mini|300px|Campus Süd des KIT

Das Karlsruher Institut für Technologie (), kurz KIT (Aussprache: []), ist eine Technische Universität des Landes Baden-Württemberg und nationales Forschungszentrum in der Helmholtz-Gemeinschaft. Es ist Mitglied des Universitätsverbundes TU9 und entstand 2009 als Zusammenschluss der Universität Karlsruhe (TH) mit dem Forschungszentrum Karlsruhe (bis 1995: Kernforschungszentrum Karlsruhe). Das KIT bezeichnet sich selbst als „die Universität in der Helmholtz-Gemeinschaft“. Das Institut befindet sich in der Karlsruher Innenstadt (Campus Süd, Campus Ost und Campus West) und auf dem Gebiet der Gemeinde Eggenstein-Leopoldshafen im Landkreis Karlsruhe (Campus Nord) und ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts.

Mit der Fusion der Universität und des Forschungszentrums entstand hinsichtlich des öffentlichen Budgets und der Pro-Kopf-Drittmitteleinnahmen die größte deutsche Forschungseinrichtung. Das KIT beschäftigte 2025 über 10.000 Mitarbeiter und hat ein jährliches Budget von über 1,2 Milliarden Euro, davon mehr als 500 Millionen Euro eingeworbene Drittmittel. Die Einrichtung wird 2025 in einem bibliometrischen Hochschulranking der Universität Leiden als die forschungsstärkste deutsche Universität in den Ingenieur- und Naturwissenschaften ausgewiesen. Im Nature Index 2025 steht das KIT in den Bereichen der physikalischen Wissenschaften, der Umwelt- und Erdwissenschaften sowie der Chemie ebenfalls auf dem ersten Platz der deutschen Universitäten und auf den Plätzen 67, 83 und 89 weltweit.

Das KIT gehörte ab dem Jahr 2006 zu den ersten drei deutschen Eliteuniversitäten im Rahmen der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder. Im Jahr 2019 konnte das KIT im Nachfolgewettbewerb Exzellenzstrategie als eine von 10 Universitäten sowie einem Universitätsverbund in Deutschland den Titel Exzellenzuniversität erlangen. Das KIT ist hierbei die einzige Exzellenzuniversität, die nationale Großforschung betreibt.

Am ehemaligen Hochschulteil des KIT wurde Mitte des 19. Jahrhunderts u. a. der wissenschaftliche Maschinenbau unter Ferdinand Redtenbacher begründet, was die Gründung anderer technischer Hochschulen, wie zum Beispiel der ETH Zürich im Jahre 1855, inspirierte. Im Jahr 1899 gründete Engelbert Arnold hier das Elektrotechnische Laboratorium.

mini|Das 1899 gegründete Elektrotechnische Laboratorium

Bereits zum Wintersemester 1969/70 begann das KIT als erste deutsche Universität mit der Ausbildung von Diplom-Informatikern. Im Jahr 1972 folgte die Gründung der ersten deutschen Fakultät für Informatik, 1984 wurde hier die erste außeramerikanische E-Mail empfangen. Das KIT verwaltete in den 1990er-Jahren alle .de-Top-Level-Domains, ebenso für kurze Zeit auch die chinesischen .cn-Domains. Darüber hinaus wurde vom Karlsruher Professor Karl Steinbuch der Begriff Informatik eingeführt und geprägt.

Geschichte Geschichte der Universität Karlsruhe mini|Hauptportal des von Heinrich Hübsch entworfenen Karlsruher Polytechnikums; im Bild der 1861–1864 von Friedrich Theodor Fischer geschaffene Mittelbau mini|hochkant|Logo der Universität Karlsruhe, 1975 gestaltet von Rolf Lederbogen

Die Gründung des Polytechnikums Karlsruhe erfolgte durch Großherzog Ludwig von Baden am 7. Oktober 1825 in Karlsruhe. Sie war damit eine der ersten Hochschulen dieser Art in Deutschland.Ulrich Pfammatter: Die Erfindung des modernen Architekten: Polytechnische und industrielle Ausbildung für Architekten und Ingenieure – Ein Kapitel Baugeschichte. 1. Aufl., Birkhäuser Verlag, Basel / Boston / Berlin 1997, ISBN 978-3-7643-5473-2, S. 228. Die Hochschule entstand aus der Zusammenlegung der Bauschule des Architekten Friedrich Weinbrenner, der von Johann Gottfried Tulla 1807 gegründeten Ingenieurschule sowie den Realklassen des Karlsruher Lyzeums.Ulrich Pfammatter: Die Erfindung des modernen Architekten: Polytechnische und industrielle Ausbildung für Architekten und Ingenieure – Ein Kapitel Baugeschichte. 1. Aufl., Birkhäuser Verlag, Basel / Boston / Berlin 1997, ISBN 978-3-7643-5473-2, S. 232 ff.Peter Liptau: Elsässische Studenten an deutschen Bildungseinrichtungen – Eine Betrachtung am Beispiel Karlsruhe. Straßburg 2015, Als Vorbild diente die École polytechnique in Paris. Ab 1832 war der Einrichtung auch eine Staatliche Forstschule angegliedert. 1841 erhielt Karl Weltzien erstmals das Recht als Dozent der Chemie am Lyzeum in Karlsruhe und am Polytechnikum Karlsruhe zu unterrichten. Daneben hielt er Vorlesungen über Agrikulturchemie für angehende Forstwirte, 1843 übernahm er die Chemisch-Technische Schule am Polytechnikum. 1855 wurde die Baugewerkschule Karlsruhe gegründet.

