Der Chrysler Valiant war ein von der Chrysler Australia Ltd. von 1962 bis 1981 produziertes Automobil der Mittelklasse.
Ursprünglich handelte es sich beim Chrysler Valiant um eine unveränderte Übernahme des 1959 in den USA eingeführten Plymouth Valiant. Später entwickelte Chrysler Australia eigene Karosserien, verwendete eigene Motoren und konzipierte eigene Modellvarianten. Der Chrysler Valiant wurde in Australien, Neuseeland und Südafrika vermarktet. Mit der Übernahme von Chrysler Australia durch Mitsubishi im Jahre 1981 wurde die Valiant-Produktion beendet, das bereits in Planung befindliche Modell 1980, das dem amerikanischen Dodge St. Regis ähnlich gesehen haben soll, wurde gestrichen.
Baureihen in chronologischer Abfolge
Serie R (1962) Chrysler Australia brachte 1960 einen US-Valiant zu Erprobungszwecken nach Australien. Als schwierig stellte sich die Umrüstung auf Rechtslenkung heraus, da der Reihensechszylinder leicht nach rechts geneigt eingebaut war.
Das Serienmodell, der Chrysler Valiant der R-Serie, wurde im Januar 1962 unter Teilnahme des damaligen australischen Premierministers offiziell präsentiert und ging bald darauf, überwiegend aus amerikanischen Komponenten bestehend, in Serie.
Der Valiant war ein guter Kompromiss aus nicht zu ausladenden Abmessungen und Geräumigkeit und fand auf dem australischen Markt sofort gute Aufnahme. Die von Virgil Exner gestaltete Karosserie wirkte nach damaligen Begriffen modern, aber auch etwas verspielt, bis hin zu der imitierten Reserveradabdeckung im Kofferraumdeckel.
Angetrieben wurde der erste Chrysler Valiant von einer 145 PS starken Version des Chrysler Slant Six-Reihensechszylinders mit 3,7 Litern Hubraum. Die Konkurrenten Holden und Ford boten damals lediglich 75 bzw. 85 PS. An Getrieben standen ein manuell zu schaltendes Dreiganggetriebe mit Mittelschalthebel oder die Chrysler-TorqueFlite-Dreigangautomatik zur Verfügung, die über Drucktasten rechts am Armaturenbrett betätigt wurde.
Die R-Serie war das erste australische Auto mit Drehstrom-Lichtmaschine. Die Vorderräder waren nicht über Schraubenfedern, sondern über Torsionsstäbe gefedert. Gebremst wurde über hydraulisch betätigte Trommelbremsen.
Der Chrysler Valiant kostete 1229 australische Pfund; in den zwei Monaten, in denen die R-Serie produziert wurde, liefen 1008 Exemplare vom Band.
mini|Chrysler Valiant S
Serie S (1962/63) Bereits im März 1962 ließ Chrysler der Serie R die nur wenig veränderte Serie S folgen. Die Änderungen waren überwiegend kosmetischer Natur; die Pseudo-Reserveradabdeckung auf dem Kofferraumdeckel machte einem Chromemblem mit VALIANT-Schriftzug Platz, die zuvor schräg gestellten, ovalen Heckleuchten wichen runden Einheiten, die Chromstreifen an den Flanken wurden geändert und der Kühlergrill erhielt ein gröberes Gittermuster.
Von der Serie S wurden bis zum Frühjahr 1963 10.009 Einheiten montiert, davon 5496 mit Automatik und 4513 mit Schaltgetriebe.
Serie AP5 (1963–1965) Am 30. Mai 1963 lief der erste Chrysler Valiant aus echter australischer Produktion vom Band (R- und S-Serie waren lediglich mit aus den USA stammenden Teilen in Australien montiert worden), der AP5. Das AP in der Modellbezeichnung stand dementsprechend für Australian Production. Im Vorjahr hatte Chrysler mit dem Bau eines für die Valiant-Produktion bestimmten Werks in Südaustralien begonnen, das eine jährliche Kapazität von 50.000 Autos aufwies.
Der AP5 war ein komplett neuer Entwurf, der mit dem amerikanischen Valiant nur sechs Karosseriebleche gemein hatte. Der Karosserieentwurf fiel, dem Stil der Zeit entsprechend, kantiger und simpler aus als bei den Vorgängern. Die abgesetzten Vorderkotflügel und angedeuteten Heckflossen von R- und S-Serie gehörten der Vergangenheit an.
Im November 1963 ergänzte ein AP5-Kombi unter der Bezeichnung Valiant Safari die Valiant-Limousine, und der Valiant Regal erschien als besser ausgestattete Modellvariante.
