mini|Luftbild 2017 aus Südost mini|Amtssee und Kloster Chorin aus Nordwest mini|Silberdenar der askanischen Kurfürsten aus der Zeit der Klostergründung mini|Klosterkirche Chorin Deckenansicht alt=Kloster Chorin (Nord-Ost-Seite)|mini Das gotische Kloster Chorin ist eine ehemalige Zisterzienserabtei in der Nähe des Ortes Chorin etwa sechs Kilometer nördlich von Eberswalde im brandenburgischen Landkreis Barnim. Es wurde 1258 von askanischen Markgrafen gegründet und hatte weitreichende Bedeutung am nördlichen Rand des Einflussbereichs der Askanier (Grenze mit den Slawen).
Zwischen der 1542 erfolgten Säkularisation und dem beginnenden 19. Jahrhundert war das Kloster dem Verfall preisgegeben. Dann erfolgten Sicherung der Ruinen und teilweise Rekonstruktion der Gebäude unter der Leitung von Karl Friedrich Schinkel. Heute ist das Zisterzienserkloster Chorin ein die Backsteingotik typisch repräsentierendes Baudenkmal. Als Teil im Deutsch-Polnischen Klosternetzwerk ist es Veranstaltungsort mit überregionaler Anziehungskraft. 2017 wurde eine Dauerausstellung eingerichtet und eröffnet, die das Leben und Arbeiten der Mönche im Kloster Chorin thematisiert und in einem weiteren Abschnitt die Entdeckung und denkmalpflegerischen Bemühungen von Karl Friedrich Schinkel aufzeigt.
Etymologie mini|hochkant|Reste des faulen Bruchs sind heute noch erkennbar. Der Name Chorin ist wahrscheinlich slawischen Ursprungs.Manfred Krause: Ein Dorf im Schatten des Klosters – Das Dorf Chorin im Mittelalter 1258–1575. In: Choriner Kapitel, Heft 200, ISBN 3-936932-06-9, S. 4 So wird der Name in der Stiftungsurkunde des Klosters Mariensee mehrfach und unterschiedlich genannt: villa Chorin – „Dorf Chorin“ campus Chorin – „Choriner Acker“ stagnis Corin majus et minus – „großer und kleiner Chorinsee“ paludus Chorin – „Choriner Sumpf“
Chorin enthält das slawische Adjektiv chory, was „krank“ bedeutet und in Verbindung mit dem Choriner See nicht als „kranker See“, sondern „fischarmes Gewässer“ gedeutet wird. Heute heißt der See Amtssee und der ehemalige Choriner Sumpf „fauler Bruch“. Dieser entstand, als die Mönche mit Errichtung des Klosters das Wasser des Choriner Sees um ca. 1,75 m absenkten. Auf der Anhöhe östlich des Sumpfes wird die ehemalige slawische Siedlung vermutet, nach der Chorin benannt wurde. Von der slawischen Siedlung sind einige Keramikreste bei Grabungen entdeckt worden, von einer wahrscheinlich vorhandenen Begräbnisstätte fehlen bisher Nachweise. Das askanische Dorf Chorin wurde jedoch nördlich des Sees angelegt, über die Gründe der Verlegung des Dorfes ist nichts überliefert.
Im Mittelalter wandelte sich die Schreibweise des Namens mehrmals, so ist auch „Koryn“, „Corin“ und „Coryn“ überliefert.
Vorgeschichte Slawische Ursprünge mini|Blick über Oderberg; im Hintergrund die ehemals slawische Siedlung Barsdin Um etwa 1200 siedelten Slawen vom Stamm der Ukrani beim heutigen Chorin. Nach ihnen ist seit dem Mittelalter die sich nördlich anschließende Landschaft Uckermark benannt. Noch vor Mariensee wurde 1231 das Kloster Gottesstadt „Civitas Dei“ im slawischen Ort Barsdin (heute Oderberg) gegründet. Dieses Kloster war eine Stiftung des Prämonstratenserordens mit dem Mutterkloster Brandenburg an der Havel. Barsdin war der östliche, slawische Teil der späteren Stadt Oderberg. Die Besiedlung der Stadt begann zwischen 1208 und 1215 durch Slawen, die eine erste Fürstenburg auf dem Albrechtsberg errichteten. Mit der Errichtung des Klosters sollten die brandenburgischen Ansprüche an dieser Gegend gefestigt werden. Die Stiftungsurkunde zeigt deutlich, dass das Kloster der Aufnahme von Pilgern, Kranken und Flüchtigen dienen sollte. Deshalb war dem Kloster ein Hospital hinzugesellt, das wenige Jahre vorher gegründet wurde. Der Ort war nach heutigem Erkenntnisstand noch lange geteilt. Westlich des Flüsschens Behnitz befand sich das Kloster, östlich das Dorf Barsdin, welches die Markgrafen Johann I. und Otto III. 1231 dem Kloster schenkten.Wolf Russow, Nadine Jentzsch: Chronik des Klosters Mariensee 1258–1273–2007. ISBN 3-936932-13-1, S. 5ff. Das Hospital dagegen bestand noch bis 1372 in Barsdyn,Paul Eichholz: Die Kunstdenkmäler des Kreises Angermünde. Heft III Kloster Chorin, Vossische Buchhandlung, Berlin 1927, S. 165 somit existierte ein slawisches Dorf mindestens 150 Jahre unter askanischem Besitz des Klosters Chorin weiter. Noch 1786 belegte der Historiker Friderich Ludewig Joseph Fischbach in seinen Statistisch-topographischen Städte-Beschreibungen der Mark Brandenburg die Existenz von Überresten des Hospitals, heute gibt es keine archäologischen Funde mehr.
