miniatur|Männchen im Schlichtkleid miniatur|Weibchen im ersten Schlichtkleid miniatur|Weibchen im ersten Sommer. Man beachte die graue Kappe und die braunen Elemente im Gefieder. miniatur|Bachstelze im Jugendkleid Die Bachstelze (Motacilla alba) ist eine Singvogelart aus der Familie der Stelzen und Pieper. Sie fällt durch ihr kontrastreiches, schwarz-weiß-graues Gefieder und den stelzentypischen Wippschwanz auf. Der charakteristische Ruf ist ein hohes, metallisches dschiwid.

Das umfangreiche Verbreitungsgebiet reicht von Südostgrönland durch die gesamte Paläarktis bis zur Beringstraße und in den äußersten Westen Alaskas. Im Norden reicht es über den Polarkreis hinaus, im Süden bis in die Subtropen. In Mitteleuropa ist die Bachstelze ein verbreiteter und häufiger Brutvogel. Ursprünglich wohl vor allem an unbewachsene Uferflächen und Gewässer gebunden, ist sie heute überall in der offenen und halboffenen Kulturlandschaft zu finden, wo es passende Nistgelegenheiten und freie Bodenflächen zur Nahrungssuche gibt. Die Art brütet in Nischen und Halbhöhlen und ernährt sich fast ausschließlich von Insekten und anderen Gliederfüßern.

Im Winter ziehen Bachstelzen meist nach Süden, wobei die Länge der Zugwege stark variiert. Mitteleuropäische Bachstelzen überwintern vorwiegend in Südwesteuropa und Nordafrika, die Überwinterungsgebiete anderer Populationen reichen teils bis zum Äquator. Einzelne Vögel bleiben aber auch den Winter über in Mittel- oder Nordeuropa.

Die Bachstelze ist der offizielle Nationalvogel von Lettland.

Beschreibung Die Bachstelze ist ein schlanker, recht hochbeiniger Singvogel mit einem langen Schwanz, der sich beständig in wippender Bewegung befindet. Von den 16,5–19 cm Körperlänge entfallen etwa 9 cm auf den Schwanz. Das Gewicht liegt bei etwa 25 g. Der Schnabel ist wie Beine und Füße schwarz, im Schlichtkleid zeigt er eine hornfarbene Basis.

Brutkleid Beim Männchen der Nominatform ist im Brutkleid die Stirn bis auf den mittleren Scheitel weiß wie auch eine Partie oben hinter dem Auge, die Kopf- und die Halsseiten. Hinterer Scheitel und Nacken sind wie Kinn, Kehle und Vorderbrust glänzend schwarz und grenzen sich meist sauber gegen die weißen Gesichtspartien und den grauen Rücken ab. Der Bürzel ist schiefer- bis schwarzgrau wie auch die Oberschwanzdecken, von denen die seitlichen auf der Außenfahne weiß gesäumt sind. Das Grau der Schulterfedern geht an den Brustseiten und den Flanken in das reine Weiß der Unterseite über. Die Unterschwanzdecken sind ebenfalls weiß. Der Schwanz ist glänzend schwarz und zeigt, da die beiden äußeren Federpaare nur an Basis und Innenfahne schwarz sind, breite, weiße Außenkanten, die besonders beim auffliegenden Vogel auffallen. Zudem ist das mittlere Paar Steuerfedern schmal weiß gesäumt. Das Flügelgefieder ist schwarzbraun und trägt weiße bis hellgraue Säume. Die Handschwingen sind wie die Handdecken und der Fittich fein weiß gesäumt. Auf den Armschwingen werden die Außenränder zu den Schirmfedern hin breiter und nehmen auf letzteren einen Großteil der Außenfahne ein. Hier sind sie schmutzig weiß bis hellgrau. Die großen Armdecken sind ebenso gesäumt, die inneren tragen eine ausgedehnt weiße, gestufte Spitze. Die mittleren Armdecken zeigen einen breiten Spitzensaum. Die Unterflügeldecken sind schmutzig weiß.

Das Weibchen ähnelt im Brutkleid dem Männchen, jedoch sind die weißen Gesichtspartien meist nicht so deutlich von den schwarzen abgesetzt und teils gräulich meliert. Die schwarze Färbung des Nackens geht in das Grau des Rückens über und ist nicht scharf abgesetzt wie beim Männchen. Außerdem ist das Flügelgefieder meist nicht so kontrastreich hell gesäumt wie beim Männchen. Bei einigen Weibchen kann die Kopfzeichnung genau so oder ähnlich wie beim Männchen ausgeprägt sein.

