mini|Weltempfänger, auf 3980 kHz Kurzwelle (KW, ) eingestellt
Mit dem Begriff Kurzwellenrundfunk bezeichnet man Rundfunk, der auf den Kurzwellenbändern verbreitet wird. Diese entsprechen dem Frequenzbereich von 3.200 kHz bis 26.100 kHz, unterteilt in mehrere „Bänder“ für den Hörfunk. Die Bundesnetzagentur hat 2022 für die Bundesrepublik Deutschland mehrere Frequenzbänder zum Beispiel ab 3.950 kHz und ab 5.900 kHz für den Rundfunk festgelegt.Frequenzplan der Bundesnetzagentur, siehe dort auf Seite 21 ff.
Die Rundfunkausstrahlungen auf Kurzwelle spielten in den Anfängen der Radiogeschichte eine wichtige Rolle. Seit dem Zweiten Weltkrieg wurde er von wechselnden Staaten und mit wechselnder Zielsetzung als Propagandainstrument für eine internationale Hörerschaft eingesetzt. Der BBC World Service sendete zeitweise mehr als 30 Sprachdienste über seine Kurzwellen-Relaisstationen in ehemaligen britischen Kolonien. Die Hochzeit des internationalen Kurzwellenrundfunks war im Kalten Krieg zwischen 1960 und 1980. Mit dem Aufkommen anderer Techniken zur Verbreitung von Hörfunkprogrammen wie Satelliten- und Kabelrundfunk sowie IP-basierten Übertragungen verlor der Kurzwellenrundfunk an Bedeutung.
Geschichte
Erste reguläre Radiosendungen auf Kurzwelle wurden von der BBC und Radio Moskau, der heutigen Stimme Russlands, gesendet. Am 31. Januar 1925 war die erste Kurzwellenrundfunkübertragung aus den Vereinigten Staaten in Deutschland zu hören.
Am 1. Januar 1929 traten die Frequenzvereinbarungen der Washingtoner Funkkonferenz in Kraft, bei der neben der Mittelwelle auch Frequenzen im Kurzwellenbereich vergeben wurden. Am 28. August nahm der Weltrundfunksender seinen offiziellen Betrieb im 31 m-Band auf. Am 30. September hielt der Schriftsteller Alfred Döblin auf der Arbeitstagung „Dichtung und Rundfunk“ seine Rede „Literatur und Rundfunk“. Am 25. Dezember übernahm der US-Sender NBC das auf Kurzwelle ausgestrahlte und in den USA empfangene Weihnachtsprogramm; es war der erste Programmaustausch mit den USA. Im Januar 1932 wurde dieses Austauschabkommen erweitert. Am 19. August stellte die Reichspost auf der Funkausstellung in Berlin den ersten Radioempfänger mit Kurzwellenempfangsmodul vor.
Ab 1930 Am 15. Dezember 1930 begann die Marconi Company in Kanada ein Versuchsprogramm auf der Frequenz 6005 kHz. In der Zeit des Nationalsozialismus strahlte der Deutsche Kurzwellensender als ein Auslandsrundfunkprogramm des Dritten Reiches sein Programm aus. Er sendete ab dem 1. April 1933 über Kurzwelle und war weltweit bis kurz vor Kriegsende zu empfangen und sendete 1938 rund um die Uhr Sendungen in 12 Sprachen. Daneben wurde mit Germany Calling ein weiterer Auslandssender betrieben, der sich hauptsächlich an Großbritannien und die USA richtete. Vor dem Zweiten Weltkrieg war Daventry lange Zeit der einzige britische Kurzwellensender. Im Zusammenhang mit dem Abschluss des Münchner Abkommens kamen am 27. September 1938 Deutsch, Italienisch und Französisch mit einer übersetzten Rede von Premierminister Neville Chamberlain und Roosevelts Friedensappell hinzu; die Ausstrahlung erfolgte über sechs Kurzwellensender.Stephanie Seul: Appeasement und Propaganda, 1938–1940 (2005), Bd. 1, S. 174
Im Zweiten Weltkrieg diente der Kurzwellenrundfunk primär als Propagandainstrument. Neben ihren staatlichen Sendern stellten die Alliierten wie die Deutschen Programme mit „schwarzer Propaganda“,Stephanie Seul: Appeasement und Propaganda, 1938–1940 (2005), Bd. 1, S. 177 also gezielter Desinformation zusammen, die Briten etwa in Form der Geheim- bzw. Tarnsender Deutscher Kurzwellensender Atlantik und Soldatensender Calais.
