Der LandhandelBundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (Hrsg.), Simon Gollisch/Ludwig Theuvsen, Risikomanagement im Landhandel: Charakteristika, Herausforderungen, Implikationen, Berichte über die Landwirtschaft, Band 39, Ausgabe 1, 2015, S. 1 hat in der Landwirtschaft seinen Schwerpunkt beim Kauf und Verkauf von Agrarprodukten, Naturprodukten und Rohstoffen wie Getreide und Ölsaaten sowie die für die Agrarproduktion notwendigen Betriebsmittel.Verlag Dr. Th. Gabler (Hrsg.), Gabler Wirtschafts-Lexikon, Stichwort: Landhandel Dazu zählen beispielsweise Saatgut, Pflanzenschutzmittel, Düngemittel und Futtermittel sowie der Handel mit Landmaschinen. Der Landhandel ist Bestandteil des Agribusiness. Gemeinsam bilden sie eine Wertschöpfungskette.

Primär wird das Handelsgeschehen auf nationaler Ebene betrachtet. Bei amtlichen Statistiken, beispielsweise Ernteangaben, erfolgt die Zuordnung nach agrarischen Wirtschaftsbereichen, beispielsweise der Land- und Forstwirtschaft oder nach HandelsspartenDestatis – Statistisches Bundesamt https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/Wirtschaftsbereiche/Wirtschaftsbereiche.html. Bezüglich grenzüberschreitendem Handel mit landwirtschaftlichen und agrarischen Gütern im EU-Binnen- bzw. Intrahandel und auf internationaler Ebene (Außenhandel), siehe Agrarhandel.

Verwendet wird für Unternehmen im Bereich des privaten oder genossenschaftlich geführten Landhandels auch der Begriff des Landwarenhandels und für den genossenschaftlich ausgerichteten Bereich der Begriff Warengenossenschaften. In der Unternehmensbezeichnung deutscher Handelsunternehmen findet sich sowohl Landhandel als auch Agrarhandel, in der sprachlichen Übersetzung (Engl., Franz. etc.) ist der Begriff Agrarhandel üblich. miniatur|Silo der Firma ATR-Landhandel in Ratzeburg miniatur|Getreidelager eines Landhandelunternehmens

Funktion mini|Wertschöpfungskette Agrarhandel Bindeglied in der agrarischen Wertschöpfungskette Der Landhandel ist ein Bindeglied innerhalb der agrarischen Wertschöpfungskette: Einerseits zwischen Herstellern von Agrar-Betriebsmitteln und andererseits zwischen Landwirtschaft und Unternehmen der verarbeitenden Industrie, beispielsweise Mühlen und Großhandel. Das Landhandelsgeschäft insgesamt ist durch die Unterscheidung zwischen Groß- und Einzelhandel zweistufig angelegt. Landhandelsunternehmen haben i. d. R. engen Bezug zur Landwirtschaft.Gollisch, S. / Theuvsen, L., 2015: Risikomanagement im Landhandel: Charakteristika, Herausforderungen, Implikationen, Berichte über die Landwirtschaft, BD. 39, Ausg. 1., Hrsg. Herausgegeben vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, S. 5Geschäftsbericht Deutscher Raiffeisenverband e. V. Rückblick 2015 – Ausblick 2016 https://www.raiffeisen.de/wp-content/uploads/downloads/2016/06/DRV_GB_2015_Internet-1.pdfBundesverband der Agrargewerblichen Wirtschaft, Flyer 2015, Beschreiben der Handelsbereiche im Agrarhandel http://www.bv-agrar.de/sites/default/files/pdf/BVA%20Flyer%202015.pdfBeispiele der Produktbereiche von Landhandelsunternehmen: https://www.kornmarkt-neuhof.de/produkte/, , , https://www.folkerts-landhandel.de/

Die erste Stufe umfasst primär den privaten Erfassungshandel bzw. die Primärstufe der Genossenschaften. Unternehmen, die der ersten Stufe in der Wertschöpfung zugerechnet werden, stehen als direkte Ansprechpartner für die Landwirtschaft mit diesen auch in enger Verbindung. Unternehmen der zweiten Stufe stehen eher nicht in direkten Kontakt mit den Kunden und betätigen sich als Großhändler oder zentralen Einkauf. Die ehemals deutliche Trennung dieser beiden Stufen ist zunehmend aber nicht mehr immer gegeben, da sowohl genossenschaftliche als auch private Großhandelsunternehmen der zweiten Stufen heute zunehmend auch direkt mit der Landwirtschaft in Geschäftsbeziehungen stehen.

