mini|alt=AnNa R. bei einem Konzert in Dresden mit der Band Silly 2022. AnNa R. hält ein Mikrofon. Sie hat auffällige Tätowierungen am linken Arm, darunter ein prominentes Design mit einem Herzen, das mit einem Pentagramm kombiniert ist. Sie trägt ein schwarzes ärmelloses Oberteil, eine Uhr am linken Handgelenk und eine Halskette mit einer Kette und einem Anhänger. Der Hintergrund ist rötlich neblig, vermutlich aufgrund von Bühnenbeleuchtung und Rauch der Bühneneffekte.|AnNa R. (2022) rahmenlos|zentriert|klasse=notpageimage skin-invert-image|hochkant=0.6|Autogramm Anna R. AnNa R. (bürgerlich Andrea Neuenhofen, * 25. Dezember 1969 als Andrea Rosenbaum in Ost-Berlin; † vor oder am 16. März 2025 in Berlin) war eine deutsche Sängerin und Texterin. Sie wurde als Mitglied des Duos Rosenstolz bekannt. Daneben war sie auch als Solokünstlerin aktiv und gründete die Band Gleis 8. Von 2019 bis 2022 war sie zudem Sängerin der Band Silly.

Leben Jugend und Ausbildung mini|alt=AnNa R.von Rosenstolz live in Leipzig am 6. Mai 2006. AnNa R., die auf einer Bühne steht und die Arme ausbreitet, während des Konzertes. Sie trägt eine schwarze Jacke, ein schwarz-weiß gestreiftes Oberteil, einen schwarzen Rock mit einem geschichteten, gerafften Design und Netzstrumpfhosen. Rechts im Bild befindet sich ein Mikrofon auf einem Ständer und ein Klavier oder Keyboard ist sichtbar. Der Hintergrund ist sehr dunkel.|AnNa R. (2006) AnNa R. wurde 1969 im Berliner Stadtbezirk Friedrichshain geboren und wuchs in Ost-Berlin, „am Ende der Leninallee, […] [qu]asi am Dreiländereck zwischen Friedrichshain, Prenzlauer Berg und Lichtenberg“ auf. Ihre Mutter arbeitete als Chemielaborantin an der Akademie der Wissenschaften der DDR, ihr Vater im VEB Werkzeugmaschinenkombinat „7. Oktober“ Berlin.

Nach eigenen Angaben hat AnNa R. „schon immer gesungen.“ Mit dem Schulchor trat sie am Wochenende „relativ häufig“ im Palast der Republik auf. Bereits zu DDR-Zeiten versuchte sie, im Musikleben Fuß zu fassen, stieß aber durch ihre kritischen Texte immer wieder auf Schwierigkeiten. 1981 sang sie zur Eröffnung des Sport- und Erholungszentrums (SEZ) in Berlin-Friedrichshain.

Nach Abschluss der Polytechnischen Oberschule ermutigte ihr Chorleiter AnNa R., mit dem Singen weiterzumachen. Deswegen war sie kurzzeitig im Berliner Lehrerensemble, hörte jedoch schnell wieder auf, weil sie nicht mit ihren ehemaligen Lehrerinnen zusammen singen wollte. AnNa R. bewarb sich erfolglos mit Saving All My Love To You von Whitney Houston an der Musikschule Friedrichshain. Danach nahm sie privaten Gesangsunterricht, welchen ihre Mutter anfangs mitfinanzierte, und an Gesangswettbewerben teil, wurde bei letzteren jedoch immer abgelehnt.

Parallel zum Gesangsunterricht fing AnNa R. eine Ausbildung als Chemielaborantin an der Akademie der Wissenschaften der DDR an. Da ihre Mutter dort im selben Beruf arbeitete, erschien AnNa R. dies „am praktischsten“. AnNa R. wollte eigentlich etwas künstlerisches, handwerkliches machen, doch die siebenjährige Ausbildung zur Maskenbildnerin dauerte ihr zu lange und für Korb- oder Hutmacherin gab es keine Ausbildung. Zudem war AnNa R. nach eigener Aussage in der Schule gut in Chemie. Sie wurde im Institut für anorganische Chemie eingesetzt und testete Werkstoffe, was sie auf Dauer langweilte. Der spätere Autor und Journalist Maxim Leo besuchte mit ihr in derselben Ausbildungsklasse, beide freundeten sich an. Sie war jedoch nicht am selben Institut wie ihre Mutter und fing auch täglich eher mit dem Arbeiten an, um nicht mit ihrer Mutter S-Bahn zu fahren.

Nach erfolgreichem Ausbildungsabschluss arbeitete AnNa R. noch ein Jahr in der Akademie der Wissenschaften der DDR und managte nebenbei die Rap-Gruppe Eastside Attacks, später Down Town Lyrics, die sich aus Teilen ihrer Jugendclique geformt hatte. Weil sie mit ihrem Beruf unzufrieden war, wechselte sie stattdessen als ungelernte Musikalienhändlerin im Musikhaus Carl Friedrich Zelter und forcierte in dieser Zeit den Plan, Barsängerin zu werden. Dafür suchte sie einen Pianisten. Über einen gemeinsamen Bekannten lernte sie Peter Plate kennen.

