mini|Grímsvötn im Vatnajökull mini|Breiðamerkurjökull
Der Vatnajökull [] (isl. für „Wassergletscher“) ist der größte Gletscher Islands und zudem außerhalb des Polargebiets auch der größte Europas. Es handelt sich um einen Plateaugletscher im Südosten des Landes. Seine Fläche beträgt rund 7.700 km², was etwa 8 % der Fläche Islands entspricht. Das Eisvolumen wird auf über 3.000 km³ geschätzt.Helgi Björnsson: Vísindavefurinn Háskóla Íslands (isländisch) abgerufen am 17. April 2011
Geografie Die Mächtigkeit der Eisschicht beträgt bis zu 1000 Meter. Einige der aktivsten Vulkane der Insel liegen unter dem Gletscher und zwischen ihnen ein ca. 500 bis 800 m tiefes Tal. Seit dem 12. September 2004 lagen über 50 % des Vatnajökull im Skaftafell-Nationalpark, der am 7. Juni 2008 in den neu gegründeten Vatnajökull-Nationalpark eingegliedert wurde, der nun der größte Nationalpark Europas ist. Im Süden des Vatnajökull-Nationalparks befindet sich der Morsárfoss, der höchste Wasserfall Islands.
Etymologie
Vatnajökull bedeutet so viel wie „Wassergletscher“.Vatnajökull Gletscher; abgerufen am 17. Juli 2011
Glaziologie Entstehen und Wachsen des Gletschers Wie viele andere Gletscher Islands entstand der Vatnajökull vor etwa 2.500 Jahren.
Zur Zeit der Landnahme im 9. Jahrhundert n. Chr. war der Gletscher bedeutend kleiner als heute. So lagen etwa die Esjufjöll (nicht zu verwechseln mit der Esja bei Reykjavík) außerhalb des eigentlichen Gletschers, während sie sich heute in dessen Mitte befinden.
Im 15. Jahrhundert begann die sog. Kleine Eiszeit, die in Island bis ca. 1890 dauerte. Der Vatnajökull vergrößerte sich infolgedessen.
Verringerung der Eisfläche Seit einigen Jahren verliert der Vatnajökull wie die meisten Gletscher an Größe, seit dem Ende des 19. Jahrhunderts um 10 %, d. h. ca. 300 km³, was einen Beitrag um 1 mm zur derzeitigen Anhebung des Meeresspiegels bedeutet.Since a general glacier recession set in at the end of the 19th century, the largest icecap, Vatnajökull, has decreased by about 10 % in volume (300 km³),contributing 1 mm to the concurrent rise in sea level. In: Helgi Björnsson, Finnur Pálsson: (PDF; 2,1 MB) Univ. of Iceland, 2008. Abgerufen am 25. Februar 2010. Als mögliche Gründe werden die globale Klimaveränderung (Treibhauseffekt) und die vulkanischen Aktivitäten der letzten Jahre – die unter dem Gletscher liegenden Vulkane Grímsvötn und Bárðarbunga gehören zu den aktivsten der Insel – angeführt (vgl. auch Gletscherschwund).
In direktem Zusammenhang damit steht auch die Anhebung des Landes. Die Schwere der Eiskappe, die auf dem Land lastet, verringert sich. Infolgedessen hebt sich das betroffene Land.
Vulkanische Aktivität Die höchste Erhebung Islands mit 2.110 Meter ü. d. M., der Vulkan Hvannadalshnjúkur, befindet sich im Süden des Vatnajökull.
