Basisdaten Landeskirche: Evangelische Landeskirche in Württemberg Prälatur: Heilbronn Fläche: 230 km² Gliederung: 23 Kirchengemeinden Gemeindeglieder: ca. 68.549 (31. Dez. 2009) Adresse desDekanatamtes: Wilhelmstr. 1874072 Heilbronn Dekan: Christoph Baisch Karte 200px|zentriert|Lage des Kirchenbezirks Heilbronn innerhalb der Evang. Landeskirche in Württemberg
Der Evangelische Kirchenbezirk Heilbronn war ein Kirchenbezirk der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Sein Gebiet war deckungsgleich mit dem Dekanat Heilbronn. Zum 1. Januar 2025 fusionierte er mit dem Kirchenbezirk Brackenheim zum Kirchenbezirk Heilbronn-Brackenheim.
Geografie Der Kirchenbezirk Heilbronn lag im Norden der württembergischen Landeskirche. Sein Gebiet umfasste den Stadtkreis Heilbronn sowie einige Gemeinden des Landkreises Heilbronn rund um die Stadt Heilbronn, nämlich das Gebiet der politischen Städte und Gemeinden Bad Wimpfen, Flein, Leingarten, Ilsfeld, Talheim, Untereisesheim und Untergruppenbach sowie die Stadtteile Bonfeld und Fürfeld der Stadt Bad Rappenau und den Stadtteil Obereisesheim der Stadt Neckarsulm.
Nachbarkirchenbezirke Der Kirchenbezirk Heilbronn grenzte zuletzt an folgende Kirchenbezirke (im Uhrzeigersinn beginnend im Nordosten): Weinsberg-Neuenstadt (Prälatur Heilbronn), Besigheim und Marbach (beide Prälatur Stuttgart) sowie Brackenheim (Prälatur Heilbronn). Im Nordwesten hatte der Kirchenbezirk eine Grenze mit der Evangelischen Landeskirche in Baden (Kirchenbezirk Kraichgau).
Geschichte mini|hochkant=1.1|Evang. Kilianskirche Heilbronn
Das Dekanat Heilbronn wurde erst 1803 errichtet, nachdem die ehemals Freie Reichsstadt Heilbronn an Württemberg gelangte. Es erhielt neben den ehemals reichsstädtischen Gemeinden auch einige Gemeinden der benachbarten Dekanate Brackenheim, Lauffen am Neckar, Marbach und Weinsberg und ist bis heute eines der jüngeren Dekanate der Landeskirche. Seit 1823 ist es dem Generalat (heute Prälatur) Heilbronn zugeordnet.
Infolge der Auflösung einiger Kreise bzw. Oberämter in Württemberg 1939 wurden auch die kirchlichen Verwaltungsbezirke teilweise neu gegliedert. So wurden mit Wirkung vom 1. April 1939 die Kirchengemeinde Ilsfeld vom Kirchenbezirk Besigheim sowie die Kirchengemeinde Klingenberg vom Kirchenbezirk Brackenheim in den Kirchenbezirk Heilbronn umgegliedert.
Zum 1. Januar 2025 wurde der Kirchenbezirk aufgehoben und die Gemeinden mit denen des Kirchenbezirks Brackenheim im neuen Kirchenbezirk Heilbronn-Brackenheim zusammengeschlossen, der zugleich Rechtsnachfolger der beiden Kirchenbezirke ist.
Leitung des Kirchenbezirks Die Leitung des Kirchenbezirks oblag der Bezirkssynode, dem Kirchenbezirksausschuss (KBA) und dem Dekan.
Dekane des Kirchenbezirks Heilbronn seit 1803 mini|Sitz des Dekanats in der Wilhelmstr.18 in Heilbronn 1803–1813 Christian Friedrich Duttenhofer 1814–1831 Karl Wilhelm Viktor Andler 1831–1846 Christoph Samuel Denzel 1846–1853 Ludwig Ferdinand Heyd 1853–1864 Eduard Emil Koch 1864–1871 Paul Friedrich Lang 1871–1884 D. Dr. Karl Johann Friedrich von Lechler (1820–1903) 1884–1887 Theodor Friedrich Weitbrecht 1887–1894 Karl von Berg (1837–1921) 1894–1906 Theodor Karl Hermann 1906–1917 Dr. Hermann Paul Dopffel (1851–1943) 1917–1928 Hermann Eytel 1928–1929 Karl August Wilhelm Gauß (1869–1945) 1929–1935 Karl Hoß (1874–1949) 1935–1947 D. Dr. Julius Rauscher 1947–1957 Theodor Gerhardt (1890–1966) 1957–1969 Dr. Günther-Joachim Siegel (* 1903) 1970–1988 Gerhard Simpfendörfer (1924–2019) 1988–1994 Dr. Martin Polster (* 1938) 1994–2008 Hansjürgen Thomann (* 1944) 2008–2017 Otto K. Friedrich (* 1952) 2018–2024 Christoph Baisch (anschließend Dekan des neuen Kirchenbezirks Heilbronn-Brackenheim)
Kirchengemeinden Im Kirchenbezirk Heilbronn gab es zuletzt 23 Kirchengemeinden. Davon haben sich sieben Kirchengemeinden zur Gesamtkirchengemeinde Heilbronn zusammengeschlossen, bleiben aber weiterhin selbständige Körperschaften des öffentlichen Rechts. Die jeweils in Klammern hinter dem Namen der Kirchengemeinde angegebenen Gemeindegliederzahlen beziehen sich auf das Jahr 2005 und sind gerundet.