Im Jahr 1865 wurde das Polytechnikum durch Großherzog Friedrich I. zur Technischen Hochschule erhoben (woher auch der 1902 eingeführte Beiname Fridericiana rührt). Sie ist somit die älteste technische Hochschule in der heutigen Bundesrepublik Deutschland. Bis zum Jahr 1885 trug sie jedoch weiterhin den Namen „Polytechnische Schule“; anschließend hieß sie Technische Hochschule Karlsruhe. 1886 bewies Heinrich Hertz im heute noch existierenden und genutzten Hertz-Hörsaal die Existenz der elektromagnetischen Wellen. Im Jahr 1900 erhielt die Technische Hochschule Karlsruhe das Promotionsrecht.Hans-Wolf Thümmel: Carl Benz und die Technische Hochschule Karlsruhe. In: Fridericiana, Zeitschrift der Universität Karlsruhe, Heft 38 (Juni 1986), S. 29. (online; PDF; 15,3 MB) auf mach.kit.edu, abgerufen am 23. Januar 2017. 1903 wurde mit Magdalena Neff in Karlsruhe zum ersten Mal an einer Technischen Hochschule in Deutschland eine Frau zu einem ordentlichen Studium zugelassen (1905 folgte die Technische Hochschule Stuttgart). Im Jahre 1915 wurde mit Irene Rosenberg die erste Frau promoviert; nach ihr wurde eine Straße auf dem Campus benannt.

1920 wurden der forstliche Hochschulunterricht von Karlsruhe und derjenige an der Eberhard Karls Universität Tübingen in Freiburg im Breisgau vereinigt. 1921 wurde das Ehrenbürgerrecht und 1923 das Ehrensenatoratsrecht eingeführt. 1946 wurde der Lehrbetrieb nach schweren Kriegsschäden mit 122 Studenten wieder aufgenommen. Im Dezember 1967 wurde die Technische Hochschule Fridericiana durch ein entsprechendes Landesgesetz Baden-Württembergs in „Universität Karlsruhe“ umbenannt,Bernd Reinhoffer: Heimatkunde und Sachunterricht im Anfangsunterricht. Entwicklungen, Stellenwert, Tendenzen. (Dissertation) Klinkhardt, Bad Heilbrunn 2000, ISBN 3-7815-1084-0. (eingeschränkte Vorschau auf Google Bücher, abgerufen am 2. November 2019). wobei als Auflage des baden-württembergischen Ministerrats die Bezeichnung „Technische Hochschule“ als Zusatz beibehalten werden musste. Zwei Jahre später begann die Universität Karlsruhe als erste deutsche Hochschule mit der Ausbildung von Diplom-Informatikern, drei Jahre später erfolgte an der Universität die Gründung von Deutschlands erster Fakultät für Informatik. Im Jahr 1975 gab sich die Universität ein neues Logo, das von Rolf Lederbogen, dem Leiter des Instituts für Grundlagen der Gestaltung an der Fakultät für Architektur, entworfen wurde. Im Jahr 1992 wurde mit 21.282 Studenten ein lange Zeit gültiger Höchststand der Studentenzahlen erreicht, der nach einem Tief erst im Wintersemester 2011/12 überboten wurde.

Um ihre Stärke im Bereich der Forschung zu unterstreichen, gab sich die Universität Karlsruhe im Juli 2005 den Namenszusatz „Forschungsuniversität“.

Die Bezeichnung „Universität Karlsruhe“ bleibt zur Verwendung durch das KIT bei der Erfüllung der Universitätsaufgabe weiterhin geschützt.§ 21 Absatz 2 des Gesetzes zur Zusammenführung der Universität Karlsruhe und der Forschungszentrum Karlsruhe GmbH im Karlsruher Institut für Technologie. Auf Landesrecht-BW.de, abgerufen am 23. Januar 2017.