Unter der Eiskappe des Vatnajökull gibt es etliche aktive Vulkanzentren bzw. subglaziale Vulkane: Geophysic Devision of the Science Institute, Univ. of Iceland [Übersicht über die großen subglazialen Vulkane unter dem Vatnajökull und mit ihnen verbundene Gefahren, Vulkanolog. Inst., Háskóli Íslands] (englisch); abgerufen am 20. April 2011
Im Westen die Grímsvötn, das aktivste Vulkansystem Islands mit Gjálp, Þórðarhyrna und Pálsfjall Im Nordwesten die Bárðarbunga, zu deren System auch Loki-Fögrufjöll (auch: Hamarinn oder Lokahryggur) gehört Im Norden der Kverkfjöll und im Südosten Esjufjöll und Öræfajökull mit dem Hvannadalshnúkur
Ein Hochtemperatursystem mit Einbruchskesseln befindet sich westlich der Grímsvötn, die Skaftárkatlar. Unter den Kesseln sammelt sich jeweils in einem Rhythmus von 3 Jahren bis zu einmal jährlich Tauwasser, das ähnlich wie bei den Grímsvötn schließlich eine Eisbarriere durchbricht und über den Fluss Skaftá ins Meer strömt.Skaftárkatlar. Vöktun eldstöðvar. Jarðvísindastofnun Háskólans (isländisch); abgerufen am 5. August 2011 Diese Gletscherläufe haben aber normalerweise nur einen recht kleinen Umfang von 400 bis 1.500 m³/s. Weil sie aber sehr schnell anwachsen können und u. U. giftige Gase mit sich tragen, werden die Skaftárkatlar gut überwacht.vgl. z. B. Bergur Einarsson: Rannsóknir á jökulhlaupi frá vestari Skaftárkatli. Veðurstofa Íslands, 27. Juli 2009 (isländisch); abgerufen am 5. August 2011
Am 1. November 2004 fand ein Ausbruch an den Grímsvötn statt, der eine Flut über den Skeiðarársandur schickte. Die Überschwemmung kam jedoch keineswegs an die Flut von 1996 heran und betrug an ihrem Höchststand nur 2.000 m³/s. Die Region musste während dieser Eruption nicht evakuiert werden. Lediglich der Flugverkehr wurde teilweise umgeleitet. Bereits am 3. November waren in Finnland Aschepartikel der Eruption nachweisbar.
Die Bárðarbunga ist zuletzt von August 2014 bis Februar 2015 aktiv gewesen, die Grímsvötn zuletzt im Mai 2011.
Gletscherlauf am Köldukvíslarjökull mini|links|Gletschersee Jökulsárlón am Vatnajökull Am 12. und 13. Juli 2011 stellte man Tremor am Vulkan Loki-Fögrufjöll fest, dem ein Gletscherlauf aus dem zum Vatnajökull gehörenden Seitengletscher Köldukvíslarjökull über den Fluss Sveðja folgte. Dieser wurde größtenteils vom Stausee Hágöngulón aufgefangen, wobei der Wasserstand in dem 37 km² großen See um 70 Zentimeter anstieg.Órói við Lókahrygg í Vatnajökli. Veðurstófan Íslands (isländisch); abgerufen am 17. Juli 2011vgl. auch: Hlaupið að líkindum yfirstaðið. ruv.is, 13. Juli 2011 (isländisch); abgerufen am 17. Juli 2011 Die Menge der Flüssigkeit wurde auf 26 Millionen Kubikmeter geschätzt.Hágöngulón fylltist í hlaupinu. mbl.is, 13. Juli 2011 (isländisch); abgerufen am 17. Juli 2011 Auf seinem Höhepunkt zwischen 2 Uhr und 4 Uhr in der Nacht zum 13. Juli 2011 strömten über 2.000 m³/s in den Stausee.Hlaupið í rénun, Webzeitung Vísir, 13. Juli 2011 (isländisch); abgerufen am 17. Juli 2011 Bei einem Überflug des Gletschers stellte man am Hamarinn