Das Markgräflerland ist eine Region in Baden-Württemberg im äußersten Südwesten Deutschlands; sie grenzt im Westen an Frankreich und im Süden an die Schweiz.

Unter verschiedenen Aspekten werden jeweils verschiedene Regionen mit „Markgräflerland“ bezeichnet: Das historische Territorium, das 400 Jahre später „Markgräflerland“ genannt wurde,Joseph Bader: Die Markgräfler. In: Badische Volkssitten und Trachten. Sechstes Heft. Karlsruhe, im Kunstverlag. 1844. S. LXVI–LXXIII. Digitalisat der BLB Karlsruhe „Unter dem Markgräfler–Lande versteht man die ehemaligen Herrschaften Sausenburg, Röteln und Badenweiler, welche den südwestlichen Breisgau umfassten, und mit der im Norden desselben gelegenen Herrschaft Hachberg die „Obere Markgrafschaft“ bildeten.“ Der Historiker Jan Merk kommt zu dem Ergebnis, dass dies die erste Nennung dieses Begriffs ist. Volker Münch: Das Müllheimer Stadtfest ist eröffnet. In: Badische Zeitung vom 25. Juni 2022 zieht sich südöstlich weit ins Wiesental hinauf und hatte Exklaven nördlich Bad Krozingen. Es entstand am 8. September 1444 durch den Zusammenschluss der Herrschaften Rötteln und Badenweiler sowie der Landgrafschaft Sausenburgs. Wörner S. 62. und war im Besitz der Markgrafen von Hachberg-Sausenberg, einer Nebenlinie des Hauses Baden und nach deren Erlöschen der Markgrafen von Baden, später der Markgrafen von Baden-Durlach. Hier griff 1556 die Reformation, wodurch es zu einer protestantischen Insel im sonst römisch-katholischen Vorderösterreich wurde Die Naturräume Markgräfler Rheinebene von Weil bis Neuenburg bzw. Markgräfler Rheinebene von Neuenburg bis Breisach sowie Markgräfler Hügelland (-> FFH-Gebiet Markgräfler Hügelland mit Schwarzwaldhängen) Der Weinbaubereich mit der Herkunftsbezeichnung „Markgräflerland“ vom Hochrhein im Süden bis südlich Freiburg im Breisgau

Geographie Im heutigen Sprachgebrauch wird mit dem Begriff Markgräflerland vor allem das Oberrheingebiet mit den Weinbergen südlich Freiburg im Breisgau bis Basel bezeichnet. Historisch betrachtet verläuft die Nordgrenze der Region etwa 20 km südlich von Freiburg ungefähr in einer Linie von Heitersheim bis Sulzburg entlang des Sulzbachs.Badische-zeitung.de, Leserbriefe, 29. Oktober 2010, Werner Schäffner: Die historische Grenze ist der Sulzbach (28. August 2011). Weitere Abgrenzungen bilden die im Rhein verlaufenden Staatsgrenzen: im Süden bei Kleinbasel zur Schweiz, im Westen zum Elsass (Frankreich); außerdem im Osten der Schwarzwald.

mini|Luftbild von Markgräflerland und Schwarzwald rund um Bad Krozingen Zur Region gehören somit vor allem die südwestlichen Ausläufer des Schwarzwalds mit seiner Vorbergzone hinein in die Rheinebene, z. B. das Kandertal und das untere und mittlere Wiesental: wo sich dieses zum Oberrheintal öffnet, liegt Lörrach, die größte Stadt des Markgräflerlands, welche auch als „Hauptstadt“ der Region bezeichnet wird. Markante Erhebungen sind der Hochblauen (1165 m), die Hohe Möhr (988 m) und der Tüllinger Berg (460 m).

14 Kilometer Wiesental-aufwärts liegt Schopfheim, die älteste Stadt des Markgräflerlands: Es liegt somit größtenteils im Landkreis Lörrach, der nördliche Teil ab Auggen liegt im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald. Größere Flüsse bzw. Bäche sind die Wiese, die Kander und der Klemmbach (Müllheim/Oberweiler).

Bis 1803 glich das Markgräflerland politisch einem Flickenteppich. Orte wie Schliengen gehörten bis dahin zum Hochstift Basel, das Fürstentum Heitersheim mit seinen Orten war selbstständig. Hauptsächlich aber war das Markgräflerland von Vorderösterreich und Frankreich umgeben. Lange Zeit wurde die Geschichte der Region durch verschiedene Adelsgeschlechter geprägt: die Zähringer, die Staufer, die Röttler, die Sausenberger, die Hachberger.

In Müllheim residierten die Vögte der Markgrafen von Baden; die Stadt Neuenburg am Rhein ist eine Gründung der Zähringer und alte Zoll- und Verkehrsstation an einer früheren Furt über den Rhein.

