Der Dillkreis war ein Landkreis im Westen Hessens. Er bestand bis auf eine kurzzeitige Unterbrechung in den 1930er-Jahren von 1867 bis 1976. Seine Kreisstadt war Dillenburg.

Geographie Der Dillkreis grenzte Ende 1976, im Nordwesten beginnend im Uhrzeigersinn, an den Kreis Siegen-Wittgenstein in Nordrhein-Westfalen, an die hessischen Landkreise Marburg-Biedenkopf, Wetzlar und Limburg-Weilburg sowie an den Westerwaldkreis in Rheinland-Pfalz. Das ehemalige Kreisgebiet gehört heute zum Lahn-Dill-Kreis.

Geschichte Das nördliche Kreisgebiet des heutigen Lahn-Dill-Kreises gehörte seit dem Mittelalter zum Fürstentum Nassau bzw. Nassau-Oranien, das ab 1815 Herzogtum Nassau hieß. Dieses bildete die beiden Ämter Herborn und Dillenburg. Nach der Annexion des Herzogtums Nassau durch Preußen wurden am 22. Februar 1867 beide Ämter zum Dillkreis vereinigt. Er gehörte zum Regierungsbezirk Wiesbaden. Kreissitz wurde die Stadt Dillenburg.

Am 1. Oktober 1932 wurde der Dillkreis mit dem Hauptteil des Kreises Biedenkopf zu einem neuen Landkreis Dillenburg zusammengeschlossen. Nach Protesten der Bevölkerung beider Kreise wurden diese am 1. Oktober 1933 wiederhergestellt. Der Dillkreis wurde dabei in seiner ursprünglichen Form wiederhergestellt. Am 1. April 1937 wurden Bergebersbach und Straßebersbach zur Gemeinde Ewersbach zusammengeschlossen und 1941 wurde Haiern nach Beilstein eingemeindet. Der Dillkreis umfasste seitdem 70 Gemeinden, darunter die drei Städte Dillenburg, Haiger und Herborn.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam der Dillkreis zum Land Hessen und gehörte ab 1968 nach der Auflösung des Regierungsbezirks Wiesbaden zum Regierungsbezirk Darmstadt. Die hessische Gebietsreform begann im Dillkreis mit den ersten Gemeindefusionen im Jahre 1970. In den Jahren 1972 und 1974 wurde der Dillkreis zweimal vergrößert: Am 1. April 1972 wurde die Gemeinde Bellersdorf des Landkreises Wetzlar nach Mittenaar im Dillkreis eingemeindet. Am 1. Juli 1974 wurden die Gemeinden Roth und Simmersbach aus dem aufgelösten Landkreis Biedenkopf nach Eschenburg im Dillkreis eingemeindet. Die Fläche des Landkreises vergrößerte sich hierdurch von ursprünglich 514,4 km² auf 530,7 km².Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1972Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1977 Die Zahl der Gemeinden des Landkreises verringerte sich bis Ende 1976 auf 42.

Am 1. Januar 1977 wurde der Dillkreis mit den Teilen der Landkreise Wetzlar und Gießen, die nicht an die neue Stadt Lahn fielen, zum neuen Lahn-Dill-Kreis vereinigt. Sitz der Kreisverwaltung wurde die Stadt Lahn, die durch Vereinigung der kreisfreien Stadt Gießen mit der Stadt Wetzlar und 14 umliegenden Gemeinden entstand. Gleichzeitig fanden zum 1. Januar 1977 noch weitere Zusammenschlüsse von Gemeinden statt. Aus dem Dillkreis traten damit letztendlich elf Gemeinden in den neuen Lahn-Dill-Kreis ein.

Wegen heftiger Proteste, im Wesentlichen seitens der Wetzlarer Bevölkerung, wurde die Gebietsreform teilweise wieder rückgängig gemacht. Mit Wirkung vom 1. August 1979 wurde die Stadt Lahn wieder aufgelöst, und die wiedererrichtete Stadt Wetzlar wurde Kreisstadt des Lahn-Dill-Kreises, der durch die Wiederherstellung des Landkreises Gießen (Kreisstadt Gießen) entsprechend verkleinert wurde. Seither umfasst der Lahn-Dill-Kreis 23 Städte und Gemeinden.

Einwohnerentwicklung mini|Dillkreis 1905 Jahr Einwohner Quelle 1871 35.074 Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Hessen-Nassau und ihre Bevölkerung 1871 1890 40.085 1900 44.075 1910 51.380 1925 57.803 1933 62.501 1939 63.705 1950 87.918 1960 91.200 1970 102.400 1976 104.200

Landräte 1867–1886 Julius von Oven 1886–1898 Paul Fromme 1898–1902 Rudolf Heinrich von Beckerath 1902–1911 Waldemar von Wussow 1911–1916 Henry Paul von Zitzewitz 1916–1920 Walter von Sybel 1920–1923 Johannes Bartmann 1923–1926 Karl Klamroth 1926–1933 Otto Bünger 1934–1938 Hermann Heerdt 1938–1945 Paul Ringshausen 1945–1946 Kurt-Werner Basarke 1946–1954 Kurt Knodt (SPD) 1954–1976 Karl Rehrmann (CDU)

