mini|Überlebenstraining für Astronauten, v. l. n. r.: Ausbilder, Neil Armstrong, John H. Glenn, Gordon Cooper und Pete Conrad

Als Survival, im Deutschen „Überleben“, militärisch auch „Überleben und Durchschlagen“, werden Kenntnisse und Fertigkeiten bezeichnet, die ein (Über-)Leben fern von der Zivilisation oder in einer Notsituation ohne oder mit geringen Hilfsmitteln ermöglichen sollen (Englisch survival skills).

Notsituationen in unbesiedelten Gebieten können im zivilen Bereich beispielsweise bei Expeditionen, Natursportarten wie Trekking und Bergwandern, Notlandungen von Luftfahrzeugen, Fahrzeugpannen und Havarien sowie nach Naturkatastrophen auftreten. Zum Überleben müssen die menschlichen Grundbedürfnisse nach Wasser – Verdursten und Nahrung – Hungerstoffwechsel sowie Schutz vor Kälte – Hypothermie/Erfrierung, Hitze – Hitzeschaden und Gefahren – Sicherheit erfüllt werden. Zur Selbstrettung kann es erforderlich sein, sich in der Wildnis orientieren zu können. Wildnis und ländliche Gebiete unterscheiden sich nach Feldwegen und Brücken – Wildnis hat keine, ländliche Gebiete haben welche.

Survivalism wird im Deutschen meist mit Überlebenstraining und Überlebenskunst übersetzt.

Geschichte und Wortbedeutung Im zivilen Bereich Erste Anfänge für das gezielte Erlernen von Wildnisfähigkeiten waren ab dem 18. Jahrhundert europäische Waldläufer und Fallensteller in Nordamerika, die Überlebenstechniken der indianischen Ureinwohner erlernten. Für Einheimische und Zugewanderte in Wildnisregionen wie im sibirischen Russland aber auch in Nordeuropa in Norwegen, Schweden und Finnland waren diese Kenntnisse, Fertigkeiten und entsprechende Ausrüstung für das Alltagsleben selbstverständlich.

Anfang des 20. Jahrhunderts erlernte der norwegische Polarforscher Roald Amundsen auf seiner Expedition zur Erkundung der Nordwestpassage im Jahr 1903 die Überlebenstechniken der Netsilik-Inuit, die er dann auf seiner Südpol-Expedition im Jahr 1911 erfolgreich anwandte. Er transferierte das Überlebenswissen der Arktis auf die gleichen Bedingungen der Antarktis.

Unterschieden werden zwei Ansätze für ein Überleben – Vorratshaltung und Versorgung aus der Natur. Im weitesten Sinne gehört dazu auch die Herstellung von Behelfswerkzeug, Behelfsbekleidung und Gebrauchsartikeln aus natürlichen Materialien. Jedoch verkennt dieser Ansatz, dass dazu in erheblichem Maß Zeit und handwerkliches Geschick notwendig ist und dass Nahrungsmittel aus der Natur meist nur im Frühjahr und Herbst zur Verfügung stehen. Sowohl im Winter als auch im trockenen Sommer stehen Pflanzen nicht ausreichend zur Verfügung.

Die Bezeichnung „survival“ wird im englischsprachigen Raum in der umfassenderen Bedeutung als „Überleben nach einer Katastrophe“ gebraucht. Diese beinhalten in weitem Umfang das Verhalten im Zivil- und Katastrophenschutz in urbanem Gebiet. Im zivilen Bereich erlangte Überleben unter urbanen Bedingungen unter der Bedrohungslage eines ABC-Waffenangriffs im Kalten Krieg Bedeutung. Bei einem solchen Szenario wird als Lösung die Fähigkeit der Eigenversorgung gesehen, im Zivilschutz durch Vorratshaltung. „Bevölkerungsschutz“ ist eine zusammenfassende Bezeichnung für Einrichtungen und Maßnahmen im Katastrophen- und Zivilschutz (KatS), der alle Maßnahmen enthält, um Leben, Gesundheit oder Schutz der Bevölkerung in oder vor Entstehung einer Katastrophe zu schützen.Matthias Hake: Überleben in der Wildnis und urbaner Umgebung. Behelfsmaßnahmen Spezialkräfte. In: survival-sh.de. Abgerufen am 18. Mai 2013.

Personen, die sich besonders auf eine solche Lage vorbereiten, werden im amerikanischen Sprachraum als „Prepper“ („die sich vorbereiten“) bezeichnet.

