Nepotismus am Heiligen Stuhl war die insbesondere in der frühen Neuzeit übliche Praxis des Heiligen Stuhls, an Personen aus verwandtschaftlichen Beziehungen Ämter zu verleihen und Macht zuzuteilen.

Geschichte Nepotismus wurde besonders durch Bischöfe, Kardinäle und Päpste zwischen dem 11. und 17. Jahrhundert bekannt. Der Höhepunkt dieser „Vetternwirtschaft“ führt zurück auf Papst Bonifatius VIII. (Bernadetto Caetani), der 1297 den Streit mit der mächtigen Familie Colonna auf die Spitze trieb. Er verschmolz seit diesem Zeitpunkt für mehr als drei Jahrhunderte Nepotismus und große Kirchenpolitik. In diesem Zeitraum gelang es den großen römischen, neapolitanischen und mailändischen Adels- und Patrizierfamilien, ihre Verwandten in hohe Kardinalsämter zu erheben oder sie auf den Papstthron zu bringen.

Paul III. etablierte während seines Pontifikates die Praxis des Kardinalnepoten. So war es seit Papst Calixt III. unter den Päpsten üblich, durch diese Praxis die geistliche und weltliche Macht zu sichern. Auch lassen sich die Päpste der einzelnen Familien immer in bestimmte Zeiträume eingrenzen. Innozenz XII. schaffte das Nepotenamt 1692 wieder ab, schränkte die Ausstattung von päpstlichen Verwandten mit Ämtern ein und verbot die Verleihung von Landlehen an solche.

Machtansprüche und Intrigen führten zum Nepotismus Wie alle übrigen Bischöfe, so wurde auch der Oberhirte von Rom durch „Klerus und Volk“ gewählt. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass die ersten Päpste selber Einfluss nahmen und noch zu Lebzeiten ihren Nachfolger bestimmten. Diese quasi-demokratische Papstwahl funktionierte allerdings nur, solange die Gemeinde klein und überschaubar war. Als sie wuchs und die Stellung des Papstes in der katholischen Kirche immer wichtiger wurde, begannen die ersten Richtungskämpfe und Spaltungen. Bereits im dritten Jahrhundert kam es mit Hippolyt von Rom zum ersten Gegenpapst gegen Calixt I.

Durch Kaiser Theodosius I. avancierte das Christentum zur Staatsreligion im römischen Reich, daher interessierten sich die weltlichen Machthaber dafür, wer als Bischof von Rom den Papststuhl bestieg. Die Neugewählten musste mitunter lange auf die Zustimmung des regierenden Kaisers warten und später übten deutsche Kaiser und Könige Druck auf die Wahl aus.

Im späten 9. und im 10. Jahrhundert und erneut im frühen 13. Jahrhundert wurde das Papsttum zu einem Spielball weltlicher und kirchlicher Mächte und Gruppen, an denen sich italienische Adelsfamilien rege beteiligten. Mit der Einsetzung eines Kardinalsnepoten sicherten sich die Adelsfamilien immer einen festen Stimmplatz im Kardinalskollegium, und je mehr Familienangehörige den Kardinalshut oder die Bischofsmütze erhielten, desto sicherer war der machtpolitische Einfluss.

Äußerst schwierig wurde es im Frühherbst 1241 nach dem Tod Gregors IX. Der mächtigste Mann in Rom war der Senator Matteo Rosso Orsini, der Stammvater des Adelsgeschlechtes Orsini. Er griff mit brutaler Gewalt in das über zwei Monate andauernde Konklave ein, in dessen Zeit ein Kardinal starb und zwei weitere Wahlberechtigte erkrankten. Den strengen Vorschriften des Papstes Gregor X. ist es wohl zu verdanken, dass der Vetternwirtschaft auf dem Papstthron zunächst ein Ende bereitet wurde. 1274 erließ er das Dekret „Ubi periculum“ (Wo Gefahr ist), einen strengen Regelkatalog, der als die wichtigste Grundlage zum Papstkonklave gilt (siehe Hauptartikel: Papstwahl). Dem Nepotismus auf dem Heiligen Stuhl war damit aber kein endgültiges Ende beschieden, er erlebte eine weitere Blütezeit im späten 13. Jahrhundert.

