mini|257px|Samothraki (von NNO) Samothraki (; , ionisch , , ) ist eine gebirgige und wasserreiche griechische Insel in der nördlichen Ägäis. Geographisch und historisch zählt die etwa 180 Quadratkilometer große Insel zur Region Thrakien, politisch gehört sie als Gemeinde (dimos) zum Regionalbezirk Evros der Region Ostmakedonien und Thrakien. Nach der Volkszählung 2011 hat die Insel 2859 Einwohner. Der Hauptort ist Samothraki, umgangssprachlich auch Chora, der Fährhafen ist in Kamariotissa.

Seit etwa 6000 v. Chr. ist Samothraki besiedelt. Von ca. 2600 v. Chr. bis 400 n. Chr. war die Insel überregional bedeutend. Das „Heiligtum der Großen Götter“ widmete sich dem Kabiren-Kult. Von ihrer bedeutenden Rolle im Seehandel von byzantinischer bis in die osmanische Zeit zeugen die Überreste von Türmen und Festungen. Samothraki wurde 1912 Teil des modernen griechischen Staates.

Die Insel ist bekannt als Fundort der Nike von Samothrake, einer berühmten Skulptur der griechischen Siegesgöttin.

Geographie Lage mini|links|Samothraki – Blick auf das Fengari-Massiv, Juli 2007 Die 180,364 Quadratkilometer große Insel Samothraki liegt vor der Bucht von Saros im Thrakischen Meer in der nordöstlichen Ägäis. Die kürzeste Entfernung zum Festland südlich des Evros-Deltas beträgt 36 Kilometer nordöstlich sowie 45 Kilometer östlich zum Kap Suvla auf der Halbinsel Gallipoli und zur Stadt Alexandroupoli etwa 43 Kilometer nördlich. Nächstgelegene Inseln sind im Süden Gökçeada 25 Kilometer und Limnos 54 Kilometer entfernt.

Auf der Längsachse in West-Ost-Ausrichtung erreicht Samothraki ihre maximale Ausdehnung von über 22 Kilometer. Die breiteste Stelle in der Inselmitte beträgt etwa 12 Kilometer. Das Massiv des Fengari () im Inselzentrum prägt die Topographie. Der Hauptgrat ist von Nordnordwest nach Südsüdost ausgerichtet. Der höchste Gipfel Marmara () erreicht 1611 Meter. Nachbargipfel sind die Louloudi (; 1475 Meter) südöstlich und der Agios Georgios (; 1455 Meter) nordwestlich. Auf dem nach Südwest ausgerichteten Nebengrat liegt der Ai-Lias (; 1403 Meter). Im Osten liegt in 11 km Entfernung die unbewohnte Insel Zourafa, die einen Leuchtturm trägt.

Im Gegensatz zu den steilen und zerklüfteten Bergen im Inselinnern ist der Küstenverlauf Samothrakis größtenteils flach. Lediglich die Südostküste beim Kap Kipos (), wo das Fengari-Massiv bis nahe ans Meer reicht, ist von steil aufragenden, schwer zugänglichen Klippen geprägt. Ansonsten besteht der Uferstreifen auf fast der gesamten Länge aus Kieselstränden und aus den Sandstränden Pachia Ammos () und Vatos () an der Südküste.

Mythologie mini|Blick auf Mondberg und Kultstätte der Großen Götter Vom Berg Fengari ( ‚Mond‘, auch Saos genannt) aus soll der griechische Meeresgott Poseidon laut Homer die Schlacht um Troja beobachtet haben (vgl. Ilias); tatsächlich kann man vom Gipfel aus bei guter Sicht bis weit nach Kleinasien hinein sehen.

Die Argonauten kamen auf ihrem sagenhaften Zug zum Goldenen Vlies am Kaukasus an Samothrake vorbei.

Geschichte Frühzeit Aufgrund ihrer Lage spielte die Insel eine bedeutende Rolle auf den Seewegen zwischen Europa und Asien sowie zwischen Thrakien und den Inseln der Ägäis. Die früheste Besiedelung Samothrakis datiert ins Spätneolithikum. Die erste Ansiedlung um 5.000 v. Chr. lag auf einem Hügel westlich einer damals existierenden Lagune. Die Siedlungsfläche der Toumba von Mikro Vouni an der Südwestküste betrug etwa einen Hektar. Neun Siedlungsphasen konnten nachgewiesen werden. Nach Mikro Vouni III (SN) wird eine Lücke der Siedlungsaktivität vermutet, die in der Frühbronzezeit um 2800 bis 2500 v. Chr. mit Mikro Vouni IV wieder einsetzte und bis zur Mittleren Bronzezeit fortdauerte. Die jüngste Siedlungsphase stellt gleichzeitig die Blütezeit dar. Bemerkenswert für die Nordägäis sind die Funde von Tonsiegeln die nach MM II einzuordnen sind.

