Die folgende Liste gibt einen Überblick über all jene Herrscher von Choresm, die den Titel „Choresm-Schah“ führten. Es werden insgesamt 4 Dynastien unterschieden.
Die Dynastie der Siyavuschiden bzw. Afrighiden Die meist unabhängig herrschenden Schahs sind aus antiken Schriftquellen und (ab der Zeitenwende) von Münzen bekannt. Die folgende Liste ist lückenhaft.
Siyavusch (aus dem Schahname bekannter iranischer Held, welcher der Legende nach im Jahre 1292 v. Chr. nach Choresmien kam und 92 Jahre später mit der Einsetzung seines Sohnes Kai-Chusrau als Schah die erste choresmische Herrscherdynastie begründete) Kai-Chosrau (Sohn Siyavuschs, welcher der Legende nach im Jahre 1200 v. Chr. die Herrschaft über Choresm erbte) Vischtaspa um 588 v. Chr. Farasman/Pharasmanes (um 328 v. Chr.; Zeitgenosse von Alexander dem Großen, welchem er in Samarkand selbstbewusst ein Bündnis anbietet) Artav (ca. 50–100 n. Chr.) Artramusch (um 200) Vasamar (um 250; befreite Choresm eventuell von der Kuschanherrschaft) Bivarsar I. (ca. 300–350) Bivarsar II. (ca. 300–350) Kawi oder Rawi (um 350) Sanabar (um 450) Rast (um 450) Sijawsparsch (um 450) King Wik oder Wir (um 450) Ramik (um 500) Tutuchas (um 500) Brawik (um 620) Schram (um 650) Askatvar (um 712) Kanik (um 725) Schavoschfar[n] (um 751; durch Münzen belegt; bat die Chinesen, in deren Quellen er als „Shao-she-fien“ erscheint, um Hilfe gegen die Araber) Azkaswar II. (um 775) Abdallah b. Aschkam (um 943/44; rebellierte gegen die Samaniden, unter deren Oberherrschaft sich Choresm seit dem frühen 10. Jh. befindet)
Herrscher aus der Afrighiden-Dynastie nach al-Bīrūnī Nur sehr wenige dieser 22 Schahs konnten bislang mit Sicherheit durch zeitgenössischen Denkmäler belegt werden.
Afrigh (begründete 305 die nach ihm benannte jüngere Linie der Siyavuschiden und verlegte die choresmische Hauptstadt (von Toprak-Kala?) nach Kath, wo er ein großes Schloss namens „al-Fir“ oder „al-Fil“ erbauen ließ) Baghra Sachassak Askadschamuk I. Askadschavar I. (durch Münzen belegt) Sachr I. Savosch Chamgri Buskar Arthamuch (Zeitgenosse des Propheten Mohammed) Sachr II. Sabri Askadschavar II. Askadschamuk II. (um 712, also während der Eroberung Choresms durch die Araber) Schavoschfar[n] (um 751; durch Münzen belegt; bat die Chinesen, in deren Quellen er als „Shao-she-fien“ erscheint, um Hilfe gegen die Araber) Torkasbatha Abdullah ibn Torkasbatha (frühes 9. Jh.; erster Choresm-Schah mit einem islamischen Namen = erster muslimischer Choresm-Schah?) Mansur ibn Abdullah Irak ibn Mansur (reg. 898) Muhammad ibn Irak (reg. 921) Abu Said Ahmad ibn Muhammad (reg. 967; durch Münzen belegt) Abu Abdallah Muhammad ibn Ahmad (gest. 995; durch Münzen belegt) (→ Sturz durch die Mamuniden von Gurgandsch)
