Basisdaten Landeskirche: Evangelische Landeskirche in Württemberg Prälatur: Heilbronn Fläche: km² Gliederung: 24 Kirchengemeinden Gemeindeglieder: ca. 37.100 (2005) Adresse desDekanatamtes: Schubartweg 1375417 Mühlacker Dekan: Jürgen Huber Karte 200px|Lage des Kirchenbezirks Mühlacker innerhalb der Evang. Landeskirche in Württemberg
Der Evangelische Kirchenbezirk Mühlacker ist einer von derzeit (Stand 2026) 35 Kirchenbezirken bzw. Kirchenkreisen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Sein Gebiet ist deckungsgleich mit dem Dekanat Mühlacker.
Geographie Der Kirchenbezirk Mühlacker liegt im Westen der württembergischen Landeskirche. Sein Gebiet umfasst den Osten des Enzkreises, also das Gebiet der politischen Städte und Gemeinden Illingen, Knittlingen, Maulbronn, Mühlacker, Ötisheim, Sternenfels, Wiernsheim, Wurmberg und den Ortsteil Ölbronn der Gemeinde Ölbronn-Dürrn sowie den Hauptort und den Ortsteil Großvillars der Gemeinde Oberderdingen (Landkreis Karlsruhe).
Nachbarkirchenbezirke Der Kirchenbezirk Mühlacker grenzt an folgende Kirchenbezirke (im Uhrzeigersinn beginnend im Nordosten): Heilbronn-Brackenheim (Prälatur Heilbronn), Vaihingen-Ditzingen (Prälatur Stuttgart) sowie Leonberg (Prälatur Reutlingen). Im Westen hat der Kirchenbezirk eine Grenze mit der Evangelischen Landeskirche in Baden (Kirchenbezirke Badischer Enzkreis und Bretten-Bruchsal).
Geschichte mini|Blick über die Stadt auf die evangelische Pauluskirche Das Dekanat Mühlacker geht zurück auf die Special-Superintendentur Maulbronn, die nach der Reformation in Württemberg, evtl. ab 1555, für das damalige Klosteramt Maulbronn eingerichtet wurde. Es gehört zu den ältesten Dekanaten der Landeskirche und war Teil des Generalats Maulbronn. Sitz der Superintendentur war Knittlingen, doch hatte gelegentlich auch ein anderer Pfarrer der Superintendentur die Aufgaben des Superintendenten (Dekan) inne. 1703 wurde die Superintendentur Maulbronn in eine obere Maulbronner Diöcese und eine untere Maulbronner Diöcese geteilt. Die obere Diözese hatte zunächst ihren Sitz in Roßwag (heute ein Stadtteil von Vaihingen an der Enz), ab 1744 in Dürrmenz (heute ein Stadtteil von Mühlacker), die untere Diöcese hatte ihren Sitz in Knittlingen. 1827 wurden beide Dekanate vereinigt. Das nunmehrige Dekanat Maulbronn hatte seinen Sitz in Knittlingen.
1823 wurde das Generalat Maulbronn aufgehoben. Seither gehört das Dekanat Maulbronn zum Generalat Heilbronn, aus dem 1924 die heutige Prälatur Heilbronn hervorging. 1840 hatte man erwogen, den Sitz des Dekanats von Knittlingen nach Maulbronn zu verlegen, doch wurde dies erst 1938 umgesetzt. 1970 wurde der Dekanatssitz schließlich nach Mühlacker verlegt und das Dekanat bzw. der Kirchenbezirk entsprechend umbenannt.
Mit Wirkung vom 1. Januar 1973 wurde die Kirchengemeinde Mühlhausen/Enz und durch Verfügung des Oberkirchenrats vom 21. Juni 1979 die Kirchengemeinde Großglattbach vom Kirchenbezirk Vaihingen in den Kirchenbezirk Mühlacker umgegliedert. Im Gegenzug wurde zum 1. Januar 1973 die Kirchengemeinde Gündelbach vom Kirchenbezirk Mühlacker in den Kirchenbezirk Vaihingen umgegliedert.