Da das Gebiet des Kirchenbezirks Heilbronn einerseits zur Reichsstadt Heilbronn und andererseits zu Württemberg gehörte und beide Herrschaftsgebiete die Reformation einführten, ist das gesamte Gebiet überwiegend evangelisch geprägt. Somit gibt es auch fast in jedem Dorf eine evangelische Kirchengemeinde und meist auch eine alte Kirche. In fast allen Orten (außer Heilbronn und Sontheim) zogen Katholiken überwiegend erst nach dem Zweiten Weltkrieg zu. Lediglich Biberach, Kirchhausen, Sontheim und Talheim waren ganz oder überwiegend katholisch. Im zunächst reformierten Ort Biberach siedelte der Deutsche Orden Ende des 17. Jahrhunderts wieder Katholiken an, Kirchhausen und Sontheim waren als Besitzungen des Deutschen Ordens stets ganz katholisch und Talheim war infolge der Gegenreformation, die sich in einem Teil des Ortes durchsetzte, seit dem 17. Jahrhundert ebenfalls mehrheitlich katholisch. Doch gab es in Biberach und Talheim seit der Reformation stets eine evangelische Gemeinde.
Die 27 Kirchengemeinden arbeiteten in sieben Distrikten zusammen: Zum Distrikt Nord gehören die Kirchengemeinden Bad Wimpfen, Biberach-Kirchhausen, Bonfeld, Fürfeld, Hohenstadt, Obereisesheim und Untereisesheim, zum Distrikt West die Kirchengemeinden Frankenbach, Großgartach, Neckargartach und Schluchtern, zum Distrikt Böckingen und Klingenberg, die beiden Böckinger Kirchengemeinden und die Kirchengemeinde Klingenberg und zum Distrikt Süd die Kirchengemeinden Flein, Horkheim, Ilsfeld, Talheim und Untergruppenbach. Die restlichen drei Distrikte bilden die einzelnen Kirchengemeinden der Gesamtkirchengemeinde Heilbronn und zwar der Distrikt „Wartberg“ (mit der Kiliansgemeinde, der Nikolaigemeinde und der Kirchengemeinde Wartberg-Au), der Distrikt „Lerchenberg“ (mit der Friedensgemeinde und der Südgemeinde) sowie Distrikt „Staufenberg“ (mit der Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde, der Emmausgemeinde und der Matthäusgemeinde).
Bad Wimpfen mini|links|hochkant=0.9|Evangelische Stadtkirche Bad Wimpfen
Die Kirchengemeinde Bad Wimpfen (ca. 3.000) umfasst die Stadt Bad Wimpfen ohne den Stadtteil Hohenstadt. Die Reformation fand in Wimpfen ab 1523 erste Anhänger, doch konnte die Protestanten im Rat erst 1574 die Mehrheit erlangen. Dennoch gab es auch weiterhin Katholiken in der Stadt, insbesondere ist hier das Stift St. Peter in Wimpfen im Tal zu erwähnen, das stets katholisch blieb und bis 1803 reichsunmittelbar war. Evangelische Hauptkirche war nach der Reformation ab 1588 die Stadtkirche, ehemals Kirche St. Maria, deren Turmuntergeschosse noch romanisch sind. Der Chor wurde im 13. Jahrhundert umgebaut. Weitere Umbauten gab es im 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts. Für die Protestanten in Wimpfen im Tal gab es die Georgskirche, eine wohl im 13. Jahrhundert erbaute Kirche, die dem Stift Wimpfen inkorporiert war. Sie wurde jedoch 1784 durch Eisgang schwer beschädigt und musste abgebrochen werden. Die Gemeinde nutzte dann die Cornelienkirche, ein im 14. Jahrhundert erbautes Gebäude, das seit 1584 in städtischem Besitz und seit 1740 als Heuschober genutzt war. Diese Kirche wurde 1920 renoviert. mini|hochkant=0.9|Evang. Cornelienkirche Bad Wimpfen
Da die ehemals Freie Reichsstadt 1803 an Hessen-Darmstadt, dem späteren Großherzogtum Hessen gelangt war, gehörte die evangelische Kirchengemeinde auch zur dortigen Landeskirche (heute Evangelische Kirche in Hessen und Nassau). Erst 1968 wurde die Kirchengemeinde in die württembergische Landeskirche umgegliedert.
Biberach-Kirchhausen-Fürfeld mini|hochkant=0.9|links|Evang. Kirche Biberach
Zur Kirchengemeinde Biberach-Kirchhausen-Fürfeld fusionierten 2021 die Kirchengemeinden Biberach-Kirchhausen und Fürfeld.Website der Kirchengemeinde.
