mini|Flagge von al-Qaida im Irak

Al-Qaida, auch al-Kaida (, ‚das Fundament‘; in Verlautbarungen auch ),Yassin Musharbash: Bin Laden wollte al-Qaida angeblich umtaufen. In: Spiegel Online, 24. Juni 2011. Abgerufen am 24. Juni 2011. ist ein loses, weltweit operierendes Terrornetzwerk meist sunnitisch-islamistischer Organisationen, das seit 1993, meist in Verbindung mit Bekennerschreiben, zahlreiche Terroranschläge in mehreren Staaten verübt hat und mit zahlreichen weltpolitischen Ereignissen im Zusammenhang steht. Viele der von dem Netzwerk verübten Anschläge gelten als terroristischer Massenmord an Zivilisten.Hans Joachim Schneider: Internationales Handbuch der Kriminologie: Grundlagen der Kriminologie, Band 1, Walter de Gruyter, 1. Auflage 2007, ISBN 3-89949-130-0, S. 802.

In der Weltöffentlichkeit wurde die Organisation erstmals nach den Terroranschlägen auf die Botschaften der Vereinigten Staaten in Daressalam und Nairobi wahrgenommen. Seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 bestimmt sie als eine permanente islamistische Bedrohung das Weltgeschehen mit. Erklärtes Ziel von al-Qaida ist die Errichtung eines alle islamischen Länder und Gebiete sowie weitere Territorien umspannenden Gottesstaats für alle „Rechtgläubigen“. Abgerufen am 18. Mai 2010 (PDF).Ideologie der Al-Qaida In: Die Welt. Abgerufen am 18. Mai 2010. Zwischenzeitliche Ziele bestehen darin, die westlichen Staaten zu bekriegen, von denen sie annimmt, dass diese eine weltweite antiislamische Verschwörung anführen, sowie die Vernichtung Israels herbeizuführen. In: fas.org. Abgerufen am 18. Mai 2010 (PDF; 47 kB, englisch).

Al-Qaida wird von den Vereinten Nationen als terroristische Vereinigung betrachtet, und Mitgliedstaaten sind verpflichtet, Sanktionen gegenüber Individuen und Vereinigungen durchzusetzen, die mit ihr in Verbindung stehen. Außerdem wird al-Qaida von der Europäischen Union, ihren Mitgliedern sowie zahlreichen weiteren Staaten und Organisationen als Terrororganisation eingestuft. Al-Qaida wird unter anderem von Deutschland durch den deutschen Verfassungsschutz In: verfassungsschutz.de. Anfang 2006 (PDF). und in den Vereinigten Staaten als erste transnationale terroristische Vereinigung beurteilt und von diesen beiden Staaten als „Prototyp“ für diese Art von Terrorismus angesehen.

Der Gründer und ideologische Anführer der Organisation, Osama bin Laden, wurde am 2. Mai 2011 bei der Operation Neptune’s Spear in Abbottabad, rund 50 km von der pakistanischen Hauptstadt Islamabad entfernt, durch amerikanische Einsatzkräfte getötet. Dessen Nachfolger Aiman az-Zawahiri starb am 31. Juli 2022 in Kabul bei einem durch die CIA gezielt auf ihn durchgeführten Drohnenangriff.

Schreibweise und Aussprache Bisher ist im Deutschen keine einheitliche Schreibung des Namens zu beobachten. Der Duden verzeichnet die Schreibungen Al Kaida und al-Qaida, verweist jedoch auf den Haupteintrag El Kaida. In der deutschsprachigen Presse finden sich weitere Schreibungen, wie etwa Al-Kaida, al-Kaida oder al-Qaeda (so auch häufig in den US-Medien). Die deutschsprachigen Nachrichtenagenturen haben sich zwischenzeitlich auf die Schreibweise Al-Kaida verständigt. In: agenturjournalismus.de 28. November 2011, abgerufen am 21. Juni 2014. Der Grund für die vielen Varianten liegt in der Problematik der Transkription aus dem Arabischen, der erste Konsonant (Qāf) wird im Deutschen üblicherweise dem K zugeschlagen, obwohl die Deutsche Morgenländische Gesellschaft ihn seit jeher als Q wiedergibt, im Englischen wird konsequent der Buchstabe Q verwendet, der dort außer in dem traditionellen Digraph QU immer für diesen arabischen Buchstaben und ähnliche Laute in anderen Sprachen steht.

