Alt-Hürth ist ein Stadtteil der Stadt Hürth im Rhein-Erft-Kreis. Alt-Hürth hat 7.228 Einwohner (Stand: 31. März 2022).
Der Ort war bereits vor der Industrialisierung ein bedeutender Kirchort, sogar mit Vicarie, und mit (1880) 1166 Einwohnern etwa so groß wie die Residenzstadt Brühl (ohne zugeordnete Orte).Rosellen, S. 101 u. 338 f. Die Bürgermeisterei (1800/1815) und die 1930 gebildete Großgemeinde erhielten deshalb zu Recht den Namen Hürth, wenn auch das Verwaltungszentrum nach Hermülheim beziehungsweise 1985 nach Hürth-Mitte zwischen Hürth und Hermülheim verlagert wurde. Im weiteren Text wird bei historischen und geographischen Aussagen für den Stadtteil meist der alte Name Hürth verwendet. Auch heute noch hat Alt-Hürth ein ausgeprägtes Einkaufs-, Gastronomie- und Dienstleistungszentrum, wenn auch für den eher einfachen Bedarf.
miniatur|Ehemalige katholische Pfarrkirche von 1696, ältester erhaltener Kirchenbau in der Stadt Hürth Lage Alt-Hürth liegt im Hürther Tälchen des Duffesbachs am Hang des Vorgebirges westlich der Luxemburger Straße, der B 265, etwa zehn Kilometer südwestlich von Köln.
Geschichte miniatur|hochkant| Römerleitung, Fundort Kreuzstraße Römer, Frühzeit, Ersterwähnung Hürth, so die ursprüngliche und für die heutige Stadt namensgebende Benennung des jetzigen Stadtteils Alt-Hürth, wird erstmals zusammen mit dem ruezinhof, dem Rüscherhof, 1185 in einer Schenkungsurkunde des Philipp von Heinsberg an das Kölner Kloster St. Mechtern erwähnt.Leonard Ennen, Gottfried Eckertz: Quellen zur Geschichte der Stadt Köln 6 Bände, Köln 1863/79, Bd. I, S. 99 Als Kirchort erscheint es erstmals um 1300 im liber valoris. Das Patrozinium der Kirche, St. Katharina, und der Unterbau des Turmes lassen auf eine ältere Eigenkirche des jeweiligen Burgherren von spätestens der Mitte des 13. Jahrhunderts schließen. Da schon die Römer das Wasser aus Hürther Sprüngen fassten und in einem Aquaedukt, der Hürther Leitung und ihren Zweigleitungen, im Zuge des Schlangenpfades und der Kreuzstraße nach Köln führten, ist die Besiedlung des Hürther Tales als recht alt anzunehmen. Auf dem Kummet, am Ende des Hürther Tälchens, etwa 100 m unterhalb der Kreuzstraße, hat man teilweise eine größere Villa rustica von 80 × 30 Meter ergraben.Jakob Baumann: Ländliche Siedlungen im Umland des römischen Köln, Hürther Heimat 75, 1996, S. 80 f. und Günther Frenzel: Der Römerhof in Hürth, in Hürther Heimat, 39, 1977 Frühzeitliche Gräber hat man in der Umgegend gefunden. miniatur|hochkant| Allianzwappen von Tzerklaes/von Harff von 1691 (am Pfarrhaus)
Feudalzeit Im Spätmittelalter beziehungsweise in der Frühen Neuzeit teilte sich das Gebiet des Raumes um Hürth auf das Erzbistum Köln und das Herzogtum Jülich auf. Der Ortsteil Hürth (Alt-Hürth) lag dazwischen und gehörte (ohne Knapsack, Alstätten und Villenhöhe) zur Herrschaft Valkenburg im Herzogtum Brabant und damit zu den Spanischen, später Österreichischen Niederlanden. Dennoch mischten sich die Jülicher und die Kölner immer in Hürther Angelegenheiten ein. An die ehemaligen meist durch Heirat wechselnden Burgherrengeschlechter wird mit Straßennamen im Neubaugebiet um den neu angelegten Valkenburger Platz erinnert: Von Holtrop (1416), von der Horst (1439), von Harff (1552), von Tzerklaes (1675), von Reuschenberg (1749) und zuletzt von Wolffen (1760).Clemens Klug: Hürth - wie es war, wie es wurde, Köln o. J.(1962), S. 67 In der Folge wurden die Ländereien parzelliert und verkauft und die Burglandwirtschaft aufgegeben. Die Gebäude, die wohl 1691 zuletzt vom Burgherrn Tzerklaes umfangreich renoviert worden waren, verfielen zusehends. Die Burg lag neben der alten Kirche. Hier fällt noch deutlich ein an der Ostseite durch eine Mauer gestützter Burghügel auf. Wie man auf der Tranchotkarte von 1807/08 erkennt, lagen die Ökonomiegebäude dreiseitig westlich parallel zur heutigen Lindenstraße, von dort war auch der Zuweg. An der südwestlichen Ecke dieses Riegels ist ein größeres Gebäude zu erkennen, an das ein rechteckiger Innenhof anschloss. Die Situation an der Südostseite ist unklar. Die dort neben einem Burghaus liegende kleine Kirche (ohne die späteren Erweiterungen) mit dem mit einer Mauer umgebenen Kirchhof bildeten die Nordostecke des Areals. Die Anlage war mit Ausnahme der Kirchenseite von einem Wassergraben umgeben. Möglicherweise