Wassili Wassiljewitsch Smyslow (, wiss. Transliteration ; * 24. März 1921Dagobert Kohlmeyer: 85 Jahre Wassily Smyslow In: de.chessbase.com. 24. März 2006, abgerufen am 18. November 2019.Dagobert Kohlmeyer: Smyslows 100ster Geburtstag In: de.chessbase.com. 24. März 2021, abgerufen am 26. März 2021. in Moskau; † 27. März 2010 ebenda) war ein russisch-sowjetischer Schachgroßmeister und Bariton. Im Jahre 1957 wurde er der siebte Schachweltmeister.
Turnierschach Smyslow, der seit 1940 zur Spitze des sowjetischen Schachs gehörte, beteiligte sich in den Jahren von 1948 bis 1997 an 15 von 17 Weltmeisterschaftszyklen der FIDE. Bis Anfang der 1990er Jahre zählte er zu den besten Spielern der Welt.
Von 1948 bis 1958 lag er im Wettstreit mit Michail Botwinnik um den Weltmeistertitel: 1948 wurde Smyslow Zweiter, 1954 endete ihr Wettkampf mit einem Unentschieden, 1957 konnte Smyslow den WM-Titel erobern, verlor ihn aber 1958 wieder.
Für einen Überblick siehe die Liste der Schachturniere von Wassili Smyslow.
Weltmeistertitel Durch den dritten Platz in seinem ersten internationalen Turnier in Groningen 1946 hinter Botwinnik und Max Euwe hatte Smyslow die Teilnahmeberechtigung errungen für das Weltmeisterschaftsturnier, das der Weltschachbund FIDE 1948 um den nach dem Tode Alexander Aljechin vakanten Weltmeistertitel veranstaltete.
In dem in fünf Durchgängen zu je fünf Runden in Den Haag und Moskau ausgetragenen Turnier wurde Smyslow Zweiter von fünf Spielern hinter dem neuen Weltmeister Botwinnik.
Als Teilnehmer dieses Fünferwettkampfes war er für das Kandidatenturnier 1950 in Budapest qualifiziert, wo er Dritter hinter den beiden Turniersiegern Isaak Boleslawski und David Bronstein wurde. Damit war Smyslow wiederum qualifiziert für das folgende Kandidatenturnier 1953 in Neuhausen und Zürich, welches er mit einem deutlichen Zweipunktevorsprung gewann. Im Wettkampf 1954 in Moskau mit Botwinnik missglückte Smyslow der Start, als er nur ein einziges Remis aus den ersten vier Partien erzielte. Doch Smyslow konnte mit Siegen in der siebenten, neunten, zehnten und elften Partie in Führung gehen, wodurch der Wettkampf wieder offen war. Obwohl es Botwinnik noch zwei weitere Male gelang, wieder selbst in Führung zu gehen, konnte Smyslow den Wettkampf schließlich 12-12 (bei lediglich 10 Remispartien) gestalten, was Botwinnik gleichwohl die Titelverteidigung sicherte.
Das Kandidatenturnier 1956 in Amsterdam konnte Smyslow erneut gewinnen. Als er drei Runden vor Schluss noch punktgleich mit Keres an der Spitze lag, konnte sich Smyslow mit einem Sieg gegen Bronstein, einem Remis gegen Boris Spasski und einen Sieg gegen Pilnik einen klaren Vorsprung von 1½ Punkten sichern.
Im folgenden Wettkampf mit Botwinnik im Frühjahr 1957 zeigte sich Smyslow gut vorbereitet. Nach Smyslows Sieg in der ersten Partie konnte Botwinnik zwar mit Siegen in der vierten und fünften Partie in Führung gehen, doch den weiteren Verlauf konnte Smyslow klar für sich gestalten. Er gewann mit 6 Siegen, 3 Niederlagen und 13 Unentschieden und war damit neuer Weltmeister. Smyslow hält sein Spiel in diesem Match für gleichmäßiger und harmonischer und führt dies auf seine Eröffnungsvorbereitung und die Analyse der sich ergebenden Mittelspielstellungen zurück. Als wichtigen Grund seines Erfolges erachtet er allerdings auch sein Verständnis der Endspielphase und macht auf seinen Gewinn mit Schwarz in einem Leichtfigurenendspiel in der siebzehnten Partie aufmerksam.Smyslow: Meine 130 schönsten Partien, 1988, S. 19–20.
Nach den damaligen Regeln der FIDE war ein entthronter Weltmeister zu einem Revanchekampf berechtigt. Im Wettkampf im Frühjahr 1958 in Moskau konnte Botwinnik durch den Gewinn der ersten drei Partien wie schon zu Beginn des Wettkampfes 1954 sofort mit 3½-½ in Führung gehen und gab seinen Vorsprung im weiteren Verlauf nicht mehr ab. Smyslow verlor dieses Match mit fünf Siegen, sieben Verlusten und elf Unentschieden. Als Grund seiner Niederlage erkennt Smyslow die gründliche Vorbereitung und große Erfahrung seines Gegners an, weist aber auch darauf hin, während des Matches durch eine Grippeerkrankung beeinträchtigt gewesen zu sein, welche gegen Ende der Veranstaltung bei ihm zu einer Lungenentzündung geführt habe.Smyslow: Meine 130 schönsten Partien, 1988, S. 20.