Leitung des Kirchenbezirks Die Leitung des Kirchenbezirks obliegt der Bezirkssynode, dem Kirchenbezirksausschuss (KBA) und dem Dekan. Derzeitiger Dekan ist seit 2017 Jürgen Huber (* 1963), der zugleich einer der Pfarrer an der Pauluskirche in Mühlacker ist.
Dekane des Kirchenbezirks Maulbronn bzw. Mühlacker seit 1800 Der Dekanatssitz befand sich zunächst in Knittlingen und Dürrmenz, ab 1827 in Knittlingen, ab 1938 in Maulbronn und seit 1970 in Mühlacker.
1789–1803 Christian Konrad Klemm, Dekan des oberen Dekanats Maulbronn in Dürrmenz 1803–1811 Johann Karl Friedrich Schall, Dekan des oberen Dekanats Maulbronn in Dürrmenz 1811–1827 Johann Ludwig Lenz, Dekan des oberen Dekanats Maulbronn in Dürrmenz 1782–1809 Wilhelm Aurelius Krippendorf, Dekan des unteren Dekanats Maulbronn in Knittlingen 1810–1811 Ernst Christoph Mutschler, Dekan des unteren Dekanats Maulbronn in Knittlingen 1811–1822 Karl August Friedrich Stein, Dekan des unteren Dekanats Maulbronn in Knittlingen 1823–1827 Gottlob Ulrich Osiander, Dekan des unteren Dekanats Maulbronn in Knittlingen
noch nicht komplett 1828–1844 Gottlob Eberhard von Hafner, Dekan des vereinigten Dekanats Maulbronn in Knittlingen 1844–1853 Christian Friedrich Lempp (1808–1885) 1853–1858 Gotthard Viktor Lechler 1858–1875 Ferdinand Hermann Kornbeck 1876–1892 Karl August Haug 1893–1896 Wilhelm Theophil Kolb 1897–1904 Karl Wunderlich 1905–1920 Karl Miller 1920–1934 Paul Pichler 1935–1938 Ulrich Herzog 1939–1948 Friedrich Stein (1879–1956) 1948–1950 ? 1950–1955 Hans Wagner (1905–1993) 1955–1963 Reinhard Daur 1963–1974 Paul Tolk (1912–1979) 1974–1992 Hans Martin Freudenreich (* 1928) 1992–2005 Wolfgang Altenmüller (* 1941) 2005–2016 Ulf van Luijk (* 1954) seit 2017 Jürgen Huber (* 1963)
Kirchengemeinden Im Kirchenbezirk Mühlacker gibt es insgesamt 24 Kirchengemeinden. Dabei haben sich mehrere Kirchengemeinden zu Gesamt- oder Verbundkirchengemeinden zusammengeschlossen, bleiben aber weiterhin eigenständige Körperschaften des öffentlichen Rechts. Die jeweils in Klammern hinter dem Namen der Kirchengemeinde angegebenen Gemeindegliederzahlen beziehen sich auf das Jahr 2005 und sind gerundet.
Das Gebiet des Kirchenbezirks Mühlacker gehört überwiegend zum alten Kernland Württemberg, wo ab 1534 die Reformation eingeführt wurde. Daher ist das gesamte Gebiet überwiegend evangelisch geprägt und es gibt auch fast in jedem Dorf eine evangelische Kirchengemeinde und meist auch eine alte Kirche. Das Gebiet ist auch geprägt von einigen ehemaligen Waldenserdörfern, die im ausgehenden 17. Jahrhundert bzw. beginnenden 18. Jahrhundert gegründet wurden. Diese Dörfer waren reformiert und hatten eigene Pfarrer. Gottesdienstsprache war bis Anfang des 19. Jahrhunderts Französisch. 1823 wurden diese Gemeinden in die (lutherische) württembergische Landeskirche eingegliedert. In allen Orten des Kirchenbezirks Mühlacker (außer Mühlacker selbst) zogen Katholiken überwiegend erst nach dem Zweiten Weltkrieg zu.
