Biberach an der Riß ist eine Große Kreisstadt in Baden-Württemberg. Die Hochschulstadt Biberach liegt im nördlichen Oberschwaben und ist ein Mittelzentrum der Region Donau-Iller im Regierungspräsidium Tübingen. Sie ist die größte Stadt des gleichnamigen Landkreises. Mit den Nachbargemeinden Attenweiler, Eberhardzell, Hochdorf, Maselheim, Mittelbiberach, Ummendorf und Warthausen besteht eine vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft.
In Biberach sind viele mittelständische und internationale Firmen ansässig, darunter Boehringer, Liebherr und EnBW.
1083 erstmals urkundlich erwähnt, war Biberach lange Zeit Reichsstadt (nach 1648 Paritätische Reichsstadt) und ist überregional für seine ins Mittelalter zurückreichenden Kunstdenkmale, die historische Altstadt mit Stadttoren und Türmen, die Zunftsiedlung, die Simultankirche und das Schützenfest bekannt.
Biberach besitzt außerdem das älteste und größte Kindertheater und das größte Amateurtheater Deutschlands sowie das Filmfest Biberach.
Biberach liegt in der Ferienregion Allgäu-Bodensee und ist einer der Orte der Oberschwäbischen Barockstraße, der Deutschen Fachwerkstraße, der Schwäbischen Dichterstraße und des Jakobsweges.
Bekannte Persönlichkeiten der Stadt sind unter anderen der Dichter Christoph Martin Wieland, der Barockmaler Johann Heinrich Schönfeld, der Maler und Dichter Ludwig Fahrenkrog, der Architekt des Neuen Bauens Hugo Häring sowie der Komponist Justin Heinrich Knecht.
Geographie Geographische Lage mini|300px|Biberach – Panorama vom Gigelberg mini|Biberach Stadtansicht
Biberach liegt im nördlichen Oberschwaben bei 524 bis , knapp 40 Kilometer südlich von Ulm und knapp 30 Kilometer westlich von Memmingen. Die Stadt befindet sich zu beiden Seiten der Riß, die Namensgeberin für eine Eiszeit war.
Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Biberach an der Riß; sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Norden genannt und gehören alle zum Landkreis Biberach: Warthausen, Maselheim, Ochsenhausen, Ummendorf, Hochdorf, Ingoldingen, Mittelbiberach, Bad Schussenried, Oggelshausen, Tiefenbach, Attenweiler und Schemmerhofen.
Stadtgliederung mini|alternativtext=|Weißer Turm mit Teilen der Stadtmauer alternativtext=|mini|Blick auf den Marktplatz
Die Stadt besteht aus der Kernstadt und den im Rahmen der Gemeindereform der 1970er Jahre eingegliederten ehemals selbständigen Gemeinden Mettenberg, Ringschnait, Rißegg und Stafflangen. Die eingegliederten Gemeinden sind heute Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung, das heißt, sie haben jeweils einen von den Wahlberechtigten bei jeder Kommunalwahl neuzuwählenden Ortschaftsrat mit einem Ortsvorsteher als Vorsitzenden. In jeder der Ortschaften gibt es eine Ortsverwaltung, deren Leiter der Ortsvorsteher ist.
Zu einigen Stadtteilen gehören noch räumlich getrennte Wohnplätze mit eigenen Namen, die jedoch meist nur wenige Einwohner haben, oder Wohngebiete mit eigenen Namen, deren Bezeichnung sich im Laufe der Bebauung ergeben haben und deren Grenzen meist nicht genau festgelegt sind. Im Einzelnen sind zu nennen: in der Kernstadt: Bachlangen, Bergerhausen, Birkendorf, Burren, Fünf Linden, Gaisental, Hagenbuch, Jordanbad, Mumpfental, Reichenbach und Wolfentalmühle in Mettenberg: Hochstetter Hof und Königshofen in Ringschnait: Bronnen, Schlottertal, Stockland, Winterreute und Ziegelhütte in Rißegg: Halde und Rindenmoos in Stafflangen: Aymühle, Eggelsbach, Eichen, Hofen, Maierhof, Mösmühle und Streitberg
Raumplanung Biberach bildet ein Mittelzentrum innerhalb der Region Donau-Iller, deren Oberzentren die Städte Ulm und Memmingen sind. Zum Mittelbereich gehören neben Biberach selbst die Städte und Gemeinden des südlichen Landkreises Biberach, im Einzelnen sind dies Attenweiler, Bad Schussenried, Berkheim, Dettingen an der Iller, Eberhardzell, Erlenmoos, Erolzheim, Gutenzell-Hürbel, Hochdorf, Ingoldingen, Kirchberg an der Iller, Kirchdorf an der Iller, Maselheim, Mittelbiberach, Ochsenhausen, Rot an der Rot, Schemmerhofen, Steinhausen an der Rottum, Tannheim, Ummendorf und Warthausen.