Insgesamt haben beide Spieler rund 100 Partien gegeneinander ausgetragen.
Spätere Weltmeisterschaften miniatur|Wassili Smyslow, 1972
Im Kandidatenturnier 1959 in Bled, Zagreb und Belgrad wurde er Vierter von acht Spielern hinter Michail Tal, Keres und Tigran Petrosjan. Damit war er für das nächste Kandidatenturnier nicht mehr vorberechtigt und beteiligte sich auch nicht am Interzonenturnier 1962.
Das Interzonenturnier 1964 in Amsterdam konnte Smyslow punktgleich mit Bent Larsen, Spasski und Tal gewinnen. Bei den erstmals im K.-o.-System durchgeführten Kandidatenwettkämpfen unterlag er 1965 im Viertelfinale gegen Efim Geller mit 2½ – 5½.
Im übernächsten Interzonenturnier 1970 in Palma de Mallorca um sechs zu vergebende Plätze in den Kandidatenwettkämpfen erreichte Smyslow den achten Platz und verfehlte damit knapp das Weiterkommen.
Ab 1973 wurden zwei parallele Interzonenturniere durchgeführt, in denen jeweils drei Kandidaten ermittelt wurden. Im Turnier von Petrópolis 1973 wurde Smyslow Fünfter und scheiterte damit erneut knapp, ebenso bei seinem fünften Platz im Interzonenturnier von Biel 1976.
Nachdem Smyslow 1978 im Zonenturnier von Lemberg mit 7 aus 14 Partien nur einen Mittelplatz hatte belegen können, gelang ihm im folgenden Zyklus ein überraschendes Comeback mit dem zweiten Platz hinter Zoltán Ribli 1982 in Las Palmas, einem von diesmal drei parallelen Interzonenturnieren um jeweils zwei Kandidatenplätze.
Sein Viertelfinalwettkampf gegen Robert Hübner 1983 in Velden stand nach den vorgesehenen 10 Partien unentschieden, ebenso nach den daraufhin angesetzten vier Verlängerungspartien. Beim Stande von 7-7 wurde eine Losentscheidung durch den Wurf einer Roulettekugel herbeigeführt, die zugunsten Smyslows ausfiel.Nach 7:7 entschied die Kugel für Smyslow. Kortschnoi siegte über Portisch 6:3. Schach Aktiv 5/1983 (Berichte, Bilder)
Danach gewann Smyslow den Halbfinalwettkampf 1983 in London gegen Ribli klar mit 6½ – 4½ und unterlag erst im Kandidatenfinale von Wilna gegen den aufstrebenden späteren Weltmeister Garri Kasparow mit 4½ – 8½.
Smyslow nahm weiterhin an den WM-Zyklen der FIDE teil und erreichte meist Mittelplätze. Im Kandidatenturnier 1985 in Montpellier erzielte er 7,5 Punkte aus 15 Partien, im Interzonenturnier 1987 in Subotica 7,5 aus 15, im Interzonenturnier 1990 in Manila 5,5 aus 13 und im Interzonenturnier 1993 in Biel 6,5 Punkte aus 13 Partien. Beim im K.-o.-System ausgetragenen Kandidatenturnier 1997 in Groningen schied er in der ersten Runde mit 0:2 aus.
1991 gewann Smyslow in Bad Wörishofen die erstmals ausgetragene Schachweltmeisterschaft der Senioren im Alter von 70 Jahren, punktgleich vor seinem vier Jahre jüngeren „alten“ Rivalen Geller.
UdSSR-Meisterschaften Er nahm bereits 1940 am Finale der 12. UdSSR-Meisterschaft teil, wo er Dritter hinter Igor Bondarewski und Andor Lilienthal, aber vor Botwinnik wurde. Im daraufhin anberaumten Turnier um einen „absoluten Meister der UdSSR“, welches Botwinnik gewann, wurde Smyslow erneut Dritter. Smyslow gewann die UdSSR-Meisterschaften 1949 geteilt mit Bronstein und war 1955 geteilter Turniersieger mit Geller, dem er allerdings in einem Stichkampf unterlag. Smyslow nahm an insgesamt 20 Endrunden der UdSSR-Meisterschaften teil; neben den zuvor genannten drei Turnieren auch noch in den Jahren 1944 (2. Platz), 1945, 1947, 1950, 1951, 1952, 1960, Moskau 1961, Baku 1961, 1966, 1969, 1971 (2.–3. Platz), 1973, 1974, 1976, 1977 und 1988.