Der BBC World Service und Radio Moskau sendeten Informationen über das Kriegsgeschehen über die Kurzwelle. Das Hören dieser sogenannten „Feindsender“ war bei Strafen bis hin zur Todesstrafe im Gebiet des Deutschen Reichs durch die Nazis verboten. Diese „Rundfunkverbrechen“, zum Beispiel das Hören des deutschen Dienstes der BBC, wurden dennoch als Quelle für unbeschönigte Informationen über den Kriegsverlauf wahrgenommen. Gesendet wurden diese Programme über Kurzwelle und Mittelwelle, da nur eine Minderheit der Bevölkerung über Empfangsgeräte mit Kurzwelle verfügte. Die für die breite Masse der deutschen Haushalte entwickelten und erschwinglichen Volksempfänger-Modelle (der VE301 und seine Nachfolger) waren lediglich für die Lang- und Mittelwellenbereiche ausgelegt.
Bereits vor dem Krieg waren privat betriebene Kurzwellensender aktiv, weil sie es kleinen politischen Gruppen ermöglichten, weltweit Gehör zu finden. Die Nazis setzten dagegen drastische Maßnahmen ein und verschärften das „Gesetz gegen die Schwarzsender“ am 24. November 1937.Fritz W. Behn: Der Kurzwellensender. Weidmannsche Verlagsbuchhandlung, Berlin 1939 Die Novellierung des Gesetzes bestrafte nun auch jeden, der einen solchen Sender ohne Genehmigung der Reichspost baute oder bei sich verwahrte, mit Zuchthaus.
Kalter Krieg Die Rolle des Kurzwellenrundfunks wandelte sich in der Zeit des Kalten Krieges. Die Auslandssendungen dienten eher zur unterschwelligen politischen Propaganda und zur Vermarktung der eigenen Ideologie weltweit. Die 1970er und 1980er Jahre waren die Blütezeit des Kurzwellenrundfunks. Weltweit wurden von vielen Ländern leistungsstarke Sender betrieben, um ihre Auslandsprogramme zu verbreiten. Potente Rundfunkanbieter, wie Radio Moskau, die BBC, Radio France Internationale, die Voice of America, Radio Beijing u. a. sendeten Sprachdienste im zweistelligen Bereich.
Gezielt nutzten auch die USA den Kurzwellenrundfunk für politische Beeinflussung mit Sendern wie Radio Free Europe/Radio Liberty, die antikommunistische Sendungen in osteuropäischen Sprachen ausstrahlten. In umgekehrter Richtung waren es zum Beispiel Radio Moskau, Radio Tirana oder der Sender Frieden und Fortschritt. Als neutral versuchte sich zum Beispiel Radio Schweden International zu positionieren.
Das Kurzwellenhören von Sendungen aus dem Ostblock konnte in den USA in der McCarthy-Ära als antiamerikanischer Umtrieb gewertet werden und ernsthafte Konsequenzen für den Hörer nach sich ziehen. In den kommunistisch regierten bzw. stalinistischen Ländern war das Hören ausländischer Sendungen in bestimmtem Zeiten bei Strafe verboten. Die Sendungen wurden von Störsendern, die Störgeräusche wie Pfeifen, Rauschen oder Stimmengewirr auf den benutzten Kurzwellen-Frequenzen ausstrahlten, gestört (Jamming). Dies gilt als Verstoß gegen das Menschenrecht auf freie Wahl der Informationsquelle. Auch Sender wie die Deutsche Welle, der Rundfunk im amerikanischen Sektor (RIAS Berlin), die Voice of America und der BBC World Service wurden gestört. Auch wurden nationale Sender auf den Frequenzen unliebsamer Sender betrieben. So sendeten einige kubanische Radiostationen ihr Inlandsprogramm auf Frequenzen von Radio Martí und anderen populären Mittelwellen-Stationen aus Florida, um den Empfang in Kuba zu erschweren. Im Irak benutzte der Inlandsdienst von Radio Bagdad einige der Kurzwellen-Frequenzen von Radio Sawa, dem arabischen Programm der US-Informationsbehörde.
Mit den antiimperialen Befreiungsbewegungen weltweit entstanden immer wieder politische Oppositions- und Untergrundsender (Clandestine stations), die je nach Standort illegal (nach lokaler Gesetzesauslegung am Senderstandort), geduldet oder legal betrieben wurden. Die Sender fielen häufig durch technische Probleme auf. Die Sender waren außerhalb der für Rundfunk reservierten Bänder, wenn auch häufig nur knapp außerhalb zu finden.