Da der Name zwei der deutschen Sprache (und vielen anderen Sprachen) fremde Laute besitzt (das angesprochene Qāf und das ʿAin), ist die korrekte Aussprache für Nichtmuttersprachler des Arabischen schwierig. Das Qāf ([q], ) unterscheidet sich vom k dadurch, dass der Verschluss weiter hinten liegt, an der Stelle, wo im Standarddeutschen und Schweizerdeutschen der ach-Laut artikuliert wird, das Ain ([ʕ], ) ist ein stimmhafter Pharyngal oder Rachenlaut (ähnlich einem absolut nicht gerollten r in „Härte“), der von dem Langvokal a in den Kurzvokal i überleitet. Die Vokale a und i werden zusammen als Diphthong gesprochen, wobei das a jedoch deutlich länger zu sprechen ist als das i. Das i kann als kurzes e gesprochen werden, um den Einfluss des Ain nachzuahmen. Es ergibt sich somit die Aussprache al qaaida oder al qaaeda, die Betonung liegt jeweils auf der Silbe kaa.

Hintergrund mini|Osama bin Laden Gründer und Anführer von al-Qaida bis zu seinem Tod am 2. Mai 2011

Die Entstehung von al-Qaida ist verknüpft mit dem Einsetzen des Islamischen Erwachens zu Beginn der 1970er Jahre. Ideologisch wurde die Bewegung zu einem großen Teil von Sayyid Qutbs Schriften beeinflusst, insbesondere von seiner Kampfschrift Zeichen auf dem Weg. Nach den Worten von Mohammed Jamal Chalifa (1957–2007), einem Schulfreund und Verwandten von Osama bin Laden, prägte die Lektüre von Qutbs Büchern seine ganze Generation. Den bedeutendsten Einfluss innerhalb von Qutbs Ideologie übte dabei seine Anschauung aus, dass viele Menschen, die sich als Muslime bezeichnen, eigentlich Gottesleugner seien.

Der palästinensische Theologe Abdallah Azzam warb seit Anfang der 1980er Jahre von Pakistan aus um finanzielle und personelle Unterstützung für den Kampf der Mudschahedin gegen die sowjetische Besetzung Afghanistans und lieferte auch eine ideologische Fundierung für den Dschihad in Afghanistan. 1983 erklärte Azzam in der kuwaitischen Zeitschrift al-Mudschtamaʿ in einer Fatwa die Unterstützung dieses Kampfes zur Pflicht für jeden Muslim. Dies ist auch das Thema seiner 1984 veröffentlichten Schrift mit dem Titel „Die Verteidigung des Landes der Muslime ist die wichtigste der persönlichen Pflichten“ (Ad-difāʿ ʿan arāḍī al-muslimīn ahamm furūḍ al-aʿyān).

Zusammen mit Osama bin Laden eröffnete Abdallah Azzam 1984 in Peschawar ein Dienstleistungsbüro zur Aufnahme, Betreuung und Organisation der jungen Männer, die aus verschiedenen arabischen Ländern nach Afghanistan in den Dschihad gehen wollten.

Namensgebung Der Name Al-Qaida geht ursprünglich auf den Korankommentar Fī ẓilāl al-qurʾān des ägyptischen Islamisten Sayyid Qutb zurück. Er beschreibt am Anfang seiner Ausführungen zu Sure 9 die ersten Muslime – der verwendete Begriff ist as-Sābiqūn al-auwalūn – als „eine feste Basis (qāʿida ṣulba) aus den widerstandsfähigsten Elementen der arabischen Gesellschaft“. Nur auserwählte, vortreffliche und einzigartig geformte Persönlichkeiten hätten es gewagt, den Übergang von der Dschāhilīya zum Islam zu vollziehen und diesen „dornigen, gefährlichen und gefürchteten Weg“ zu beschreiten. So habe Gott die ersten Muhādschirūn aus jenen seltenen und einzigartigen Elementen auserwählt, damit sie die „feste Basis“ dieser Religion in Mekka und später, zusammen mit den frühen Ansār, auch die „feste Basis“ dieser Religion in Medina bildeten.Saiyid Quṭb: Fī ẓilāl al-qurʾān. 32. Auflage. Dār aš-Šurūq, Kairo 2003. Bd. III, S. 1571. Digitalisat Im Zusammenhang mit seinen Erklärungen zu Sure 9:100 kommt Sayyid Qutb noch einmal auf das Konzept der „festen Basis“ (qāʿida ṣulba) zu sprechen. Er erklärt dort, dass die erste Generation der Muslime, die aus den frühen Konvertiten der Muhādschirūn und Ansār sowie denjenigen, die ihnen im Guten folgten, bestand, nach der Eroberung die „feste Basis“ der muslimischen Gemeinschaft auf der Arabischen Halbinsel gebildet habe.Saiyid Quṭb: Fī ẓilāl al-qurʾān. 32. Auflage. Dār aš-Šurūq, Kairo 2003. Bd. III, S. 1702. Digitalisat