Das Kloster Civitas Dei existierte bis zum 2. September 1258, es wurde wegen schlechter Führung aufgegeben. Über den genauen Standort sind keine Überlieferungen bekannt. Nach Raumer schenkte 1233 Bischof Konrad II. von Cammin dem neu errichteten Kloster Chorin 100 Hufen in terra, quae slavice Lipana nuncupatur, also möglicherweise im Land Lippehne, östlich der Oder.Georg Wilhelm von Raumer: Die Neumark Brandenburg im Jahr 1337 oder Markgraf Ludwig’s des Aelteren Neumärkisches Landbuch aus dieser Zeit. Berlin 1837, S. 22–24, Nr. 5). Nach anderer Interpretation dürfte damit jedoch das westlich der Oder gelegene Dorf Liepe gemeint gewesen sein.W. Riehl und J. Scheu (Hrsg.): Berlin und die Mark Brandenburg mit dem Markgrafenthum Nieder-Lausitz in ihrer Geschichte und in ihrem gegenwärtigen Bestande. Berlin 1861, S. 287, unten. Das ehemalige Kloster mit seinem Hospital ging in den Besitz von Mariensee über.
Die Gegend um altes und neues Dorf Chorin bot keine guten Bedingungen für den Ackerbau, da am Rand der Endmoräne überwiegend Sandboden anzutreffen ist und die Landschaft stark hügelig ist. Für die Slawen spielte der Fischfang eine große Rolle, deshalb siedelten sie direkt am Ufer des Sees. Keramikfunde deuten darauf hin, dass die slawische Siedlung noch bestand, als das askanische Dorf bereits gegründet war. Die Slawen wurden erst später umgesiedelt und ihre alte Siedlung geschlossen.
Standort Pehlitzwerder („Kloster Mariensee“) mini|Vom Klosterbau Mariensee sind nur noch wenige Mauerreste erhalten. mini|Reste der Grundmauer der geplanten Klosterkirche mini|Mariensee war eine Insel, ist heute Halbinsel Das im Spätmittelalter einflussreiche Kloster wurde 1258 auf einer ehemaligen Insel, der heutigen Halbinsel Pehlitzwerder, im Parsteiner See nahe dem Dorf Brodowin gegründet. Es trug anfangs in Anlehnung an seine Schutzheilige den Namen Mariensee und war eine Filiation des 1180 von Markgraf Otto I. in der Zauche begründeten Klosters Lehnin.
Stifter des Klosters waren die Enkel Ottos I., die gemeinsam regierenden Markgrafen Johann I. und Otto III. Hintergrund der Stiftung waren die Erbregelungen, die zur Aufteilung der Mark Brandenburg in die Johanneische und Ottonische Linie führten. Da die traditionelle askanische Grablege im Kloster Lehnin bei der ottonischen Linie verblieb, war die Gründung eines neuen Klosters notwendig.Stefan Warnatsch: Geschichte des Klosters Lehnin …. S. 64f
Über die Wahl der ungünstigen Insellage zur Errichtung des Klosters gibt es heute nur Vermutungen, diese Entscheidung widersprach den damals üblichen Gepflogenheiten einer Klostergründung. Das Vorhandensein einer slawischen Burg auf dem Pehlitzwerder und der Ersatz dieser durch ein askanisches Kloster wird als „politische Entscheidung“ vermutet, darüber gibt es aber keine gesicherten Überlieferungen.