gab es eine schmale Verbindung des Grabens zwischen Kirche und Burghaus mit dem östlich zu einem schmalen Burgweiher erweiterten Grabenteil. An den Burgweiher erinnert noch die vorbeiführende Weierstraße (sic). Als die Gemeinde die Burganlage kaufte (1865), sind auf dem dazu gezeichneten Lageplan Stadtarchiv Hürth, Bestand 1.10, Nr. 18 V keine Gräben mehr zu erkennen. Zudem sind die Bauten der Vorburg bis auf ein schmales Gesindehaus und Scheune verschwunden. Der links neben der Zufahrt eingezeichnete Stall ist durchgekreuzt also vermutlich auch bereits stark verfallen. Ein Jahr später übernahm die Kirchengemeinde das Gelände, riss das baufällige Burghaus ab und errichtete auf den Grundmauern ihr neues Pfarrhaus. Die Herren von Hürth hatten bis zur Franzosenzeit auch die Blutgerichtsbarkeit. Der Hürther Galgen stand an der Kreuzung der heutigen Bergstraße mit der heutigen Luxemburger Straße und damit an der höchsten Stelle in der Herrschaft.Rosellen, S. 342 Ein kleiner Hügel ist noch auf der Tranchotkarte zu erkennen. In der napoleonischen Zeit wurde nach Aufhebung der Grundherrschaften (Alt-)Hürth der Bürgermeisterei (später Amt, französisch: Mairie) Hürth mit Sitz in Hermülheim zugeordnet. Der Bürgermeister war eine im Ort wohnende begüterte Person. Als der 1851 von außerhalb (Longerich) kommende Franz Rosell Bürgermeister wurde (→ Sein Sohn Heinrich Rosell beerbte ihn als Bürgermeister), fand er im Ort keine standesgemäße Wohnung und bekam deshalb die Erlaubnis, sich in Hermülheim ein neues Haus zu bauen. Manfred Faust: Geschichte der Stadt Hürth, hg. vom Heimat und Kulturverein Hürth, Köln, J. P. Bachem Verlag, 2009 S. 63 ff miniatur|Restauration Hürther Thalmühle (1897) Oberlauf des Duffesbaches
Bauern und Mühlen Neben dem Burghof waren im und um den Ort nur wenige mittelgroße Höfe zu finden. Dazu gab es eine Reihe von kleinsten Bauernhäuschen für die abhängigen Hofleute, die noch vielfach verändert im Stadtbild zu erkennen sind. Um 1880 hatte Hürth insgesamt 242 Wohnhäuser.Rosellen, S. 338 miniatur|links|Hürth um 1800 Das Hürther Tal war lange Zeit durch vier Mühlen, mit der Herrenmühle am Talausgang zu Hermülheim sogar durch fünf Mühlen geprägt. Um das Wasserrecht gab es sogar einen Hürther Krieg mit Köln und Verhandlungen vor dem Reichskammergericht in Nürnberg. Nur von der Metternichsmühle ist noch ein Gebäude erhalten. An die übrigen Mühlen wird noch mit Alt-Hürther Straßennamen erinnert. Die Restauration Hürther Talmühle zog damals sogar Kölner Ausflügler an. Heute steht hier an der Talmühlenstraße ein etwas bescheideneres Lokal mit einem kleinen Sälchen. Ende 2010 wurde dies Lokal in eine Pizzeria umgewandelt mit einem dafür typischen Namen. Mit dem Wegfall des alten Namens verschwand ein Stück Hürther Tradition.
Erster Braunkohleabbau (→ Braunkohle in Hürth)
Schon früh wurde im Raum um den Ortsteil Braunkohle gefunden und in bäuerlicher Manier für den Eigenverbrauch abgebaut, so im Bachtal des Duffesbaches, der diese Kohlenflöze angeschnitten hatte. Auf einem Plain aus dem Archiv der Burg Kendenich von 1769 sind die Kentenischer und die Hürther Dorffkaulen in der Quellmulde des Duffesbaches (im Gelände des Tennisklubs Knapsack, der ehemaligen Brauerei Firmenich) zu sehen.Abbildung in Klug: Hürth nach S. 64, das farbige Original befindet sich im Historischen Archiv der Stadt Köln, zuletzt und farbig verkleinert in Buschmann et alii, S. 37 und 268 mit der bereits aufgelassenen Försters Grube im Kommende-Wald der Hermülheimer Deutschherren bei Knapsack. Wenn der Torf an den Hängen abgegraben war, wurden Löcher gegraben und die Kohle von diesen Löchern aus zum Teil unterirdisch abgebaut und mit Haspeln heraufgeholt. Im Lockergestein war dies nicht ungefährlich. Die Kohle wurde in Formen wie Blumentöpfe gepresst, umgestülpt und als Klütten an der Luft getrocknet. Grubenherren waren die Burgherren und Grundbesitzer, Grubenarbeiter die Tagelöhner aus der bäuerlichen Bevölkerung. Die erste größere Grube war seit 1800 die von der Hürther Bürgermeisterfamilie Scholl betriebene Scholls Grube, später nach der Ehefrau Theresia benannt, an der Grenze zu Hermülheim (heute Theresienhöhe).Klug, Hürth, S. 112, 195 und Tafel XIII Auch der Alt-Hürther Kleingartenverein in der Nähe des Friedhofs in rekultiviertem Gelände nennt sich nach der Theresia.
