mini|Sir Francis Drake, Kupferstich von Jodocus Hondius. Im Hintergrund eine Weltkugel als Symbol der Weltumsegelung. Die Weltumsegelung des Francis Drake war die erste Weltumrundung unter Führung eines Engländers. Dabei durchquerten Francis Drake und seine Mannschaft vom 13. Dezember 1577 bis zum 26. September 1580 in 1.018 Tagen den Atlantischen, den Pazifischen und den Indischen Ozean. Die Weltreise ging als The Famous Voyage in die Geschichte ein.

Einordnung Als erste Weltumsegelung gilt die einer spanischen Expedition von 1519 bis 1522 unter der anfänglichen Leitung des Portugiesen Ferdinand Magellan. Wenigen Überlebenden einer 1525 begonnenen spanischen Expedition von García Jofre de Loaísa, darunter dem Mönch Andrés de Urdaneta, gelang nach längerer portugiesischer Gefangenschaft auf den Gewürzinseln mit ihrer Rückkehr nach Europa ebenfalls eine Weltumrundung. In der Literatur gilt nicht deren Reise, sondern die englische Expedition von Drake als zweite Weltumsegelung der Geschichte.Unter anderem in Der Brockhaus Geschichte. Personen, Daten, Hintergründe. Mannheim 2003, S. 208.

Vorgeschichte Unter der Regentschaft Königin Elisabeth I. von England gab es verschiedene Pläne für eine Expedition durch die Magellanstraße in den Pazifik. Da Königin Elisabeth sich jedoch der Provokation gegenüber Spanien, die eine solche Reise bedeutet hätte, bewusst war, wurden diese Pläne mehrmals zurückgestellt. Besonders Elisabeths Schatzmeister und Berater William Cecil, 1. Baron Burghley, verhinderte mehrere dieser Pläne. Ihm gegenüber stand der Co-Innenminister Sir Francis Walsingham, der eine antispanische Politik befürwortete.

Durch Empfehlung Walter Devereux, 1. Earl of Essex, lernte Francis Drake Walsingham kennen, der die Pläne Drakes unterstützte, indem er Geldgeber zusammenbrachte, die die Expedition finanziell ermöglichten. Unter der Leitung von Thomas Gresham, dem Begründer der Londoner Börse, wurde ein Konsortium gegründet, bei dem einflussreiche Persönlichkeiten Englands wie Robert Dudley, 1. Earl of Leicester, der Großadmiral Englands Edward Clinton, 1. Earl of Lincoln, und der Captain der königlichen Leibgarde Sir Christopher Hatton Teilhaber waren, die sich durch die Reise Drakes einen finanziellen Gewinn erhofften.

Das Unternehmen musste unter strengster Geheimhaltung geplant und vorbereitet werden, da einerseits der wichtigste Berater Elisabeths, William Cecil, dies abgelehnt und vereitelt hätte; andererseits wurden durch diese Reise spanische Interessen in Südamerika bedroht, so dass es für die Initiatoren abzusehen war, dass Spanien versuchen würde, die Expedition mit Gewalt zu verhindern. Um den eigentlichen Grund der Expedition vor den Gegnern zu verschleiern, wurde unter anderem eine Genehmigung für eine Handelsreise nach Ägypten vom Sultan von Alexandria eingeholt.

Ziele der Reise Aufgrund der umfangreichen Geheimhaltung vor und nach der Reise kann heute nicht genau festgelegt werden, was die eigentlichen Ziele der Reise waren.Hampden, S. 154 f.Cropp, S. 109 f. Ein mögliches Ziel, über das spekuliert wird, ist das Auffinden des sagenumwobenen Kontinents Terra Australis, den man südlich bzw. auf der pazifischen Seite der Magellanstraße vermutete. Ein weiteres Ziel könnte gewesen sein, die Straße von Anián (ehemalige spanische Bezeichnung der heutigen Nordwestpassage) vom Pazifik aus zu finden. Drakes Landsmann Martin Frobisher versuchte dies zur gleichen Zeit auf drei Entdeckungsreisen (1576–1578) vom Atlantik aus. Angeblich hatte Drake auch den Auftrag, Handelsbeziehungen mit den Herrschern der Gewürzinseln (den heutigen Molukken) aufzubauen. Es gibt auch die Legende, dass Drake 1573 beim Anblick Panamás (→ Überfall auf eine spanische Karawane vor Panamá) den Entschluss fasste, die Stadt vom Pazifischen Ozean aus anzugreifen.