Gleicht zeitliche, räumliche, qualitative und qualitative Ungleichgewichte aus Landhandelsunternehmen gleichen Ungleichgewichte aus, die räumlich, zeitlich, qualitativ und quantitativ zwischen der Produktion landwirtschaftlicher Erzeugnisse und deren Verarbeitung bzw. Konsum entstehen.Stecker, O. / Stecker, O. A. / Elles, A. / Weschke, H.-D. / Kliebisch, C., 2010: Marketing für Lebensmittel und Agrarprodukte., 4. Auflage., Frankfurt am Main: DLG-Verlag., S. 328 Der Landhandel erfüllt eine Doppelfunktion. Diese Doppelfunktion entwickelte sich insbesondere im 19. Jahrhundert. Er fungiert für den Landwirt als Aufkäufer seiner Erzeugnisse und stellt sie entsprechend aufbereitet der aufnehmenden Industrie, zeitgerecht und am entsprechenden Ort, zur Verfügung. Auf der anderen Seite ist der Landwirt Abnehmer von Betriebsmitteln. Hier sorgt der Landhandel dafür, dass angepasst an die Bedürfnisse des landwirtschaftlichen Betriebes, die entsprechenden Produkte sowohl hinsichtlich Zeit, Raum und Qualität bereitstehen.Herausforderungen des globalen Wandels für Agrarentwicklung und Welternährung, Bericht über die 52. Jahrestagung der Gesellschaft für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften des Landbaues (GEWISOLA) e. V. vom 26. bis 28. September 2012, In: Berichte über die Landwirtschaft, Band 91, Heft 1, Mai 2013., Hrsg.: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, ISSN 2196-5099, S. 2Riessen, C., 2008: Strukturwandelsprozesse in der Handelskette für Getreide. Chancen und Risiken für die landwirtschaftliche Getreideerzeugung. Saarbrücken: VDM., S. 46

Der Landhandel spielt auch eine wichtige Rolle in Bezug auf die Qualitätssicherung der Lebens- und Futtermittelproduktion. Er hat Eigenkontrollsysteme zur Qualitätssicherung entwickelt und etabliert wie beispielsweise das 1999 eingeführte europäische Getreidemonitoring oder die Richtlinien zur Qualitätssicherung der Produktionsabläufe (GMP).

Risikoabsicherung Neben seiner Position als Absatzmittler und Lieferant für Betriebsmittel hat der Landhandel Finanzierungsfunktionen. Dadurch trägt der Landhandel im Vergleich zu anderen Handelsbranchen ein größeres finanzielle Risiko.Gollisch, S. / Theuvsen, L., 2015: Risikomanagement im Landhandel: Charakteristika, Herausforderungen, Implikationen, Berichte über die Landwirtschaft, BD. 39, Ausg. 1., Hrsg. Herausgegeben vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, S. 6 https://buel.bmel.de/index.php/buel/article/view/72/Gollisch-93-1-html Landhandelsunternehmen bieten den Abschluss von Vorkontrakten an. Damit sichert sich der Landwirt beispielsweise für sein Getreide bereits vor der Aussaat eine Abnahmegarantie und den Auszahlungspreis, damit fungiert der Landhandel auch in Form einer Risikoabsicherung.Landwirt.com, Vorvertrag Getreide

Den rechtlichen Rahmen für die Handelsbeziehungen zwischen Landhandel und Landwirt bilden i. d. R. die Einheitsbedingungen im Deutschen Getreidehandel.

Monitoring Monitoring im Landhandel ist eine Form der Qualitätssicherung für die gehandelten Produkte. Sie formulieren Standards bezüglich Hygiene und Sicherheit durch bestimmte Anforderungen an Transport, Aufnahme, Lagerhaltung und Rückverfolgbarkeit. Grundlage bilden zum einen gesetzliche Verordnungen wie beispielsweise die „EU-Verordnung über Qualitätsregelungen für Agrarerzeugnisse und Lebensmittel“ als auch durch Unternehmen selber eingeführte Kontrollsysteme. Beispielsweise wie die im Verband Deutscher Mühlen (VDM) zusammengeschlossenen Unternehmen. Diese haben sich auf den „Leitfaden zur Produkt- und Verfahrenssicherheit für Mühlen“ verständigt.Link zum Verband Deutscher Mühlen (VDM) mit Erläuterungen zum Monitoring https://www.muehlen.org/ernaehrung/qualitaet-und-sicherheit/ Der VDM hat auch das Europäische Getreide-Monitoring (EGM) als ein Kontrollsystem zum Auffinden unerwünschter Stoffe im Getreide eingeführt. Daran beteiligen sich sowohl Mühlenbetriebe als auch der Landhandelsunternehmen.