Geologie

mini|Leichte Hügellandschaften sind charakteristisch für das Markgräflerland: Hier bei Tannenkirch Der Osten des Markgräflerlands liegt zum Teil im Schwarzwald, der aus einem alten Gebirge mit einem Gneissockel und Granitanteilen besteht und nach Westen in das Hügelgelände des die hiesige Vorbergzone einnehmenden Markgräfler Hügellandes mit fruchtbarem, lösshaltigem Boden übergeht. Ein Beispiel für die Vorbergzone ist die Kulturlandschaft des Eggenertals östlich von Schliengen. In diesem Tal wird überwiegend Obstanbau betrieben. Es liegt eingebettet zwischen dem Rheintal im Westen, sanfteren Hügeln im Süden und Norden sowie dem gebirgigen Hochschwarzwald im Osten.

Weiter schließt sich die Markgräfler Rheinebene mit der Niederterrasse und der Rheinniederung an mit ebenfalls lösshaltigen Böden, die zum Rhein hin in sand- und kieshaltige Böden übergehen. Geologisch ist diese Formation das Überbleibsel eines Grabenbruchs und eines Schwemmlössgebiets eines Flusstals. Durch die geologische Aktivität bei der Entstehung des Grabenbruchs im Oberrheintal und die damit verbundene, im Boden noch vorhandene geothermische Aktivität sind im Markgräflerland Thermalquellen entstanden, was die Römer schon zu schätzen wussten, die z. B. in Badenweiler eine Therme bauten. In einigen Tälern des Schwarzwaldes sind Spuren von Silber- und Bleierzen zu finden. Es gibt Fundstellen und Zeugnisse über deren Abbau durch die Römer und die nachfolgenden Herrschaften in diesem Gebiet, u. a. in Badenweiler und Sulzburg.

Wappen mini|hochkant|Das Wappen des Markgräflerlandes 1444

Das Wappen enthält die Wappen der zusammengeschlossenen Herrschaften. Heraldisch rechts oben: Markgrafschaft Baden, heraldisch links oben: Herrschaft Sausenberg, heraldisch rechts unten: Herrschaft Rötteln, heraldisch links unten: Herrschaft Badenweiler. Dieses Wappen wurde so und in diversen ähnlichen Formen verwendet, bis das Markgräflerland 1806 ein Teil des Großherzogtums Baden wurde.

Geschichte Kelten und Römer Dieses Gebiet wurde durch verschiedene Stämme der Kelten besiedelt. Im Jahre 70 eroberten die Römer dieses Gebiet. Es wurde unter Kaiser Titus Flavius Vespasianus kultiviert. Die zuvor hier lebenden Kelten wurden assimiliert. Die Römer errichteten auf den Hügeln Siedlungen und Gehöfte. Diese wurden Villa Urbana genannt. Die Reste einer Villa Urbana sind in Heitersheim östlich des Malteserschlosses zu sehen. Das Gebiet wurde von Soldaten, Offizieren, Beamten, Händlern, Gutsherren und Veteranen besiedelt. Die Veteranen erhielten für ihre Dienste vom Senat oder Kaiser Grundstücke in den eroberten Gebieten, damit man das Gebiet und die Urbevölkerung so schneller romanisieren konnte.

Für die Besiedelung des Gebiets wählte man die Hügel aus. Diese boten aufgrund der strategisch günstigen und erhabenen Lage einen Überblick über das Oberrheintal. Ein weiterer Aspekt war das Klima und die Gesundheit. Das Oberrheintal war damals ein ausgedehnter Auwald, mit unzähligen Seen und Tümpeln mit abgestandenem Wasser. Diese wurden nur beim Hochwasser des Fluvius Rhenus (Rhein) mit neuem Wasser gespeist. Das Klima war im Sommer in der Rheinebene schwülwarm. Die Römer umgaben sich in ihren besetzten Gebieten gerne mit ihrer von zu Hause aus gewohnten Kultur. Sie gestalteten ihre Siedlungen wie eine kleine römische Provinzstadt. Da sie unter anderem auch den Wein liebten, brachten sie Reben mit, um sie hier anzubauen. Reste von römischen Bauten sind noch heute in diesem Gebiet zu besichtigen, z. B. die Villa Urbana in Heitersheim oder die römischen Badruinen in Badenweiler.

Alamannen und Franken mini|Müllheim mit Martinskirche mini|Merowingischer Muschelkalk-Sarkophag (12. Jhdt. n. Chr.) vermutlich des Stifter-Paares der Martinskirche (Müllheim), heute im Erdgeschoss des Markgräfler Museums Müllheim in der Dauerausstellung Regionale Archäologie und Geologie Das hiesige Gebiet war ein Teil des rechtsrheinischen römischen Agri decumates („Zehntland“); es war durch den Rhein, die Donau und den um 100 n. Chr. von den Römern errichteten, nordöstlich gelegenen Limes gesichert.