Gemeinden Die folgende Tabelle enthält alle Gemeinden, die dem Dillkreis angehörten, sowie die Daten aller Eingemeindungen. Gemeinde eingemeindetnach Datum derEingemeindung Allendorf Haiger 1. Januar 1977 Amdorf Burg 1. Dezember 1970 Arborn Greifenstein 1. Januar 1977 Ballersbach Mittenaar 31. Dezember 1971 Beilstein Greifenstein 1. Januar 1977 Bellersdorf Mittenaar 1. April 1972 Bergebersbach Ewersbach 1. April 1937 Bicken Mittenaar 31. Dezember 1971 Breitscheid Burg Herborn 1. Januar 1977 Dietzhölztal Dillbrecht Haiger 1. Oktober 1971 Dillenburg, Stadt Donsbach Dillenburg 1. Januar 1977 Driedorf Eibach Dillenburg 1. Oktober 1971 Eibelshausen Eschenburg 1. Oktober 1971 Eiershausen Eschenburg 1. Oktober 1971 Eisemroth Siegbach 31. Dezember 1971 Erdbach Breitscheid 1. Januar 1977 Eschenburg Ewersbach Dietzhölztal 1. Februar 1971 Fellerdilln Haiger 1. Januar 1977 Flammersbach Haiger 1. Januar 1970 Fleisbach Sinn 1. Januar 1977 Frohnhausen Dillenburg 1. Januar 1977 Guntersdorf Herborn 1. Oktober 1971 Gusternhain Breitscheid 1. Januar 1977 Haiern Beilstein 1941 Haiger, Stadt Haigerseelbach Haiger 1. Januar 1977 Heiligenborn Driedorf 1. Oktober 1971 Heisterberg Driedorf 1. Oktober 1971 Herborn, Stadt Herbornseelbach Herborn 1. Januar 1977 Hirschberg Herborn 1. Januar 1977 Hirzenhain Eschenburg 1. Juli 1974 Hohenroth Driedorf 1. Oktober 1971 Hörbach Herborn 1. Januar 1977 Langenaubach Haiger 1. Januar 1977 Mademühlen Driedorf 1. Januar 1977 Mandeln Dietzhölztal 1. April 1972 Manderbach Dillenburg 31. Dezember 1971 Medenbach Breitscheid 1. Januar 1977 Merkenbach Herborn 1. Januar 1977 Mittenaar Münchhausen Driedorf 1. Juli 1972 Nanzenbach Dillenburg 1. April 1972 Nenderoth Greifenstein 1. Januar 1977 Niederroßbach Roßbachtal 1. Oktober 1971 Niederscheld Dillenburg 1. Januar 1977 Oberndorf Eisemroth 1. Dezember 1970 Oberroßbach Roßbachtal 1. Oktober 1971 Oberscheld Dillenburg 1. Januar 1977 Odersberg Greifenstein 1. Januar 1977 Offdilln Haiger 1. Januar 1977 Offenbach Mittenaar 31. Dezember 1971 Rabenscheid Breitscheid 31. Dezember 1971 Rittershausen Dietzhölztal 1. Januar 1977 Rodenbach Haiger 1. Februar 1971 Rodenberg Beilstein 1. Juli 1972 Rodenroth Beilstein 31. Dezember 1971 Roßbachtal Haiger 1. Januar 1977 Roth Driedorf 1. Januar 1977 Schönbach Herborn 1. Januar 1977 Sechshelden Haiger 1. Januar 1977 Seilhofen Driedorf 1. Januar 1977 Siegbach Sinn Steinbach Haiger 1. Januar 1977 Steinbrücken Dietzhölztal 1. Februar 1971 Straßebersbach Ewersbach 1. April 1937 Tringenstein Siegbach 31. Dezember 1971 Übernthal Siegbach 31. Dezember 1971 Uckersdorf Burg 1. Dezember 1970 Waldaubach Driedorf 1. Januar 1977 Wallenfels Siegbach 31. Dezember 1971 Weidelbach Haiger 1. Januar 1977 Wissenbach Eschenburg 1. Oktober 1971

Wappen

Kfz-Kennzeichen Am 1. Juli 1956 wurde dem Landkreis bei der Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen das Unterscheidungszeichen DIL zugewiesen. Es wurde bis zum 31. Dezember 1976 ausgegeben. Seit dem 2. Mai 2014 ist es aufgrund der Kennzeichenliberalisierung im Lahn-Dill-Kreis erhältlich.

Einzelnachweise

Kategorie:Ehemaliger Landkreis in der Provinz Hessen-Nassau Kategorie:Ehemaliger Landkreis in Hessen Kategorie:Geschichte (Lahn-Dill-Kreis) Kategorie:Geschichte (Mittelhessen) Kategorie:Dill (Fluss) Kategorie:Verwaltungseinheitsgründung 1867 Kategorie:Aufgelöst 1977