Naxos ( , auch Náxia) ist eine griechische Insel im Ägäischen Meer. Sie ist mit einer Fläche von 389,43 km²Naxos, Ministerium für Handelsmarine, Ägäis und Inselpolitik, griechisch die größte Insel der Kykladen und von der Insel Paros nur durch eine schmale Meerenge getrennt. Naxos hat im Osten steile Ufer, nach Westen hin ebeneres Land und wird von Norden nach Süden von einem im Berg Zas (Zeus, auch: Oxia) bis zu 1000 m ansteigenden Granitgebirge durchzogen.
Nach der letzten Volkszählung im Jahre 2021 weist die Insel 19.597 Einwohner aus (bei tatsächlich nach Jahreszeit stark schwankender Zahl der Ansässigen). Der Hauptort und -hafen heißt Naxos und wird, wie die Hauptorte auf fast allen Inseln, Chora (griechisch Χώρα) genannt. Die Stadt ist zentraler Hafenort der Insel (für Fährdienste, Fischerei und Sportschifffahrt) und Sitz des griechisch-orthodoxen Bischofs des Bistums Naxos-Paros.
Geologie, Klima, Geographie Im Nordwesten von Naxos liegt Migmatit; Marmor befindet sich im Süden und Osten der Insel. Dazwischen liegen Glimmerschiefer sowie Gneise und im Westen finden sich Granodiorite und Konglomerate ein. Marmor ist das am meisten abgebaute Gestein, das heute vornehmlich bei Kinidaros gebrochen wird. Antike Marmorbrüche gibt es beispielsweise bei Apollonas und Melanes und Schmirgel wird im Gebiet von Aperathos und Koronos abgebaut.
Auf Naxos herrscht ein maritimes, mildes Klima. In den drei Wintermonaten (Dezember bis Februar) ist mit starkem Regenfall zu rechnen. Monatliche Niederschlagssummen von 350 mm und mehr sind durchaus normal, dies bei rund 20 Regentagen pro Monat. Die mittleren Lufttemperaturen liegen zwischen 14 und 16 °C. Die mittleren Sommertemperaturen schwanken zwischen 24 und 28 °C, wobei die Monate Juli und August in der Regel niederschlagsfrei sind. Die starken Niederschläge im Herbst und Winter können dabei zu starker Bodenerosion führen, oft begünstigt durch zu geringe Bodenschutzmaßnahmen in der Landwirtschaft.
Geschichte Mythologie und Vorgeschichte Die vorgeschichtlichen Bewohner der Insel sollen laut Thukydides und Herodot Karer gewesen sein, die vom kretischen König MinosThukydides, Der Peloponnesische Krieg 1,4, nach einer anderen Version von Ioniern und DorernHerodot, Historien 1,171 nach Kleinasien vertrieben wurden. Der Sage nach soll Theseus nach seinem Sieg über den Minotaurus auf dem Rückweg von Kreta nach Athen hier die kretische Königstochter Ariadne zurückgelassen haben, deren kultische Verehrung als Vegetationsgöttin für das antike Naxos bezeugt ist. mini|links|Die schlafende Ariadne auf Naxos mini|Abendstimmung in Naxos-Stadt mini|hochkant|Artefakte der Kykladenkultur vom Grabungsort Spedos auf Naxos Archäologische Forschungen ergaben, dass Naxos bereits während der späten Jungsteinzeit und der bronzezeitlichen Kykladenkultur besiedelt war. Fundorte auf der Insel waren namensgebend für die Grotta-Pelos-Kultur, deren Anfänge noch im Spätneolithikum liegen (ca. Mitte 4. Jahrtausend v. Chr.) und die sich bis ins Frühkykladikum fortsetzte (bis etwa 2650 v. Chr.). mini|Die Sphinx von Naxos im Archäologischen Museum Delphie mini|Nachbildung der Sphinx am Stadtrand von Naxos
Antike Die im gesamten historischen Verlauf als einheitlicher Staat regierte Insel erlebte ihre Blüte schon in spätgeometrischer und früharchaischen Zeit: Naxier gründeten 735 v. Chr. die erste griechische Kolonie auf Sizilien (Naxos, heute: Giardini-Naxos). Für die archaische Zeit ist die Verehrung von Dionysos als zentralem Gott bezeugt, auch Kultstätten für Zeus, Apollon und Demeter sind belegt. In den dreißiger Jahren des 6. Jahrhunderts v. Chr. geriet der nun unterlegene Kleinstaat Naxos erstmals in den festländischen Konflikt zwischen Athen und Sparta, als Peisistratos von Athen Lygdamis, den Führer der oligarchischen Partei auf Naxos, gewaltsam als Tyrannen über die Insel einsetzte. Eine spartanische Expedition beendete 524 v. Chr. seine Herrschaft. Der Bau eines monumentalen Dionysos-Tempels auf einer Insel vor dem Haupthafen wurde aufgegeben. Endgültig verlor Naxos seine Bedeutung nach der Eroberung und Zerstörung durch die Perser 490 v. Chr.