Geschichte des Forschungszentrums Karlsruhe mini|Universitätsbauten am Schlossplatz im Jahr 1967, ehemals Fakultät für Wirtschaftswissenschaften, seit 2016 wegen PCB-Belastung gesperrtmittelbau.wiwi.kit.edu. (PDF; 2,5 MB).

Das Forschungszentrum Karlsruhe (FZK) wurde 1956 durch den Bundesminister für Atomfragen als Reaktorbau- und Betriebsgesellschaft mbH gegründet und später zunächst in Gesellschaft für Kernforschung mbH und später in Kernforschungszentrum Karlsruhe GmbH (KfK) umbenannt. Die Gründung erfolgte auf Initiative von Franz Josef Strauß, damals Atomminister, der von dem Physiker Otto Haxel und dem Hoechst-Manager Karl Winnacker beraten wurde. Die Gründer waren Walther Schnurr und Gerhard Ritter (beides Chemiker, die ihre Managementerfahrung noch vor 1945 im Umfeld der IG Farben erworben hatten),Dietrich Schulze: In: Unsere Zeit. Zeitung der DKP, 12. Juni 2009, online auf DKP-Online.de, abgerufen am 30. Januar 2017. und die Juristen Rudolf Greifeld und Josef Brandl. Direktor des Instituts war ab 1958 der Physiker Erwin Willy Becker, der von 1974 bis 1975 auch Vorstand der Karlsruher Gesellschaft für Kernforschung war.Becker, Erwin Willy. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 66. „Mit Greifeld, Schnurr und Brandl war ein massiv NS-belastetes Führungstrio in Karlsruhe installiert“, so die Historiker Thomas Raithel und Nils Weise, „das die Geschicke des Forschungszentrums bis Ende der 1960er Jahre bestimmte“.Thomas Raithel/Niels Weise: Josef Brandl (1901–1991), Referats- und stellvertretender Gruppenleiter. In: dies.: „Für die Zukunft des deutschen Volkes“. Das bundesdeutsche Atom- und Forschungsministerium zwischen Vergangenheit und Neubeginn 1955–1972. Wallstein, Göttingen 2022, ISBN 978-3-8353-5075-5, S. 287–332, hier S. 326. Gesellschafter und Zuwendungsgeber des Zentrums waren die Bundesrepublik Deutschland zu 90 Prozent und das Land Baden-Württemberg zu 10 Prozent. Die ursprünglichen Aktivitäten lagen auf dem Gebiet der Kernenergie-Entwicklung und der kernphysikalischen Grundlagenforschung. Nach dem in Deutschland entwickelten Prinzip des Schwerwasserreaktors wurde zunächst von 1957 bis 1961 der Forschungsreaktor 2 errichtet, der bis 1981 in Betrieb war. Ihm folgte der nach dem gleichen Prinzip arbeitende größere Mehrzweckforschungsreaktor Karlsruhe, der von 1965 bis 1984 betrieben wurde, sowie der Brutreaktor-Prototyp KNK, der von 1971 bis 1991 betrieben wurde. Ein besonderer Arbeitsschwerpunkt des KfK lag in der Entwicklung eines modernen Verfahrens für die Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen, das in der Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe erprobt wurde und in weiterentwickelter Form in der Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf zum Einsatz kommen sollte.

Seit Anfang der 1970er Jahre übertrug das Bundesministerium für Forschung und Technologie dem KfK vermehrt neue nicht-nukleare Aufgaben, um den erfolgreichen Ansatz der Großforschung auch auf andere Gebiete, wie zum Beispiel die damals beginnende Umweltforschung, anzuwenden. Mit dem beginnenden Ausstieg aus der Kernenergie in Deutschland, insbesondere nach Einstellung des Projekts Schneller Brüter und des Projekts Wiederaufarbeitung, verstärkte sich diese Entwicklung durch die Programme Fusionstechnologie, Meteorologie/Klimaforschung, Umwelttechnik, Genetik und Toxikologie, Mikrosystemtechnik und physikalische Grundlagenforschung. An die Stelle der Reaktoren traten neue Großprojekte wie die Ångströmquelle Karlsruhe (ANKA), Verbrennungs-Testanlagen für Hausmüll und Industrieabfälle, das Experiment KASCADE zur Beobachtung der Kosmischen Strahlung, dem die Beteiligung an dem internationalen Großexperiment AUGER folgte, und der Einstieg in die Neutrino-Forschung mit dem Experiment KARMEN in England. Zur Messung der Masse des Neutrinos mittels eines Tritium-Neutrino-Experiments (KATRIN) wurde im November 2006 mit dem Aufbau eines großen Spektrometers begonnen, das man auch als präziseste Waage der Welt bezeichnen kann.