Schlichtkleid Im Schlichtkleid fehlen den adulten Vögeln die schwarzen Partien am Kopf. Sie beschränken sich auf ein halbmondförmiges Band auf der Brust und einen teils deutlich abgesetzten Wangenfleck. Die Stirn ist schmutzig weiß bis grau. Kopf, Nacken, Ohrdecken und Wangen sind grau. Die Gesichtspartie kann einen gelblichen Ton aufweisen. Das übrige Gefieder entspricht dem Brutkleid. Das Männchen unterscheidet sich vom Weibchen nur durch den dunkleren, von schwarzen Federn durchsetzten Scheitel.

Jugendkleid Beim Jugendkleid ist die Oberseite überwiegend grau, der Rücken etwas heller, Oberkopf und Nacken etwas ins bräunliche spielend. Oben hinter dem Auge findet sich ein Überaugenstreif, der wie die Halsseiten, das Kinn und die Kehle schmutzig weiß sind. Die Ohrdecken sind dunkel schmutzig gelb. Ein halbmondförmiges Brustband sowie ein davon ausgehender Kinnstreif sind braunschwarz bis gelbbraun. Die Brustseiten sind grau, die Unterseite weiß. Flügel- und Schwanzgefieder ähneln den Adultkleidern, bleichen aber schnell aus und zeigen dann nur geringe Kontraste zwischen Zentren und Säumen.

Stimme Der am häufigsten geäußerte, typische Ruf der Bachstelze ist ein hohes und auffälliges zi-lipp oder dschi-witt, das auch als dreisilbiges tsi-di-litt vorgebracht werden kann. Er kann mehrere Funktionen und Ausprägungen haben. Von territorialen Männchen wird er sowohl zur Brutzeit als auch in den Winterquartieren von Warten aus vorgetragen und ersetzt dann einen Reviergesang.Glutz v. Blotzheim, S. 882, s. Literatur Als Stimmfühlungs- und Kontaktruf ist er beim Auffliegen oder Landen, im Flug oder auch als Fütterungsruf zu hören. Er hat dann oft eine weniger weiche Ausprägung und kann auch auf ein einsilbiges zick oder zlipp reduziert sein.Glutz v. Blotzheim, S. 883 f., s. Literatur Als Alarm- oder Erregungsruf ähnelt er dem Ruf der Gebirgsstelze, ist dann höher und schärfer und wird als zississ beschrieben.Ölschlegel, S. 72, s. Literatur In Nestnähe und von Paaren hört man noch eine Reihe weiterer Abwandlungen wie zlid, psijip oder plim. Bei der Balz sind verschiedene, zarte und leise Rufe und Rufreihen beobachtet worden.

Eine Art Zwitschergesang ist bei Erregung als leiser Balzgesang zwischen den Revierrufen oder auf dem Zug zu vernehmen. Er besteht oft nur aus kurzen Strophen, kann aber auch anhaltend sein und entsteht oft aus dem Stimmfühlungslaut heraus, der in verschiedenen Modulationen immer wieder eingeflochten wird. Auch Imitationen anderer Vogelarten kommen vor. Die Gesangsaktivität ist vermutlich individuell sehr unterschiedlich. Gesang und Rufe sind aber das ganze Jahr über zu vernehmen.

Verhalten mini|Bachstelzen sitzen auf einer Fichte und fliegen davon – man sieht ihr charakteristisches Flugmuster. In Kõrvemaa, Estland. Frühling 2021 Die Bachstelze bewegt sich wie alle Stelzen am Boden schreitend oder laufend fort. Das Schreiten, bei dem die Schritte weit ausgreifend sind, wird von rhythmischen Kopfbewegungen und einem flachen Schwanzwippen begleitet. Bei raschen Bewegungen, nach dem Landen, dem Anhalten aus dem Laufen heraus oder beim Aufpicken von Nahrung ist das Schwanzwippen heftiger. Vor dem Abflug oder bei einem schnellen Übergang von der Landung zur laufenden Fortbewegung unterbleibt es.Glutz v. Blotzheim, S. 788, s. Literatur Der Flug erfolgt in ausgeprägt bogenförmigen Auf- und Abwärtsbewegungen, die Geschwindigkeit liegt bei etwa 30–40 km/h.Ölschlegel, S. 25, s. Literatur

Verbreitung miniatur|links|450px|Brutverbreitung und geografische Variation der Bachstelze. Aufgrund der Farbe des Rückens und der Kopfmuster der Männchen im Brutkleid werden elf Unterarten und drei Unterartengruppen unterschieden. Die ersten beiden verbindet (mit Ausnahme von M. a. yarellii) der graue Rücken, die beiden anderen die jeweils identischen Kopfmuster. Das transpaläarktische Verbreitungsgebiet der Bachstelze reicht vom Südosten Grönlands bis zur Beringstraße und jenseits derselben ein Stück weit in die Nearktis hinein, wo es Vorkommen im äußersten Westen Alaskas gibt. Im Norden reicht es jenseits des Polarkreises bis etwa 75° N. Die Südgrenze ist in Europa das Mittelmeer, auf dem Afrikanischen Kontinent gibt es lediglich im Westen Marokkos Brutvorkommen. In Asien reicht die Verbreitung südwärts bis in die Gebirgsregionen des Iran und Nordafghanistans, in die Himalayaregion und im südwestlichen China etwa bis 35° N. Größere Vorkommenslücken gibt es in den Trockenregionen Mittelasiens, so in den Wüsten Karakum und Kysylkum, der Kasachensteppe, dem Tarimbecken und im Hochland von Tibet.

