Die Eravisker (lateinisch Eravisci; ursprünglich Aravisci) waren ein keltischer Stamm im heutigen Ungarn (Transdanubien).
Geschichte Im 2. oder 1. Jahrhundert v. Chr. wanderten die Eravisker in Transdanubien einTibor Hable: Aquincum vor der römischen Eroberung. In: Paula Zsidi (Red.): Forschungen in Aquincum 1969–2002. Történeti Múzeum, Budapest 2003, S. 49–53, hier S. 50–51. und legten um die Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. ihr Hauptheiligtum mit einem sehr gut zu verteidigendem Oppidum am Gellértberg, im Budapester Stadtteil Buda, am westlichen Donauufer an. Die Eravisker kamen vermutlich aus dem Norden.
Nach der Einverleibung eines Großteils des eraviskischen Landes in das römische Reich um spätestens 11 v. Chr. bewahrten die Eravisker noch lange ihre eigenständige Kultur. Die offenbar guten Beziehungen mit den Römern zeigen sich darin, dass die Invasoren das Oppidum am Gellértberg niemals eroberten und zerstörten. Von Steinreliefs und Grabsteinen ist bekannt, dass keltische Kleidung und keltischer Schmuck ihre Bedeutung auch in der oft schnell romanisierten Oberschicht behielten.
Im frühen 1. Jahrhundert n. Chr., möglicherweise um 20 n. Chr., wurde das Oppidum auf dem Gellértberg geräumt. Dies geschah sicherlich auf Anweisung der Römer; ein Zusammenhang mit dem Pannonischen Aufstand (6–9 n. Chr.) ist aber nicht nachweisbar. Die Eravisker siedelten in der Folgezeit in verschiedenen Siedlungen der Donauebene, beispielsweise beim römischen Kastell Budapest-Albertfalva. Das eraviskische Heiligtum auf dem Gellértberg wurde aber auch in römischer Zeit bis ins 3. Jahrhundert weiter gepflegt.Éva B. Bónis: Die spätkeltische Siedlung Gellérthegy-Tabán in Budapest (= Archaeologia Hungarica. Series nova. Band 47). Akadémiai kiadó, Budapest 1969, S. 230–237; Klára Póczy: Eraviskersiedlungen im Raum Aquincum. In: Paula Zsidi (Red.): Forschungen in Aquincum 1969–2002. Történeti Múzeum, Budapest 2003, ISBN 963-93-4023-5, S. 73–79, hier S. 76–79. Der lateinische Name des Berges lautete vermutlich Mons Teutanus.Zsolt Mráv: Castellum contra Tautantum. Zur Identifizierung einer spätrömischen Festung. In: Ádám Szabó, Endre Tóth: Bölcske. Römische Inschriften und Funde – In memoriam Sándor Soproni (1926–1995) (= Libelli archaeologici. Series Nova, Band 2). Ungarisches Nationalmuseum, Budapest 2003, , S. 354.
Münzprägung Die Eravisker prägten Münzen, bei denen es sich ausnahmslos um Nachahmungen römischer Münzen handelt. Überwiegend wurden Denare aus den 80er und 70er Jahren v. Chr. kopiert, es gibt aber auch noch einige eraviskische Prägungen, die römische Münzen augusteischer Zeit (30 v. Chr.–14 n. Chr.) zum Vorbild haben. Die römischen Vorbilder wurden auf den Nachahmungen durch zusätzliche Inschriften ergänzt, die häufig den Stammesnamen nennen (RAVIS, RAVIZ, RAVISCI, IRAVISCI), teilweise aber auch Personennamen, hinter denen sich eraviskische Anführer verbergen könnten. Traditionell wurden die eraviskischen Prägungen aufgrund der genutzten Vorlagen in die Zeit von etwa 80 v. Chr. bis um die Zeitenwende datiert. Neuere Studien, die das Vorkommen der Münzen in Depotfunden auswerten, haben jedoch wahrscheinlich gemacht, dass der Prägezeitraum kürzer ist und von etwa 40/30 v. Chr. bis etwa 12/9 v. Chr. reicht. Daher wurde vermutet, dass die Münzprägung erst dadurch ermöglicht wurde, dass die Daker unter Burebista Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. die Stämme der Boier und Taurisker militärisch besiegten und damit deren Hegemonie im mittleren Donauraum brachen.Lucia F. Carbone: Local Coinages in a Roman World. Second Century BC–First Century AD. A Catalogue of the Richard B. Witschonke Collection of Coins in the Early Roman Provinces. American Numismatic Society, New York 2024, ISBN 978-0-89722-401-7, Band 1, S. 149.
Kultur Als Stammesgott ist aus römischer Zeit ein Juppiter Teutanus bekannt. Da dieser im Lateinischen offensichtlich mit Jupiter gleichgesetzt wurde, handelte es sich eventuell um den keltischen Himmelsgott. Mehrere Inschriften zwischen den Jahren 178 und 288 n. Chr. sind auf den 11. Juni datiert, wenige Tage vor der Sommersonnenwende, wohl das Datum, an dem der Gott gefeiert wurde.
Literatur Jenő Fitz: Herkunft und Ethnikum der Eravisker. In: Acta antiqua Academiae Scientiarum Hungaricae. Band 6, 1958, S. 395–406.
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Einzelnachweise
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