mini|hochkant|Cesare Borgia (1475–1507), Herzog der Romagna und von Valentinois Auf dem Konzil von Konstanz von 1414 bis 1418, bei dem es Absetzungen, Wahlen und Gegenpäpste gab, war es ein Angehöriger der römischen Adelsfamilie Colonna, der in die Papstwahlen eingriff. Schließlich wurde aus dessen Familie der Diakon Oddo Colonna als Martin V. zum Papst gewählt. Unter den folgenden Päpsten der Renaissancezeit erreichte nicht nur der Nepotismus, sondern auch das Kurtisanenwesen in Rom neue Höhepunkte. Sämtliche Päpste verschafften ihren Angehörigen hohe Adelsränge, einflussreiche Posten und oft auch große und einträgliche Landlehen im Kirchenstaat. Zumeist gelang es den Familien, diese Erwerbungen zu behalten. Dass ein Papst aber letztlich immer am längeren Hebel sitzt als ein Nepote, erfuhr 1503 Cesare Borgia, der als Gonfaloniere der päpstlichen Truppen seines Vaters Alexander VI. nicht nur den Kirchenstaat unter seine Kontrolle gebracht und die mächtigsten Fürsten des päpstlichen Adels entmachtet und enteignet, sondern dazu die gesamte Romagna erobert hatte und zu deren Herzog ernannt worden war, mit dem Fernziel, König von ganz Mittelitalien zu werden. Nach dem Tod des Vaters ließ sich Borgia – das listenreiche und grausame Vorbild für Machiavellis Principe – für einmal selbst überlisten: Im Vertrauen auf falsche Versprechungen ermöglichte er die Wahl von Papst Julius II., einem alten Rivalen seines Vaters, der ihn sofort verhaftete und entmachtete.

Trotz offizieller Abschaffung des Nepotenamts 1692 reichte die Praxis des Nepotismus bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts hinein. Clemens XI. aus der Familie Albani belehnte 1715 seinen Neffen Carlo Albani (1687–1724) mit der Herrschaft Soriano nel Cimino und erhob ihn zum Fürsten. Clemens XIII. erhob 1765 seinen Neffen Abbondio Faustino Rezzonico zum Grafen des päpstlichen Adels und machte ihn zum Senator von Rom.

Als Nepotismus wurde zuletzt kritisiert, dass Papst Pius XII. (1876–1958) es tolerierte, dass sein Neffe Carlo Pacelli (1903–1970) 1941 mit Zustimmung Mussolinis vom italienischen König Viktor Emanuel III. zum Fürsten (Principe Pacelli) erhoben wurde;Claudio Rendina, Le grandi famiglie di Roma, Newton & Compton, Rom 2010, S. 190. Carlos jüngere Brüder Giuseppe und Marcantonio erbten den 1929 vom Vorgänger-Papst Pius XI. dem Vater verliehenen Marchese-Titel; später ging der Fürstentitel auf Marcantonio und dann auf dessen Sohn Francesco über. Als Berater der Vermögensverwaltung des Heiligen Stuhls hatte Carlo Pacelli auch eine Reihe von Aufsichtsratsmandaten inne und erhielt noch 1958 vom sozialistischen Finanzminister Luigi Preti vorübergehend eine persönliche Steuerbefreiung.Das Ende der Pacellis, in: Der Spiegel, 31. Dezember 1958.

Einflussreiche italienische Adelsfamilien – deren Päpste und Kardinäle Barberini Die Barberini waren ein italienisches Adelsgeschlecht. Maffeo Barberinis klerikale Karriere begann damit, dass er von Clemens VIII. zum Titularerzbischof von Nazaret und zum päpstlichen Nuntius in Frankreich ernannt wurde. 1606 wurde er von Paul V. zum Kardinal ernannt. 17 Jahre später wurde er zum Papst gewählt und nannte sich Urban VIII. Er gilt als Paradebeispiel eines nepotistischen Papstes.

Der Papst aus der Familie der Barberini mini|100px|Papst Urban VIII. Papst Urban VIII. (Maffeo Barberini) (1623–1644) pflegte den hemmungslosen Nepotismus. Dieser prägte seine Politik ebenso wie seine ruinöse Finanzpolitik. Seine Begünstigungspolitik gegenüber Richelieu führte im Dreißigjährigen Krieg zur Niederlage der Katholiken.

Er war der Sohn des Kaufmanns Antonio Barberini aus Florenz und der Camilla Barbadori. Er ist der Onkel der Kardinäle Francesco Barberini (des Älteren) und Antonio Barberini (des Jüngeren) und Bruder des Kardinals Antonio Barberini (des Älteren).