Das Basismodell kostete 1220 Pfund, 35 Pfund weniger als der alte S. Vom AP5 entstanden insgesamt 49.400 Exemplare.
mini|Chrysler Valiant Safari AP6
Serie AP6 (1965/66) Im März 1965 kam der Valiant der Serie AP6 auf den Markt, das erste australische Auto, das es (ab August 1965) auch mit V8 gab, und zwar dem 4,5-Liter von Plymouth. Die Maschine leistete 180 PS und verlieh dem Valiant eine Höchstgeschwindigkeit von 175 km/h. Den V8 gab es gegen Aufpreis nur in den Valiant Regal-Modellen, die jetzt zudem mit Vinyldach und zweifarbigem Lenkrad ausgestattet waren. Die Automatik wurde nicht mehr über Druckknöpfe, sondern über einen konventionellen Wählhebel an der Lenksäule bedient.
Neu am AP6 waren ferner die selbstnachstellenden Trommelbremsen und Acryllacke auf Emaillebasis – damals die fortschrittlichste Lackart. Die Nockenwelle des Sechszylinders wurde überarbeitet, was das Drehmoment erhöhte.
Optisch entsprach der AP6 fast vollständig dem Vorgänger AP5. Hauptunterschied war ein geteilter Kühlergrill, der demjenigen der US-Valiants des Modelljahres 1965 stark ähnelte. Zudem lief die seitliche Zierkante auf dem vorderen Kotflügel dünner aus. Die Chromleisten am Basismodell liefen die Zierkanten entlang und reichten am Heck bis zur seitlichen Fuge des Kofferraumdeckels, beim Regal verliefen sie, wie beim Vorgänger, in Höhe der Türmitte.
Im Rahmen der Serie AP6 erschien außerdem der Wayfarer-Pick-up, der erste Ute von Chrysler Australia.
Chrysler hatte Probleme, der starken Nachfrage nach dem AP6 Herr zu werden, da im Werk pro Schicht nur 200 Wagen hergestellt werden konnten. Kunden mussten bis zu vier Monate auf ihren Valiant warten. Die Preise reichten von 2500 bis 3650 australischen Dollar.
Serie VC (1966/67) Der Valiant der Serie VC erschien im März 1966. Obwohl er sich in technischer Hinsicht kaum vom Vorgänger unterschied, trug er ein gänzlich neues, kantiges Karosseriedesign im Stil der amerikanischen Chrysler-Modelle. Der Wagen wirkte sehr modern und länger und flacher als der Vorgänger, obwohl er in Wahrheit nicht länger war als dieser.
Die Front kennzeichnete ein breiterer, einfacher gehaltener Kühlergrill, die Heckpartie fiel eckiger aus und besaß jetzt senkrecht angeordnete Heckleuchten. Die Serien- und Sicherheitsausstattung wurde erweitert. Ab Ende 1966 waren für die V8-Modelle gegen Aufpreis vordere Scheibenbremsen erhältlich.
Auch der VC stand als viertürige Limousine, fünftüriger Safari-Kombi und als Wayfarer-Pick-Up in den Preislisten. Wie zuvor gab es Basismodelle (nur mit Sechszylinder) und den Regal. Die Versionen mit V8 entsprachen in ihrer Ausstattung zwar dem Regal, hießen aber einfach Valiant V8 bzw. Safari V8.
Ab 1966 übernahm Chrysler Australia innerhalb des Konzerns die Aufgabe, alle Rechtslenkermodelle weltweit (mit Ausnahme Südafrikas) zu stellen, und der Valiant VC war der erste australische Valiant, den es in Großbritannien zu kaufen gab; er wurde im Oktober 1966 auf dem Londoner Autosalon eingeführt. Die Modellbezeichnungen in Großbritannien wichen von denjenigen in Australien ab.
Vom Valiant der Serie VC wurden 65.634 Stück hergestellt.
Serie VE (1967–1969)
Der im Oktober 1967 vorgestellte Valiant der Serie VE war komplett neu und teilte sich einzelne Karosserieteile mit dem amerikanischen Plymouth Valiant und dem dortigen Dodge Dart. Er fiel noch kantiger aus als der Vorgänger, saß auf einem längeren Radstand und war länger und geräumiger als der VC. Das Dach war flacher gestaltet, die Heckscheibe konkav geformt.
Die Ausstattung wurde beim VE weiter angereichert. Motorseitig wurde der 3,7 l-Reihensechszylinder mit 145 PS um eine Variante mit Doppelvergaser, schärferer Nockenwelle und überarbeitetem Auspuff ergänzt, die 160 PS leistete. Auch der 4,5 l-V8 wurde in einigen Details geändert.
Weitere Verbesserungen betrafen einen vergrößerten 64-Liter-Tank, kürzere Schaltwege am manuellen Getriebe, die Verlegung des Abblendschalters vom Fußraum an das Armaturenbrett und leiser laufende Scheibenwischer. Der Sicherheit dienten Zweikreisbremsen mit Tandem-Hauptzylinder, Sicherheitsfelgen mit verstärkten Kränzen, vordere Sicherheitsgurte und (bei den V8-Modellen) vordere Servo-Scheibenbremsen.