Nachdem die naxischen Schiffe in der Schlacht von Salamis zu den Griechen übergegangen waren und die Freiheit von der persischen Oberherrschaft mit erstritten hatten, wurde die Insel Mitglied des Attischen Seebundes, fiel jedoch 467 v. Chr. ab, verlor nach der erzwungenen Unterwerfung unter Athen endgültig ihre Autonomie und teilte das Schicksal der Inseln unter der Herrschaft Philipps II. von Makedonien, seines Sohnes Alexander, der Diadochen und Römer.
Die geistig-kulturelle Rolle Naxos’ in der griechischen Antike ist wenig bedeutend. Erwähnenswert sind die naxischen Bildhauerschulen des 7. und 6. Jahrhunderts v. Chr.
Mittelalter siehe auch: Herzogtum Archipelagos mini|links|Der Markuslöwe mini|Venezianischer Wohnturm Pyrgos Agias im Norden der Insel
Seit 395 gehörte Naxos zum Oströmischen Reich. Im Mittelalter erhielt die Insel den Namen Naxia. Nachdem die Kreuzfahrer 1204 Konstantinopel erobert hatten und das Byzantinische Reich zerfiel, geriet auch Naxos unter die Herrschaft der Lateiner. Der Venezianer Marco Sanudo eroberte die Insel 1207 und erhielt sie und die übrigen Inseln der Kykladen vom lateinischen Titularkaiser Ostroms Heinrich von Hainault 1210 als erbliches Lehensherzogtum zugesprochen. Der Eroberer wurde zum Herzog des Archipelagos erhoben, Naxos wurde Sitz des Herzogtums.
Sanudo verteilte das eroberte Land unter die Offiziere seiner Flotte, die auf ca. 50 Lehen befestigte Wohnsitze errichteten und für Jahrhunderte eine Feudalherrschaft westeuropäischen Charakters in der Ägäis begründeten. Über den antiken Resten auf dem Stadthügel von Naxos wurde eine zwölftürmige Burganlage erbaut, die den Herzogspalast und die Stadthäuser der Lehnsmänner umschloss. Inmitten der Burg entstand ein Bischofssitz der römisch-katholischen Kirche (Erzbistum Naxos, Andros, Tinos und Mykonos), der noch heute ein Teil der Inselbevölkerung (wie vor allem auch auf Syros und Tinos) anhängt.
Als das Haus Sanudo 1362 im Mannesstamm erlosch, erhielt der Gemahl der Tochter des letzten Herzogs, Giovanni dalle Carceri, Herr von Negroponte (d. i. Euböa) das Herzogtum Naxos übertragen. Als letzte lateinische Herzöge herrschten von 1383 bis 1564 die Crispi.
Neuzeit mini|Blick von einer Fähre auf Naxos-Stadt mini|Tavernen im Hafen von Naxos-Stadt mini|Hafen des Hauptortes Naxos
Schon 1537 kam die Insel nach der Eroberung durch die Flotte Chaireddin Barbarossas unter osmanische Herrschaft. Als ersten Nachfolger der venezianischen Herzöge übertrug Sultan Selim II. der Trunkenbold 1566 dem Marranen Iussuf Nasi die Herrschaft über Naxos. Unter Nasi, der die Insel bis zu seinem Tod 1579 nie betrat, wie nachfolgend bis zum griechischen Freiheitskampf ab 1821 stand die Insel unter wechselnder Verwaltung von Tributären der Hohen Pforte, die der italienischen und französischen Aristokratie und dem städtischen Patriziat konstantinopolitanischer Griechen angehörten.
