Die Deutsche Volksunion (DVU, auch Liste D) war eine rechtsextreme Partei in der Bundesrepublik Deutschland (vgl. Abschnitt Politische Einordnung). Sie wurde 1971 als Verein und 1987 als politische Partei gegründet. Der Verleger Gerhard Frey (1933–2013) war von der DVU-Gründung im Jahr 1971 bis 2009 DVU-Vorsitzender und führte sie autoritär. Von 2009 bis zur Auflösung der DVU 2011 war Matthias Faust DVU-Vorsitzender.
Die DVU trat in der Regel lediglich zu Wahlen an, bei denen sie den Einzug in das jeweilige Parlament für wahrscheinlich hielt. Sie zog insgesamt neun Mal in Landesparlamente ein. Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 26. April 1998 erhielt sie 12,9 % der Stimmen, das bis dahin höchste Ergebnis einer extremen Rechtspartei auf Landesebene.
Nach dem Beschluss des DVU-Parteitags vom 12. Dezember 2010 fusionierte die DVU zum 1. Januar 2011 mit der rechtsextremen Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD).. Die fusionierte Partei trug kurz den Namen NPD – Die Volksunion, anschließend wieder nur NPD,Sag’ zum Abschied leise Servus: DVU beschließt ihr eigenes Ende seit 2023 nennt sie sich Die Heimat. Die Rechtskraft der Fusion war lange Zeit gerichtlich umstritten und per einstweiliger Verfügung gestoppt, nachdem mehrere DVU-Landesverbände gegen ihr Zustandekommen geklagt hatten.Fusion von DVU und NPD ist rechtlich unwirksam Tagesspiegel vom 27. Januar 2011. Sie zogen am 25. Mai 2012 die Klage zurück..
Inhaltliches Profil Grundeinstellung Die Gesinnungen, Ansichten und Auffassungen der DVU kamen in der National-Zeitung wesentlich deutlicher zum Vorschein als in ihrem Parteiprogramm, das eine rechtsextreme Grundhaltung der DVU eher verschleierte (siehe Struktur).
Bezüglich der Einwanderungspolitik forderte die DVU laut Programm „Begrenzung des Ausländeranteils, Stopp dem zunehmenden Ausländerzustrom, Beschleunigung der Asylverfahren [und] Ausweisung von kriminellen Ausländern“. Weitere Ziele der DVU waren der Schutz des ungeborenen Lebens und die Revision der Oder-Neiße-Grenze. Das Programm enthielt zahlreiche entschärfende Aussagen wie „Dass wahrhaft politisch Verfolgte geschützt werden, entspricht unserer Auffassung von der Würde des Menschen.“, „Wir bedauern zutiefst nationalsozialistisches und kommunistisches Unrecht und wollen dafür sorgen, dass derartige Verbrechen sich niemals wiederholen“ und „Unabhängig davon befürworten wir die Verwendung von Lebensmittelüberschüssen der Europäischen Gemeinschaft zur Linderung von Hungersnöten in der Dritten Welt.“
Verhältnis zum Nationalsozialismus Die DVU bestritt die Verbrechen des NS-Regimes und der Wehrmacht nicht völlig. Sie versuchte aber, diese gegen Verbrechen anderer Länder und Völker aufzurechnen und behauptete, es gäbe eine „extrem einseitige Vergangenheitsbewältigung“. Historische Ereignisse wie die Bombardierung von Dresden, die fast vollständige Ausrottung der Indianer in Amerika, Stalins millionenfachen Morde oder die Vertreibungen nach dem Zweiten Weltkrieg wurden als „Holocaust“ bezeichnet. Damit wurde versucht, dem Völkermord an den Juden die Beispiellosigkeit abzusprechen.
Im Programm hieß es im Abschnitt Gleichberechtigung für Deutschland: „Wir erinnern daran, dass schwere Kriegsverbrechen auch von den Siegermächten begangen wurden. Das Leiden des Menschen verbietet eine gegenseitige Aufrechnung, aber die Pflicht zur Wahrheit verbietet ebenso das Verschweigen dieser Leiden auch der Deutschen.“
Darüber hinaus wurde eine stärkere Achtung der deutschen Soldaten gefordert: „Das Ansehen und die Ehre des deutschen Soldaten müssen in unserer Rechtsordnung besser geschützt sein. Wer Leistungen und Leiden der Frontgeneration leugnet oder verächtlich macht, versündigt sich am Andenken der Gefallenen, verletzt die Menschenwürde der Überlebenden und nimmt Bundeswehrsoldaten die zur Erfüllung ihrer Aufgaben unabdingbare Motivation.“
In diesem Zusammenhang zeigte sich die DVU als Gegner weiterer Holocaust-Mahnmale und forderte stattdessen Mahnmale für die „Kriegsopfer des eigenen Volkes“. In der DVU nahestehenden National-Zeitung wurden immer wieder Themen der NS-Zeit aufgegriffen, wie: Ewig schuldig wegen Auschwitz? – Die systematische Entrechtung unseres Volkes, Müssen die Deutschen ewig büßen? Wie ein Volk geknechtet wird., Ewig für Hitler büßen?. Damit verstand sich die Zeitung als Gegenstimme zur „linken Presse“, die nach Auffassung der DVU einer sogenannten Kollektivschuld der Deutschen das Wort redete.
