El Paso ist die sechstgrößte Stadt in Texas und der Verwaltungssitz des gleichnamigen El Paso County. In der Statistik des US Census Bureau steht El Paso in der Liste der US-amerikanischen Großstädte an 19. Stelle. Die Handels-, Universitäts- und Garnisonsstadt im äußersten Westen von Texas an der Grenze zu New Mexico und Mexiko hatte zum Zeitpunkt der Volkszählung 2020 678.815  Einwohner.

Mit umliegenden Gemeinden und ihrer am südlichen Ufer des Rio Grande gelegenen mexikanischen Schwesterstadt Ciudad Juárez mit ihren rund 1,3 Mio. Einwohnern bildet sie einen Metropolkomplex von etwa 2,0 Mio. Einwohnern.

El Paso ist Sitz des Bistums El Paso.

Geografie Lage El Paso liegt 1078 km nordwestlich von Houston, 909 km südwestlich von Dallas und 1142 km südlich von Denver an den südlichsten Ausläufern der Rocky Mountains – den Franklin Mountains. Die Stadt liegt im westlichsten Zipfel von Texas und somit an den Grenzen zu Mexiko und zum US-Bundesstaat New Mexico. Der Rio Grande umfließt El Paso aus Nordnordwest kommend an Süd- und Südostseite und bildet hier und im weiteren Verlauf die Grenze zwischen den Vereinigten Staaten und dem mexikanischen Bundesstaat Chihuahua.

Klima Durch die Lage inmitten der Chihuahua-Wüste mit heißem, trockenem Klima genießt El Paso heiße Sommer mit geringen Niederschlägen und milde Winter. Die Höchsttemperaturen erreichen in der Hochsommerperiode im Juni und Juli Werte um 40 °C. Die historische Höchsttemperatur wurde 1995 mit 45,5 °C erreicht.

Von Juli bis September kennt die Stadt eine anhaltende Wetterperiode, in der durch öfter auftretende teils heftige Sommergewitter signifikante Regenmengen fallen können. Das ist auch die Zeit, in der die Stadt den Großteil ihrer jährlichen durchschnittlichen Niederschlagsmenge von rund 220 mm verzeichnet.

Die Winterperiode ist relativ mild mit Temperaturen, die nur selten unter den Gefrierpunkt fallen. Schnee ist selten zu beobachten, trotzdem wurden in der Vergangenheit schon ergiebige Schneefälle verzeichnet, was in der Regel zu teilweise erheblichen Behinderungen in der Stadt führt.

Von den hohen Temperaturen im Sommer abgesehen sind extreme Wetterphänomene wie zum Beispiel Tornados in der Gegend nahezu unbekannt. El Paso wird bei starken Regenfällen jedoch gelegentlich von lokalen Überschwemmungen einzelner Stadtteile betroffen. Hier wurde durch Bau entsprechender Regenwasserrückhaltebecken und Drainagekanäle Abhilfe geschaffen. Durch die wüstenähnlichen Verhältnisse (karge Bodenbedeckung mit kurzem Strauchbewuchs, Wassermangel durch wenig Niederschlag) außerhalb der besiedelten Bereiche kommt es bei höheren Windgeschwindigkeiten leicht zu vereinzelten Staub- und Sandstürmen.

Insgesamt gesehen wird das Klima El Pasos von Bevölkerung und Besuchern überwiegend als angenehm betrachtet. Über das Jahr verzeichnet die Stadt durchschnittlich 302 Sonnentage, woraus El Paso seinen Beinamen „Sun City“ bezieht.

Bevölkerung Mit über 70 % stellen die Hispanics den größten Anteil der Bevölkerung El Pasos. Wie in weiten Teilen des Südwestens der Vereinigten Staaten (und Florida) stellt somit eine USA-weite ethnische Minderheit hier die Mehrheit der Bevölkerung. In weiten Bereichen von Wirtschaft und Verwaltung ist Zweisprachigkeit wichtiges Einstellungskriterium.

Die Stadt erlebt derzeit aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung, seiner Lage als Knotenpunkt für Waren- und Personenverkehr an der Grenze zu Mexiko und dem Ausbau des Militärstandorts Fort Bliss und Biggs Army Airfield einen rasanten Anstieg der Bevölkerung. ¹ bis 2010: Volkszählungsergebnisse

Geschichte Frühe Epoche und spanische Besiedlung Archäologische Funde im Gebiet des heutigen El Paso deuten auf eine bereits seit Tausenden von Jahren bestehende Besiedlung der Gegend hin. Die ersten spanischen Entdecker fanden in der Region Siedlungen einheimischer Indianerstämme vor. Mit der Zeit assimilierten sich diese mit den neuen Siedlern oder vereinigten sich mit den nomadisierenden Apachen-Stämmen des Umlands. In der heutigen Bevölkerung sind diese Ursprünge in der Mestizen-Bevölkerung des Südwestens der Vereinigten Staaten sowie Mexikos wiederzufinden.

In den späten 1650er Jahren bauten spanische Missionare die Mission „Nuestra Señora de Guadalupe“ am Südufer des Rio Bravo del Norte (jetzt der Rio Grande) ungefähr an der Stelle, wo das heutige Ciudad Juárez liegt. Sie besteht bis heute im Zentrum des modernen Ciudad Juárez. 1659 gründeten spanische Eroberer an dieser Stelle den Ort El Paso del Norte (spanisch: Der Pass des Nordens). Zu beiden Seiten des Flusses erstreckte sich damals eine fruchtbare Grassteppe und die Landwirtschaft brachte für die dortigen Siedler ergiebige Ernten von Obst, Gemüse und sogar Wein. Handels- und Besiedelungsversuche nach Norden jenseits des Flusses scheiterten oftmals am Widerstand der dortigen Stämme. Der Fluss bot jedoch im Gegenzug einen guten Schutz gegen Überfälle seitens der Indianer.

Relativ abgelegen war die Gegend um El Paso del Norte selten das Ziel von Reisenden aus dem Inneren Mexikos. Lediglich Kaufleute und offizielle Gesandte der Regierung machten sich auf die oft mehrmonatige Reise von Mexiko-Stadt aus. Trotzdem stellte die frühe Siedlung einen wichtigen Außenposten am Rio Bravo dar. Von Mexiko-Stadt aus führte El Camino Real de Tierra Adentro (die „königliche Straße“) über El Paso del Norte bis nach Santa Fe in den nördlichen Teil der mexikanischen Provinz Nuevo México (den heutigen US-Bundesstaat New Mexico).

Durch eine Revolte der indianischen Stämme im Jahre 1680 wurden die spanischen Kolonien im Norden der Provincia Nuevo México erheblich dezimiert. In der Folge wurde El Paso del Norte zum Angelpunkt der spanischen Herrschaft über das Territorium nördlich des Rio Bravo. Von hier aus setzte sich die spanische Siedlungsbewegung unter Diego de Vargas erneut in Marsch. Im gleichen Jahr gründeten spanische Franziskaner die noch heute bestehende Ysleta-Mission im Siedlungsgebiet der Tigua-Indianer. Diese Siedlung stellt somit möglicherweise Texas’ älteste Siedlung dar und ist die Keimzelle des heutigen modernen El Paso.

Unabhängigkeit Mexikos von Spanien, amerikanisch-mexikanischer Krieg Von Norden her hatte es zwar bereits seit 1804 amerikanische Landvermesser, Händler und Trapper in die Gegend gezogen, jedoch kam es dort erst nach dem Mexikanisch-Amerikanischen Krieg von 1849 zu nennenswerten und dauerhaften Besiedlungen.El Paso, A Borderlands History, von W.H. Timmons, S. 74 ff.

Obwohl es kaum zu größeren Kampfhandlungen im Zuge des Krieges kam, wirkte sich die Lage doch auf die Siedlung und die landwirtschaftliche Produktion aus. Eine größere Verschiebung des Verlaufs des Rio Bravo führte zur Verlagerung der Siedlungen Ysleta, Socorro und San Elizario auf die US-amerikanische Seite des Flusses.El Paso, A Borderlands History, von W.H. Timmons, S. 106.

Die beherrschende Position, die die Kaufleute des mexikanischen Staates Chihuahua über die Provinz Nuevo México errungen hatten, sorgte bei der Erstellung der mexikanischen Verfassung von 1824 dafür, dass El Paso del Norte nach 200 Jahren der Zugehörigkeit zu dieser Provinz dem mexikanischen Staat Chihuahua angegliedert wurde. Die Einwohner der Stadt führten ein Jahr später (1825) ihre ersten Gemeindewahlen durch – die erste Schule wurde im Jahr 1829 eröffnet.Chihuahua: Una Historia Compartida 1824–1821, von Guadalupe Villa und Graziella Altamirano, S. 65–73.

Die Revolution in Texas Die Revolution in Texas von 1836 hatte für die Gegend keine Bedeutung; bis zum Jahr 1848 wurde sie nicht als Teil des Staates Texas angesehen. Angesichts der unklaren Ansprüche der Republik Texas auf Teile des Santa Fe-Handels sorgte der Vertrag von Guadalupe Hidalgo dafür, dass die bisherigen Siedlungen auf der Nordseite des Flusses unter amerikanische Hoheit kamen und somit deren Trennung vom bisherigen El Paso del Norte auf der mexikanischen Seite vollzogen wurde.