Die Vorbereitungen Die Schiffe mini|Nachbau der Golden Hinde in Brixham, Devon

Francis Drake stach mit einer Flotte aus fünf Schiffen in See:

Die Pelican war das Flaggschiff der Flotte und wurde 1576/77 eigens für das Unternehmen gebaut. Ob von einem englischen oder ausländischen (z. B. holländischen) Schiffbauer ist nicht bekannt, da keine Bauunterlagen mehr existieren. Das Schiff hatte ein Ladevolumen von 100 Tonnen, war mit 18 Kanonen bestückt und hatte eine Besatzung von ca. 60 Mann. Das Schiff war mit Fock- und Vormarssegel, Groß- und Großmarssegel, Blinde (ein kleines Rahsegel) und Lateinerbesan getakelt (→ Liste der Segeltypen). Auf dem Schiff wurde auch eine komplette Feldschmiede mitgeführt. Während der Reise wurde die Pelican in Golden Hinde umbenannt. Der neue Name bezog sich auf das Wappen des finanziellen Teilhabers Christopher Hatton, auf dem eine goldene Hirschkuh abgebildet war.

Die Elisabeth wurde in Deptford gebaut, besaß ein Ladevolumen von 80 Tonnen, war mit 16 Kanonen bestückt und hatte eine Besatzungsstärke von ca. 50 Mann. Ihr Kapitän war John Winter. An Bord der Elisabeth und der Pelican wurden vorgefertigte Einzelteile für insgesamt vier Pinassen mitgeführt.

Die Swan war als „Dutch Flyboat“ (deutsch „Flieboot“)Johann Hinrich Röding: gebaut, konnte 50 Tonnen aufnehmen und war mit fünf Kanonen bestückt. Die holländischen Wassergeusen verwendeten diesen zweimastigen Küstenschiffstyp bei ihrem Kampf gegen die Spanier. Der Kapitän der 30 Mann starken Besatzung war John Chester. Die Swan war als schwimmendes Lager und Werkstatt gedacht.

Die Marygold war eine Bark, die hauptsächlich mit leichten, drehbaren Hinterlader-Kanonen bewaffnet war. Sie konnte 30 Tonnen aufnehmen, hatte insgesamt 16 Kanonen an Bord und verfügte über ca. 20 Mann Besatzung. Ihr Kapitän war John Thomas. Das Schiff war wahrscheinlich als schwimmende Batterie vorgesehen.

Die Benedict war eine Pinasse, die als Depeschenboot und zur Aufklärung dienen sollte. Sie hatte ein Ladevolumen von 15 Tonnen und eine Besatzung von ca. 10 Mann und war lediglich mit einer Kanone bewaffnet. Ihr Kapitän war Tom Moone.

Die mitgeführten Geschütze dürften ausschließlich aus kleinen Kalibern bestanden haben, mit Sechspfündern in den Unterdecks der großen Schiffe und Dreipfündern auf den Oberdecks. Die weitere Bewaffnung bestand wahrscheinlich aus kleinen ein- oder einhalbpfündigen Kanonen, die auf den Schanzkleidern in Gabeln montiert waren. Sie wurden mit Schrot geladen und gegen die Besatzungen feindlicher Schiffe eingesetzt. Darüber hinaus gab es Arkebusen, Stangenwaffen, Schwerter, Schilde und Enterbeile sowie eine große Anzahl verschiedener Spezialwaffen wie z. B. „Stinktöpfe“ (primitive Brandsätze), die später bei den spanischen Gefangenen große Verwunderung auslösen sollten.

Die Besatzung Zur Zeit des Auslaufens im November 1577 waren insgesamt 164 Personen an Bord der fünf Schiffe. Darunter befanden sich neben den Seeleuten auch zusätzliche Spezialisten und Handwerker.

Francis Drake selbst nahm einen aus acht Personen bestehenden persönlichen Stab mit. Dazu gehörten sein Sekretär, der Vikar Francis Fletcher, ein Mundkoch, sein Vetter John als Knappe, vier Musiker (darunter der persönliche Trompeter von Christopher Hatton) und Diego. Diego war ein ehemaliger afrikanischer Sklave, der offiziell als „Diener“ mitfuhr. Er begleitete Francis Drake auf dessen Karibikfahrt 1572 und war für Drake ein Freund und wichtiger Verbündeter geworden. Mit an Bord war auch Hattons Privatsekretär Thomas Doughty, der möglicherweise als Kommandeur der an Bord befindlichen Arkebusiere vorgesehen war. Doughty wurde von seinem Halbbruder John und seinem Freund Leonard Vicary begleitet.

