Die Körber AG mit Sitz in Hamburg ist eine Management-Holding, die als Aktiengesellschaft den Körber-Konzern mit den drei Geschäftsfeldern Pharma, Supply Chain und Technologies führt. Mit mehr als 13.000 Mitarbeitern und mehr als 100 Standorten erzielte die Gruppe 2025 einen Umsatz von rund 3,1 Milliarden Euro.
Geschichte 1946 bis 1992 Kurt A. Körber bahnte in Hamburg am 14. Juli 1946 die ersten Geschäfte an. Am 1. Februar 1947 errichtete er die Hauni Maschinenfabrik Körber & Co. KG (ab 1958: Hauni-Werke Körber & Co. KG).Siehe Josef Schmid, Dirk Wegner: Kurt A. Körber. Annäherungen an einen Stifter, S. 48 und S. 54. Siehe auch Evelyn Hauser, aktualisiert von M. L. Cohen: Körber AG. In: International Directory of Company Histories. Bd. 173, S. 352. Innerhalb des Stadtteils Bergedorf zog das Unternehmen, das sich anfänglich ausschließlich mit dem Bau von Maschinen für die Tabakindustrie befasste, 1953 an einen neuen Standort; ein Jahr später beschäftigte es mehr als 1.000 Mitarbeiter.Josef Schmid, Dirk Wegner: Kurt A. Körber. Annäherungen an einen Stifter, S. 65. Die internationale Expansion begann 1948: Kurt A. Körber stellte über den exilierten Eric Warburg Kontakte zu US-amerikanischen Zigarettenherstellern her,Josef Schmid, Dirk Wegner: Kurt A. Körber. Annäherungen an einen Stifter, S. 74. reüssierte mit seinen Maschinen 1951 auf einer Amsterdamer Fachmesse für TabakJosef Schmid, Dirk Wegner: Kurt A. Körber. Annäherungen an einen Stifter, S. 62. und erreichte mit seinem Unternehmen 1953 einen Exportanteil von 80 Prozent – in 48 Staaten waren damals Maschinen aus den Hauni-Werken im Einsatz.Josef Schmid, Dirk Wegner: Kurt A. Körber. Annäherungen an einen Stifter, S. 69. 1955 errichtete das Unternehmen eine Niederlassung in Richmond (Virginia), der bis Mitte der 1960er-Jahre weitere folgten.Josef Schmid, Dirk Wegner: Kurt A. Körber. Annäherungen an einen Stifter, S. 75 f.
1970 setzte mit dem Kauf von E. C. H. Will, einem in Hamburg-Lokstedt ansässigen Hersteller von Maschinen für die Papierverarbeitung, die Diversifikation ein. Die neue Sparte wurde 1976 mit dem Zukauf der Womako Maschinenkonstruktion GmbH (Stuttgart) gestärkt.Josef Schmid, Dirk Wegner: Kurt A. Körber. Annäherungen an einen Stifter, S. 84 f. Auf Bitten des Bundeskanzlers Helmut Schmidt erwarb Körber 1978 den Schleifmaschinen-Hersteller Blohm in Bergedorf.Evelyn Hauser, aktualisiert von M. L. Cohen: Körber AG. In: International Directory of Company Histories. Bd. 173, S. 354. Daraus entstand die damals dritte Sparte des Unternehmens.Josef Schmid, Dirk Wegner: Kurt A. Körber. Annäherungen an einen Stifter, S. 85–87. Durch die Übernahme der Schaudt Maschinenbau GmbH (Stuttgart und Ellwangen) im Jahr 1983 ergab sich auch hier eine breitere Basis.Josef Schmid, Dirk Wegner: Kurt A. Körber. Annäherungen an einen Stifter, S. 88. Mitte der 1980er-Jahre erwirtschaftete der Konzern erstmals einen Umsatz von mehr als einer Milliarde DM.
Am 17. Juni 1987 erfolgte die Konzernumbildung durch Gründung der Körber AG, in ihr ging die Hauni-Werke Körber & Co. KG auf.Josef Schmid, Dirk Wegner: Kurt A. Körber. Annäherungen an einen Stifter, S. 89.
Seit 1992 Nach dem Tod des Gründers Kurt A. Körber am 10. August 1992 ging das Eigentum an der Körber AG auf die Körber-Stiftung über. Diese Stiftung hielt bis dahin 34,9 Prozent der Aktien und war aus der zum 1. Januar 1981 vollzogenen Fusion der 1959 gegründeten Kurt A. Körber Stiftung mit der 1969 errichteten Hauni Stiftung hervorgegangen.Josef Schmid, Dirk Wegner: Kurt A. Körber. Annäherungen an einen Stifter, S. 85, S. 91, S. 123, S. 172 und S. 179. Die jährliche Dividende der Aktiengesellschaft wird seither vollständig an die gemeinnützige Körber-Stiftung ausgeschüttet.Kurt A. Körber und seine Stiftung. In: Bergedorfer Zeitung, 16. Dezember 2014.