Karriere Nach der Wiedervereinigung gründete sie 1991 gemeinsam mit Plate die Gruppe Rosenstolz, deren Sängerin und Texterin sie wurde. Über die Jahre wurde die Band zu einem der erfolgreichsten Pop-Acts in Deutschland und verkaufte über 6 Millionen Tonträger.

Neben ihrer Arbeit für Rosenstolz war sie auch für andere Kulturprojekte tätig. So sang sie Background bei Knorkator und schrieb 1998 mit an der Rosenstolz-Biographie Lieb mich, wenn du kannst, nimm mich, nimm mich ganz. Sie las unter anderem in der Münchner Langen Nacht der Bücher 2002 Texte von Oscar Wilde. 2004 covert AnNa R. als Teil des Punk-Projektes Missy and the Fits fünf englischsprachige Lieder, die ursprünglich zwischen 1967 und 1983 entstanden waren, unter anderem Death of a Clown von The Kinks. Vorbild für das Projekt war die Horrorpunkband Misfits.

2005 war sie für drei Konzerte Gastsängerin bei der deutschen Band Silly. AnNa R. hatte Respekt vor der Kooperation, da Silly für sie „perfekte Musiker“ waren und Silly sie, neben Pankow, 100 Tonnen Obst und Sandow, musikalisch in der Zeit nach dem Fall der Berliner Mauer prägten. Die Musiker von Silly waren angetan von AnNa R. und sagten, sie singe nicht die Melodie, sie singe die Texte.

Im Dezember 2012 gab Rosenstolz bekannt, getrennte Wege zu gehen. AnNa R. sagte rückblickend, Peter Plate und ihr ging es in den letzten Rosenstolz-Jahren vor allem um Arbeit und dass sie den Erfolg nicht genießen konnten.

Im Frühjahr 2013 meldete sich AnNa R. als Sängerin der neuen Band Gleis 8 zurück. Gleis 8 veröffentlichte zwei Alben (Bleibt das immer so (2013) und Endlich (2016)), beide erreichten die Top 10 der deutschen Charts.

Von 2019 bis 2022 war sie erneut Sängerin bei Silly, diesmal zusammen mit Julia Neigel; 2021 erschien das Album Instandbesetzt. Für die Silly-Tour 10 Alben – 10 Konzerte mussten AnNa R. und Julia Neigel je 30 Lieder lernen.

Während oder nach der COVID-19-Pandemie zog sich das Gleis 8-Bandmitglied Timo Dorsch aus der Gruppe und dem Musikgeschäft zurück. Nach einiger Zeit entschloss sich AnNa R. als Solokünstlerin zu veröffentlichen, obwohl sie sich selbst eher als „Teamplayer“ sah. Bis auf Dorsch waren alle Gleis 8-Musiker an dem Soloprojekt beteiligt. Offiziell wurde Gleis 8, genau wie Rosenstolz, nie aufgelöst. Rückblickend sagte AnNa R., dass den „Beteiligten [Gleis 8] aus den Händen glitt“.

Im Herbst 2023 veröffentlichte AnNa R. das Soloalbum König:in. Es erreichte Platz acht der deutschen Albumcharts und wurde positiv besprochen. Viele der Lieder waren für das dritte Gleis 8-Album geschrieben, welches aufgrund der Pandemie und Dorschs’ Austritt nicht mehr aufgenommen wurde. An diese personelle und textliche Kontinuität erinnert die Billiardkugel mit der Nummer 8, welche auf dem Albumcover zu sehen ist. Für alle weiteren Lieder schrieb vor allem AnNa R. die Texte und Manne Uhlig die Musik.

Im Februar 2025 wurde AnNa R. zur „Joseph-Breitbach-Poetikdozentin des Jahres 2025“ ernannt. Die seit 2021 in gemeinsamer Trägerschaft der Stadt und Universität Koblenz organisierte Dozentur „zeichnet Persönlichkeiten aus, die sich mit ihren lyrischen oder dramatischen Texten für die internationale und interkulturelle Verständigung einsetzen“.

Im Oktober 2025 wurde posthum das Album Mut zur Liebe veröffentlicht. Es erreichte Platz drei der deutschen Albumcharts, was zugleich ihre erfolgreichste Platzierung als Solokünstlerin darstellt. Mit Rang 25 in Österreich konnte sie sich posthum erstmals in ihrer Solokarriere in diesen Albumcharts platzieren. Das Album erhielt überwiegend positive Kritiken. Für den Musikkritiker Michael Loesl ist Mut zur Liebe „das profunde Erbe einer bedeutenden Künstlerin.“

Im Februar 2026 erschien in der Reihe Universal-Bibliothek des Reclam Verlages das Buch Mut zur Liebe. Es enthält eine kommentierte Sammlung von 40 Liedtexten, die AnNa R. (mit-)verfasste – darunter alle Texte ihrer zwei Soloalben sowie die meisten der Band Gleis 8. Stefan Neuhaus, der Mitorganisator der Joseph-Breitenbach-Poetikdozentur, analysiert in einem zusätzlichen Essay die Poetik im Werk von AnNa R. Neuhaus hebt darin hervor, dass sich die Lieder von AnNa R. durch „kunstvoll-spielerische Kontrafaktur und Kritik“ auszeichnen und das Thema Liebe „zur zentralen Metapher“ wird.