Den VE gab es wie zuvor als Limousine, Kombi und Ute, dazu auch als Luxusversion namens VIP. Der VIP besaß einen luxuriöser ausgestatteten Innenraum und serienmäßig den 4,5 l-V8.
Der Valiant VE errang als erster Chrysler den von der australischen Zeitschrift Wheels vergebenen Titel "Auto des Jahres".
Insgesamt wurden vom Valiant VE 68.688 Stück gefertigt.
Serie VF (1969/70) Im März 1969 führte Chrysler den Valiant VF ein. Wie beim Schritt vom AP6 zum VC behielt auch der VF die Grundform des Vorgängers bei, wurde aber an Front und Heck geändert. Auffälligste Neuerung war der konvex statt konkav geformte Kühlergrill. Die vorderen Blinker saßen an ungewöhnlicher Position im vorderen Rand der Kotflügel, daher konnten die Stoßstangen des VF dünner und kürzer gestaltet werden, wodurch wiederum die Rundscheinwerfer größer erschienen und die gesamte Frontpartie aggressiver wirkte.
Wie zuvor gab es Basis- und Regal-Ausführungen. Neu war hingegen der Valiant Regal 770; auch den VIP gab es wieder, mit noch umfangreicherer Ausstattung. Alle VF erhielten ein gepolstertes Armaturenbrett und eine Sicherheitslenksäule.
Unter der Motorhaube ersetzte ein 5,2-l-V8 den bisherigen 4,5-Liter, der Sechszylinder wurde auf bis zu 129 kW (175 PS) gebracht. Die Kraft überträgt weiterhin ein Dreiganggetriebe oder die TorqueFlite-Dreigangautomatik.
Ganz neu war ein mit dem VF eingeführtes zweitüriges Hardtop-Coupé – ein Entwurf, der sich am amerikanischen Dodge Dart orientierte. Mit einer Länge von über 5 Metern war er der längste Zweitürer, der je in Australien gebaut wurde. Chrysler kombinierte das Hardtop mit der Frontpartie des VF und der Kabine und Heck des US-Dodge Dart.
Pacer Bislang hatte Chrysler Australia den Jugendmarkt außen vor gelassen und keine auf junge Leute zugeschnittenen sportlichen Modelle angeboten. Das sollte sich ändern, als Chrysler Mitte 1969 als Sportvariante den viertürigen Valiant Pacer einführte. Der Pacer bot für relativ wenig Geld viel Image und einen Hochleistungs-Sechszylinder samt Dreigangschaltung. Äußere Merkmale des VF-Pacer waren der Verzicht auf Chromschmuck, Kühlergrill in Rot/Schwarz, Sportradkappen, die wie Aluminiumräder aussehen sollten, spezielle Zierstreifen und Pacer 225-Embleme (die Zahl 225 wies auf die Hubraumgröße in Kubikzoll hin) und eine breite Auswahl an knalligen Farben.Die auch ungewöhnliche Namen trugen, etwa "Little Hood Riding Red", ein kräftiges Rot und ein Wortspiel mit der englischen Bezeichnung für Rotkäppchen, Little Red Riding Hood. Den karg ausgestatteten Innenraum dominierten Sportsitze, weiße Instrumentenblätter mit schwarzen Markierungen und ein auf dem Armaturenbrett sitzender Drehzahlmesser. Dem Pacer fehlte zwar die V8-Power seiner australischen Konkurrenten, war aber immerhin 180 km/h schnell und mit 2798 Dollar gut 400 Dollar billiger als etwa ein Holden Monaro GTS. Angetrieben wurde der Pacer von einer höher verdichteten Version des bewährten 3,7 l-Reihensechszylinders, die mit Doppelvergaser auf 130 kW bei 4500/min kam. Verzögert wurde mit Servounterstützung über vier gerippte Trommelbremsen, die meisten Kunden waren aber klug genug, die aufpreispflichtigen vorderen Scheibenbremsen zu ordern. Das Fahrwerk entsprach dem Basis-Valiant, der Wagen war aber 125 mm niedriger gelegt und hatte einen vorderen Querstabilisator. Gegen Aufpreis gab es ein Selbstsperrdifferenzial mit einer Achsübersetzung von 3,23:1 oder 2,92:1. Die australischen Fachblätter waren des Lobes für den Pacer voll; im Test sprintete der Pacer in 10,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h und legte die Viertelmeile mit stehendem Start in 17,5 Sekunden bei einer Endgeschwindigkeit von 178 km/h zurück.Modern Motor, Mai 1969