Antike Das antike Samothráke liegt seit alters an einem für Nautik und Fernhandel bedeutenden Punkt: Da eine ständige Meeresströmung aus den Dardanellen in die Ägäis läuft, sammelten sich hier die Segelschiffe, um einen günstigen Wind für die Durchfahrt ins Schwarze Meer abzuwarten. Dadurch waren sie eine leichte Beute für Piraten.

Samothrake gehörte zu Thrakien und soll nach Herodot von den sagenhaften Pelasgern, nach anderen Quellen durch Dardanos mit Arkadiern und Troern kolonisiert worden sein. Beide Angaben sind legendarisch. Historisch gesichert ist eine Kolonisierung durch Aioler aus Lesbos um 700 v. Chr., die auf Samothrake einen griechischen Stadtstaat (Polis) gründeten. Sie trafen dabei auf den thrakischen Stamm der Kabeiroi, der dort auch weiterhin siedelte und nur langsam gräzisiert wurde: Noch aus der Zeit des Hellenismus gibt es mehrere Hundert thrakische Inschriften von der Insel.

In der Schlacht bei Salamis (480 v. Chr., zweiter Perserkrieg) kämpften die Bewohner von Samothrake wie die meisten Thraker auf Seiten der Perser, danach wurden sie (tributpflichtige) Bundesgenossen der siegreichen Athener, bis zu deren Niederlage im Peloponnesischen Krieg gegen Sparta.

Nach der Eroberung des Perserreiches durch Alexander den Großen, im Hellenismus, war Samothrake ein bedeutendes Heiligtum für die (die Seefahrt beschützenden) Dioskuren, das von den (daran geostrategisch interessierten) ägyptischen Pharaonen aus dem Haus der Ptolemaier reich ausgestattet wurde; es war also auch zugleich ein bedeutender Handelsplatz (vgl. Delos). Mit dem Ende der Diadochen-Reiche geriet die Insel unter römische Herrschaft. Im ersten vorchristlichen Jahrhundert, nach den marianischen Bürgerkriegen, wurde der an Weihgeschenken reiche Tempelbezirk von Seeräubern geplündert.

In der Apostelgeschichte (Apg 16,11) wird Samothraki namentlich erwähnt: „Wir fuhren von Troas auf dem kürzesten Weg zur Insel Samothrake, und am zweiten Tag erreichten wir Neapolis“.

Mittelalter und Neuzeit Samothraki stand nach dem Untergang des Römischen Reiches unter byzantinischer, venezianischer und genuesischer Herrschaft. Ab 1457 gehörte die Insel zum Osmanischen Reich und bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts zum Wilajet Dschesair, der türkische Name der Insel ist Semadirek. Als sich die Inselbewohner 1821 erhoben, massakrierten die Türken am 1. September 1821 den Großteil der griechischen Bevölkerung (das Massaker von Samothrake), und 1.500 Griechen wurden auf den Märkten des Orients in die Sklaverei verkauft.Επανάσταση 1821: Η σφαγή στη Σαμοθράκη, μια σχεδόν λησμονημένη ιστορία mini|rechts|Flagge der griechischen Aufständischen in Thrakien während der Griechischen Revolution. Infolge der Balkankriege fiel Samothraki 1912 an Griechenland und stand 1941 bis 1945 unter bulgarischer Oberhoheit. Gemäß dem Vertrag von Lausanne und dem Vertrag von Montreux ist die Insel demilitarisiert.

Die Suche nach Einkommen und eine bessere Zukunft führte ab den 1960er Jahren viele Menschen nach Stuttgart, wo eine große Auslandsgemeinde existiert. Zum Verwandtenbesuch während der Sommermonate und zur Ausübung des Wahlrechts kehren sie oft auf die Insel zurück. Aufgrund der Migration sprechen viele Menschen deutsch.

Archäologie mini|Arsinoeion (großer Rundbau) in der Kultstätte der Großen Götter Berühmtheit erlangte Samothraki durch seinen Mysterienkult und das Mysterienheiligtum der Großen Götter, den Kabiren (Kabeiroi), welcher in die ältesten Zeiten zurückreicht und dem eleusinischen an Ansehen gleichstand. Verehrt wurden im Heiligtum der Großen Götter (Kabirenheiligtum) neben den Kabiren selbst auch die thrakische Muttergottheit Axieros als Herrin der Natur, die Unterweltgottheiten Axiersos und Axiersa sowie der Vegetationsgott Kadmilos.

mini|600px|ohne|Panoramablick auf das Hieron im Kabirenheiligtum in Samothraki, August 2001

