Die südafrikanische Rugby-Union-Nationalmannschaft ist die Nationalmannschaft Südafrikas in der Sportart Rugby Union und repräsentiert das Land bei allen Länderspielen (Test Matches) der Männer. Die Mannschaft ist besser bekannt unter ihrem englischen Spitznamen Springboks, benannt nach der Springbock-Antilope. Umgangssprachlich wird das Team auf Afrikaans als Springbokke und auf isiXhosa sowie isiZulu als amaBokoboko bezeichnet (in deren Kurzformen auch Boks oder Bokke genannt). Rugby Union wird als eine der Nationalsportarten Südafrikas betrachtet und die Nationalmannschaft hat gegen fast jeden bisherigen Gegner eine positive Gewinnbilanz, mit Ausnahme der „All Blacks“ aus Neuseeland.
Seine wichtigsten internationalen Auftritte hat das Team bei den alle vier Jahre stattfindenden Weltmeisterschaften. Bisher konnte Südafrika viermal den Weltmeistertitel erringen, bei der Erstteilnahme 1995 sowie in den Jahren 2007, 2019 und 2023. Die Springboks sind somit bisher die einzigen Vierfachweltmeister. Seit 1996 nehmen sie am jährlich stattfindenden Turnier Rugby Championship teil (bis 2011 als Tri Nations bekannt). Teilnehmer sind die vier besten Nationalmannschaften der südlichen Hemisphäre: Neben den Springboks sind dies die „Pumas“ aus Argentinien, die „Wallabies“ aus Australien und die „All Blacks“. Das Team hat das Tri Nations dreimal für sich entschieden (1998, 2004 und 2009) und dreimal den Nachfolger Rugby Championship (2019, 2024 und 2025).
1891 trugen die Springboks ihr erstes Test Match gegen die British Lions aus, eine Auswahlmannschaft der vier britischen Home Nations. Bis zur Professionalisierung Mitte der 1990er Jahre war Rugby Union ein Amateursport, der auf internationaler Ebene von zum Teil monatelangen Touren ins Ausland geprägt war, bei denen die Nationalteams nicht nur gegeneinander antraten, sondern auch gegen Regionalauswahlen und Vereinsmannschaften. Während der Zeit der Apartheid mussten die Springboks aufgrund von Boykottmaßnahmen unter anderem auf die Teilnahme an den beiden ersten Weltmeisterschaften in den Jahren 1987 und 1991 verzichten.
Seit jeher gehört die in gold-grünen Trikots und weißen Hosen auftretende Mannschaft zu den besten der Welt und der Zentralverband des Landes, die South African Rugby Union (SARU) zählt neben zehn anderen zur ersten Stärkeklasse (first tier) des Weltverbandes World Rugby. Die Nationalmannschaft ist aktuell (September 2026) auf dem ersten Platz der World-Rugby-Weltrangliste. 2004, 2007, 2009 und 2019 zeichnete World Rugby sie als „Mannschaft des Jahres“ aus. 14 ehemalige Spieler wurden in die World Rugby Hall of Fame aufgenommen.
Organisation
mini|Karte der südafrikanischen Regionalverbände und deren Mannschaften Verantwortlich für die Organisation von Rugby Union in Südafrika ist die South African Rugby Union (SARU), bis 2005 South African Rugby Football Union (SARFU) genannt. Sie entstand 1992 aus der Vereinigung des „weißen“ South African Rugby Board und der für alle „Rassen“ offen stehenden South African Rugby Union. Im Juli desselben Jahres trat der südafrikanische Verband der Confédération Africaine de Rugby (; ; heute Rugby Africa, RA), bei und ist seitdem der mit Abstand größte Verband des Kontinents. Bereits 1949 wurde der südafrikanische Verband Vollmitglied des International Rugby Football Board (IRFB; heute World Rugby). Die SARU besteht aus 14 Regionalverbänden, die jeweils eine eigene Mannschaft für den Currie Cup, den ältesten und wichtigen Ligatitel in Südafrika, abstellen. Daneben wurde von 1998 bis 2019 die jährliche SuperSport Rugby Challenge ausgetragen.