Schutzgebiete
Im Südosten hat die Stadt Anteil am Naturschutzgebiet Ummendorfer Ried, das gleichzeitig zum FFH-Gebiet Umlachtal und Riß südlich Biberach gehört.
Auf dem Biberacher Stadtgebiet befinden sich zudem die Landschaftsschutzgebiete Schloßhalde Warthausen, Katzenhalde, Bestenshalde, Fabrikhalde, Pfannenhalde, Ulmer Steighalde, Fohrhäldele, Weingarthalde, Tobel, Weiherhalde und Nickelshalde, Kalkgruben, Gschwendhalde. Daneben hat Biberach Anteile am Landschaftsschutzgebiet Oberes Rißtal und am FFH-Gebiet Wälder bei Biberach. Die Dürnach nördlich von Ringschnait gehört zum FFH-Gebiet Rot, Bellamonter Rottum und Dürnach.Daten- und Kartendienst der LUBW
Geschichte Frühzeit mini|hochkant|Altes Weberhaus in Biberach
Zeugnis der frühen römischen Besiedlung sind die Reste einer Villa rustica im städtischen „Burrenwald“ (). Ausgrabungsergebnisse datieren diesen römischen Gutshof auf das 2. nachchristliche Jahrhundert. Die Funde des Hofes sind im städtischen Braith-Mali-Museum zu besichtigen. Weitere römische Fundstellen liegen in den Fluren „Birkenstock“, „Mauren“ bei Stafflangen und „Kirchäcker“ bei Ummendorf.Dieter Stievermann: Geschichte der Stadt Biberach. Theiss, 1991. S. 204 Die dort vermuteten Gutshöfe versorgten die Grenztruppen am Limes.
mini|Karte von 1643
Reichsstadt Biberach wurde 1083 erstmals urkundlich erwähnt. Damals lag das heutige Stadtgebiet im Herzogtum Schwaben. Um 1170 wurde die Marktsiedlung gegründet, und 1226 wurde diese erstmals als Stadt erwähnt. 1281/82 wurde Biberach von Rudolf I. von Habsburg zur Reichsstadt erhoben. 1312 wurde das Ulmer Recht eingeführt.Heinrich Gottfried Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter, Erlangen 1863, S. 208–212. Um 1239 erfolgte die Gründung des Spitals, einer karitativen Einrichtung für alle Bürger, die bis heute Wälder besitzt und das Bürgerheim (Altersheim) betreibt. Im Gegensatz zu anderen Reichsstädten gelang es Biberach nicht, ein über die Stadtgrenze hinausgehendes Territorium zu bilden. Das Umland gehörte stets zu anderen Herrschaften. Mit der Einführung der Baumwolle im 14. Jahrhundert wuchs Biberach zu einer bedeutenden Weberstadt heran. Biberacher Barchent und Leinwand wurden nach ganz Europa exportiert. Mehrere Weberhäuser aus dem 15. Jahrhundert sind erhalten.siehe auch Burg Streitberg
Das Dorf Baltringen gehörte zum Biberacher Spital. Dort war 1524 ein Zentrum des Deutschen Bauernkriegs.
Ab 1500 gehörte die Reichsstadt zum Schwäbischen Reichskreis. Während der Reformation entwickelte sich Biberach zu einer konfessionell gemischten Reichsstadt.
Befürworter der Reformation in Biberach führten einen Bildersturm durch, bei dem 1531 auch der Hochaltar der St.-Martins Kirche zerstört wurde. Die katholische Messe blieb bis zum Augsburger Interim von 1548 verboten. Eine überwiegend protestantische Bevölkerungsmehrheit von etwa neunzig Prozent stand zu dieser Zeit einer am römisch-katholischen Glauben festhaltenden Adelsschicht von etwa zehn Prozent feindlich gegenüber.
