Als Urothelkarzinom, auch Urothelzellkarzinom, Übergangszellkarzinom oder Transitionalzellkarzinom genannt,Hermann Bünte, Klaus Bünte: Das Spektrum der Medizin. Schattauer Verlag, 2004, ISBN 3-7945-2374-1, S. 434. werden maligne Tumoren des Übergangsgewebes (Urothel), das die ableitenden Harnwege auskleidet, bezeichnet. Dementsprechend kommen Urothelkarzinome vor als
Urothelkarzinome des oberen Harntrakts (ca. 10 %) Krebs des Nierenbeckens (Nierenbeckenkarzinom) Krebs des Harnleiters (Harnleiterkarzinom, Ureterkarzinom) und Urothelkarzinome des unteren Harntrakts (ca. 90 %) Krebs der Harnblase (Harnblasenkarzinom, Blasenkarzinom) Krebs der Harnröhre (Harnröhrenkarzinom, Urethrakarzinom oder UrethralkarzinomWillibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch, 269. Auflage, Verlag Walter de Gruyter, Berlin / Boston 2023, ISBN 978-3-11-078334-6, S. 1818.).
Je nach dem Grad der Entdifferenzierung weisen sie ein papilläres bis solides Wachstumsmuster auf. Männer sind häufiger als Frauen betroffen.
Ätiologie und Pathogenese mini|Urothelkarzinom der HarnblaseLichtmikroskopisches Präparat, gefärbt mit HE Der Altersgipfel liegt zwischen dem 60. und 70. Lebensjahr, wobei Männer doppelt so häufig betroffen sind wie Frauen. Für Deutschland rechnet man mit etwa 25.000 Neuerkrankungen und etwa 6.400 Todesfällen pro Jahr. In der ganzen Europäischen Gemeinschaft gibt es etwa 104.000 neue Fälle und 36.400 Todesfälle pro Jahr.
Epidemiologisch konnten folgende Risikofaktoren gefunden werden: Aristolochiasäuren chronische Entzündung aromatische Amine (Benzidin, 2-Naphthylamin) Teerprodukte (Rauchen: vierfach erhöhtes Risiko) chronischer Missbrauch von PhenacetinHans Bankl (Hrsg.): Arbeitsbuch Pathologie. Band 2+3. Facultas Verlag, 2000, ISBN 3-85076-536-9, S. 344.
Morphologie Mehr als 90 % der Urothelkarzinome befinden sich in der Harnblase. Wie die Papillome sind sie vor allem an der Blasenrückwand oder der Blasenseitenwand lokalisiert. Zudem wachsen die meisten Tumoren papillär. Dringt der Tumor in die Lamina propria ein, so spricht man von einem invasiven infiltrierenden Urothelkarzinom.
Metastasierung Die Metastasierung erfolgt frühzeitig über das Lymphsystem (lymphatisch). Erst später erfolgt eine Metastasierung über das Blutsystem (hämatogen) beispielsweise in Leber, Lungen und Knochen. Im metastasierten Zustand ist die Cisplatin-basierte Chemotherapie der derzeitige Therapiestandard. Bei einem Rezidiv nach Cisplatin-haltiger Chemotherapie wird seit 2010 das Vincaalkaloid Vinflunin empfohlen.
Ureterkarzinom Dieser maligne Uretertumor wird meist mittels einer Nephroureterektomie (auch: Ureteronephrektomie) behandelt.Willibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch, 269. Auflage, Verlag Walter de Gruyter, Berlin / Boston 2023, ISBN 978-3-11-078334-6, S. 1824. Dabei werden der betroffene Harnleiter und die zugehörige Niere operativ entfernt.
Ureterkarzinome sind nur selten primäre Karzinome. Oft gehen sie sekundär vom Nierenbecken aus. Deshalb spricht man auch von einer Abtropfmetastase.Maxim Zetkin, Herbert Schaldach: Lexikon der Medizin. 16. Auflage. Verlag Ullstein Medical, Wiesbaden 1999, ISBN 3-86126-126-X, S. 2091 f.
Urethralkarzinom Ein Karzinom der Harnröhre ist selten ein Urothelkarzinom; man spricht dann auch vom Übergangsepithelkarzinom.Linus Sebastian Geisler: Lexikon Medizin. Das Nachschlagewerk für Ärzte, Apotheker, Patienten. 4., neubearbeitete und erweiterte Auflage. Lexikon-Redaktion Elsevier GmbH München, Sonderausgabe, Naumann & Göbel Verlagsgesellschaft, Köln ohne Jahr , ISBN 3-625-10768-6, S. 701. Meistens handelt es sich um ein Plattenepithelkarzinom oder um ein Adenokarzinom. Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer. Bei Frauen erfolgt eine partielle oder komplette Urethrektomie,Günter Thiele, Heinz Walter (Hrsg.): Reallexikon der Medizin und ihrer Grenzgebiete. Urban & Schwarzenberg, Loseblattsammlung 1966–1977, 6. Ordner (S–Zz), München / Berlin / Wien 1974, ISBN 3-541-84006-4, S. U 37. bei Männern eine Penisteilamputation mit Urethrotomie.Willibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch, 269. Auflage, Verlag Walter de Gruyter, Berlin / Boston 2023, ISBN 978-3-11-078334-6, S. 1818. – Anmerkung: Hier findet sich der offensichtliche Schreibfehler Uretherektomie statt richtig Urethrektomie.
Urachus-Tumoren Gelegentlich werden auch die Tumoren des Urachus zu den Urothelkarzinomen gezählt, obwohl es sich meistens um verschleimende Adenokarzinome handelt. Urachustumoren sind seltene vom Epithel des Urachus ausgehende Neoplasmen.Günter Thiele, Heinz Walter (Hrsg.): Reallexikon der Medizin und ihrer Grenzgebiete. Urban & Schwarzenberg, Loseblattsammlung 1966–1977, 6. Ordner (S–Zz), München / Berlin / Wien 1974, ISBN 3-541-84006-4, S. U 30.
Literatur Ursus-Nikolaus Riede, Hans-Eckart Schaefer: Allgemeine und spezielle Pathologie. 4. Auflage, Georg Thieme Verlag, Stuttgart / New York 1995, ISBN 3-13-683304-X. Werner Böcker, Helmut Denk, Philipp U. Heitz (Hrsg.): Repetitorium Pathologie. Urban & Fischer, Elsevier, München / Jena 2004, ISBN 3-437-43400-4.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Bösartige Tumorbildung Kategorie:Krankheitsbild in der Urologie Kategorie:Harnblase