Startschwierigkeiten Die Flotte lief am 15. November 1577 um 17 Uhr aus dem Plymouth Sound aus und geriet kurz danach in einen schweren Sturm. Die Marygold hatte Grundberührung und wurde dabei beschädigt. Auf der Pelican sah sich die Besatzung gezwungen, den Großmast des Schiffes zu kappen. Die Schiffe retteten sich zunächst in den Hafen von Falmouth, um dann für die nötigen Reparaturen, die bis zum Dezember 1577 andauerten, nach Plymouth zurückzukehren. Dass der Großmast der Pelican über Bord geworfen werden musste, wies auf unzureichenden Ballast hin. Deshalb entließ Drake den für Proviant und den an Bord befindlichen Ballast verantwortlichen Kaufmann James Sydae.

Der Verlauf der Reise mini|600px|Die Route der Weltumsegelung nach aktuellem Forschungsstand

Im Atlantik Am 13. Dezember liefen die fünf Schiffe zum zweiten Mal aus und erreichten am 27. Dezember die Insel Mogador, die der heutigen Stadt Essaouira vorgelagert ist. Auf Mogador wurde eine der mitgeführten Pinassen zusammengebaut und auf den Namen Christopher getauft. Während des Aufenthalts wurde ein Seemann von der Pelican von Einheimischen entführt. Trotz intensiver Suche blieb er verschollen.

Danach lief Drake die Kapverdischen Inseln an, wo er die Vorräte ergänzen wollte. Auf der Fahrt dorthin wurden sechs spanische und portugiesische Fischerboote erbeutet, deren Besatzungen für die gekaperten Schiffe entschädigt wurden. Bei einer dieser Gelegenheiten überließ Drake der Besatzung eines portugiesischen Schiffes die Pinnasse Benedict und behielt dafür das portugiesische Schiff. Unmittelbar danach wurde die portugiesische Karavelle Santa Maria gekapert und das kurz vorher erbeutete Schiff der portugiesischen Mannschaft überlassen. Der an Bord der Santa Maria befindliche Navigator Nuno da Silva wurde von Drake gefangen genommen. Die Santa Maria wurde Drakes Frau zu Ehren in Mary umgetauft und Thomas Doughty zum Kapitän bestimmt.

mini|Francis Drake am Río de la Plata. Im Vordergrund stehlen Indianer Francis Drakes Hut. Im Hintergrund ist das Abwracken der Swan abgebildet. Von einem Mitglied der Familie Theodor de Brys hergestellter Kupferstich, basierend auf einer Vorlage aus dem 16. Jh. Das Bild selbst entstand nach einem Druck aus Johann Ludwig Gottfrieds Newe Welt vnd americanische Historien aus dem Jahr 1655.

Am 5. April 1578 erreichten Drakes Schiffe die Küste des heutigen Brasilien bei 31 Grad 30 Minuten südlicher Breite. Sie segelten an der Küste entlang, bis sie am 14. April in den Naturhafen im Mündungsgebiet des Río de la Plata einliefen. Dort entschied sich Drake, die Swan aufzugeben und sie abwracken zu lassen, um ihr Eisenzeug zurückzugewinnen. Hier traf man zum ersten Mal auf Indianer. Um das Vertrauen der Einheimischen zu erlangen, ließ Drake Geschenke verteilen. Sie wurden an Holzstöcken über die Bordwand gehängt, so dass die „Indios“ sie aus sicherer Entfernung entgegennehmen und auch eigene Geschenke überreichen konnten. Einer der Mitreisenden beschrieb die Ureinwohner als „zumeist nackt … sie hatten lange Haare und hatten ihre Körper rot, weiß und schwarz bemalt und gegen die Kälte eingeölt … ihr Erscheinungsbild war furchteinflößend, sie hatten sich kleine Knochen durch Nase und Ohrläppchen gesteckt, waren aber sehr freundlich“. Die Einheimischen hatten eine Vorliebe für Musik und zeigten Interesse für die Trommeln und Trompeten der Musiker. Sie führten zu Ehren ihrer Gäste Tänze auf, wobei der Kapitän der Elisabeth John Winter sich „zum großen Vergnügen seiner Leute“ an einem dieser Tänze beteiligte. Ein „Indio“ stahl Drakes Kopfbedeckung, eine Kappe aus Samt, die mit einem Goldband verziert war, und Drake amüsierte sich darüber. Der Seemann Edward Cliffe sagte dazu später: „[Drake] ließ es nicht zu, dass irgendjemand ihnen auch nur ein Haar krümmte.“