Barberini – Kardinäle BARBERINI, (Der Ältere) OFMCap, Antonio (1569–1646) war der jüngste Sohn des Antonio Barberini und Bruder des Papstes Urban VIII. Nach einem unglücklichen Lebenslauf flüchtete Antonio in das religiöse Leben und stieg durch die Begünstigung durch seine Verwandten zu Kardinalsehren auf. Er war Onkel der Kardinäle Francesco Barberini und Antonio Barberini (der Jüngere) und Urgroßonkel des Kardinals Francesco Barberini (des Jüngeren) BARBERINI, (der Ältere) Francesco (1597–1679) war der Sohn des Carlo Barberini und der Constanza Magalotti, sein Bruder Taddeo Barberini war Prinz von Palestrina und Präfekt von Rom, sein Bruder Antonio Barberini (der Jüngere) wurde Kardinal. Er war der Neffe von Papst Urban VIII. und der Kardinäle Antonio Barberini (der Ältere) und Lorenzo Magalotti. Des Weiteren war er Cousin des Kardinal Francesco Maria Macchiavelli, Onkel des Kardinals Carlo Barberini und Großonkel des Kardinals Francesco Barberini (des Jüngeren). BARBERINI, (der Jüngere) O.S.Io.Hieros. (Malteserorden), Antonio (1607–1671) war der Sohn des Carlo Barberini und der Constanza Magalotti. Er war der Bruder des Francesco Barberini (des Älteren), Neffe des Papstes Urban VIII. und der Kardinäle Antonio Barberini (des Jüngeren) und Lorenzo Magalotti. Cousin des Kardinals Francesco Maria Machiavelli, Onkel des Kardinals Carlo Barberini und Großonkel des Kardinals Francesco Barberini (des Jüngeren) BARBERINI, Carlo (1630–1704) war der Neffe der Kardinäle Francesco Barberini (des Älteren) und Antonio Barberini (des Jüngeren). Großneffe des Papstes Urban VIII. und des Kardinals Antonio Barberini (des Älteren), sowie Onkel des Kardinals Francesco Barberini (des Jüngeren). BARBERINI, (der Jüngere) Francesco (1662–1738) war der Ur-Großneffe des Papstes Urban VIII. und des Kardinals Antonio Barberini (des Jüngeren), Großneffe der Kardinäle Francesco Barberini (des Älteren) und Antonio Barberini (des Jüngeren). Neffe des Carlo Barberini und Cousin des Kardinals Rinaldo d’ Este. BARBERINI, Benedetto (1788–1863) war das jüngste Kind von zehn Kindern des Carlo Maria Barberini, Herzog von Montelibretti und Prinz von Palestrina und der Gräfin Giustina Borromeo Arese. Benedetto B. übernahm den Namen Benedetto Barbarini Colonna di Sciarra und war der Großneffe der Kardinäle Prospero Colonna di Sciarra und Girolamo Colonna di Sciarra.

Boncompagni Die Boncompagni-Ludovisi sind ein Patriziergeschlecht aus Bologna, das den Papst Gregor XIII. (1502–1585) stellte. Dieser stattete seinen natürlichen Sohn Giacomo 1578 mit dem Marchesat Vignola bei Modena aus, 1580 mit dem Ducato di Sora und 1583 mit dem Ducato Arce (beide heute Provinz Frosinone). Die Familie stieg damit zu Titularfürsten des Kirchenstaats auf.

1681 kam sie durch Heirat in den Besitz des reichsunmittelbaren Fürstentums Piombino bei Pisa, das sie bis 1815 souverän regierte.

Borghese Borghese ist der Name eines römischen Adelsgeschlechts. Zum Hochadel zählt sie, seitdem Papst Paul V. Infant Ferdinand von Spanien mit dem Kardinalshut auszeichnete und Philipp III. von Spanien im Gegenzug dem Stammhalter der Borghese-Familie einen erblichen grandeza-Titel verlieh. Später erwarb sie fünf Fürsten- und vier Herzogstitel sowie zahlreiche weitere Titel. Aus dieser Familie gingen mehrere hochdekorierte Kardinäle hervor. Die Villa Borghese befindet sich in Rom, unmittelbar vor der Porta del Popolo und war der Sommerpalast des Borghesischen Fürstengeschlechts. Den Palazzo Borghese bewohnt die Fürstenfamilie bis heute. Die ebenfalls bis heute benutzte Grablege der Familie in der Cappella Paolina Borghesiana der Basilika Santa Maria Maggiore, in welcher auch Paul V. bestattet ist, gilt als die prächtigste Familienkapelle Roms.

Der Papst aus dem Hause Borghese mini|hochkant|Paul V. (Camillo Borghese), Papst von 1605 bis 1621, auf einem Gemälde von Caravaggio mini|Das Borghese-Wappen als Papstwappen mit der Inschrift PAVLVS V. BVRGHESIVS über dem Portikus des Petersdoms in Rom

Papst Paul V. (Camillo Borghese 1552–1621) wurde als Kompromisskardinal zum Papst gewählt. Er hielt an den Herrschaftsansprüchen der damaligen Päpste fest und verankerte seine Position und die seiner Familie durch den Nepotismus. Der Aufstieg am Papsthofe hatte somit für die Borgheses begonnen.

Camillo war der Sohn des Marc’Antonio Borghese und seiner zweiten Frau Flaminia Astelli, Onkel des Kardinals Scipione Caffarelli-Borghese und verwandt mit Kardinal Gaspare Mattei.

Kardinäle aus der Familie Borghese