einen neu entstandenen Einbruchskessel im Gletschereis fest.Sigketill við Lokahrygg. Veðurstófan Íslands, 14. Juli 2011 (isländisch); abgerufen am 17. Juli 2011 Bei einem erneuten Flug über den Gletscher am 18. Juli 2011 fanden Wissenschaftler zwei neue Einbruchskessel und brachten am Hamarinn Messgeräte an. Auch entnahm man Proben aus dem Wasser des Flusses Sveðja, um zu untersuchen, ob der Gletscherlauf auf regelmäßiges Abtauen durch das neu entdeckte Hochtemperaturgebiet am Hamarinn, wobei sich das Wasser erst in einem subglazialen See gesammelt hätte und dann nach Erreichen einer kritischen Menge durchgebrochen wäre, oder aber auf einen subglazialen Vulkanausbruch zurückzuführen sei.Fréttir, RÚV, 19. Juli 2011 [Abendnachrichten des staatlichen Fernsehsenders RÚV] (isländisch); abgerufen am 19. Juli 2011
Übersicht über Vulkanausbrüche in Vulkansystemen unter dem Vatnajökull seit der Besiedelung Islands Zahlreiche Vulkanausbrüche können nur vermutet werden, da ihre Kraft nicht ausreichte, den bis zu 900 m dicken Gletscher über sich abzutauen und sie sich nur etwa über Gletscherläufe bemerkbar machten. Die Übersicht folgt i. A. Darstellungen des Vulkanologischen Instituts der Universität Island (Institute for Earth Sciences) Geophysical Institute, Univ. Iceland (englisch); abgerufen am 20. Juli 2011Zu den Ausbrüchen ab 1996: Institute of Earth Sciences, Univ. Iceland (englisch); abgerufen am 20. Juli 2011
Vulkan Jahr Vulkansystem Begleitender Gletscherlauf (Fluss)Veiðivötn 900 Bárðarbunga 905 Grímsvötn 940 Bárðarbunga unbekannter Ursprung 1000 1060 Grímsvötn 1080 Bárðarbunga 1159 Bárðarbunga 1332 Grímsvötn Skeiðará 1341 Grímsvötn 1354 Grímsvötn Öræfajökull 1362 Öræfajökull diverse Flüsse 1410 Bárðarbunga Veiðivötn 1477 Bárðarbunga Jökulsá á Fjöllum 1500 Grímsvötn 1598 Grímsvötn 1603 Grímsvötn 1619 Grímsvötn 1629 Grímsvötn Skeiðará 1638 Grímsvötn 1659 Grímsvötn Skeiðará unbekannter Ursprung 1681 1684–85 Grímsvötn, Dyngjufjöll 1697 Bárðarbunga Skeiðará unbek. Ursprung (1702, ungewiss) 1706 Grímsvötn, Bárðarbunga 1707 Bárðarbunga 1711–12 Bárðarbunga Jökulsá á Fjöllum 1716 Grímsvötn, Bárðarbunga Jökulsá á Fjöllum 1717 Bárðarbunga Jökulsá á Fjöllum 1720 Bárðarbunga 1725 Grímsvötn Skeiðará 1726 Dyngjufjöll, Richtung Grímsvötn Jökulsá á Fjöllum Öræfajökull 1727 Öræfajökull diverse Flüsse unbek. Ursprung 1729 Jökulsá á Fjöllum 1739 Bárðarbunga Síðujökull 1753 Djúpá, Hverfisfljót, Skaftá 1766 Bárðarbunga Þjórsá unbek. Ursprung 1768 1769 Bárðarbunga oder Grímsvötn 1766 Bárðarbunga Þjórsá 1774 Grímsvötn Skeiðará Laki 1783 Grímsvötn Skaftá, Þjórsá 1784–85 Grímsvötn Núpsvötn, Skeiðará Westlicher Vatnajökull 1794, vermutlich Nordwestlicher Vatnajökull, Dyngjuháls 1798 Nordwestlicher Vatnajökull 1807, vermutlich 1816 Grímsvötn Þórðarhýrna 1823 Grímsvötn 1838 Grímsvötn Skeiðará 1854 Grímsvötn 1861 Grímsvötn Skeiðará Tröllagígar 1862–64 Bárðarbunga Háabunga, Þórðarhýrna 1867 Grímsvötn Skeiðará Dyngjuháls (1872, unsicher) Bárðarbunga Þórðarhýrna 1873 Grímsvötn Skeiðará, Djúpá 1883 Grímsvötn Skeiðará 