Geographische Variation miniatur|Motacilla alba yarrellii (Trauerbachstelze) miniatur|Motacilla alba personata miniatur|Motacilla alba leucopsis miniatur|Motacilla alba lugens

Die geographische Variation ist recht ausgeprägt, es werden elf Unterarten anerkannt. Dabei variiert vor allem das Kopfmuster der Männchen im Brutkleid, das sich aus meist deutlich voneinander abgesetzten schwarzen, weißen und grauen Partien zusammensetzt sowie die Farbe der Oberseite. Aufgrund dieser Merkmale können drei große Gruppen unterschieden werden. Die Unterarten der westlichen alba-Gruppe zeigen – mit Ausnahme der Unterart M. a. yarellii – einen grauen Rücken und ein übereinstimmendes Kopfmuster. Die fernöstliche lugens-Gruppe zeigt einen schwarzen Rücken und unterschiedliche Kopfmuster. Eine zentralasiatische Gruppe vermittelt zwischen den beiden vorgenannten. Alle Unterarten dieser Gruppe zeigen einen grauen Rücken und alle drei Kopfmuster der lugens-Gruppe.

Bei der Unterart M. a. yarellii wird angenommen, dass sie den schwarzen Rücken unabhängig von den fernöstlichen Formen entwickelt hat. Die nordafrikanische Unterart M. a. subpersonata weicht mit ihrer Kopfzeichnung stark von allen anderen Unterarten ab und vermittelt in diesem Merkmal zur nahe verwandten Witwenstelze (Motacilla aguimp), die in großen Teilen Subsahara-Afrikas vorkommt.

In den Kontaktzonen der einzelnen Unterarten haben sich teils Mischpopulationen ausgebildet, diese sind aber meist nur sehr gering ausgeprägt oder die Übergänge abrupt, so dass beispielsweise den Unterarten M. a. personata und M. a. lugens von einigen Autoren Artstatus zuerkannt wird. M. a. persica ist hingegen eine sehr variable Form, die daher manchmal nur als Übergangspopulation angesehen wird.

alba-Gruppe M. a. alba , 1758 – Südosten Grönlands, Island, Färöer und Kontinentaleuropa ostwärts bis nach Kleinasien und in den Ural, Brutnachweise aus Großbritannien und Irland M. a. yarrellii , 1837 (Trauerbachstelze) – Großbritannien und Irland, möglicherweise auch nördliches Westeuropa M. a. dukhunensis , 1832 – vom Ural ostwärts bis zur Taimyrhalbinsel, südwärts bis in den Kaukasus, den nordwestlichen Iran, die Steppen Kirgistans und bis zum Fuß des Altai M. a. subpersonata , 1901 – westliches Marokko

Intermediäre Gruppe M. a. ocularis , 1860 – nördliches und östliches Sibirien und westliches Alaska M. a. persica , 1876 – südliches Elbursgebirge und Zagrosgebirge im Iran M. a. personata , 1861 – vom Kaspischen Meer und dem nördlichen Iran ostwärts bis zum Sajangebirge, in die westliche Mongolei und das nordwestliche und westliche Xinjiang sowie südwärts bis Nordafghanistan, Nordpakistan und ins Kaschmir M. a. baicalensis , 1871 – südliches Mittelsibirien vom Oberlauf des Jenissei ostwärts bis zum Stanowoigebirge sowie südwärts bis in die Mongolei und die Innere Mongolei

lugens-Gruppe M. a. lugens , 1829 – von der Südküste des Ochotskischen Meeres über Sachalin, das mittlere Kamtschatka und die Kommandeurinseln südwärts bis ins nördliche Korea und nach Japan M. a. leucopsis , 1838 – von Qinghai ostwärts bis nach Heilongjiang, Russisch-Fernost und den Westen von Zhejiang, südwärts bis in den Norden von Guangxi und Guangdong, Korea, den Südwesten Honshūs und den Norden Kyushus M. a. alboides , 1836 – Himalayaregion ostwärts vom nordöstlichen Pakistan, südliches Xizang, Süden und Südosten Qinghais und ostwärts bis in den Süden Shaanxi, Yunnans und Guizhou, nördliches Myanmar, äußerster Norden von Laos und Vietnam

Systematik