Industrialisierung miniatur|hochkant|Lok 1036 der Schmalspurkohlenbahn-Industriedenkmal Der Aufschwung des Ortes Hürth begann mit der rasanten Erschließung des Rheinischen Braunkohlereviers und der Industrieansiedlung in Knapsack nach dem Jahr 1900. Dadurch und besonders durch Aufkäufe der Braunkohlegruben ging die Landwirtschaft in Alt-Hürth erheblich zurück. Heute betreibt noch ein Hof, der Bolderhof an der Mühlenstraße, Landwirtschaft im Nebenerwerb mit hauptsächlich gepachtetem Land. Der Ortsteil selbst blieb weitgehend von Industrieansiedlungen verschont. Selbst die Bergwerksfirma und Brikettfabrik, die Hürth im Namen führte, die Gewerkschaft Hürtherberg, hatte ihren Sitz nördlich von Hürth an der Gemarkungsgrenze von Hürth zu Hermülheim und Kendenich. Braunkohlegruben gab es rund um Hürth bis 1988. Sie wurden durch ein umfangreiches 900 mm Schmalspurbahnnetz mit den Werken verbunden, das mit dem Abbau mitwanderte. Eine Lok und mehrere Wagen stehen als Industriedenkmal am Kreisel Frechener Straße/Alstädter Str. gegenüber der Moschee. Seit 1918 führte die Schwarze Bahn von der Vorgebirgsbahn in Hermülheim durch das Hürther Tal bis Knapsack und zu den Gruben und Brikettfabriken in Berrenrath. An der Trierer Straße war bis zur Aufgabe des Personenverkehrs (heute noch Werksverkehr der Häfen und Güterverkehr Köln nach Knapsack) ein Bahnhof mit Verladegleis und an der Fabrik Hürtherberg und der Talmühle ein Haltepunkt. Im Bereich dieses Haltepunktes, aber nicht nur dort, waren viele Werkswohnungen der Knapsacker Industrie insbesondere für die Arbeiter der Firmen RWE und Rheinbraun erbaut worden. Die Villebahn, die die um Hürth herumgelegenen Gruben Ribbert (Kendenich), Hürtherberg (an der Luxemburger Straße), Theresia (Hermülheim) und Vereinigte Ville (Knapsack) mit der Staatsbahn verband, führte oberhalb des Ortes um den Ort herum (abgebaut). Die Grube Engelbert (Berrenrath) wurde über Hürth hinweg mit einer Seilbahn nach Hermülheim zum Ribbert-Werk angeschlossen.Zur Geschichte der Gruben und Bahnen mit alten Karten siehe Buschmann et alii: Braunkohlenbergbau an mehreren Stellen Mit dem Aufschwung nach dem Ersten Weltkrieg konnten dann in Hürth beachtenswerte Gebäude wie das erste Schwimmbad im Kölner Umland, ein Stadion und eine Radrennbahn sowie moderne Schulgebäude errichtet werden. Diese Gebäude am Brabanter Platz stehen heute unter Denkmalschutz. Davon profitierte dann nach 1930 auch die dann gebildete Großgemeinde Hürth. Das reiche Hürth begrüßte bei diesem Zusammenschluss nicht unbedingt die ärmeren eingemeindeten Orte. Nach der Verleihung der Stadtrechte im Jahr 1978 wurde der Ortsteil Hürth durch Ratsbeschluss vom 22. April 1979 mit knapper Mehrheit in Alt-Hürth umbenannt, um Verwechslungen zu vermeiden.Hans Duell: Der Chronist erinnert sich, in Hürther Heimat, Heft 61/62, S. 138 Der Name Alt-Hürth taucht allerdings schon im Heimatbuch der Gemeinde Hürth von 1934 für den Ortsteil auf.NS-Lehrerbund Hürth-Efferen (Hg.): Heimatbuch der Gemeinde Hürth, Köln 1934, S. 129
Wandel der Wirtschaftsstruktur (Siehe dazu Hauptartikel Hürth, Hürth-Knapsack, Kraftwerk Goldenberg, Chemiepark Knapsack und Rheinisches Braunkohlerevier)