2000 bis 2022 Die Deutsche Welle sendete über Jahrzehnte über Kurzwelle, stellte jedoch ihren Kurzwellensendebetrieb am 29. Oktober 2011 größtenteils ein. In Österreich wurde im Frühjahr 2003 der Auslandsdienst Radio Österreich International vom Österreichischen Rundfunk eingestellt. Seitdem wurde zunächst knapp eine Stunde täglich, seit spätestens 2011 nun 70–80 Minuten täglich, das Inlandsprogramm Ö1 auf Kurzwelle übertragen. Auch die Schweiz stellte ihren Auslandsdienst Schweizer Radio International Ende Oktober 2004 ein. Stattdessen wurde das Angebot auf eine Internetpräsenz verlagert; dort werden Nachrichten und Berichte angeboten. Als Gründe für die Einstellung werden häufig hohe Kosten und eine mangelhafte Klangqualität genannt. Mit dem Aufkommen des Satellitenradios und Internet-Streams nahm die Bedeutung des Kurzwellenrundfunks in Europa, Nordamerika und Australien stark ab.
Der analoge UKW-Hörfunk kann aufgrund der verwendeten Frequenzmodulation (FM) und einer größeren Bandbreite eine deutlich bessere Empfangsqualität als die im Kurz-, Mittel- und Langwellenbereich verwendete Amplitudenmodulation (AM) bieten. Bei ihm tritt normalerweise kein Schwund auf, wie man ihn auf den Langstrecken-Frequenzbereichen als dauerndes Auf-und-ab-Schwanken der Signalstärke öfters erleben kann. Ab den 1980er Jahren wurden FM-Sender, auch in abgelegenen Gebieten, zum Standard.
Nach dem Ende der Kurzwellenausstrahlungen öffentlich-rechtlicher Anbieter starteten auch im deutschsprachigen Raum vermehrt kleine private Veranstalter auf Kurzwelle (z. B. Verbreitung über den Anbieter Shortwaveservice seit 2007). Pioniere des privaten Sektors waren ursprünglich religiöse Stationen, so auch der Evangeliumsrundfunk (ERF, 1961). 1993–95 wurde das Informationsprogramm Radioropa Info auf Kurzwelle aus Tschechien verbreitet. Seit den 2000er-Jahren kommen auch Sendeanlagen in Deutschland und Österreich für private Anbieter zum Einsatz. In den USA wurde 1989 die National Association of Shortwave Broadcasters (NASB) gegründet.
Seit 2022 Kurz nach dem Beginn des Krieges Russlands gegen die Ukraine begann die BBC Anfang März 2022 Kurzwellensender zu reaktivieren, um Hörer in der ukrainischen Hauptstadt Kiew und in Teilen Russlands zu erreichen. Die BBC hatte 2008 alle Kurzwellensendungen für Europa eingestellt und nutzte seitdem Rebroadcasting (Ausstrahlung durch Andere), Satellitenausstrahlungen und diverse Internet-basierte Kanäle. Diese stehen jedoch in den Zielgebieten durch den Krieg und durch russische Zensur nur noch eingeschränkt zur Verfügung.
Die Sender Voice of America und Radio Free Europe/Radio Liberty reaktivierten ihr Kurzwellenprogramm, um der Zuhörerschaft in Russland eine zur dortigen Regierung gegenläufige Position zu bieten, die insbesondere dann hörbar bleibt, wenn in Russland das Internet seitens der Machthaber eingeschränkt oder gesperrt wird.https://www.welt.de/politik/deutschland/plus238474881/Kurzwellenradio-Wie-westliche-Medien-die-russische-Zensur-umgehen.html
Insgesamt ist staatliche Propaganda für Zielgruppen im Ausland nicht mehr auf den Kurzwellenrundfunk beschränkt, sondern auf diverse Ausspielungswege diversifiziert, die vor allem in Russland, aber teils auch anderen Ländern zu neuen Medienstrategien geführt haben: reguläre Sender über Kabel und Satellit wie z. B. Rossija RTR Internetradio Internetfernsehen und Videoplattformen im Internet, z. B. RT (Fernsehsender), teilweise mit Programmübernahmen im örtlichen Lokalfunk, wie z. B. chinesische Beeinflussung im Sachsen Fernsehen UKW-Sender hauptsächlich im Rahmen von Beteiligungen, Programmübernahmen, darunter u. a. auf Radio Impala und neutralen Sendern Neugründung von Hörfunksendern auf privatwirtschaftlicher Basis mit inoffizieller politischer Agenda, wie z. B. im Fall von Radio Impala oder SNA-Radio bzw. Mega Radio SNA (inzwischen alle eingestellt) Internetplattformen mit einer Crossover-Ausspielung auf verschiedenen Plattformen, z. B. Sputnik (Nachrichtenportal) als Nachfolger der Nachrichtenagentur RIA Novosti und des ehemaligen Kurzwellendienstes Stimme Russlands Soziale Netzwerke mit Troll-Armeen
Physikalische Eigenschaften Kurzwellensignale besitzen aufgrund ihrer sehr guten Reflexionseigenschaften an der Ionosphäre eine sehr große Reichweite. Deshalb werden die Kurzwellenbänder für den weltweiten Rundfunkbetrieb genutzt.