Ferner gibt es auch die Richtlinien zur Qualitätssicherung der Produktionsabläufe (GMP) oder der Europäische Kodex der guten Handelspraxis (GTP), den Coceral der europäische Dachverband des Handels mit Getreide, Futtermittel und anderen AgrarproduktenGood Trading Practice (GTP) erarbeitet hat. Das GTP-Sicherheitskonzept gilt für die gesamte europäische Handels- und Logistik-Kette der Lebens- und Futtermittelbranche.

Beratung Landhandelsunternehmen beraten in der Anwendung von Betriebsmitteln, wie beispielsweise Pflanzenschutzmitteln nach den Grundsätzen für die Durchführung der guten fachlichen PraxisGute fachliche Praxis im Pflanzenschutz. Grundsätze für die Durchführung. Broschüre des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) . Beratungsfunktion übernimmt der Landhandel auch in Bezug auf den Einsatz und die Verwendung von Dünge- und Futtermittel Laut einer Umfrage der Kleffmann Group kaufen nur rund 11 % der Landwirte in Deutschland ihr Futter direkt vom Hersteller.topagrar.com Kleffmann Umfrage Futtermitteleinkauf

Strukturen In Deutschland existieren sowohl inhabergeführte als auch genossenschaftliche Landhandelsunternehmen. Im Jahr 2010 existierten 504 (1952: 10.788) genossenschaftliche und 675 (1950: 6.640) private Landhandelsunternehmen.Gollisch, S. / Theuvsen, L., 2015: Risikomanagement im Landhandel: Charakteristika, Herausforderungen, Implikationen, Berichte über die Landwirtschaft, BD. 39, Ausg. 1., Hrsg. Herausgegeben vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, S. 3 Zu den Großhandelsunternehmen im Agrarbereich zählen beispielsweise die BayWa AG und die Agravis Raiffeisen AG. In Deutschland existieren fünf Hauptgenossenschaften (Stand 2016)DGRV, Übersicht Hauptgenossenschaften .

Die Interessen der Unternehmen vertreten Verbände. Der private Landhandel ist im Bundesverband der Agrargewerblichen Wirtschaft (BVA) organisiert,Bundesverband der Agrargewerblichen Wirtschaft, Flyer 2015 http://www.bv-agrar.de/sites/default/files/pdf/BVA%20Flyer%202015.pdf darüber hinaus zum Teil im Verein der Getreidehändler der Hamburger Börse e. V. (VdG) und in Süddeutschland im Verband der Agrargewerblichen Wirtschaft (VdAW) sowie in Ostdeutschland in den Agroserviceverbänden. Das sind Nachfolgeorganisationen der Agrochemischen Zentren zur Zeit der DDR. Genossenschaftlich organisierte Landhandelsunternehmen vertritt der Deutsche Raiffeisenverband (DRV).

Die Anzahl von Landhandelsunternehmen in den Ländern der EU ist sehr unterschiedlich. Im Bereich Pflanzenschutz beispielsweise gibt es in Dänemark Einkaufsgruppen aus Genossenschaften und kleineren Landhandelsunternehmen. In Italien gibt es über 5000 Unternehmen ohne Vertriebsstrukturen auf nationaler Ebene. „Frankreich, Griechenland, Spanien und Portugal verfügen ebenfalls über sehr fragmentierte Vertriebssysteme. Österreich, Finnland, Norwegen und Schweden weisen sehr konzentrierte Systeme auf, während Belgien, Deutschland, Irland, die Niederlande und Großbritannien etwa in der Mitte liegen.“, S. 24., Abschnitt 91.

Arbeitsbereiche miniatur|Mit Silo-LKWs liefert der Landhandel beispielsweise Mischfutter an Landwirte miniatur|Kalkammonsalpeter ist ein häufig gehandelter Mineraldünger.

Verschiedene Sparten im Bereich der Erfassung und Vermarktung sind beispielsweise Getreide und Ölsaaten

Im Bereich der Betriebsmittel für die Landwirtschaft Futtermittel, dazu zählen auch Futter-Ergänzer (Mineralstoffe, Salze), Düngemittel, Pflanzenschutzmittel und Saatgut

Weitere Produktbereiche sind beispielsweise Brennstoffe wie Heizöl, Kohlebriketts und Holzpellets, Baustoffe, Produkte für den Betriebsbedarf wie Stallreinigungs- und Desinfektionsmittel, Folien, Silierhilfsmittel und Segmente im Garten- und Heimtierbedarf.

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