Neben der eigentlichen Nationalmannschaft ruft die SARU weitere Auswahlmannschaften zusammen. Die Junior Springboks sind die U-20-Nationalmannschaft und nehmen an der entsprechenden Rugby Championship sowie den Weltmeisterschaften teil. Hinzu kommen die Blitzboks, die Nationalmannschaft für Siebener-Rugby. Kinder und Jugendliche werden bereits in der Schule an den Rugbysport herangeführt und je nach Interesse und Talent beginnt dann die Ausbildung. Die talentiertesten Spieler auf Schulebene werden jährlich nach der Craven Week (benannt nach Danie Craven) im Team SA Schools zusammengeführt. Jede südafrikanische Universität besitzt eine eigene Rugbymannschaft, die am Varsity Cup und am Varsity Shield teilnehmen kann.
Der nationalen Meisterschaft übergeordnet ist die zusammen mit Mannschaften aus Irland und Wales sowie je zwei Franchises aus Italien und Schottland ausgetragene internationale Meisterschaft United Rugby Championship. Dabei ist Südafrika mit vier Franchises vertreten, die von der SARU betreut werden: Die Bulls aus Pretoria, die Lions aus Johannesburg, die Sharks aus Durban und die Stormers aus Kapstadt. Da sich die Spielzeiten nur wenig überschneiden, kommen zahlreiche Spieler in beiden Profiligen zum Einsatz.
Geschichte Einführung des Rugbysports in Südafrika mini|Landschaft bei Stellenbosch, wo 1883 der Stellenbosch Club gegründet wurde Im Jahr 1861 wurde George Ogilvie Rektor des Diocesan College, eines renommierten Internats in Kapstadt. Er machte den Schülern ein als Gog’s Game bekanntes fußballähnliches Spiel bekannt, so wie es am Winchester College in England unterrichtet wurde. Das Spiel ähnelte dem heutigen Rugby schon sehr und wird als Beginn des Rugbysports in Südafrika angesehen. Unter den Jugendlichen und den jungen Erwachsenen Kapstadts erlangte es schnell an Beliebtheit. Am 23. August 1862 fand im Stadtteil Green Point das erste offizielle Spiel zwischen 17 Offizieren der Armee und 15 Beamten (darunter der spätere Premierminister der Kapkolonie John X. Merriman) statt und endete 0:0. Die lokale Presse berichtete von mehreren Fußballspielen zwischen ad hoc zusammengestellten Mannschaften wie „Stadt gegen Vororte“ oder „Daheim (Britisch)-geborene gegen in der Kolonie geborene“.
Der 1871 gegründete englische Verband Rugby Football Union legte die Spielregeln verbindlich fest. Für die Verbreitung der neuen Sportart waren maßgeblich britische Kolonisten sowie Soldaten verantwortlich. William Henry Milton, späterer Administrator von Mashonaland, führte die standardisierten Regeln 1878 in Südafrika ein. Zwei Vereine beanspruchen die Ehre für sich, erster Rugbyverein des Landes zu sein, der Hamilton RFC und der Villagers RFC. 1883 bestanden im Westen des Landes bereits genügend Vereine, um einen Verband, die Western Province Rugby Football Union, zu gründen. Rugby verbreitete sich über das ganze Land und es entstanden weitere regionale Verbände. 1889 fand die erste nationale Meisterschaft statt. Der im selben Jahr gegründete Verband South African Rugby Board stand nur den Clubs der Weißen offen. Die Vereine der „Coloureds“ und der Schwarzen mussten sich in eigenen Verbänden organisieren und ihre Spieler blieben jahrzehntelang von der Nationalmannschaft ausgeschlossen.
Die ersten Länderspiele mini|links|hochkant|Donald Currie stiftete den Currie Cup mini|Spiel der britischen Auswahl gegen die Kapkolonie (1891) mini|Die südafrikanische Mannschaft des zweiten Test Match gegen die Briten 1891 Im Jahr 1891 fand, finanziert durch Cecil Rhodes, die erste internationale Tour einer britischen Auswahlmannschaft (der heutigen British and Irish Lions) durch Südafrika statt. Die Briten gewannen sämtliche 20 Spiele gegen regionale Teams und die südafrikanische Auswahl; erst im letzten Spiel gelang es dem Team von Kapstadt, einen Punkt zu erzielen. Die drei Begegnungen der Lions gegen die gesamtsüdafrikanische Auswahl (die erste am 30. Juli in Port Elizabeth) gelten als Test Matches, obschon die Südafrikanische Union erst ab 1910 bestand. Während der Tour überreichten die Briten einen von Donald Currie gestifteten Pokal der Mannschaft von Griqualand West, die ihrer Meinung nach die beste Leistung erbracht hatte. Noch heute ist der Currie Cup die Trophäe der gleichnamigen nationalen Meisterschaft Südafrikas.
Fünf Jahre später kehrten die Lions zu einer 21 Spiele umfassenden Tour nach Südafrika zurück. In der Zwischenzeit hatte sich das Spiel der Südafrikaner merklich verbessert und sie konnten eines von vier Test Matches für sich entscheiden, als sie am 5. September 1896 mit 5:0 gewannen. Zum ersten Mal hatten die Südafrikaner grüne Shirts getragen, die ihr Kapitän Barry Heatlie von seinem Verein Old Dioceseans ausgeliehen hatte. Rugby stieß in der südafrikanischen Presse auf großes Interesse und erlebte dadurch einen enormen Aufschwung.Nauright: Sport, Cultures, and Identities in South Africa. S. 40. Nicht nur die britischen Kolonisten, auch die niederländischstämmigen Buren nahmen das Rugbyspiel in ihre Alltagskultur auf. Es war so beliebt, dass es am 29. April 1902 während des Zweiten Burenkriegs sogar einen vorübergehenden Waffenstillstand gab, sodass ein Spiel zwischen den Truppen der Briten und der Buren ausgetragen werden konnte. Weitere Verbreitung erfuhr Rugby unter den Buren, als diese während des Krieges in britische Kriegsgefangenschaft gerieten und in den Lagern Spiele austrugen.
Am Kap nahm vor allem die Universität Stellenbosch eine wichtige Rolle in der Ausbildung zukünftiger Rugbyspieler und -organisatoren ein. Die erste Erwähnung eines Rugbyclubs in Stellenbosch datiert auf das Jahr 1880, die offizielle Universitätsmannschaft wurde jedoch erst 1919 gegründet. Stellenboschs Lage in der Nähe von Kapstadt, wo das Rugbyspiel Ende des 19. Jahrhunderts bereits etabliert war, hatte bei der Entwicklung des Sports geholfen. Von hier aus wurde der Sport durch jährliche Touren und Afrikaans-Lehrer sowie Prediger im Umland verbreitet.
Nur gerade ein Jahr nach dem Frieden von Vereeniging, der den Zweiten Burenkrieg beendete, besuchten die Lions 1903 zum dritten Mal Südafrika. Sie verloren erstmals eine Serie in Südafrika, indem sie in den ersten beiden Test Matches unentschieden spielten und im dritten am 12. September in Kapstadt mit 0:8 unterlagen. Während dieser Tour konnten sie nur elf ihrer 22 Spiele für sich entscheiden. Bis 1956 verloren die Südafrikaner keine ihrer Test-Match-Serien mehr, weder daheim noch auswärts. Im letzten Test Match spielte Südafrika wieder in grünen kragenlosen Trikots des Old Diocesan Club, die sie schon während ihres ersten Sieges 1896 getragen hatten. Dieser Erfolg der Mannschaft führte zum Entschluss, von nun an nur noch in grünen Trikots zu spielen.
Etablierung der „Springboks“ mini|links|Die Mannschaft im Jahr 1906, gegen Cambridge mini|hochkant|Paul Roos, Kapitän der Springboks während ihrer ersten Tour auf die Britischen Inseln 1906 mini|links|Die Mannschaft von 1906 spielt gegen Cambridge mini|Die Springboks gegen Cornwall während ihrer Europatour 1912/13 mini|Gemeinsames Gruppenfoto der irischen und südafrikanischen Mannschaft (30. November 1912) Schon vor der Lions-Tour 1903 hatte der South African Rugby Board beschlossen, die grünen Trikots um ein Springbock-Emblem zu ergänzen. Das Emblem konnte jedoch nicht mehr rechtzeitig auf die Trikots aufgestickt werden. Die Mannschaft von 1906/7 trug grüne Trikots mit Emblem und weißem Kragen sowie schwarze Hosen und blaue Socken. Paul Roos war der erste offizielle Kapitän des südafrikanischen Rugby-Union-Teams. Er leitete 1906/07 die Mannschaft während der Tour durch Europa. Sie umfasste 29 Spiele, darunter je ein Test Match gegen die Nationalmannschaften von Schottland, England, Wales und Irland. England schaffte ein Unentschieden, während einzig Schottland einen Sieg davontragen konnte. Außerdem trafen die Springboks im Pariser Parc des Princes auf eine französische Auswahl, die aus Spielern der Pariser Vereine Stade Français und Racing Club de France bestand. Südafrika gewann das Spiel mit 55:6, nachdem es 13 Versuche legen konnte.