Später griff der dschihadistische Ideologe Abdallah Azzam diesen Begriff wieder auf. In einer Broschüre mit dem Titel „Schließ dich der Karawane an!“ (Ilḥaq bi-l-qāfila) rief er im April 1987 dazu auf, eine neue „feste Basis“ (qāʿida ṣulba) zur Verbreitung des Islams zu gründen. Ein Jahr später veröffentlichte er in seiner Zeitschrift al-Dschihad einen Artikel mit dem Titel Die feste Basis (al-Qāʿida aṣ-ṣulba), in dem er die Befürchtung äußerte, die USA könnten sich später „der Früchte dieses wunderbaren Dschihads“ bemächtigen und „verhindern, dass Gesetze gemäß dem Buch Gottes erlassen werden.“ „Die feste Basis“, so schrieb er, widersetze sich internationalem Druck und habe beschlossen, „ihren kräftezehrenden Marsch auf einem Weg voller Blut, Schweiß und Tränen fortzusetzen.“ Die Muslime sollten die „feste Basis“ durch Geldspenden und unter eigenem Lebenseinsatz unterstützen und den Dschihad so lange fortsetzen, „bis zum letzten Menschen oder bis wir den islamischen Staat sehen.“

Der Ausdruck „die feste Basis“ al-qāʿida aṣ-ṣulba, im Westen verkürzt als „al-Qaida“ bekannt, wurde namengebend für die Gruppe von Kämpfern, die nach dem Ende des Afghanistan-Einsatzes den Dschihad mit Osama bin Laden fortsetzen wollten und den anderen Dschihadistischen Gruppierungen. Der in Syrien geborene US-amerikanische Staatsbürger Mohammed Loay Bayazid (auch bekannt als Abu Rida al Suri), einer der Teilnehmer der Zusammenkunft der Führer der „arabischen Afghanen“ in Peschawar am 11. August 1988, bei der die Gruppe gegründet wurde, bezeichnete sie von Anfang an mit dem Namen al-Qaida. Auch wurde „al-Qaida“ zur Bezeichnung für den Ausbildungsstützpunkt, von dem Osama bin Ladens Kämpfer operierten. Osama bin Laden wandte sich später mit seinem Kampf vor allem gegen die Präsenz der Amerikaner in seiner Heimat Saudi-Arabien. Azzam spielte dagegen keine Rolle mehr. Er kam 1989 bei einem Anschlag in Peschawar ums Leben.

In der Folge der Terroranschläge auf die Botschaften der Vereinigten Staaten in Dar-es-Salam und Nairobi am 7. August 1998 tauchte der Name „al-Qaida“ erstmals in westlichen Medien auf. So berichtete CNN am 29. August 1998 von Mohamed Saddiq Odeh, der dem FBI von Ausbildungslagern der internationalen Terrorgruppe „al-Qaida“ erzählte, die von bin Laden angeführt sei.Pierre Thomas and Tony Clark. „2nd man charged in Kenya blast points finger at bin Laden“, CNN, 28. August 1998. Abgerufen am 1. Juli 2013. Odeh wurde durch seine Rolle in den Anschlägen auf die Botschaften zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

Der Begriff „al-Qaida“ wurde auch für eine von bin Laden geführte Datenbank verwendet, in der alle Dschihad-Kämpfer verzeichnet sind, die seine Lager passiert hatten.

Organisationsstruktur Bis zum 11. September 2001 galt die Struktur als stark zentralisiert mit klarer Hierarchie, die vom Saudi Osama bin Laden und dessen Stellvertreter, dem Ägypter Aiman az-Zawahiri ausging. Doch bereits zu Lebzeiten beider Personen nahm der deutsche Verfassungsschutz im Jahr 2005 an, dass eine zentrale Führung aufgrund des Fahndungsdruckes nicht mehr möglich war, und bezeichnet al-Qaida als „virtuelle Organisation, die Impulse für die jeweils Agierenden setzt“. (PDF; 2,3 MB), S. 199 Auch andere Beobachter sahen al-Qaida Mitte der 2000er Jahre als Dachverband, unter dessen Namen sich weitgehend autonome Gruppen mit ähnlicher Ideologie und überlappenden Zielen versammeln.Hoffman, Bruce, Terrorismus – der unerklärte Krieg, Bonn 2006, S. 77

Laut einem Terrorismusforscher hat die dezentrale Organisation innerhalb der al-Qaida zur Folge, dass der Tod der beiden ideologischen Führer im Jahr 2011 (Bin Laden) und 2022 (az-Zawahiri) keine schwerwiegende nachteilige Auswirkung auf die Organisation hat.

Stand August 2022 hat das führerlose „Splitternetzwerk“ „autonome Ableger“ unter anderem in Mali, Somalia und im Maghreb (al-Qaida im Maghreb). Geduldet wird die Organisation auch im Islamischen Emirat Afghanistan. Eine Bekämpfung von al-Qaida ist nach Ansicht des ägyptischen Forschungsinstituts Al-Ahram Center for Political and Strategic Studies schwer, weil die Organisation Schläferzellen in „Bergen, Höhlen oder unter der Zivilbevölkerung in Städten“ unterhält.

Finanzierung und Rekrutierung