AnNa R. litt nach eigener Aussage zeitlebens „an Unterschätzung und an Lampenfieber“. Sie wollte aber „schon immer Leute anrühren oder berühren“ ging jedoch nicht davon aus, dass sie mit ihrer Musik helfen könne – „letztendlich ist es nur Musik.“

Dass AnNa R. ihre ganze Karriere lang Popmusik machte, war nicht beabsichtigt. 2023 sagte sie dazu: „Ich werde aus Versehen immer Popmusik machen, obwohl ich privat lieber zu Chanson, Folk und Jazz greife. Ich bleibe wohl mein Leben lang vor allem eine Pop-Maus.“

Künstlername Im Juli 2013 berichtete sie in einem Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung, der ihr von Wikipedia zugeschriebene zweite Vorname Natalie sei eine Erfindung. Das großgeschriebene „N“ in ihrem Künstlernamen stehe nicht für einen Vornamen. Die Schreibweise „AnNa“ sei von ihr 1992 lediglich gewählt worden, weil sie diese „sehr hübsch“ fand. Den Namen Natalie habe sich „jemand ausgedacht, der dem großen N offenbar eine Bedeutung geben wollte“. Dessen ungeachtet wird sie auch im 2006 veröffentlichten Handbuch Wer war wer in der DDR? unter dem Namen „Rosenbaum, Andrea Natalie“ geführt. S. 841 der Printausgabe von 2006, hrsg. von Helmut Müller-Enbergs.

Die Schreibweise AnNa R. wurde nicht durchgängig verwendet. In allen Rosenstolz-Alben und -Singles von 1993 bis 1998, beginnend mit der Single Schlampenfieber (1993) bis einschließlich der Single Nur einmal noch / Herzensschöner (1998), wird bei den Textcredits die Variante „Anna Err“ benutzt. In den Gesamtcredits findet sich hingegen stets die Schreibweise AnNa R.Rosenstolz. 2006. Nur einmal noch (CD-Booklet). MFE Musik für Erwachsene. EAN: 4 012176 612327.Rosenstolz. 1996. Objekt der Begierde (CD-Booklet). Polydor. EAN: 7 31453 17372 9.Rosenstolz. 2007. Die Singles 92-07. Universal Music Group. EAN: 0602517448711. Im Booklet zum ersten Livealbum der Band Zuckerschlampen:Live (1999) steht als Gesang „Anna R.“, bei den Texten dagegen AnNa R.Rosenstolz. 1999. Zuckerschlampen:Live (CD-Booklet). Polydor. EAN: 7 314547 89424.

Politisches Engagement und Ansichten Ab den frühen 1990er-Jahren setzte AnNa R. sich zusammen mit Plate für Menschen mit HIV und AIDS ein. Rosenstolz sammelte auf den Konzerten Spenden und veranstalteten Benefizkonzerte. AnNa R. war überdies Gründungsmitglied des Kuratoriums der Berliner Aids-Hilfe. 2011 erhielt sie zusammen mit Plate den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland für ihre Bemühungen im Kampf gegen AIDS.

AnNa R. war Mitglied bei Sea-Watch. Sie bezeichnete es als „eine weltweite Katastrophe, dass es scheinbar völlig egal ist, wie viele Menschen nach wie vor auf der Flucht in den Meeren ertrinken“ und griff das Thema in ihrem Lied Meer voller Seelen (2023) auf. Dennoch glaubte sie daran, „dass die Menschlichkeit eines Tages siegen wird.“

Trotz des Albumtitels König:in (2023) stand sie dem Gendern eher kritisch gegenüber. Es verhindere nicht, dass die männliche Form zuerst komme. Mit dem Albumtitel wolle sie zum Nachdenken darüber anregen.

Unverständnis äußerte AnNa R. auch gegenüber einigen Gesten und Debatten in feministischen und emanzipatorischen Bewegungen: „Der gesellschaftliche Mief vergangener Zeiten lässt sich weder durchs Gendern noch durch sogenannte ‚feministische Außenpolitik' umkehren. Ich genieße meine Weiblichkeit, stehe aber oft rätselnd vor den Emanzipationszeichen unserer Zeit.“ Wichtiger sei, dass die queere Szene zusammenarbeite, mit einer Stimme spreche und sich nicht gegenseitig blockiere oder zerrede.