Im Griechischen Freiheitskrieg ab 1821 fanden keine Kämpfe auf der Insel statt, doch Naxos erlebte einen Zustrom von Flüchtlingen aus den Kampfgebieten des Festlands und der Inseln. Mit Beginn der Regentschaft von Ioannis Kapodistrias (1827) wurde Naxos Teil des zunächst autonomen, ab 1829 selbständigen Griechenlands und teilte dessen Schicksal. Im Zweiten Weltkrieg war Naxos ab 1941 bis zum Sturz Mussolinis 1943 von bis zu 2.000 italienischen Soldaten besetzt, ab Oktober 1943 von nurmehr 70 Deutschen, die in der Vorbereitung ihres Abzugs nach dreitägigem Kampf im Oktober 1944 gefangen genommen wurden.
Verwaltungsgliederung Nach der Staatsgründung Griechenlands war die Insel Naxos zwischen 1834 und 1912 in zwei Distrikte untergliedert. Die Gemeinden Naxos und Vivlos mit dem Hauptort Naxos bildeten den einen Distrikt. Der zweite Distrikt bestand aus den Gemeinden Apiranthos, Koronis und Tragea mit dem Hauptort Tragea.Regierungsblatt des Königreichs Griechenland (ΦΕΚ) Nr. 4 vom 10. März 1835 Nachdem 1912 durch Gebietsteilungen weitere 10 Gemeinden entstanden, erhöhte sich bis 1951 durch kleinere Gebietskorrekturen die Anzahl von 15 auf 21 Landgemeinden, die Stadt Naxos erhielt den Status einer Stadtgemeinde. Durch die Umsetzung der Gebietsreform nach dem Kapodistrias-Programm im Jahr 1997 wurde die Insel Naxos in die beiden Gemeinden Naxos und Drymalia mit insgesamt 22 Gemeindebezirken untergliedert. Im Zuge der griechischen Verwaltungsreform 2010 wurden sie mit den ehemaligen Inselgemeinden der Kleinen Kykladen zur Gemeinde Naxos und Kleine Kykladen zusammengeführt und erhielten den Status von Gemeindebezirken. Der flächengrößte Gemeindebezirk Drymalia ist in einen Stadtbezirk und zehn Ortsgemeinschaften, der einwohnerstärkste Gemeindebezirk Naxos ist in zwei Stadtbezirke und neun Ortsgemeinschaften untergliedert.
Gemeindebezirkgriechischer NameCodeFläche (km²)Einwohner 2001Einwohner 2011 (Excel-Dokument, 2,6 MB)Einwohner 2021Stadtbezirke / Ortsgemeinschaften(Δημοτική / Τοπική Κοινότητα)Lage Naxos Δημοτική Ενότητα Νάξου 670201 126,957 12.089 12.726 14.708 Naxos, Agios Arsenios, Vivlos, Galanado, Galini, Glinado, Engares, Kinidaros, Melanes, Potamias, Sangri 120x120px|ohne Drymalia Δημοτική Ενότητα Δρυμαλίας 670203 302,828 6.099 5.204 4.889 Aperathos, Filoti, Damarionas, Danakos, Keramoti, Koronis, Koronos, Mesi, Moni, Skado, Chalki 120x120px|ohne Gesamt 6702 429,785 18.188 17.930 19.597
Wirtschaft mini|Stufenfömiger Abbau im Marmorsteinbruch auf Naxos bei Kinidaros
Die Insel ist gut bewässert und vor allem in den niederen Teilen nahe der Nordwestküste und in einem Zentralbecken im Inland, aber auch in Terrassengärten zahlreicher Bergdörfer sehr fruchtbar. Die landwirtschaftliche Tätigkeit ist auf Obst- und Gemüsebau, Wein, Öl- und Olivengewinnung, Getreideanbau (vor allem Gerste als Viehfutter), Viehzucht und Milchprodukte (Käse, Joghurt) konzentriert.
Industriell abgebaut wird Naxos-Marmor; der Abbau von Schmirgel, bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts der bedeutendste Wirtschaftszweig der Insel, wurde eingestellt. Bereits seit der Antike wurde im Untertagebau in kleinen Stollen Schmirgel gewonnen. Er fand und findet als Schleifmittel Verwendung. Die Naxos-Union in Frankfurt hatte seit 1871 jahrzehntelang das Alleinverkaufsrecht für Naxosschmirgel auf dem europäischen Festland. In der Folge stellte Naxos-Union nicht nur Schleifmittel her, sondern entwickelte und produzierte seit 1880 erste Steinschleifmaschinen. Mit der Einführung von Elektrokorund und Siliziumcarbid als Ersatzstoffe büßte der Naturschmirgel seit Anfang des 20. Jahrhunderts seine Bedeutung für die Schleifkörperherstellung ein.