Die Dynastie der Mamuniden (Choresm-Schahs in Gurgandsch) Abu Ali Mamun (I.) ibn Muhammad, kurz Maʾmūn ibn Muḥammad (reg. 995–997 unter der Oberherrschaft der Samaniden) Abu ʼl-Hasan Ali ibn Mamun, kurz ʿAlī ibn Maʾmūn (reg. 997–1008/9, zunächst noch unter der Oberherrschaft der Samaniden, dann faktisch unabhängig; durch Münzen belegt) Abu ʼl-Abbas Mamun (II.) ibn Mamun, kurz Maʾmūn ibn Maʾmūn (reg. 1008/9–1017) Abu ʼl-Harith Muhammad ibn Ali (reg. 1017) (→ Sturz durch Sultan Mahmud von Ghazna)
Die Dynastie der Altuntaschiden Abu Said Altun-Tasch (reg. 1017–1032, türkischer Militärsklave, welcher den Ghaznaviden als Statthalter in Choresm diente und dabei den Titel eines Choresm-Schahs führen durfte) Harun ibn Altun-Tasch (reg. 1032–1035, rebellierte 1034 gegen die Oberherrschaft der Ghasnaviden und machte sich unter Annahme des ihm von diesen nicht zugebilligen Choresm-Schah-Titels – nominell führte ihn Sultan Masuds Sohn Said – unabhängig) Ismail Chandan ibn Altun-Tasch (reg. 1035–1041 als unabhängiger Choresm-Schah) (→ Sturz der Dynastie und Eroberung Choresms durch den Oghusen-Herrscher (Yabghu) Schah-Malik, welcher den Choresm-Schah-Titel übernahm, aber seinerseits 1042/43 den Seldschuken weichen musste, die Choresm ihrem Reich einverleibten)
Die Dynastie der Anuschteginiden Anusch-Tegin Ghartschai (reg. 1077–?, nomineller Statthalter (Schihna) der Seldschuken in Choresm) Qutb ad-Din Abu ’l-Fath Arslan-Tegin Muhammad (reg. 1097–1127/28 als Vasall der Großseldschuken) Ala ad-Dunya wa-’d-Din Abu ’l-Muzaffar Qizil-Arslan Atsiz (reg. 1127/28–1156 als Vasall der Großseldschuken und (ab 1141) der Qara-Chitai; durch Münzen belegt) Tadsch ad-Dunya wa-’d-Din Abu ’l-Fath Il-Arslan (reg. 1156–1172 als Vasall der Qara-Chitai; durch Münzen belegt) Ala ad-Dunya wa-’d-Din Abu ’l-Muzaffar Tekisch (reg. 1172–1200 als Vasall der Qara-Chitai; durch Münzen belegt) Ala ad-Dunya wa-’d-Din Abu ’l-Fath Muhammad (reg. 1200–1220; machte sich 1210 von den Qara-Chitai (auch formal) völlig unabhängig; durch Münzen belegt) Dschalal ad-Dunya wa-’d-Din Abu ’l-Muzaffar Mengübirti (reg. 1220–1231; durch Münzen belegt) (→ Eroberung Choresms durch die Mongolen unter Dschingis-Chan im Jahre 1221)
Quellen, Literatur und Weblinks Stanley Lane-Poole: The Mohammadan Dynasties. Chronological and Genealogical Tables with Historical Introductions. Constable and Company, London 1894, S. 176–178. Ferdinand Justi: Iranisches Namenbuch. Elwert, Marburg 1895, S. 428. Eduard Sachau: Ein Verzeichnis Muhammedanischer Dynastien. In: Abhandlungen der Preussischen Akademie der Wissenschaften. Philosophisch-Historische Klasse. 1923, Nr. 1, , getrennte Zählung. Eduard von Zambaur: Manuel de généalogie et de chronologie pour l’historie de l’Islam. Librairie Orientaliste Lafaire, Hanover 1927, S. 208–209. Clifford Edmund Bosworth: The new Islamic dynasties. A chronological and genealogical manuel. Paperback edition. Edinburgh University, Edinburgh 2004, ISBN 0-7486-2137-7, S. 178–180. ZENO.RU Oriental Coins Database
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