Beginn der amerikanischen Herrschaft und die Gründung der Stadt Die Postkutschen- und Postreiterlinie Butterfield Overland Mail dehnte ihren Dienst im Jahr 1858 in die Gegend aus. Eine Siedlung auf Coons' Ranch mit dem Namen Franklin wurde zur Keimzelle des heutigen El Paso (Texas). Ein Jahr später vollendete der Landentwickler und General Anson Mills seinen Bebauungsplan für die Stadt El Paso – und wählte somit einen Namen für die Ortschaft, der fast 40 Jahre lang zu andauernden Missverständnissen und Verwechslungen mit der gleichnamigen Stadt am Südufer des Flusses führte. Dieser Missstand fand erst 1888 ein Ende, als „El Paso del Norte“ seinen Namen in „Ciudad Juárez“ änderte.EL PASO, TX | The Handbook of Texas Online| Texas State Historical Association (TSHA) mini|Illustration aus den 1850er Jahren

Einrichtung des Armeepostens Fort Bliss Hauptartikel siehe Fort Bliss

Mehrere wichtige Entwicklungen beeinflussten nach 1850 das Gebiet nördlich des Rio Bravo. Im März 1850 wurde das El Paso County an seinem ersten Sitz in Elizario eingerichtet. Der US-Senat legte unter weitgehender Missachtung historischer und topographischer Fakten den 32. Breitengrad als Grenze zwischen Texas und New Mexico fest. Im Jahr 1854 wurde ein Militärlager mit dem Namen „The Post opposite El Paso“ (Das Lager gegenüber von El Paso; gemeint als: auf der anderen Flussseite gegenüber von El Paso del Norte) eingerichtet. Während des Bürgerkriegs spalteten sich die meisten Südstaaten – darunter auch Texas – vom Rest der Union ab und gründeten 1861 die Konföderierten Staaten von Amerika. Fort Bliss, wie der Armeeposten nunmehr hieß, und die anderen Garnisonen der konföderierten Armee entlang des Rio Grande waren wichtige Stützpunkte der Südstaaten, um den Anspruch auf das Territorium von New Mexico zu sichern. Diese Ziele der Südstaaten fanden unter den Einwohnern El Pasos große Unterstützung. Nach Ende des Bürgerkrieges 1865 begann die Einwohnerzahl zu wachsen. Der Sitz von El Paso County wechselte im Jahr 1877 von Elizario nach Ysleta in die unmittelbare Nachbarschaft El Pasos.

Der Wilde Westen und die Eisenbahn Als 1881 durch den Bau von Eisenbahnstrecken, unter anderem durch die Gesellschaften Southern Pacific Railroad, Texas Railroad und Santa Fe Railroad, der bisher kleine Flecken am Rio Grande Anschluss an die größeren Städte fand, begann El Paso zu wachsen und erreichte zur Volkszählung 1890 die Zahl von 10.000 Einwohnern. Das fruchtbare grüne Flusstal und das ganzjährig angenehme Klima der Stadt zog schnell viele Neuankömmlinge an, darunter Cowboys, Priester, chinesische Eisenbahnarbeiter und Kleinunternehmer, aber auch Glücksspieler, Revolverhelden, Diebe, Mörder, Ganoven und Prostituierte. Während der folgenden Phase des „Wilden Westens“ bekam El Paso wegen seiner Abgelegenheit und Gesetzlosigkeit den bezeichnenden und zweifelhaften Spitznamen „Six Shooter Capital“ (Revolver-Hauptstadt) verliehen.

El Paso wird Sitz von El Paso County Im Jahr 1883 wurde der Sitz des El Paso County endgültig von Ysleta nach El Paso verlegt, wo er auch heute noch ist. Diese Entscheidung fiel auf zweifelhafte Weise, als bei einer dubiosen Volksabstimmung mehr als dreimal so viele Stimmzettel in den Urnen lagen als Wahlberechtigte registriert waren. Trotzdem wurde die Abstimmung als gültig bewertet und die Wahlzettel wurden ausgezählt.

Prostitution und Glücksspiel florierten weiter in der Stadt, bis zu Beginn des 1. Weltkriegs auf Druck der US-Armee die lokalen Behörden dem Treiben ein Ende bereiteten. Die Maßnahmen führten zur Verlagerung dieser unerwünschten Gewerbe in das benachbarte Ciudad Juárez, was den Bars und Vergnügungsbetrieben auf der mexikanischen Südseite, besonders während der späteren Zeit der Alkohol-Prohibition, erkleckliche Umsätze brachte.

Die Goldenen zwanziger Jahre