1951 nahm er zusätzlich am Halbfinale der UdSSR-Meisterschaften teil und belegte dort den 1. Platz.
Internationale Turniere Zu seinen zahlreichen Erfolgen zählen Siege in Moskau 1956 geteilt mit Botwinnik, 1959 in Moskau geteilt mit Bronstein und Spasski, 1963 in Moskau, 1964 geteilt mit Wolfgang Uhlmann und 1965 in Havanna, 1966 in Mar del Plata, 1969 in Monte Carlo geteilt mit Lajos Portisch und 1971 in Amsterdam.
Nationalmannschaft Neunmal (am 2. Brett 1952 in Helsinki, 2. Brett 1954 in Amsterdam, 2. Brett 1956 in Moskau, 2. Brett 1958 in München, 1. Ersatzbrett 1960 in Leipzig, 3. Brett 1964 in Tel Aviv, 2. Ersatzbrett 1968 in Lugano, 1. Ersatzbrett 1970 in Siegen und am 3. Brett 1972 in Skopje) spielte er bei Schacholympiaden in der sowjetischen Mannschaft, welche jeweils die Goldmedaille gewann. Mit stets guten Ergebnissen hatte Smyslow einen großen Anteil an diesem Erfolg, in der Einzelwertung gewann er vier Gold-, zwei Silber- und zwei Bronzemedaillen.Wassili Smyslows Ergebnisse bei Schacholympiaden auf olimpbase.org (englisch) Außerdem gewann Smyslow mit der Sowjetunion die Mannschaftsweltmeisterschaft 1985Wassili Smyslows Ergebnisse bei Mannschaftsweltmeisterschaften auf olimpbase.org (englisch) und die Mannschaftseuropameisterschaften 1957, 1961, 1965, 1970 und 1973.Wassili Smyslows Ergebnisse bei Mannschaftseuropameisterschaften auf olimpbase.org (englisch) Für den Wettkampf UdSSR gegen den Rest der Welt wurde Smyslow sowohl 1970 als auch 1984 für die Mannschaft der Sowjetunion nominiert. 1970 erreichte er am sechsten Brett gegen Samuel Reshevsky ein 1,5:1,5 und besiegte in der letzten Runde Friðrik Ólafsson, 1984 unterlag er am vierten Brett Ljubomir Ljubojević mit 0,5:1,5.
Vereine Smyslow spielte für Burevestnik und gewann mit diesem Verein 1961, 1968, 1971, 1974 und 1976 die sowjetische VereinsmeisterschaftWassili Smyslows Ergebnisse bei sowjetischen Vereinsmeisterschaften sowie 1976 und 1979 den European Club Cup.Wassili Smyslows Ergebnisse bei European Club Cups auf olimpbase.org (englisch) Am European Club Cup nahm er bei zwei weiteren Austragungen teil, 1982 erreichte er erneut für Burevestnik spielend das Finale, 1990 stand er mit Tigran Petrosjan Moskau im Halbfinale.
Spielstil
Ansichten von anderen Spielern Smyslow war besonders im Endspiel sehr stark und verfasste auch einige Endspielstudien. Der fünfte Weltmeister Max Euwe charakterisierte ihn so: „Smyslows Stil beruht in der Hauptsache auf positioneller Grundlage, was aber nicht besagen soll, dass er etwa Kombinationen aus dem Wege geht oder gar ‚friedliebend‘ ist. Er erreicht sein Ziel nur weniger direkt, sondern sozusagen auf Schleichwegen, und deshalb ist Smyslow besonders gefährlich.“Zitiert nach: Schach 11/1993, S. 60. Der sechste Weltmeister Botwinnik sah Smyslow als „schachliches Universaltalent. Die Eröffnung behandelt er präzise, er vermag stürmisch anzugreifen, sich beharrlich zu verteidigen und kaltblütig zu manövrieren. Sein eigentliches Element aber ist das Endspiel, wo er seinesgleichen sucht. Hier findet er häufig Züge, die selbst den Kenner verblüffen.“Michail Botwinnik, zitiert nach Schach 11/1993, S. 58. Botwinniks Einschätzung wird auch vom dreizehnten Weltmeister Garri Kasparov geteilt.Garri Kasparow: My Great Predecessors, Part II, Everyman, 2003, S. 381, hier entnommen von Mark Weeks: Smyslovs Style, chessforallages.blogspot.com, 29. April 2007
Anthony Saidy betont, dass Smyslow im Unterschied zu Konkurrenten wie Botwinnik, Bronstein und Keres nicht versucht habe, dem Schach seinen eigenen Stempel aufzudrücken, oder es seiner Persönlichkeit anzupassen. Bei Smyslow sei „alles Heiterkeit und Ausgeglichenheit, ohne Zwang oder Absonderlichkeit“. Saidy erkennt einen objektiven künstlerischen Stil: