug und Ansiedelung ein starkes Bevölkerungswachstum, wobei die Constitutio Antoniniana des Kaisers Caracalla aus dem Jahr 212 allen freien Bewohnern der römischen Provinzen das römische Bürgerrecht zuerkannte – auch in Raetia und Noricum. Diese romanisierten Provinzbürger werden als Provinziale bezeichnet. Aus der römischen Zeit stammen auch jene beiden Relikte, welche auf Boier im Land verweisen: ein römisches Militärdiplom, das 107 an den Soldaten einer spanischen Reitereinheit (einer sogenannten Ala) in Raetia verliehen wurde, dessen Vater Comatullus ein Boio war, und eine Keramikscherbe, in die Boio eingeritzt wurde.
mini|Bajuwaren im Fränkischen Reich
Literarische Hinweise zu den keltischen Boiern wurden durch Strabon und Tacitus formuliert. Strabon erwähnt die verlassene Einöde der Bojer am Bodensee sowie Bujaemum im herkynischen Wald (Strabon, Geographika, VII,1), woraus bei Tacitus dann Boii und Boihaemum werden. Bei der Wiederentdeckung des Tacitus am Hof Karls des Großen wurden diese Begriffe dann zum Vorbild für das Land Beheim und dessen slawische Bewohner als „Beheimi“ = Böhmen (siehe Einhard) bezeichnet.
Viele provinzialrömische Bewohner verließen 488 auf Befehl des Odoaker die nördlich der Alpen liegenden römischen Provinzen. Im östlichen Raetien wie auch im Donau-Noricum kam dieser Abzug der Romanen einer teilweisen Entvölkerung des Landes gleich, denn mit den originär-römischen Herren zogen auch deren Knechte, Mägde und Sklaven mit in die neue Heimat Italien um. Andere Teile der Herrschaftsschicht aus dem gesamten römischen Herrschaftsraum blieben im Land und vermischten sich mit der dort ansässigen Bevölkerung. Karl Bosl spricht deshalb vom „mediterranen Substrat“, das die Basis für die Bevölkerung des späteren Bayerns bildete. Überwölbt und durchdrungen wurde es jedoch von germanischen Stammesgruppen, wie die heutige Präsenz des Deutschen zeigt. Die Forschung konnte sich jedoch angesichts der wenigen, aber oft widersprüchlichen Hinweise auf Markomannen, Goten oder Langobarden nicht auf eine einzige Herleitung der Bajuwaren einigen. So ist eine Durchsiedelung mit Angehörigen verschiedener Stämme anzunehmen, bis hin zu Sachsen und Schwaben, wie in vereinzelten Ortsnamen zu erkennen ist (Sachsenkam, Schwabing).
Während der Regierungszeit des Gotenkönigs Theoderich des Großen (493–526) in Italien war das Gebiet des bairischen Dukats Bestandteil des ostgotischen Reiches. Im Jahr 506 öffnete Theoderich die nördlichen Grenzen seiner goto-römischen Präfektur Italia den von den Franken an Rhein und Neckar besiegten Alamannen. Gemeinsam mit nördlich der Donau heimischen Thüringern hatten sie danach die „nasse Grenze“ der Italia im Norden (= Hochrhein-Bodensee-Argen-Iller-Donau) gegen die Franken zu schützen (so Ennodius von Pavia). Während ihres Verteidigungskampfes gegen Byzanz überließen die Goten Italiens im Jahr 536 alle von ihnen beherrschten Gebiete nördlich der Alpen den Königen der Franken, um dadurch von diesen zumindest Neutralität zu erlangen. So wurden auch Raetien und Norikum fränkisch. Ein nennenswerter Bevölkerungszustrom fand dabei jedoch nicht statt. Die Franken begnügten sich mit der militärischen Sicherung des Gebiets. Drei Jahre später eroberten sie die nördlichen Ebenen Italiens sowie des Inneren Norikum (Noricum mediterraneum), das dem heutigen Südosten Österreichs (Kärnten und Steiermark) entspricht, bis an die Grenzen der römischen Provinz Pannonien. Ein Briefwechsel jener Zeit, in welchem sich der Franke Theudebert I. gegenüber seinem Rivalen von Ostrom, Justinian, der eigenen Machtfülle rühmt (sogenannter „Theudebertbrief“ aus dem Jahr 539/40), ist auch für die Frühgeschichte der Baiern bedeutsam. Der fränkische König benennt darin Norsavorum gentes (norisch-schwäbische Geschlechter), welche sich mit seiner Herrschaft versöhnt hätten.
Nachbarvölker der Bajuwaren waren: Thüringer im Norden Franken im Nordwesten Alamannen im Westen Romanen im Süden Langobarden im Süden