Kirchengemeinde Enzberg Die Kirchengemeinde Enzberg (ca. 1.950) umfasst den Stadtteil Enzberg der Stadt Mühlacker. Kirchlich gehörte der Ort zunächst zu Niefern, ab 1818 zu Dürrmenz, doch ist eine Burgkapelle Enzberg bereits 1145 genannt. 1832 erhielt Enzberg eine eigene Kirche und Pfarrei.
Kirchengemeinde Großvillars mini|120px|Evangelische Kirche Großvillars Die Kirchengemeinde Großvillars (ca. 550) umfasst den Ortsteil Großvillars der Gemeinde Oberderdingen. Großvillars wurde ab 1698 als Waldenserkolonie gegründet. Mit dem Ort wurde auch eine eigene Kirche erbaut und eine reformierte Kirchengemeinde errichtet. Politisch bildete der Ort zusammen mit dem benachbarten Kleinvillars eine Gemeinde, die 1826 in zwei selbständige Gemeinden getrennt wurde. Bereits 1823 wurde die reformierte Kirchengemeinde Großvillars in die württembergische Landeskirche eingegliedert. 1866 wurde die politische Gemeinde Großvillars aufgelöst, der größere Teil kam zur Stadt Knittlingen, der kleinere zur Gemeinde Oberderdingen. Erst bei der Gemeinde- und Kreisreform in Baden-Württemberg zum 1. Januar 1973 wurde der knittlingische Teil ebenfalls der Gemeinde Oberderdingen zugeteilt. Seither ist der Ort wieder politisch vereinigt. Auf die kirchliche Situation hatte die frühere Aufteilung jedoch keine Auswirkungen.
Gesamtkirchengemeinde Illingen-Schützingen
Zum 1. Januar 2021 schlossen sich die Kirchengemeinden Illingen und Schützingen zur Gesamtkirchengemeinde Illingen-Schützingen zusammen.
Kirchengemeinde Illingen mini|links|120px|Cyriakuskirche in Illingen Die Kirchengemeinde Illingen (ca. 3.350) umfasst den Hauptort der Gemeinde Illingen. Eine Kirche wird bereits 774 erwähnt, als sie dem Kloster Lorsch geschenkt wurde. 1425 verkaufte sie Georg von Enzberg an das Kloster Maulbronn, dem sie 1479 inkorporiert wurde. Ab 1601 wird sie St.-Cyriakus-Kirche genannt. Die ehemalige Wehrkirche hat einen spätgotischen Chorturm mit geschlossenem Chor.
Kirchengemeinde Schützingen mini|Evang. Kirche St. Ulrich in Illingen-Schützingen Die Kirchengemeinde Schützingen (ca. 550) umfasst den Ortsteil Schützingen der Gemeinde Illingen ohne den Weiler Schützinger Mühle, welcher durch Bekanntmachung des Oberkirchenrats vom 21. Juli 1952 in die Kirchengemeinde Gündelbach (heute Kirchenbezirk Vaihingen an der Enz) umgegliedert wurde. Eine Kirche wird bereits 1023 erwähnt. 1152 stand sie unter dem Patronat der Herren von Roßwag. 1356 ging das Patronat über die Herren von Enzberg an das Kloster Herrenalb, dem die Kirche 1407 inkorporiert wurde. Die spätgotische Chorturmkirche St. Ulrich hat ein Kreuzrippengewölbe und Wandmalereien aus der Zeit um 1300. 1719 wurde sie baulich verändert. Nach Kriegszerstörungen wurde sie 1949 wiederhergestellt.