Im Dreißigjährigen Krieg besetzten am 20. April 1632 schwedische Truppen die Stadt und ließen am nächsten Tag den evangelischen Taufstein wieder in der Stadtpfarrkirche aufstellen. Am 31. Mai 1632 näherten sich Kaiserliche unter dem Kommando von Oberst Wolfgang Rudolf von Ossa der Stadt. Die Katholiken der Stadt wurden drei Tage lang in der Stadtpfarrkirche eingesperrt und erst wieder freigelassen, als Ossa nach seinem am 2. Juni unter schweren Verlusten gescheiterten Sturm auf die Stadt abgezogen war. Nachdem die Schweden unter Feldmarschall Graf Gustaf Horn am 7. September 1633 mit der Belagerung von Konstanz begonnen hatten, nutzte der Oberbefehlshaber über das Heer der Kaiserlichen Graf Johann von Aldringen die Gelegenheit und stieß am 24. September nach Biberach vor. Die Kaiserlichen beschossen am 26. September den Weißen Turm mit Kanonen und übernahmen die Stadt am 27. September. Doch bereits am 25. März 1634 eroberten die Schweden die Stadt wieder zurück, konnten sie aber nicht lange halten. Am 6. September erlitten sie in der Schlacht bei Nördlingen eine schwere Niederlage; Horn geriet in Gefangenschaft. Danach eroberten die Kaiserlichen fast ganz Süddeutschland zurück. Durch den Westfälischen Frieden von 1648 wurde für Biberach sowie für Ravensburg, Augsburg und Dinkelsbühl ein paritätisches Regierungs- und Verwaltungssystem eingeführt (Gleichberechtigung und exakte Ämterverteilung zwischen Katholiken und Protestanten, siehe Paritätische Reichsstadt).
Trotz den im Dreißigjährigen Krieg erlittenen Schäden stieg die Einwohnerzahl in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts auf über 4000 Einwohner an. Damit überholte Biberach das seit dem Spätmittelalter wesentlich wichtigere Fernhandelszentrum Ravensburg.
Durch die Entwicklung der modernen Artillerie wurde die bestehende Stadtbefestigung – bestehend aus einem doppelten Mauerring mit bis zu zwei Meter dicken und bis zu sechs Meter hohen Mauern, niedrigeren Zwingermauern, Tief- und Wassergräben sowie den Türmen und Stadttoren – militärisch überflüssig. Sie wurden in Friedenszeiten lediglich zur Erhebung des Einlassgeldes benötigt. Deswegen wurde 1790 damit begonnen, die äußere schwächere Mauer, die Zwingermauern und einzelne Mauerpartien der inneren Mauer abzureißen.
Am 2. Oktober 1796 fand während des Feldzuges in Deutschland zwischen der französischen Rhein- und Moselarmee unter ihrem Befehlshaber Jean Victor Marie Moreau und den Truppen des kaiserlichen Feldzeugmeisters Maximilian Baillet von Latour die Schlacht bei Biberach statt.
Württembergische Zeit Infolge des Friedens von Lunéville und des Reichsdeputationshauptschlusses kam Biberach an das Kurfürstentum bzw. spätere Großherzogtum Baden, das am 25. September 1802 von der Stadt Besitz ergriff. Es wurde aber schon 1806 durch die Rheinbundakte gegen die Städte Villingen, Bräunlingen und Tuttlingen sowie die Grafschaft Bonndorf mit dem Königreich Württemberg getauscht, das die Stadt am 24. Oktober 1806 in Besitz nahm. 1810 wurde Biberach zur Oberamtsstadt erhoben und Sitz des württembergischen Oberamts Biberach, das mit kleineren Änderungen an die Stelle des kurzzeitig gebildeten Oberamts Ochsenhausen trat.
Im Februar 1813 wurde ein franzosenfeindlicher Anschlag an die vier Stadttore geheftet. Als Reaktion darauf wurde der Abbruch sämtlicher Mauerwerke in Biberach angeordnet, aber nicht durchgeführt. Im Oktober 1836 wurden die Torsperre und das Torgeld mit Rücksicht auf weitere Beitritte zum Deutschen Zollverein aufgehoben. Damit verlor die Stadtbefestigung ihre letzte Bedeutung als finanzielle Schutzwehr, und es folgten weitere Abbrüche, bei denen die Mehrzahl der Tore und Türme abgerissen wurde. Lediglich ein kleiner Teil der Mauer zwischen dem Weißen Turm und dem Gigelbergturm sowie im Bereich des Ulmer Tores blieb erhalten.
Am 26. Mai 1849 wurde die Bahnstrecke Ravensburg-Biberach dem Verkehr übergeben und somit die Stadt an das Streckennetz der Württembergischen Eisenbahn angeschlossen. Ab dem 29. Juni 1850 stand dann eine durchgehende Verbindung von Stuttgart nach Friedrichshafen zur Verfügung.
1914-1918 zeichneten Biberacher Bürger Kriegsanleihen im Wert von 50 Millionen Reichsmark, die ihren Wert vollständig verloren.
Am Ende des Ersten Weltkriegs (1918) waren von den rund 2250 zum Kriegsdienst eingezogenen Biberachern 316 gefallen oder wurden vermisst.