1995 wurde die Körber AG zur Management-Holding, die die damals drei Konzernsparten führte.Evelyn Hauser, aktualisiert von M. L. Cohen: Körber AG. In: International Directory of Company Histories. Bd. 173, S. 353. Schleifring, also der Schleifmaschinen-Bereich, stand in den 1990er-Jahren aufgrund von Restrukturierungskosten, Wechselkursen, schwankenden Rohstoffpreisen und einem harten Preiskampf in der Branche unter Druck.Evelyn Hauser, aktualisiert von M. L. Cohen: Körber AG. In: International Directory of Company Histories. Bd. 173, S. 355. Die Sparte der Papierverarbeitung expandierte in diesen Jahren, unter anderem durch den Kauf von zwei italienischen Unternehmen für die Herstellung und Verpackung von Tissue-Produkten,Körber AG: Korsettstangen für die ostdeutschen Werkzeugmaschinen. Programme und Firmen gekauft. In: Handelsblatt, 8. Juli 1994. ferner durch den EinstiegKörber AG steigt bei Winkler ein. In: Handelsblatt, 3. Januar 2001. beziehungsweise die Mehrheitsbeteiligung an einem Maschinenbauer für die Produktion von Briefumschlägen und anderen Papierprodukten.Maschinenbauer Körber wächst durch Zukäufe. In: Wirtschaftswoche online, 2. Juni 2005. Im Bereich der Papierverarbeitungsmaschinen veräußerte Körber 2012 mehrere Tochterunternehmen, unter anderem E. C. H. Will.Körber AG verkauft Paper Systems an Investorengruppe. In: Deutscher Drucker Nr. 7, 1. März 2012.
2002 war das Unternehmen in einen neuen Markt eingestiegen, den für die Verpackung von pharmazeutischen Produkten.Körber steigt in neues Segment ein. In: Handelsblatt, 19. Dezember 2001. Dieser Bereich wurde in den Folgejahren durch Zukäufe ausgebautAndré Herbst: Innovativ, aber ohne Erfolg: Aus für den MediFalter. In: Bergedorfer Zeitung, 1. Februar 2013. Körber geht nach Tschechien und lässt falten. In: Hamburger Morgenpost, 31. Mai 2006. Maschinenbauer Körber nutzt Krise für Zukäufe. In: Handelsblatt, 6. Mai 2009. Seidenader übernommen. In: Packreport, 1. Februar 2011. Erwerb von Werum. In: Packreport, 28. April 2014. und bildete ab 2009 eine eigene Konzernsparte.
Infolge einer Reihe von Umstrukturierungen gliederte sich Körber 2015 in sieben Sparten: Automation, Logistik-Systeme, Werkzeugmaschinen, Pharma-Systeme, Tissue, Tabak und Unternehmensbeteiligungen.Evelyn Hauser, aktualisiert von M. L. Cohen: Körber AG. In: International Directory of Company Histories. Bd. 173, S. 353 und S. 356. Zwischenzeitlich kam 2017 das Geschäftsfeld Körber Digital hinzu, das sich mit der Digitalisierung des Konzerns und der Entwicklung neuer digitaler Geschäftsmodelle befasste. Ein Jahr später wurden die Sparten Werkzeugmaschinen und Automation veräußert.
Im Februar 2022 kaufte Körber für mehr als 1,1 Milliarden Euro die Post- und Paketlogistiksparte der Siemens Logistics mit Hauptsitz in Konstanz und gliederte sie in das Körber-Geschäftsfeld Supply Chain ein.
Seit September 2022 tritt der Konzern mit seinen Geschäftsfeldern und Unternehmen unter einer Marke auf: Körber. Das Unternehmen verkaufte 2023 sein Geschäftsfeld Tissue an Valmet. Im August 2024 machte das Unternehmen bekannt, dass Körber Supply Chain Software, ein Joint Venture von Körber und KKR und Anbieter von End-to-End Supply-Chain-Software-Lösungen, MercuryGate International übernehmen werde, einen Anbieter von Transportmanagementsystemen. Seit März 2025 tritt der Bereich unter der Marke Infios auf. Ebenfalls 2024 teilte das Unternehmen mit, es werde rund 200 Millionen Euro in eine neue „Fabrik der Zukunft“, in Bergedorf investieren; dieses TechnologiezentrumAxel Höpner: „Deshalb haben wir 70 Prozent der Firma verkauft“. In: Handelsblatt, 4. August 2025. soll Anfang 2027 bezogen werden.Christina Rückert: 200 Millionen Euro für Körbers neue Fabrik. In: Hamburger Abendblatt, 31. August 2024.
Konzernstruktur Der Konzern ist in drei Geschäftsfeldern aktiv: Das Geschäftsfeld Pharma bietet Lösungen für Prozesse bei der Herstellung, Prüfung und Verpackung von Arzneimitteln sowie für die Rückverfolgbarkeit dieser Produkte. Der Schwerpunkt des Geschäftsfelds Supply Chain liegt auf Technologien für die Logistik. Das Leistungsangebot umfasst Produkte für die Paket- und Brieflogistik, Software, Automatisierungslösungen, Sprachanwendungen, Robotik sowie Transportsysteme. Das Geschäftsfeld Technologies entwickelt Lösungen in den Bereichen Maschinen, Anlagen, Software, Messgeräte, Aromen sowie Serviceangebote mit dem Schwerpunkt in der Tabakindustrie sowie der Genuss- und Nahrungsmittelbranche.Hauni wird Körber. In: Die Tabak Zeitung, 24. August 2022
Auszeichnungen 2020: German Design Award
Literatur Evelyn Hauser, aktualisiert von M. L. Cohen: Körber AG. In: International Directory of Company Histories. Bd. 173, St. James Press, Farmington Hills, San Francisco, New York [u. a.] 2016, S. 351–356 (englisch). Josef Schmid, Dirk Wegner: Kurt A. Körber. Annäherungen an einen Stifter. Mit einem Vorwort von Helmut Schmidt. Edition Körber-Stiftung, Hamburg 2002, ISBN 978-3-89684-020-2.
Weblinks
Website der Körber AG
Einzelnachweise
Kategorie:Produzierendes Unternehmen (Hamburg) Kategorie:Maschinenbauunternehmen Kategorie:Unternehmensgründung 1946 Kategorie:Marke des Jahrhunderts