Im deutschen Sprachraum wird von „Survival“ meist in Zusammensetzungen mit „Survival-Training“ und den Kenntnissen für ein Verhalten und für die Versorgung mit Behelfs-Lebensmitteln im ländlichen Raum und der Wildnis gesprochenVgl. DUDEN-Fremdwörterbuch. und als Ersatzhandlung für entsprechende Kenntnisse und Fertigkeiten bei Wildnisaufenthalten gesehen.

Lange prägte seit den 1980er Jahren in Deutschland die Fernsehdokumentationen über Rüdiger Nehberg die Ansichten zum Thema „Abenteuerreisen und Survival“.

Im militärischen Bereich Jeder Soldat jeder Truppengattung und Teilstreitkraft kann in die Lage kommen, überleben und sich zur eigenen Truppe durchschlagen zu müssen. Soldaten der Kampftruppe, aber auch der Logistik- und Führungstruppen, können in der Verzögerung und nach erfolgloser Verteidigung und Durchbruch feindlicher Kräfte in den eigenen rückwärtigen Raum, aber auch im Angriff von der Truppe abkommen und müssen dann wieder Anschluss gewinnen.

Der Lehrgang Überleben und Durchschlagen einer kleinen militärischen Teileinheit dient dazu, militärischen Führungskräften die Kenntnisse und Fertigkeiten zu vermitteln, die notwendig sind, Soldaten in einer auf sich gestellten Gruppe nach Abkommen von der eigenen Truppe zu führen, um wieder Anschluss an die eigene Truppe zu gewinnen.

Schwerpunkt bei diesem Lehrgang ist unter erheblicher Belastung weniger das Überleben, sondern das Durchhalten und die Rückkehr zur eigenen Truppe. Im Combat Survival Course auch mit den Ausbildungsinhalten Gefangenschaft, Verhör, Flucht.

Allgemeiner Auftrag ist es, Feindkräfte durch Nutzung des Geländes zu meiden und zu umgehen, das eigene Überleben durch Versorgung aus dem Land mit Wasser, Verpflegung aus der Natur oder der Landwirtschaft, Schutz vor Kälte durch ein Behelfsbiwak, vor Feuer oder vor Hitze sicherzustellen. Bei Annäherung an den Raum forward line of enemy troops führt der Soldat seine Bewegungen im Sickern durch. Wesentlich ist das Tarnen und Täuschen durch dauerndes Ausnutzen des Geländes vor Feindbeobachtung. Der Soldat meidet einsehbares Gelände und Geländeteile wie Straßen und Wege, in oder auf denen sich Feindkräfte bewegen.

Wesentliche Inhalte von militärischen Überlebenslehrgängen sind physisches und psychisches Durchhaltevermögen der Lehrgangsteilnehmer, Gebrauch von Ausrüstung und Notausrüstung, waffenloser Nahkampf und mit Behelfswaffen, Orientieren mit Behelfsmitteln und Kompass, Behelfsernährung aus der Natur und Fischfang, Behelfsunterkünfte nach den Jahreszeiten und Feuermachen mit Behelfsmitteln. Das militärische Überleben und Durchschlagen ist, da Gefechtshandlungen selten in der Wildnis stattfinden, weniger auf ein Überleben in der Wildnis ausgerichtet, sondern nahe oder in urbanen Regionen.

Die Anfänge des Survival als Lehre liegen in der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Ab etwa dieser Zeit wurden durch die westlichen Streitkräfte Lehrgänge durchgeführt, die Soldaten das Leben und Überleben in Feindgebiet ermöglichen sollten. Spezialisierte Kriegführung für Operationen hinter den feindlichen Linien erforderte Wissen über Behelfsmaßnahmen für die Versorgung der Spezialeinheiten aus der Natur – wie u. a. die Wassergewinnung in der Wüste. Die 1941 gegründete britische Long Range Desert Group, ein Vorläufer des Special Air Service, eignete sich während ihrer Operationen Kenntnisse über das Leben in der Wüste an. Dazu wurden auch u. a. Botaniker und Meteorologen als Lehrer herangezogen.

In der US-Armee, insbesondere für das United States Army Special Forces Command (Airborne), wurden Lehrgänge erst mit dem Vietnamkrieg in Zusammenarbeit mit der National Outdoor Leadership SchoolNOLS. In: YouTube.com. in Lander (Wyoming) eingerichtet. Der Rangerlehrgang orientierte sich mehr am deutschen Einzelkämpferlehrgang mit dem Jagdkampf als besonderer Gefechtshandlung, heute eine Gefechtsart.