Da sich die Insellage für die wirtschaftlichen und landwirtschaftlichen Ambitionen der Zisterzienser zunehmend als hinderlich herausstellte und da sie zudem ein Ansteigen des Wasserspiegels befürchteten, verlegten die Mönche das Kloster laut Urkunde von 1273 noch vor seiner Fertigstellung um rund acht Kilometer nach Südwesten an den ehemaligen Choriner See, den heutigen Amtssee. Der Beschluss zur Verlegung erfolgte noch unter Mitwirkung Johanns I. in dessen Todesjahr 1266. Die Kirche Mariensee war soweit hergestellt, dass der Stifter hier bestattet werden konnte. Nach 1273 wurde Johann I. nach Chorin umgebettet. Neben weiteren Nachkommen Johanns wurden in Chorin seine Nachfolger Otto IV. (mit dem Pfeil) und der letzte bedeutende Askanier in der Mark Brandenburg, Waldemar (der Große), begraben.Harald Schwillus, Stefan Beier: Zisterzienser zwischen …, S. 11, 16 Die Mauern des Erdgeschosses des Klosters Mariensee waren bis in die 1960er Jahre erhalten geblieben. Sie wurden dann von den Einwohnern von Brodowin zur Materialgewinnung abgetragen. Die heute sichtbaren Mauerreste sind später auf dem erhalten gebliebenen Kern der Fundamente aufgemauert worden.
Wie bei allen askanischen Klostergründungen spielten neben den seelsorgerischen Aspekten auch bei Chorin wirtschaftspolitische und machtpolitische Erwägungen eine wichtige Rolle. Denn westlich des Klosters befand sich auf der Insel im Parsteiner See ein slawischer Ringwall, den Johann I. und sein Bruder sehr wahrscheinlich als Turmburg gegen die pommerschen Konkurrenten nutzten. Das Kloster sollte Mittelpunkts- und Herrschaftsfunktionen übernehmen. „Sowohl die Gründung an sich als auch deren Lage in einem alten Regional-Zentrum ‚quer‘ zu den Verkehrsrouten […] in besiedeltem Landstrich sind landesherrlich-machtpolitisches Kalkül.“Wolfgang Erdmann: Zisterzienser-Abtei Chorin. …. S. 7
Zur Gründung des Vorläufer-Klosters Mariensee auf dem Pehlitzwerder am Parsteiner See siehe: Zisterzienserkloster Mariensee
Standort Chorin mini|Kloster Chorin zur Zeit seiner Blüte (Lithographie) mini|Mühlenruine am Kloster
Auf dem Gebiet der heutigen Klosterruine befand sich vorher ein slawisches Dorf mit Befestigungsanlagen. Neueste Grabungen haben ergeben, dass das Dorf niedergebrannt ist. Wahrscheinlich handelte es sich um das Dorf Ragösen, an das heute noch der Bach Ragöse und einige lokale Bezeichnungen erinnern. Ob die Klostermühle das dicht am Kloster befindliche große Mühlenbauwerk ist, das schon vor den Zisterziensern errichtet wurde, oder eine Mühle wenige Kilometer südwestlich, ist noch nicht ausreichend erforscht. Die bestehende Mühle, der nahe Amtssee, der damals noch Choriner See hieß, sowie die Nähe zu den damals bedeutenden Städten Niederfinow, Angermünde und Eberswalde werden heute als Gründe für die Standortwahl genannt. Zisterzienserklöster wurden damals bevorzugt im ländlichen Raum auf ehemaligen slawischen Siedlungen angelegt. In den nahen Städten wurden Handelsniederlassungen gegründet, in Angermünde ist eine solche gesichert überliefert.
Heute liegt die Ruine in der wald- und seenreichen Landschaft des Biosphärenreservats Schorfheide-Chorin. Im Mittelalter gehörte das Waldgebiet mit den zahlreichen Oberflächengewässern zunächst zu pommerschem Gebiet und wurde von Slawen bewohnt. Im Zuge der hochmittelalterlichen Ostsiedlung gelangte es nach 1230 unter die Herrschaft der Askanier. Spuren der mittelalterlichen Besiedlung lassen sich noch in den Ortsstrukturen ablesen. Burgruinen, wie Grimnitz in Joachimsthal, bezeugen die Herrschaft des Askanischen Hauses, die Klosterruine Chorin die Tätigkeit der Zisterzienser.
Geschichte Gründung mini|Gesamtansicht von Süden aus Am 8. Februar 1258 erlaubten die Bischöfe Otto und Johann von Brandenburg die Gründung des Klosters Mariensee, am 2. September des gleichen Jahres beurkunden Johann I. und Otto III. die Stiftung des Klosters. Am 8. September 1273 erfolgte die offizielle Verlegung nach Chorin, die Bauarbeiten in Chorin begannen wahrscheinlich bereits 1266. Der Pehlitzwerder mit den Fundamentresten der begonnenen 25,50 m breiten Kirche wird 1935 zum Natur- und Bodendenkmal erklärt.