1883 Grímsvötn, Kverkfjöll Skeiðará Þórðarhýrna 1887 Grímsvötn Súla 1892 Grímsvötn Skeiðará 1897 Grímsvötn Dyngjuháls 1902–03 Bárðarbunga Jökulsá á Fjöllum Þórðarhýrna 1903 Grímsvötn Skeiðará, Súla unbek. Ursprung 1903 Jökulsá á Brú Östlichster Loki-Kessel 1910 1911 Grímsvötn Skeiðará, Súla 1927 Esjufjöll Jökulsá á Breiðarmerkursandi unbek. Ursprung 1933 Skjálfandafljót Nördlich der Grímsvötn 1933 Grímsvötn 1934 Grímsvötn Skjálfandafljót, Skeiðará, Súla, Jökulsá á Fjöllum 1938 Grímsvötn Skeiðará (1941, vermutet) Grímsvötn Skeiðará (1944, vermutet) Grímsvötn Skeiðará (1954, vermutet) Grímsvötn Skeiðará 1968 Kverkfjöll 1983 Grímsvötn 1984 Grímsvötn Östlichster Loki-Kessel (1986, vermutet) Bárðarbunga Skaftá 1996 Bárðarbunga Gjálp 1996 Grímsvötn Skeiðará, Súla, Skjálfandafljót, Jökulsá á Fjöllum Grímsvötn 1998 Grímsvötn Skeiðará, Súla Grímsvötn 2004 Grímsvötn Skeiðará, Súla Grímsvötn (2010, vermutet) Grímsvötn Skeiðará, Súla Grímsvötn 2011 Grímsvötn Hamarinn (2011, vermutet) Bárðarbunga Sveðja Holuhraun 2014 Bárðarbunga
Vatnajökull-Nationalpark
Seit 2008 besteht der Nationalpark Vatnajökull. Er umfasst 12.000 km², das sind 12 % der Landesoberfläche. Der Vatnajökullgletscher liegt in ihm ebenso wie der ehemalige Skaftafell-Nationalpark, der Jökulsárgljúfur-Nationalpark und der Laki-Krater. Er ist in einen nördlichen, südlichen, westlichen und östlichen Bereich aufgeteilt.
Siehe auch Geographie Islands Gletscher Islands Vulkane in Island Liste von Bergen und Erhebungen in Island Jökulsárlón – Gletschersee am Südrand Breiðárlón – Gletschersee
Literatur Ari Trausti Guðmundsson: Lebende Erde. Facetten der Geologie Islands. Mál og Menning, Reykjavík 2007, S. 219–253. Ari Trausti Guðmundsson, Halldór Kjartansson: Land im Werden. Ein Abriss der Geologie Islands. Vaka-Helgafell, Reykjavík 1996, S. 35–48. Hjörleifur Guttormsson, Oddur Sigurðson: Leyndardómur Vatnajökuls. Viðerni, fjöll og byggðir. Stórbrotin náttúra, eldgos og jökulhlaup. Fjöll og firnindi, Reykjavík 1997, ISBN 9979-60-325-9
Weblinks Bilder
Panoramabild Vatnajökull Panoramabild eines Seitengletschers, des Síðujökull
Wissenschaftl. Artikel
Zur Glaziologie David J.E.Evans, David R. Twigg: The active temperate glacial landsystem: a model based on Breiðamerkurjökull and Fjallsjökull, Iceland. Dept. of Geography and Topographic Science, Glasgow August 2002 (englisch). doi:10.1016/S0277-3791(02)00019-7. (wissenschaftliche Beschreibung der Entwicklung des Breiðamerkurjökull, einer südlichen Auslassgletscher) Stefan Bürger et al.: Zeitliche Schwereänderung und glazio-isostatische Ausgleichsbewegung am Vatnajökull, Südost-Island. Dgg-online. Mitteilungen 2002 Univ. Mainz, Max-Planck-Inst. u. Inst. f. Geowissenschaften Potsdam. (Isostatische Veränderungen am Vatnajökull) Wolfgang Jacoby et al.: Temporal Gravity Variations near Shrinking Vatnajökull Ice Cap, Iceland. In: Pure and applied Geophysics, Vol. 166, no.8–9, 2009, doi:10.1007/s00024-009-0499-9 (Gravitationsveränderungen am Vatnajökull, div. deutsche Universitätsinst.) (englisch)