Kirchengemeinde Knittlingen mini|links|120px|Leonhardskirche in Knittlingen Die Kirchengemeinde Knittlingen (ca. 2.700) umfasst die Kernstadt von Knittlingen. Eine Kirche wird bereits 1148 erstmals erwähnt. 1422 wird sie St. Georgskirche genannt. Sie lag außerhalb der Stadt und war wohl früh Pfarrkirche für Knittlingen, Diefenbach und Freudenstein sowie Maulbronn. 1289 war sie dem Kloster Maulbronn inkorporiert. Nach Zerstörung der Kirche wurde diese im 18. Jahrhundert abgetragen. In der Stadtmitte bestand eine Kapelle, die der Muttergottes sowie Johannes dem Täufer und Johannes Evangelist geweiht war. Diese Leonhardskirche wurde nach der Reformation evangelische Hauptkirche der Stadt. Das Schiff und der Turm stammt aus dem 13. Jahrhundert, der Chor ist spätgotisch.
Verbundkirchengemeinde Maulbronn-Umland Die Verbundkirchengemeinde Maulbronn-Umland, die 2019 gegründet wurde, umfasst die Gemeinde Maulbronn sowie Teile von Knittlingen. Sie besteht aus vier Kirchengemeinden.
Kirchengemeinde Maulbronn mini|hochkant|Evang. Klosterkirche Maulbronn Die Kirchengemeinde Maulbronn (ca. 1.900) umfasst die Kernstadt von Maulbronn. Die Kirchengemeinde ist noch relativ jung, da auf dem Gebiet der heutigen Kernstadt Maulbronn vor 1800 lediglich der Klosterkomplex Maulbronn bestand. Eine bürgerliche Siedlung um das Kloster Maulbronn wuchs erst ab 1809 heran. 1838 wurde diese zur eigenständigen Gemeinde und 1886 zur Stadt erhoben. Eine Pfarrverweserei wurde für die junge Gemeinde erst 1842 eingerichtet. 1875 wurde sie zur Pfarrei erhoben, deren Pfarrkirche die Klosterkirche wurde.
Kirchengemeinde Freudenstein Die Kirchengemeinde Freudenstein (ca. 1.000) umfasst die Stadtteile Freudenstein und Hohenklingen der Stadt Knittlingen. Die Kirche St. Gallus (so ab 1601) war weißenburgisches Lehen. Die heutige Kirche wurde 1753 erbaut. Im Stadtteil Hohenklingen gibt es eine spätgotische Filialkirche.
Kirchengemeinde Schmie mini|links|120px|Dieboldskirche in Schmie Die Kirchengemeinde Schmie (ca. 400) umfasst den Stadtteil Schmie der Stadt Maulbronn und den Aussiedlerhof Hasenberg (Markung Lienzingen), der durch Bekanntmachung des Oberkirchenrats vom 24. Juni 1970 von der Kirchengemeinde Lienzingen abgetrennt und der Kirchengemeinde Schmie zugeordnet wurde.
Eine Kirche wurde in Schmie schon in romanischer Zeit erbaut. 1702 wird sie als St. Dieboldkirche bezeichnet. 1752 wurde das Schiff umgebaut und 1864 ein neoromanischer Chorturm angefügt. Bis 1845 war Schmie eine Filiale von Lienzingen, wurde dann Pfarrverweserei und erst 1933 eigene Pfarrei.
Kirchengemeinde Zaisersweiher 150px|mini|Evangelische Kirche Zaisersweiher Die Kirchengemeinde Zaisersweiher (ca. 950) umfasst den Stadtteil Zaisersweiher der Stadt Maulbronn. Eine Kirche wurde bereits 1100 an das Kloster Sinsheim gegeben. Mit Maulbronn wurde der Ort evangelisch. Das Kloster Sinsheim verkaufte den Kirchensatz 1572 an Württemberg. Ab 1601 wird die Kirche mit St. Johann bezeichnet. 1796 wurde die Kirche völlig verändert, der Chorturm stammt noch von der Vorgängerkirche.