Verhältnis zu anderen Organisationen und Strukturen Auf dem Bundesparteitag im November 1992 fasste die DVU folgenden Abgrenzungsbeschluss zu neonazistischen Parteien und Vereinigungen sowie freien Kameradschaften. Weil die DVU in vielen Fällen aber mit der NPD und anderen rechtsextremen Kräften kooperierte, bezweifelten viele die tatsächliche Verbindlichkeit der Beschlüsse:
Demnach bestanden Unvereinbarkeitsbeschlüsse: 1. Die Mitgliedschaft bei Organisationen, die das Grundgesetz bekämpfen oder missachten oder die bestehende Rechtsordnung, insbesondere Strafbestimmungen, hartnäckig und schuldhaft verletzen, ist mit der Mitgliedschaft in der DVU unvereinbar. 2. Unvereinbar mit der Mitgliedschaft in der DVU ist die gleichzeitige Mitgliedschaft insbesondere in folgenden politischen Parteien oder Vereinigungen: FAP, Nationale Liste […], Nationalistische Front […] sowie bei Ersatz- oder Nachfolgeorganisationen und Gruppierungen u. a. um folgende Personen: Röder, Busse, Reitz , Pape, Althans, Worch. […] 4. Unvereinbar mit der Mitgliedschaft in der DVU ist die gleichzeitige Zugehörigkeit zu Gruppierungen der Skinheads. 5. Unvereinbar mit der Mitgliedschaft in der DVU ist das Werben und Unterstützen für Publikationen, deren Wirken gegen das Grundgesetz oder die Rechtsordnung, insbesondere gegen Strafbestimmungen, gerichtet ist.“ (PDF, S. 45; 362 kB)
Im Kontrast hierzu schloss die DVU ab 2004 jedoch ein Bündnis mit der NPD und fusionierte später mit der NPD.
Politische Einordnung Bereits 1984 nannten die Rechtsextremismusforscher Peter Dudek und Hans-Gerd Jaschke die DVU eine der „größten rechtsextremen Vereinigung[en]“ in Deutschland.Peter Dudek, Hans-Gerd Jaschke: Entstehung und Entwicklung des Rechtsextremismus in der Bundesrepublik. Zur Tradition einer besonderen politischen Kultur. Band 1, Westdeutscher Verlag, Opladen 1984, ISBN 3-531-11668-1, S. 52. Die DVU wurde in Handbüchern zur extremen Rechten wie dem Handbuch Rechtsradikalismus von Thomas Grumke und Bernd Wagner geführt.Thomas Grumke, Bernd Wagner (Hrsg.): Handbuch Rechtsradikalismus. Personen – Organisationen – Netzwerke; vom Neonazismus bis in die Mitte der Gesellschaft. Leske + Budrich, Opladen 2002, ISBN 3-8100-3399-5, S. 368 ff. (siehe: Organisationen, S. 353 ff.). Der Politikwissenschaftler Armin Pfahl-Traughber resümierte 2007 im Handbuch der deutschen Parteien: „Bei der DVU handelt es sich um eine rechtsextremistische Partei, die zwar über eine relativ hohe Mitgliederzahl und große finanzielle Mittel verfügt, aber aufgrund ihrer nur rudimentär ausgebildeten politischen Programmatik und Organisationsschwäche über den Status einer vergleichsweise unbedeutenden Randpartei nicht hinausgekommen ist.“Armin Pfahl-Traughber: Deutsche Volksunion (DVU). In: Frank Decker, Viola Neu (Hrsg.): Handbuch der deutschen Parteien. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2007, ISBN 978-3-531-15189-2, S. 250–255, hier S. 254. Eckhard Jesse, der intensiv zum Extremismus in Deutschland forschte, konstatierte: „Die DVU, die nach außen hin ein Treuebekenntnis zur freiheitlich demokratischen Grundordnung ablegt, ist nationalistisch orientiert und auf ethnische Abgrenzung bedacht. Ihre Parolen sind auf fremdenfeindliche Vereinfachung ausgerichtet.“ Im Handbuch des Antisemitismus heißt es, dass die DVU über ihre Presseorgane neben Fremdenfeindlichkeit auch Antisemitismus schürte. Sie verbreitete „ein negatives Polenbild, wandte sich gegen ein vereintes Europa, relativierte und verharmloste den Holocaust, agitierte gegen Wiedergutmachungsforderungen, verdrängte die deutsche Kriegsschuld und nutzte weitere Themenfelder des sekundären Antisemitismus zu propagandistischen Zwecken.“Juliane Wetzel: Deutsche Volksunion. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus. Judenfeindschaft in Geschichte und Gegenwart. Band 5: Organisationen, Institutionen, Bewegungen. Im Auftrag des Zentrums für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin. De Gruyter Saur, Berlin 2012, ISBN 978-3-598-24078-2, S. 171–173, hier S. 172.