Die Alamannen, ein Stamm der Germanen, eroberten um 230 das südliche rechtsrheinische Gebiet. Die Römer gaben Agri decumates auf und zogen sich 260 n. Chr. hinter den Rhein zurück. Dort errichteten sie den Donau-Iller-Rhein-Limes. Die verlassenen römischen Bauten wurden zerstört oder gerieten in Vergessenheit. Die Alamannen hielten zunächst nichts von der römischen Kultur; die römischen Gebäude wurden abgerissen und meist als Steinbruch verwendet. Später bauten die Alamannen sogenannte Höhenburgen auf, um das Gebiet zu überwachen. und sie errichteten Gutshöfe und eine Verwaltung nach römischem Vorbild. Oft unternahmen sie Raubzüge vom ehemaligen Zehntland aus ins benachbarte römische Gallien, wurden dabei aber von römischen Heeren abgewehrt.

Erst 455 n. Chr. gelang es den Alamannen, von hier aus über den Rhein zu expandieren: Sie eroberten Teile der römischen Provinz Gallien. Es folgten Konflikte mit den Franken, welche nach Süden expandierten: Von 496 bis 507 führten die Franken mit den Alamannen einen Krieg, in dem sie unter ihrem König Chlodwig I. in der Schlacht von Zülpich den entscheidenden Sieg erringen konnten: Das alamannische Gebiet fiel an das merowingische Frankenreich. Das Gebiet des späteren Markgräflerlands und des Breisgaus wurde Besitz fränkischer Adliger; um 775 n. Chr. beschenkten diese u. a. zugunsten ihres Seelenheils verschiedene Klöster mit Grundbesitz aus diesem Gebiet.

Zwischen 900 und 955 n. Chr. fielen die Ungarn in das Gebiet ein, es kam zu Verwüstung und Plünderungen. Danach wurde es von Gaugrafen verwaltet, welche der Kaiser einsetzte. 962 konfiszierte Kaiser Otto I. Gebiete vom abtrünnigen Gaugrafen Guntram aus dem Breisgau und übertrug sie dem Bischof Konrad I. aus Konstanz, einem Welfen. Dieser setzte für seine Güter einen Lehens-Meier ein, während er als Vogt das Gebiet für seinen Bischof verwaltete. Nach dem Tod Bischof Konrads im Jahr 975 übernahmen die Dompröpste seiner Kirche die Gebiete, damals „Dompropstei–Güter“.

Epochen verschiedener Adelsfamilien In den folgenden Jahrhunderten kamen mächtige Adelsfamilien aus dem Gebiet des späteren Markgräflerlands zu großen Besitztümern. Diese vergrößerten, vererbten oder verloren ihr Gebiet im Laufe der Zeit.

Zähringer Im 11. Jahrhundert eroberten die aus dem nördlichen Schwaben stammenden Herzöge von Zähringen viele Gebiete. Sie kamen unter anderem auch in den Besitz des heutigen Markgräflerlandes und des Breisgaus. Der bekannteste unter ihnen war der von 1078 bis 1111 regierende Berthold II. von Zähringen. In den Jahren 1075 bis 1122 fand der Investiturstreit statt. Die Zähringer standen auf der siegreichen päpstlichen Seite. Sie konnten somit viele klösterliche und weltliche Besitze der Verlierer an sich bringen. Die hiesigen Gebiete der Zähringer wurden seit 1122 durch deren Vögte verwaltet. Diese residierten auf der Burg in Badenweiler. Die Zähringer Herrschaft von Badenweiler kam 1147 als Mitgift für die Prinzessin Clementine von Zähringen an Heinrich den Löwen, einem Welfen-Fürsten. Die Expansionsversuche der Hohenstaufer gefiel den Zähringern nicht. Sie gründeten 1175 die Stadt Neuenburg am Rhein. Damit hatten sie den Rheinübergang ins Elsass für sich gesichert und konnten so von Benutzern des Rheinübergangs Tribut verlangen. Nach dem Tod von Berthold V. erlosch 1218 die männliche Linie der Zähringer, deren Gebiete kamen an die Grafen von Freiburg.

Staufer Der Staufer Kaiser Friedrich I. Barbarossa zwang den Welfen Heinrich den Löwen, diese Gebiete 1157 gegen Besitzungen im Harz zu tauschen. Damit kam die ehemalige Zähringer Herrschaft Badenweiler in den Besitz der Hohenstaufer, welche auch Besitzungen im benachbarten Elsass hatten. Es war naheliegend, Verbindungen von dort nach Badenweiler zu schaffen. Nachdem die Hohenstaufer ausgestorben waren, kam Badenweiler 1268 an die Grafen von Freiburg.

Herren von Rötteln mini|Burg Rötteln bei Lörrach