Die Kirchengemeinde Biberach-Kirchhausen (ca. 3.600) umfasste die Stadtteile Biberach und Kirchhausen der Stadt Heilbronn. Eine Kirche zu den Hl. Cornelius, Cyprian und zum Hl. Kreuz wird in Biberach 1496 erstmals erwähnt. Über den Wormser Dompropst gelangte die Kirche an die Stadt Wimpfen, welche die Reformation einführte. 1681 gelangte der Ort an den Deutschen Orden, der wieder Katholiken ansiedelte. Daher wurde ab 1685 die Dorfkirche fortan simultan genutzt. Die Katholiken wurden von der Nachbarpfarrei Kirchhausen betreut. 1862 erbaute sich die katholische Gemeinde eine eigene Kirche im neugotischen Stil. Seither dient die alte Dorfkirche allein der evangelischen Kirchengemeinde als Gottesdienstraum.
Zur evangelischen Kirchengemeinde zählen auch die Protestanten aus dem Nachbarort Kirchhausen, der stets katholisch war. Evangelische Bewohner zogen dort überwiegend erst nach dem Zweiten Weltkrieg zu. Die Kirchengemeinde hieß daher zunächst nur „Kirchengemeinde Biberach“. Durch Bekanntmachung des Oberkirchenrats vom 19. August 1985 wurde sie in „Kirchengemeinde Biberach-Kirchhausen“ umbenannt. 1986 wurde die Dietrich-Bonhoeffer-Kirche in Kirchhausen eingeweiht.
mini|hochkant=0.9|Evang. Kirche Bad Rappenau-Fürfeld Die Kirchengemeinde Fürfeld (ca. 950) umfasst den Stadtteil Fürfeld der Stadt Bad Rappenau. Kirchlich gehörte Fürfeld zur Nachbargemeinde Bonfeld. Die Herren von Gemmingen errichteten dann eine eigene Pfarrei. Eine Kirche zum Hl. Kreuz kam 1430 an die Stiftskirche St. Peter, die sie an die Herren von Gemmingen verkaufte. Sie diente bis ins 19. Jahrhundert als Pfarrkirche und wurde nach dem Neubau der Evangelischen Kirche 1873 profaniert. Die von Albert Barth erbaute heutige Kirche wurde in den 1950er und 1960er Jahren innen und außen renoviert.
Böckingen-Klingenberg mini|hochkant=0.9|links|Evang. Pankratiuskirche Heilbronn-Böckingen
Zur Kirchengemeinde Böckingen-Klingenberg fusionierten 2023 die Kirchengemeinden Böckingen und Klingenberg.Website der Kirchengemeinde.
Im Zeitraum von 12. November 1989 bis Ende 2010 waren die je selbständigen Stadtkirchengemeinde Böckingen und die Auferstehungskirchengemeinde Böckingen zur Gesamtkirchengemeinde Böckingen (ca. 9.100) zusammengeschlossen. Mit Wirkung vom 1. Januar 2010 wurde die alleinige Kirchengemeinde Böckingen wiederhergestellt. Sie umfasste den Stadtteil Böckingen der Stadt Heilbronn.
Bereits 795 wird eine Kirche in Böckingen erwähnt, als eine Basilika, die ab 1291 St. Pankratius genannt wird, an das Kloster Lorsch kam. Der Kirchensatz gelangte über die Herren von Böckingen und deren Erben 1736 an die Reichsstadt Heilbronn, welche bereits 1532 die Reformation eingeführt hatten. Die Pankratiuskirche wurde 1900/01 von Dolmetsch umgebaut und vergrößert. Dabei erhielt der Turm ein weiteres Stockwerk. Nach Kriegszerstörungen wurde sie wieder aufgebaut.
hochkant=0.8|mini|Auferstehungskirche Infolge starken Zuzugs wurde 1958/59 in Böckingen eine weitere Kirche, die Auferstehungskirche, erbaut und dort (1989–2010) eine eigene Kirchengemeinde für den Norden des Stadtteils Böckingen errichtet. Der Wohnbezirk Haselter war während dieser Zeit Teil der Stadtkirchengemeinde.
mini|links|hochkant=0.8|Versöhnungskirche 1996 entstand im Holunderweg eine weitere evangelische Kirche, die Versöhnungskirche. Zunächst war beabsichtigt, auch dort eine eigenständige Teilkirchengemeinde innerhalb der Gesamtkirchengemeinde Böckingen zu bilden. Dies wurde jedoch wegen rückläufiger Gemeindegliederzahlen nicht realisiert. Die Versöhnungskirche war zweite Predigtstelle der Auferstehungskirchengemeinde Böckingen.
mini|hochkant=0.8|Evangelische Kirche Klingenberg Die Kirchengemeinde Klingenberg (ca. 1.000) umfasste den Stadtteil Klingenberg der Stadt Heilbronn. Schon um 1300 wird eine Kirche erwähnt, die dem Kloster Weißenburg gehörte und anschließend badisches Lehen der Ortsherrschaft war. Die Herren von Neipperg, Ortsherren seit dem frühen 15. Jahrhundert, führten die Reformation ein und bauten die Evangelische Kirche Klingenberg verschiedentlich aus.