Die United States Air Force führte für Soldaten – nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs und des Koreakrieges seit den 1960er Jahren – SERE-Lehrgänge durch, in denen das Verhalten in Kriegsgefangenschaft, als vermisste Person nach einem Abschuss ihres Flugzeugs oder nach einem Abkommen von der Truppe gelehrt werden.

In Deutschland begann die Bundeswehr kurz nach ihrer Aufstellung mit ersten Lehrgängen, ab den 1980er Jahren im Einzelkämpferlehrgang. Dieser beinhaltete sowohl den Schwerpunkt Überleben unter europäischen Bedingungen in der feucht-kalten Klimazone und Durchschlagen als Verhalten, um wieder die eigene Truppe zu erreichen, als auch Jagdkampf. Der Lehrgang basierte auf den Erfahrungen von Soldaten, die sich als Rückkämpfer hinter den feindlichen Linien sowohl in Finnland als auch in Russland befanden und die eigene Truppe wieder erreichen konnten. Beide Ausbildungsbereiche wurden mit der Reorganisation des Lehrgangs in zwei abfolgende Lehrgänge getrennt. Ergänzende Lehrgänge sind der Lehrgang Überleben in schwierigem Gelände (Gebirge) an der Gebirgs- und Winterkampfschule sowie der Combat Medical Course für Spezialkräfte und der Überlebenslehrgang Spezialkräfte als SERE-Lehrgang am Ausbildungszentrum Spezielle Operationen. Der Ausbildungslehrgang der Streitkräfte der Vereinigten Staaten ist das SERE-Training.

In der militärischen Fliegerei wurden Piloten früh im Verhalten für ein Überleben in Wildnisgebieten ausgebildet. Piloten der Royal Air Force, die in Mesopotamien und Indien flogen, erhielten als Bestandteil der Notausrüstung ein Goolie Chit, das ihnen helfen sollte zu überleben.

Für fliegendes Personal der Bundeswehr ist die Teilnahme an der Überlebensausbildung für Luftfahrzeugbesatzungen obligatorisch, heute IV. Insp. Ausbildungszentrum Spezielle Operationen, vormals VI. Inspektion Luftlande- und Lufttransportschule. Zur Ausbildung gehört im Weiteren der Lehrgang Überleben auf See an der Marineoperationsschule (MOS) in Bremerhaven. Analog ist für die zivile Berufsschifffahrt eine Sicherheitsgrundausbildung und Unterweisung für Seeleute vorgeschrieben.

Unterteilung nach Klimazonen, Situationen und Gruppierungen mini|Survivalübung im Schnee auf dem Simplonpass

Gefahrenpunkte nach Regionen und Klimazonen Allgemein in allen Klimazonen Wassermangel mit Dehydratation Nahrungsmangel Orientierungsverlust Gefahren durch Wild – insbesondere Großwild, in Afrika die Big Five sowie allgemein durch Raubtiere und Schlangen nach einem Schlangenbiss Erste Hilfe In trocken-kalten Klimazonen – ebenso auf hoher See Hypothermie Erfrierung Im Gebirge Lawinen mit Lawinengefahr Steinschlag und Gefahr durch Murgang, Bergsturz oder Erdrutsch In trocken-heißen Klimazonen Hitzeschäden

Art der angenommenen Notlage Luftnotlage Seenotlage als Überleben See Orientierungsverlust in der Wildnis Naturkatastrophe (Erdbeben, Orkan, Tornado – auch Wirbelsturm, Überschwemmung durch Hochwasser oder Sturmflut sowie Tsunami, Waldbrand, Lawine, Wintersturm oder Impakt, Ausbruch eines Supervulkan)s Zivil- und Katastrophenschutz in urbanen Gebieten, auch Urban-Survival (Notmaßnahmen und Techniken in bewohnten Gebieten) bei technischen Katastrophen wie Großschadenslage, Brand, Chemieunfall, Reaktorunfall, Flugzeugabsturz oder Eisenbahnunglück Apokalypse- oder Endzeit-Survival als Überleben in urbanem Raum wirtschaftliche Krise: Mangel oder Versorgungsausfall von Strom, Treibstoff, Nahrung oder Trinkwasser und den Folgen zivile Krise mit Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung, Unruhe, Aufstände, Seuche, Bürgerkrieg oder Krieg Überleben religiöser Gruppierungen (Mormonen) oder von zivilen Milizen in den USA als politisch-weltanschauliche Privatgruppen Überleben und Durchschlagen von Soldaten sowie militärischem und nachrichtendienstlichem Personal - wie dem Special Operations Executive

Survival im zivilen Bereich