Die alte Stadt Samothrake lag an der Nordküste; landeinwärts davon nach Süden (in typischer Fluchtlage vor Seeräubern) lag der spätere Hauptort Kastro. Die österreichischen Ausgrabungen von Alexander Conze 1873 und 1875 haben in der alten Stadt namentlich die Reste eines dorischen Marmortempels und eines Rundbaues aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. sowie weitere Prachtbauten aufgedeckt. Der bedeutendste Fund war die 1863 durch Charles Champoiseau aufgefundene Skulptur der „Nike von Samothrake“ (um 190 v. Chr.). Das Original ist heute im Musée du Louvre in Paris ausgestellt, Abgüsse befinden sich im Lichthof des Hauptgebäudes der TU Berlin sowie im Lichthof des Hauptgebäudes der Universität Zürich. Architekturproben sind im Ephesos Museum in Wien zu sehen.

Die Nike von Samothrake, die Göttin des Sieges, war später oft das Vorbild für Nachbildungen der Nike und der römischen Victoria (zum Beispiel: Siegessäule und Brandenburger Tor in Berlin).

mini|Empfangsbereich für den Kult der Großen Götter. Im Umfeld des Kabirenheiligtums wurde das Anáktoron, das Arsinóeion, das Témenos, der Neue Tempel, die Halle der Weihgeschenke, das Propylon des Ptolemäos, die Stoa sowie das Theater und eine bedeutende Nekropole durch Archäologen freigelegt.

Funde vom Ausgrabungsgebiet sind im Museum von Palaiopolis in der Nähe des Heiligtums untergebracht; neben Vasen, Inschriften und Skulpturen findet sich dort auch eine Nachbildung der berühmten Nike.

Gemeindegliederung Nachdem Samothraki infolge der Balkankriege Griechenland zugesprochen worden war, bildete die Insel ab 1913 gemeinsam mit den Inseln Lesbos, Imvros, Limnos und Tenedos die Präfektur Mytilini (). Sie war in zwei Landgemeinden gegliedert, Samothraki () und Xiropotamos (). Mit dem Anschluss von Teilen Thrakiens an Griechenland 1923 wurde Samothraki der Präfektur Evros () zugeschlagen und 1927 die beiden Landgemeinden zur Landgemeinde Samothraki zusammengeschlossen. 1986 erhielt die Insel Gemeindestatus ().

Einwohnerentwicklung von SamothrakiEinwohnerzahlen von Samothraki 1913–2011, Griechisches Statistisches Amt ELSTAT, Digitale Bibliothek (griechisch) Nachdem die Bevölkerungszahl im Jahr 1951 einen Höchststand von über 4.200 Einwohnern erreicht hatte, führte eine Welle der Arbeitsmigration ab den 1960er Jahren zu einem ständigen Bevölkerungsrückgang. Name griechischer Name 1913 1920 1928 1940 1951 1961 1971 1981 1991 2001 2011 Samothraki 1749 2055 1679 1795 1555 1214 941 719 677 653 Alonia 397 459 666 678 690 508 423 556 215 291 Ano Karyotes 2 2 3 8 15 22 Ano Meria 100 58 57 Dafnes 47 15 13 11 16 Therma 18 13 60 67 74 106 Isomata 59 15 Kamariotissa 149 134 176 277 336 546 826 969 1069 Kastelli 153 80 69 Katsambas 11 12 15 Kato Karyotes 6 3 8 38 37 41 Lakkoma 269 497 435 548 448 440 423 376 329 317 Makrylies 112 94 114 18 9 12 Mnimoria 14 17 35 44 Baxedes 0 Xiropotamos 298 331 337 452 358 178 118 76 39 29 Paleopoli 27 97 106 94 13 2 5 21 25 36 Potamia 3 6 Profitis Ilias* 213 184 327 415 218 207 207 183 214 189 Remboutsadakia 111 12 12 18 54 Gesamt 3683 3190¹ 3866 3993² 4258 3830³ 3012 2871 3083 2723 2859 * bis 1928 Kourmbeti () ¹ einschließlich Agios Georgios 76 Einwohner und Kontada 49 Einwohner ² einschließlich Achlambaria () 25 Einwohner, Kitades ³ einschließlich Moni Samothrakis 4 Bewohner

Natur mini|Ziege auf Samothraki mini|Flaumeichenwald im Norden (1982) Durch die zentrale Lage und die Höhe des Fengari-Massivs haben sich auf den gegen Nordnordost und Südsüdwest gelegenen Seiten unterschiedliche Landschaftsbilder entwickelt. Während an der Nordseite Wälder mit alten Baumbeständen, Obstkulturen, dichtem Buschland und teilweise ganzjährig wasserführende Wildbäche dominieren, prägen die gegenüberliegende Seite Macchie, Ackerland und Olivenhaine das Bild.